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La Hoya vs. Gatti - Die Vorschau
von Ole Tjaden

Endlich ist
es soweit. Nach vielen Verhandlungen und diversen Gerichtsterminen kommt
es am Samstag in Las Vegas zum ultimativen Showdown im Weltergewicht.
Oscar de la Hoya, der "Golden
Boy", trifft in einem Nicht-Titelkampf über 12 Runden auf Arturo
"Thunder" Gatti.
Im Vorfeld
des Kampfes gab es massive Probleme, die ein Zustandekommen dieser Begegnung
lange Zeit fraglich erschienen ließen. Oscar de la Hoya wechselte
nach seinem Ausflug in das Musikgeschäft sowohl seinen ehemaligen Promoter
Bob Arum (Top Rank) als auch seinen Trainer Roberto Alcazar.
Neuer Trainer De la Hoyas wurde Floyd Mayweather Sr., Vater von
Floyd "Pretty Boy" Mayweather. Weil De la Hoya noch einen laufenden Vertrag
bis zum Jahr 2003 mit dem amerikanischen Fernsehsender HBO (Home Box Office)
hatte, welcher einen Promotion-Vertrag mit Bob Arum implizierte, musste
er sich seinen Kampf gegen Arturo Gatti vor Gericht erstreiten. Letztendlich
einigten sich jedoch HBO und De la Hoyas neuer Promotor Jerry Perenchio
(Co-Promotor Muhammad Ali vs. Joe Frazier 1) und seine Firma Univision
Sports, so dass der Kampf nun doch von HBO übertragen wird. Diese Probleme
hatte Arturo Gatti nicht. Er erlebte im Vorfeld des Kampfes dafür eine
persönliche Krise, als er vom Tod seines langjährigen Freundes und Konditionstrainers
Bob Waring erfuhr.
Arturo Gatti
(geboren am 15.4.1972) begann seine Profikarriere am 10.Juni 1991. Er
gewann seine ersten sechs Kämpfe (vier davon durch KO), bevor er im November
1992 überraschend gegen King Solomon nach Punkten unterlag.
Nach diesem ersten Rückschlag in seiner noch jungen Laufbahn gewann er
die nächsten 23 Kämpfe in Folge, davon 19 durch KO, 10 sogar in der ersten
Runde. Seinen ersten Titel gewann Gatti am 28.Juni 1994 mit einem Erstrundensieg
über den damaligen USBA-Champion Pete Taliaferro.
Nach zwei
erfolgreichen Titelverteidigungen und drei weiteren Siegen forderte Gatti
den damaligen IBF-Leichtgewichts-Weltmeister Tracy
Harris Patterson (Adoptivsohn des ehemaligen Schwergewichtschampions
Floyd Patterson) heraus.
Am 15.Dezember 1995 hieß nach 12 Runden der neue IBF-Champion im Leichtgewicht
Arturo Gatti.
Am
15.März 1996 verteidigte Arturo Gatti seinen Titel zum ersten Mal, sein
Gegner war der Spanier Wilson Rodriguez. Dieser Kampf sollte als
einer der aufregendsten Kämpfe in die Geschichte des Boxens eingehen.
Im Madison Square Garden kam es zu einem Fight, der die Zuschauer von
der Stühlen riss. Sie konnten nicht glauben, was sie im Ring sahen. Dies
war der Kampf, der bis heute den Kultstatus des Arturo Gatti begründet.
Erwähnenswert
war auch sein Kampf gegen Gabriel
Ruelas, den Gatti nach einem äusserst verbissen geführten Gefecht
in der fünften Runde ausknockte, nachdem er selbst stark angeschlagen
war. Weiterhin sein Kampf gegen Angel
Manfredy, den er wegen verletzungsbedingtem Abbruch in der achten
Runde durch TKO verlor, und seine zwei legendären Ringschlachten mit Ivan
Robinson, die er beide umstritten nach Punkten verlor.
