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Cotto vs. Branco - Der Bericht
von Thorsten Fritsche
Nach dem
harten Gefecht gegen Ricardo
Torres (BP-Nr. 12) im September des vergangenen
Jahres waren einige Zweifel an der Klasse des WBO-Weltmeister im Superleichtgewicht,
Miguel
Angel Cotto (Foto, BP-Nr. 4), laut geworden. Er
kassiere zu viele Schläge und seine Nehmerfähigkeiten würden
daher früher oder später nachlassen. In der Tat hatte der Champion
gegen Torres mehrere kritische Moment zu überstehen und auch in einem
Gefecht zuvor gegen den US-Amerikaner DeMarcus
Corley (BP-Nr. 7) hatte Cotto bereits Schwächen
offenbart. Vor seiner neuerlichen Titelverteidigung am Samstag im Coliseo
Ruben Rodriguez in Bayamon, Puerto Rico, lag daher schon fast ein wenig
die Erwartung auf die Bestätigung dieser Zweifel in der Luft. Ob
aber Gianluca
Branco (BP-Nr. 13) als Herausforderer der richtige
Mann sei, um die Schwachstellen Cottos endgültig aufzuzeigen, mochte
im Vorfeld in Frage gestellt werden, denn 19 KOs bei 36 Siegen ließen
nicht unbedingt einen Knockouter vermuten, auch wenn Italiener zuletzt
vier vorzeitige Siege in Folge hingelegt hatte.
Cotto schien sich der Tatsache bewusst zu sein, dass es an diesem Abend
zu überzeugen galt. Er begann zunächst verhalten, ging aber
in die Offensive und schlug häufig zum Körper. Der Italiener
wirkte hingegen etwas steif und vor allem in Runde eins unschlüssig,
wie er vorgehen sollte. Zunächst arbeiteten beide Kämpfer viel
mit dem Jab, oft gleichzeitig. Doch mit fortschreitender Kampfdauer brachte
der Puertoricaner dann immer regelmäßiger seine traditionell
stärkste Waffe, den linken Haken, ins Ziel. Branco hielt dagegen
und schien gewillt, den Schlagabtausch in der Halbdistanz anzunehmen,
obwohl er die deutlich längere Reichweite auf seiner Seite hatte.
Dabei zeigte sich jedoch recht schnell, dass sein Gegner ihm an Schlagkraft
überlegen war.
In Runde
drei beeindruckte der Italiener kurzzeitig mit einer schnellen Kombination,
jedoch machte er noch immer einen angespannten Eindruck und schüttelte
wiederholt die Arme, als ob sie steif seien. Cotto antwortete mit einer
eigenen Kombination und traf in der Folge immer wieder mit zweifach geschlagenen
linken Haken zu Kopf und Körper. Auch in Durchgang vier landete der
Titelverteidiger die besseren und häufigeren Treffer, so unter anderem
einen Aufwärtshaken, der Branco kurz zu beeindrucken schien. Vor
allem hinterließ Cotto jedoch den Eindruck, als habe er im Training
intensiv an seiner Defensive gearbeitet. Es gelang ihm, die überlegene
Führhandarbeit seines Gegners zu neutralisieren und deutlich geschlossener
die Distanz zu überbrücken, als dies in seinen letzten Kämpfen
der Fall war. So war es nur folgerichtig, dass sich der Weltmeister zu
diesem Zeitpunkt bereits eine klare Überlegenheit herausgeboxt hatte.
In Runde fünf stießen die beiden Kontrahenten mit den Köpfen
zusammen, was zu einer kleinen Platzwunde an Brancos Kopf führte.
Der Italiener beschwerte sich zwar bei Ringrichter Luis Pabón,
doch dieser entschied, dass der Zusammenstoß unbeabsichtigt gewesen
sei. Der Herausforderer revanchierte sich dafür mit einer Links-Rechts-Kombination,
seine beste im ganzen Kampf, die jedoch keinerlei Wirkung bei Cotto hinterließ.
In den Runden sechs und sieben traf Branco dann regelmäßiger,
doch der Weltmeister blieb auch weiterhin der überlegene Mann. Zwar
gelang es ihm nicht, seinen Gegner anzuklingeln, obwohl er immer wieder
voll traf. Doch die zweifellos harten Schläge hinterließen
jetzt deutliche Spuren in Brancos Gesicht. Das rechte Auge und die rechte
Kieferseite schwollen stark an. Zudem konnte man der Mimik des Italieners
deutlich ansehen, dass es ihm immer schwerer fiel, die harten Treffer
des Weltmeisters, insbesondere die zum Körper, wegzustecken. Der
Kampf war zu diesem Zeitpunkt recht einseitig geworden.
In
Durchgang acht kam dann das endgültige Aus für den Herausforderer.
Mit dem Rücken an den Seilen stehend, musste er mehrere Körpertreffer
nehmen. Als ein linker Haken auf seine rechte Schulter krachte, drehte
sich Branco mit schmerzverzerrtem Gesicht ab und der Ringrichter ging
dazwischen, um das Gefecht zu beenden. Bereits zuvor hatte der Italiener
an dieser Stelle Wirkung gezeigt. Nach 49 Sekunden in der achten Runde
war Cotto (Foto) somit zum sechsten Mal in Folge vorzeitiger
Sieger. Die überzeugende Vorstellung, die der Weltmeister nach der
zuletzt geringen Erwartung an ihn brauchte, war gelungen. Doch mit dem
nächsten Kampf gilt es, sich erneut zu beweisen. Dazu kommt es am
10. Juni im New Yorker Madison Square Garden, wenn der Lokalmatador Paul
Malignaggi (BP-Nr. 14) als Herausforderer auf Miguel
Angel Cotto wartet.
Dienstag,
07. März 2006
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