Zurück
Forum
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Oscar De La Hoya
vs.
Floyd Mayweather
- Der Bericht


von Benni Vivacqua


Am Samstagabend trafen im MGM Grand Hotel & Casino in Las Vegas, Nevada, die beiden US-Amerikaner Oscar De La Hoya und Floyd Mayweather Jr. (Foto oben) aufeinander. Es ging in diesem seit langem herbeigesehnten Showdown um weit mehr als um De La Hoyas WBC-Titel im Superweltergewicht, sollte der Kampf doch Klarheit bringen bezüglich der Legitimation von Mayweathers Anspruch, die P4P-Nr. 1 des Sports zu sein.

Nach monatelangen Anfeindungen auf Pressekonferenzen und in einer eigens für den Kampf inszenierten mehrteiligen Doku-Soap, mussten am Samstag den jeweiligen Versprechungen Taten folgen. Mayweather galt im Vorfeld als kaum bezwingbarer Favorit gegen seinen berühmten Gegner, der trotz intensiver Vorbereitung von nicht wenigen als Teilzeitboxer betrachtet wird, da er in den letzten Jahren weniger Zeit in seine Boxkarriere als in den Aufbau seines Promoter-Imperiums "Golden Boy Promotions" steckte, unter deren Flagge der Kampf auch veranstaltet wurde.

Mayweather hatte den eindeutig besseren Start in den Kampf. Der 30-Jährige landete in der ersten Runde einige Jabs zu Kopf und Körper sowie eine gute Rechte an De La Hoyas Kinnwinkel. Dieser kam selbst zu keinen nennenswerten Aktionen, gelang es ihm doch im Eröffnungsdurchgang nicht, den auf schnellen Beinen umhertänzelnden "Pretty Boy" zu stellen.

In den Runden zwei bis vier gelang es De La Hoya jedoch besser, dem Kampf seinen Stempel aufzudrücken. Durch geschicktes Abschneiden der Wege manövrierte er seinen Kontrahenten einige Male pro Runde an die Seile, wo er Schlagserien losließ. Zwar trafen viele dieser Versuche ins Leere, doch einige Schläge fanden ihr Ziel und brachten den zuvor sehr selbstsicheren Mayweather aus dem Konzept. Unentschlossen, ob er sich dem Schlagabtausch stellen oder wegtänzeln sollte, überließ er die Kampfführung De La Hoya und kam seinerseits zu wenig zählbaren Resultaten. Vor allem sein Paradeschlag, der linke Haken, wurde von De La Hoya in dieser Phase hervorragend geblockt. Die Aggression und die sehr viel höhere Schlagfrequenz, die letztlich auch in einer leicht höheren Trefferanzahl resultierte, sicherten dem "Golden Boy" diese Runden.

Mayweather war nun gezwungen, die zuvor auf recht unspektakuläre Art und Weise verlorenen Runden wieder gut zu machen. Dies gelang ihm im fünften Durchgang auf eindrucksvolle Weise. Rechte wie linke Haken und auch erstmals Kombinationen landeten am Kopf De la Hoyas, der das Kampfgeschehen in dieser Phase nicht wieder an die Seile verlagern konnte. Einige Treffer Mayweathers schienen den Schützling von Trainer Freddie Roach durchaus zu beeindrucken.

Wer nun dachte, die furiose fünfte Runde hätte den Kampf zu Gunsten von Floyd Mayweather gekippt, sah sich in der Folge eines Besseren belehrt. De la Hoya (auf Foto rechts) schoss nun seinen zuvor vernachlässigten Jab heraus und trieb Mayweather wieder häufiger in die Ringecken, wo er seine Kombinationen abfeuern konnte. Wie auch in früheren Durchgängen ging vieles davon ins Leere, doch das was landete war mehr, als der in diesen Situationen überaus passive Mayweather zustande brachte. Dieser brachte seine Schläge im Gegensatz zu De La Hoya zwar deutlicher ins Ziel, doch konnten diese Einzelaktionen das Kampfgeschehen nicht genug beeinflussen, um ihm die Runden sechs und sieben zu sichern.

Von seiner Ecke aufgrund der durch Passivität verschenkten Runden zurecht gescholten, erhöhte Mayweather nun das Tempo. Es entwickelten sich zwei der interessantesten Runden des Kampfes. Ein gut in seiner Marschroute liegender De La Hoya und ein nun kampfbereiterer "Pretty Boy" lieferten sich einige Schlagabtausche, die zu sehr schwierig zu punktenden Durchgängen acht und neun führten. Mayweather war präziser, De La Hoya wesentlich aktiver. Eine kontroverse Bewertung des Kampfes ließ sich bereits zu diesem Zeitpunkt erahnen. In den Runden zehn und elf zeigte der "Golden Boy" dann deutliche Anzeichen von Ermüdung. Mayweather, dessen Ecke zu seinem großen Erstaunen von einem sehr knappen Kampf sprach, drehte nun richtig auf und gewann die beiden Durchgänge sehr souverän.

Als der Gong zur letzten Runde ertönte, stand das Gefecht auf des Messers Schneide. Zunächst schien Mayweather dort weitermachen zu können, wo er im elften Durchgang aufhörte, doch De La Hoya setzte seinerseits einige gute Aktionen und drehte in der letzten Minute noch einmal auf, was ihm die Runde gebracht haben könnte.

