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Jesus Chavez vs. Erik Morales
- Der Bericht


Von Thorsten Fritsche


Am Samstag standen sich im MGM Grand in Las Vegas, Nevada, der WBC-Weltmeister Jesus Chavez (BP-Nr. 3) und sein Herausforderer Erik Morales (Foto, BP-Nr. 1) in einem Titelkampf im Superfedergewicht gegenüber. Für den 31-jährigen „El Matador“ ging es um die erste Titelverteidigung seines Gürtels, während sein Gegner, „El Terrible“, erst seinen zweiten Kampf in dieser Gewichtsklasse absolvierte, nachdem er den Weltmeistertitel des WBC im Federgewicht letztes Jahr niedergelegt hatte. Um es vorwegzunehmen: Die beiden Mexikaner lieferten vielleicht die bisher spannendste und dramatischste Ringschlacht in diesem noch recht jungen Boxjahr.

Der Titelverteidiger ging zu Beginn der ersten Runde direkt in den Vorwärtsgang und versuchte an seinen vier Jahre jüngeren Landsmann, der als klarer Favorit in den Kampf ging, heranzukommen. Morales hatte sich offensichtlich dazu entschlossen, lang zu bleiben und seine Reichweitenvorteile zu nutzen. Dies gelang ihm jedoch nur bedingt, da er zu statisch agierte und Chavez (Foto) ein erstaunliches Tempo vorlegte, bei dem es zweifelhaft erschien, dass beide Boxer dies über zwölf Runden würden durchhalten können. Zunächst tauschte man vor allem Führhände aus, aber im letzten Drittel kam Chavez mit mehreren Haken durch, die deutlich Wirkung bei Morales hinterliessen und es sah fast so aus, als läge eine Überraschung in der Luft. Doch „El Terrible“ konnte sich durch geschicktes Klammern und einige Konter aus der brenzligen Situation befreien und schaffte es in die Pause. In der zweiten Runde kam Morales dann stark zurück und konnte mehrere Aufwärtshaken anbringen, von denen einer den Weltmeister schließlich zu Boden schickte. Dieser stand bei acht zwar wieder auf den Füssen, musste aber später in einem Schlaghagel nochmals runter und es sah nun so aus, als ob der Kampf vorzeitig zugunsten des Herausforderers enden würde. Doch auch Chavez gelang es, bis zum rettenden Gong durchzuhalten.

In den nachfolgenden Runden agierte Morales von den Ringseilen aus und ließ Chavez auf sich zukommen, wobei beide Boxer vor allem Wirkungstreffer anzubringen versuchten und sich ein unerbittlich geführtes Gefecht entwickelte, das meist in der Halbdistanz und im Infight geführt wurde. Während der Titelverteidiger in Runde drei einen Cut am Mund und über dem linken Auge davontrug, öffnete sich in Durchgang vier ein tiefer Riss über dem rechten Auge seines Kontrahenten, weshalb Ringrichter Vic Drakulich den Kampf kurz anhalten und die Wunde vom Ringarzt untersuchen ließ. Zum Glück konnte der Kampf aber fortgeführt und der Cut in der Ringpause unter Kontrolle gebracht werden. Trotzdem schien die Ecke des Herausforderers ihrem Schützling geraten zu haben, den KO zu suchen, um einen Verletzungsabbruch zu vermeiden, denn in Runde fünf versuchte Morales wieder Aufwärtshaken zu landen, mit denen er zuvor schon harte Treffer hatte erzielen können. Chavez hingegen bearbeitete vor allem den Körper seines Gegners.

In der zweiten Hälfte der Auseinandersetzung wurde zusehends auffälliger, dass „El Matador“ nur noch mit der linken Hand schlug, während er den rechten Arm eng am Körper hielt und fast ausschließlich für die Defensive nutzte. Trotzdem gelang es ihm, Morales stets unter Druck zu setzen, der vor allem den linken Haken zum Kopf immer wieder nehmen musste und nun deutlich weniger Aufwärtshaken schlug.

