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Abazi verteidigt EM-Titel erfolgreich, Larsen auf EM-Kurs
von Dan Bruun


Bei der Team-Palle Veranstaltung am Freitag abend in Viborg, Dänemark, konnte der dänische Europameister Spend Abazi (Foto) seinen EM-Titel im Bantamgewicht mit einem knappen Punktsieg gegen den Pflichtherausforderer und unbesiegten Dimitri Kirilov erfolgreich verteidigen. Es war ein ausgeglichenes Gefecht, in dem Abazi in den ersten Runden nur knapp die Oberhand behielt. Ab der vierten Runde begann die Nr.1 der WBC im Juniorbantamgewicht seine Schnelligkeit auszuspielen. Abazi kontrollierte die folgenden Runden bis einschließlich zur siebten, dann folgte jedoch die Glanzzeit von Kirilov.

Abazi hatte vor diesem Kampf noch nie mehr als sechs Runden geboxt, und es schien, als ob der Europameister arge konditionelle Probleme in der achten und neunten Runde hatte. Kirilov gewann die beiden Runden überlegen und der Europameister musste viele harte Treffer einstecken. Nach der neunten Runde waren die beiden Kontrahenten auf der BoxingPress-Punktzettel punktgleich.

Was mit Abazi in der Pause zwischen Runde neun und zehn geschah, bleibt ein Rätsel. Fakt ist, dass er so etwas wie die "zweite Luft" bekam und wieder nach vorne marschierte. Die zehnte und elfte Runde waren sicherlich die Besten an diesem Abend von Abazi, die er auch dem entsprechend für sich entscheiden konnte. In der letzen Runde warf Kirilov alles nach vorne. Wiederholt musste der Däne viele harte Treffer hinnehmen, er schien am Rande eines KO’s zu stehen. Doch acht Sekunden vor Schluss schickte Abazi seinen Herausforderer mit einer harten Rechten völlig überraschend zu Boden. Kirilov wurde angezählt als zur selben Zeit der letzte Gong des Kampfes erklang.

Die drei Punktrichter werteten den Kampf zu deutlich mit 116-112, 115-114 und 117-111 für Abazi. Auf dem BoxingPress-Punktzettel stand am Ende 115-113 für Abazi – die letzte Runde 10:9 für Kirilov, der klar der bessere Mann war, aber zu Boden musste und deshalb einen Punkt abgezogen bekam. Der 23-jährige Abazi, der erst vor einem Jahr vom ärgsten Palle-Konkurrenten, dem Promotor Vester, in den Team Palle-Stall wechselte, darf jetzt von einem WM-Kampf träumen. Bei Vester boxte Abazi im Federgewicht (!) und dies war sein fünfter Kampf für Team Palle – davon 3 EM-Kämpfe.

Mads Larsen (Foto) musste über die volle Distanz von acht Runden gegen Joe Siluvangi gehen, den letzten Gegner von Thomas Ulrich. Larsen war haushoch überlegen und konnte jede Runde klar für sich entscheiden. Dabei sah der dänische "Golden Boy" besser aus als bei seinen letzten zwei Auftritten im Halbschwergewicht - Siluvangi dagegen sollte langsam an ein Karriereende denken. Es scheint so, als ob Larsen nach dem Wechsel in die höhere Gewichtsklasse etwas von seine alten Schlagstärke eingebüsst hat. Dennoch geht es wieder in die richtige Richtung für den 29-Jährigen.

Der geplante EM-Kampf gegen den Italiener Yawe Davis wurde auf Wunsch des Europameisters auf Mai verschoben. Larsen kann diese zusätzliche Vorbereitungszeit sicherlich erfolgreich nutzen. Das Fernziel heißt wie bei jedem Halbschwergewichtler natürlich Roy Jones Jr..

Ein Highlight des Abends war wieder ein mal das Riesentalent Mikkel Kessler (25-0, Foto). Der 23-Jährige Supermittelgewichtler und Nr. in der WBC-Rangliste dominierte seinen amerikanischen Gegner Arthur Allen (26-7) in allen Belangen. Allen präsentierte sich äußert hart im Nehmen und ging erst in der fünften Runde nach einer spetakulären Schlag-Serie zu Boden. Die Aggressivität von Kessler setzte sich in der sechsten Runde fort, in der der Ringrichter letztendlich ein Nachsehen mit Allen hatte. Kessler, das unbestrittene Juwel von Team-Palle, braucht jetzt allerdings einige härtere Brocken als die Arthur Allens dieser Welt. Der Grund, dass der junge Däne bisher noch keinen grossen Namen geboxt hat, ist darin zu suchen, dass Kessler bereits einige male in eine höhere Gewichtsklasse wechseln musste. Doch der gestrige Kampf bestätigte eindrucksvoll auf's Neue, dass Kessler reif ist für die größeren Aufgaben.

Dicht vor einem WM-Kampf steht der dänische Weltergewichtler Thomas Damgaard. Damgaard, WBA-Nr. 2, WBC-Nr. 4 & IBF-Nr. 4., gewann gegen Wilfredo Ruiz durch TKO in Runde zwei. Ruiz, der seit einem Jahr nicht geboxt hatte, hätte sein Comeback lieber bleiben lassen sollen. Der Kolumbianer war völlig überfordert, und es ist fraglich, was Damgaard aus einen solchen Kampf lernen kann. Da Damgaard aber bei den verschiedenen Verbänden gut platziert ist, will man offensichtlich keine Niederlage mehr riskieren.

Eine Niederlage wollte auch ein anderes Talent, der Norweger Anders Styve (7-0), mit seinem belgischen Kontrahenten Bendele Ilunga (11-3) nicht riskieren – wurde aber eines Besseren belehrt. Styve hatte bereits in der ersten Runde große Probleme mit dem Belgier. Der Norweger konnte nicht die richtige Distanz zu seinem Gegner finden, und in der zweiten Runden schickte Ilunga Styve sensationell zu Boden. Styve taumelte schwer angeschlagen durch den Ring und wurde ausgezählt. Ilunga gelang damit die Überraschung des Abends. Der Norweger, der bereits in seiner sehr jungen Profikarriere Ex-Weltmeister Phillip Holiday und Jonathan Corn geschlagen hat, muss jetzt wohl wieder von vorn anfangen.

Ein anderes nennenswertes Resultat der Team-Palle-Veranstaltung war das Debüt des ehemaligen WBC-Herausforderers im Halbmittelgewicht, Mikael Rask, der zuvor bei Promotor Vester unter Vertrag stand und gestern erstmals für Palle boxte. Rask fand in dem harten Briten Scott Dixon eine echte Herausforderung vor. Die beiden lieferten sich eine wahre Ringschlacht über acht Runden, ehe Rask als Punktsieger den Ring verlassen konnte. Außerdem gewann die neue dänische Schwergewichtshoffnung Steffen Nielsen (14-0) im Langeweiler des Abends gegen den Amerikaner Willie Chapman nach Punkten.

Alles im allem ein gelungener Abend in Viborg – am 19. April wartet in Kopenhagen das WBA-WM Duell im Bantamgewicht zwischen Eidy Moya und Johnny Bredahl, der als erster Däne überhaupt den WM-Titel bei einem der drei großen Verbände gewinnen will.

 

 

 
     

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