Nach diesen
drei Niederlagen in Folge legte Gatti erst einmal eine knapp einjährige
Pause ein, um über den Fortgang seiner Karriere nachzudenken. In seinem
Comeback-Kampf am 14. August 1999 traf Gatti auf einen völlig überforderten
Reyez Munoz, den er in der ersten Runde ausknockte.
Danach sollte
er am 26. Februar 2000 gegen den relativ stark eingeschätzten Joey
Gamache boxen. Wie sich jedoch herausstellte, war Gamache in dem Kampf
völlig überfordert und wurde in der zweiten Runde brutal ausgeknockt,
nachdem er in der ersten Runde schon schwer angeschlagen war. Meiner Ansicht
nach war das der Knockout des Jahres 2000. Dazu muss gesagt werden, dass
Gatti mit ca. 6 kg mehr Gewicht als Gamache in den Ring stieg. Um das
Gewicht am Tag des Wiegens einzuhalten, verzichtete Gatti einige Tage
vorher auf die Einnahme von Flüssigkeit und kam somit völlig dehydriert
auf die Waage.
Seinen ersten
Kampf im Weltergewicht bestritt Arturo schließlich am 29. April
2000 gegen Erik Jakubowski. Der Kampf war ein absolutes Mismatch
und hätte niemals zu Stande kommen dürfen. Die Veranstalter hätten aus
den Erfahrungen aus dem Gamache-Fight lernen müssen, glücklicherweise
ging Jakubowski weniger schwer KO als sein Vorgänger.
Seinen letzten Kampf bestritt Arturo in Montreal gegen Joe Hutchinson.
Nach einem Kopfstoss von Hutchinson in der zweiten Runde, der Arturo einen
Cut zufügte, und Erinnerungen an den Manfredy-Kampf wachwerden liess,
kämpfte er tapfer weiter und gewann den nicht immer sauber geführten Kampf
nach Punkten.
Es
gibt derzeit wohl kaum einen kompromissloseren Boxer als Arturo Gatti.
"Thunder" würde niemals einen Kampf freiwillig aufgeben, gleichgültig
wie hoffnungslos eine Siegchance auch erscheinen mag. Er kämpft ohne Rücksicht
auf seine Gesundheit. Seine Anfälligkeit für Schwellungen und Cuts ist
mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden ("He comes swollen
in the ring and starts bleeding through the introduction.").
Ein bekannter deutscher Boxtrainer würde dazu wahrscheinlich sagen "...das
ist kein Boxen für mich.". Gatti's Art zu boxen ist aber eben der
Stil, wie ihn die Amerikaner lieben. Zum Boxen gehört auch der Kampf und
der unbedingte Wille zum Sieg. Qualitäten, welche Arturo Gatti seit Jahren
auszeichnen, und welche ihn zum absoluten Liebling der Fans weltweit gemacht
haben. Arturo ist allerdings kein reiner "Schläger": Wenn der Kampf es
erfordert, und sein Adrenalin nicht überkocht, kann Gatti auch mit einer
guten Technik und Deckung (zum Teil im Stile eines Pernell
Whitaker) boxen.
Diese Qualitäten wird er in seinem Kampf gegen De la Hoya auch benötigen.
Er wird es sich nicht erlauben können, ohne eine gute Deckung gegen Oscar
in den Ring zu steigen.
Oscar
de la Hoya begann im Alter von sechs Jahren mit dem Boxen und setzte
damit die beim Grossvater Vincente de la Hoya angefangene, über
den Vater Joel Sr. gehende Familientradition fort. Sein grösster
Erfolg als Amateur war der Sieg über Marco
Rudolph im Finale der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Seit
diesem Tag trägt er den Kampfnamen "The Golden Boy".