Die Mehrzahl der Runden sechs bis elf waren sehr knapp und es stellte sich die Frage, für welchen der beiden Boxer man den jeweiligen Durchgang werten wolle: zugunsten des Weltmeisters, der beinahe pausenlos im Vorwärtsgang agierte und linke Haken schlug, oder für den Herausforderer, der die größere Zahl klarer Treffer landen konnte, aber taktisch ungeschickt erschien, da es ihm nicht gelang, aus der Distanz zu boxen. Erst die letzte Runde verlief wieder deutlicher zugunsten von Morales (Foto), der nochmal das Tempo erhöhte. Jedoch konnte keiner der beiden Akteure mehr einen Wirkungstreffer anbringen. Trotzdem wäre Chavez beinahe nochmals zu Boden gegangen, allerdings nur durch den eigenen linken Haken, den er weit an seinem Gegner vorbei schlug, wobei ihn der Schwung fast von den Füßen holte.

Nach Ende der zwölften Runde mussten die Punkrichter über den Sieger des Gefechts entscheiden, das, wie sich später herausstellen sollte, nicht nur in den Gesichtern beider Boxer deutliche Spuren hinterlassen hatte: Der unterlegene Jesus Chavez wurde direkt im Anschluss an den Kampf in ein Krankenhaus gebracht, da er sich bereits in Durchgang zwei die rechte Schulter ausgekugelt hatte, was seine einarmige Kampfesweise erklärt , während sich Morales in der fünften Runde die rechte Hand gebrochen hatte. Letztlich werteten die Punktrichter mit 118:108, 117:109 und 115:112 einstimmig auf Sieg für „El Terrible“ Erik Morales, der damit neuer Weltmeister im Superfedergewicht nach Version des WBC ist. Obwohl das Ergebnis an sich auf jeden Fall in Ordnung geht, sind die ersten beiden Punktewertungen nach Meinung des Autors zu hoch ausgefallen und spiegeln nicht den tatsächlich knappen Kampfverlauf wieder.

Im Vorprogramm dieser Weltmeisterschaft verteidigte Miguel Angel Cotto (Foto, BP-Nr. 7) aus Puerto Rico seinen WBC-Titel des Internationalen Meisters im Superleichtgewicht gegen Victoriano Sosa aus der Dominikanischen Republik. Dabei übernahm der inzwischen hoch gehandelte 23-jährige Cotto ab der ersten Runde die Initiative und baute den Kampf zunächst über die schnelle Führhand auf, ließ aber schon bald erste Kombinationen folgen. Kurz vor Ende der Runde traf er seinen 29-jährigen Kontrahenten mit einem knackigen linken Haken gefolgt von mehreren Kombinationen, die sichtbar Wirkung hinterließen. Der zweite Durchgang verlief deutlich ausgeglichener, wobei Sosa vor allem in den letzten Sekunden gute Treffer landen konnte. Jedoch gehörte Runde drei wieder eindeutig Cotto, der erneut mehrmals hart durchkam. In Runde vier stellte sich Sosa zum Schlagabtausch, was zwar mutig, aber nicht besonders klug war, denn ein linker Aufwärtshaken des Favoriten schickte ihn Mitte des Durchgangs auf die Bretter. Sosa konnte den Kampf zwar fortsetzen, doch Cotto setzte nach und erzielte einen weiteren Niederschlag durch eine linken Gerade. Ringrichter Kenny Bayless ließ den Boxer aus der Dominikanischen Republik das Duell erneut weiterboxen, obwohl dieser recht wackelig auf den Beinen schien. Cotto beendete den inzwischen ungleichen Kampf jedoch sofort mit einem Schlaghagel, der einen dritten Bodenbesuch und den Abbruch durch Bayless zur Folge hatte.

In einem weiteren Kampf im Rahmen der Veranstaltung absolvierte Julio Cesar Chavez Jr., der 18-jährige Sohn der gleichnamigen Box-Legende aus Mexiko, seinen bisher fünften Profikampf im Superleichtgewicht gegen den US-Amerikaner Oisin Fagan über vier Runden und erzielte einen verdienten Punktsieg. Dabei gelang ihm im dritten Durchgang ein sehenswerter Niederschlag.


 
     

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