Vor dem Kampf schienen alle Zeichen auf einen klaren Punktsieg von Floyd Mayweather Jr. zu stehen. Wenige tippten auf De La Hoya, und wenn, dann auf einen KO-Sieg. Niemand rechnete ernsthaft damit, dass der "Golden Boy" seinerseits eine Chance auf einen Punktsieg haben könnte. Die Addition der Runden sollte die Zweifler eines Besseren belehren. Unter dem Jubel eines Großteils der knapp 17.000 Zuschauer wertete der erste Punktrichter mit 115:113 für Oscar De La Hoya. Seine Kollegen favorisierten dann allerdings Mayweather mit 115:113 und 116:112, was dem "Pretty Boy" einen geteilten Punktsieg einbrachte, der vom Publikum mit anhaltenden "Bullshit-Bullshit"-Rufen quittiert wurde. Der Autor des Berichts wertete den Kampf 115:113 für De La Hoya, der somit unter zumindest diskutablen Umständen seinen Titel verlor.

Die mutmaßliche P4P-Nr. 1 Floyd Mayweather Jr. gewann die ihm zugesprochenen Runden äußerst klar und deutlich, was sich in der bei HBO veröffentlichten Kampfstatistik in einem einem großen Treffervorsprung manifestierte. De La Hoya gewann seine Runden wesentlich knapper, aber er gewann sie. Da bei den Profiboxern, anders als bei den Amateuren, bekanntlich die Mehrzahl der gewonnen Runden über Sieg und Niederlage entscheidet, erwies sich das bloße Addieren der Treffer über den gesamten Kampf hinweg als irrelevante Größe.

Ein knapper Ausgang zu Gunsten von Mayweather (wie geschehen), jedoch auch ein ein knapper Sieg zu Gunsten De La Hoyas sind beides vertretbare Ergebnisse, die die verschiedenen Wertungsphilosophien reflektieren, die einem Boxkampf zugrunde liegen können. Setzt man seinen Fokus auf Präzision oder Quantität, auf Verteidigungskünste oder Aggression?

Die Frage nach dem korrekten Ausgang des Kampfes mag strittig sein, doch wie sind die im Ring gezeigten Leistungen zu bewerten? Der boxende Geschäftsmann De La Hoya ist definitv über seinen Zenit hinaus. Mit seinem unbändigen Willen gelang es ihm jedoch, den gewichtsübergreifend mutmaßlich besten Boxer der Welt auch im offiziellen Ergebnis an den Rand einer Niederlage bringen. Dies spricht nicht für Floyd Mayweather Jr., der in diesem Kampf vieles schuldig blieb. Im Interview nach dem Kampf sprach er von einem abgelieferten "Meisterstück" und verkündete aufgrund fehlender würdiger Gegner seinen Rücktritt. "Ich habe einfach nichts mehr zu beweisen!". - Wirklich nicht, Floyd? Was ist mit Miguel Cotto, Ricky Hatton, Antonio Margarito und einigen anderen Gegnern, die mit ihm seit Jahren um die Vorherrschaft im Superleicht- und Weltergewicht konkurrieren? Sollen sie sich als geschlagen betrachten, ohne die Chance gehabt zu haben, gegen Mayweather antreten zu können?

Mayweather muss die oben genannten Gegner nicht fürchten, doch sie haben eine legitime Siegchance gegen den "Pretty Boy". Und solange diese Angelegenheiten nicht im Ring erledigt werden, wird Mayweather weiterhin auf das verzichten müssen, was ihm doch so wichtig ist, nämlich den uneingeschränkten Respekt der Fans und Experten. Diesen wird er sich durch weitere Kämpfe erarbeiten müssen. Sein inhaltsleerer Rücktritt, welcher wenige Stunden nach Verkündung bereits widerrufen wurde, bringt ihm dagegen nicht einmal ein Plus an Aufmerksamkeit. Mayweather hat es selbst in seinen überaus talentierten Fäusten, wie seine Karriere irgendwann bewertet werden wird. Um seinen eigenen Ansprüchen zu genügen, wird er noch einige große Kämpfe abliefern müssen.

Die Scorecard des BoxingPress-Autors
Runden
De La Hoya
Mayweather
1
9
10
2
10
9
3
10
9
4
10
9
5
9
10
6
10
9
7
10
9
8
9
10
9
10
9
10
9
10
11
9
10
12
10
9
Gesamt
115
113


Montag, 07. Mai 2007


 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2007 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.de veröffentlicht werden.
 

All photos ALLSPORT / AFP / ROGER WILLIAMS / SECONDSOUT.COM / KURT SAYGIN - BoxingPress ist um vollständigen Urhebernachweis auf seinen Internetseiten bemüht. Sollte sich auf einer unserer Seiten dennoch eine ungekennzeichnete, aber durch Copyright eines Dritten geschützte Graphik befinden, so konnte das Copyright von uns nicht festgestellt werden. Sollte Bildmaterial einmal nicht mit einem entsprechenden Urhebernachweis ausgezeichnet sein, bitten wir den Betreffenden, sich bei der Redaktion zu melden. Im Falle einer solchen unbeabsichtigten Copyrightverletzung werden wir das entsprechende Objekt nach Benachrichtigung aus der Internetseite entfernen bzw. mit dem entsprechenden Copyright kenntlich machen.
GOWEBCounter by INLINE