Nach
seinem Wechsel ins Profilager bekam Oscar nach nur zwölf Kämpfen seinen
ersten Weltmeisterschaftskampf. Er knockte Jimmy Bredahl in der
zehnten Runde aus und wurde WBO-Juniorleichtgewichts-Champion. Im Laufe
der Jahre holte er sich Titel in vier verschiedenen Gewichtsklassen und
boxte gegen so namhafte Gegner wie Julio
Cesar Chavez, Hector Camacho,
Genaro Hernandez, Rafael
Ruelas, Pernell Whitaker,
Ike Quartey, Oba
Carr oder John John Molina.
Sein gutes
Aussehen und seine freundliche Art machten Oscar de la Hoya im
Laufe der Jahre zu einem Liebling der Medien (besonders zu einem Liebling
der Frauen) und zu einem der populärsten Boxer überhaupt. Es gab nicht
wenige, die ihm seine Medienpräsenz und sein "Schwiegersohn"-Image
neideten. Seine Fähigkeiten im Ring waren jedoch immer unumstritten.
Seine erste
Niederlage musste der "Golden Boy" nach einem umstrittenen Punkturteil
gegen Felix "Tito" Trinidad
einstecken. Hätte Oscar in dem Kampf eine andere Taktik gewählt, als die
letzten Runden nur vor Trinidad wegzulaufen, hätte er den Kampf nach Punkten
durchaus gewinnen können (oder er wäre ausgeknockt worden).
Nach
dieser Niederlage - seiner ersten - traf Oscar am 26.Februar 2000 auf
Derrell Coley, den er völlig
dominierte, um ihn dann schließlich in der siebten Runde auszuknocken.
Nach diesem "Aufbaukampf" kam es am 17.Juni 2000 zum Showdown im Weltergewicht.
Oscar de la Hoya traf auf Shane Mosley.
Nachdem De la Hoya die Anfangsrunden dominieren konnte, wendete sich das
Blatt und Mosley gewann den Kampf klar und unumstritten nach Punkten.
Nach dieser
deutlichen Niederlage widmete sich Oscar de la Hoya erst einmal seiner
Showkarriere. Er nahm eine Latino-Schmusepop-CD auf und stellte das Boxen
erst einmal zur Seite. Lange Zeit war es fraglich, ob Oscar überhaupt
jemals wieder in den Ring zurückkehren würde. (Anmerkung: Ich habe einige
Lieder seiner CD gehört und kann nur sagen, es ist besser, dass er sich
jetzt wieder dem Boxen widmet...)
Dass Oscar
De la Hoya sich für seinen Comeback-Kampf ausgerechnet Arturo Gatti ausgesucht
hat, ehrt ihn. Oscar war schon immer ein Mann, der keinem Boxer aus dem
Weg gegangen ist. Dieser Kampf wird eine Standortbestimmung für ihn werden:
Wozu ist er noch in der Lage?
Prognose:
Arturo Gatti geht als klarer Aussenseiter in diesen Kampf. Von den meisten
Experten wird ein Punktsieg De la Hoya`s oder ein Abbruchsieg durch Verletzung
erwartet.
Für Arturo Gatti spricht jedoch die Tatsache, dass er im Weltergewicht
keine Probleme mehr hat sein Gewicht zu bringen und somit eventuell mit
noch mehr Punching-Power in den Ring steigen wird. Wenn er außerdem noch
in der Lage ist seine Deckung einigermassen oben zu halten, warum sollte
ihm dann kein Überraschungssieg gelingen?
Eines ist
auf jeden Fall garantiert: Es wird ein actiongeladener Kampf werden. Dafür
steht der Name Arturo Gatti.
Ole
Tjaden ist begeisterter Boxfan und arbeitet im Ruhrgebiet. Für
Boxingpress Deutsch gibt er exklusiv einen Einblick in die Karrieren zweier
absoluter Ausnahmeboxer. Der langjährige Beobachter der
deutschen und internationalen Boxszene leitet selbst eine Internetseite,
die treffenderweise den folgenden Namen trägt:
www.arturogatti.de
Die Meinungen von Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wieder.
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