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Sensation:
Mayorga knockt Forrest aus!
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Die
BoxingPress-Scorecard
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Runden
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Casamayor
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Campbell
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1
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Gesamt
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96
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94
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Auf
zwei der drei offiziellen Punktezettel fiel das Urteil überraschend
deutlich aus: Zwei Punktrichter sahen Casamayor unverständlich hoch
mit 98:92 und 97:93 vorn, während der dritte Mann am Ring den Kampf
mit 96:94 für den Kubaner wertete. Eine Differenz von sechs Runden
entbehrt zweifelsfrei jeder Grundlage. Dem entsprechend empört reagierte
Campbell (Foto) auf die Urteilsverkündung. Doch den talentierten
US-Amerikaner, der erst spät mit dem Boxen begann, und in Anbetracht
dessen eine beeindruckende sportliche Entwicklung vorzuweisen hat, sollte
diese Niederlage nicht zu weit zurückwerfen. Immerhin stellte Campbell
eindrucksvoll unter Beweis, dass er mit einem internationalen Klassemann
wie Joel Casamayor problemlos mithalten kann. Der Weg zu einem Titelkampf
ist nach diesem unterhaltsamen und hochklassigen Kampf sicherlich für
beide Superfedergewichtler geebnet.
Es
folgte der Hauptkampf des Abends. WBC-Weltergewichts-Champ Vernon Forrest
(Foto), nach seinen zwei Siegen über Shane
Mosley (BP-Nr.2) im vergangenen Jahr von der internationalen
Fachpresse zum "Boxer des Jahres 2002" gewählt, war angetreten,
seine ihm seither nachgesagten P4P-Qualitäten gegen den als brutalen
Schläger bekannten WBA-Weltmeister Ricardo Mayorga unter Beweis
zu stellen. Der als brillianter Techniker bekannte Forrest hatte vor seinen
Siegen gegen Mosley zwar auf eine sehr erfolgreiche Amateur-Karriere und
einen WM-Titelgewinn bei den Profis zurückblicken können, ansonsten
aber kaum nennenswerte Siege in seinem Profi-Rekord zu verzeichnen gehabt.
Doch mit seinen zwei jüngsten Erfolgen hatte sich der symphatische
31-Jährige in die Herzen der Boxfans und in die Top10 der P4P-Ranglisten
geboxt.
Von Mayorga gab es vor dessen Titelgewinn im Jahr 2002 gegen den bis dahin ungeschlagenen Andrew Lewis (BP-Nr.5) allerdings noch weit weniger zu berichten. Nach nur sechs Amateurkämpfen war der Nicaraguaner 1993 ins Profigeschäft gewechselt und hatte gleich seinen ersten Kampf vorzeitig verloren. Ende 1995 legte Mayorga eine zweijährige Pause ein und setzte sein Comeback 1998 mit zwei Punktniederlagen gegen international völlig bedeutungslose Landsmänner ebenfalls in den Sand. Doch davon scheinbar unbeeindruckt, ging der inzwischen 29-jährige weiter seinen Weg und verlor seither keinen Kampf mehr. Vielmehr fanden sich die meisten seiner Gegner kurzrundig im Ringstaub wieder.
Erste
internationale Aufmerksamkeit erregte Mayorga (Foto) Ende 2000
mit einem TKO-Sieg in Runde eins über den damals ungeschlagenen KO-Künstler
Adolfo Salazar aus Venezuela. Wohl aus diesem Grund erhielt "El
Matador", wie Mayorga in seiner Heimat Nicaragua genannt wird, Mitte
2001 seinen ersten WM-Kampf gegen Andrew Lewis. War das erste Duell der
beiden noch wegen eines unabsichtlichen Kopfstosses ohne Entscheidung
geendet, gewann Mayorga den Rückkampf im März 2002 klar durch
KO. Seiner bedingungslosen Angriffslust hatte der erfahrene Lewis überraschend
wenig entgegenzusetzen gehabt. Auf der anschließenden Pressekonferenz
hatte sich der passionierte Raucher Mayorga zur Belohnung erst einmal
eine Zigarette angesteckt und ein Bier aufgemacht. Ein Paradiesvogel par
excellence.
Trotzdem oder gerade deshalb trauten die meisten Boxfans Mayorga nach diesem Erfolg keine lange Regentschaft zu. Wie auch die internationalen Buchmacher, die den Nicaraguaner vor dem Duell mit Forrest als 1:6-Außenseiter einstuften. Daran änderten auch die vollmundigen Ankündigungen Mayorgas nichts, der sich auf den Pressekonferenzen im Vorfeld sehr redselig präsentierte und immer wieder einen klaren Knockout-Sieg ankündigte. Wie zum Beweis dafür küsste Mayorga in den Tagen vor dem Kampf bei jeder Gelegenheit seinen rechten Bizeps.
Zu erwarten war also ein typischer Kampf "Boxer vs. Puncher" - der exzellente Techniker Forrest gegen den brutalen Schläger Mayorga. Die Boxhistorie belegt, dass solche Duelle meist mit einem klaren Erfolg für den Boxer ausgehen. Doch es gibt auch Ausnahmen...
Der noch singend und bei bester Laune einmarschierende Forrest musste bereits wenige Sekunden nach dem ersten Gongschlag erkennen, dass dieser Kampf kein Spaziergang zu werden versprach. Mayorga attackierte seinen Gegner, den er im Vorfeld immer wieder als "Clown" bezeichnet hatte, mit wilden Schwingern aus den unmöglichsten Winkeln. Forrest blieb vorerst konzentriert, ließ den Nicaraguaner mit geschickten Meidbewegungen ins Leere schlagen oder laufen. Dennoch geriet der US-Amerikaner bereits in der ersten Runde nach einem linken Haken Mayorgas ins Stolpern und musste kurzzeitig zu Boden. Ringrichter Marty Denkin wertete dies zu Unrecht als Niederschlag, womit Forrest die eigentlich gewonnene Runde auf den Punktzetteln mit 8:10 an Mayorga abgab.
Der
29-jährige Mayorga zeigte auch in Runde zwei keinerlei Respekt vor der
boxerischen und körperlichen Überlegenheit seines Gegners. Sofort
drängte er den in Sachen Reichweite klar bevorteilten Forrest mit
fürchterlichen Schlagserien in den Rückwärtsgang, ohne
dabei jedoch schwere Treffer anbringen zu können. Wer nun damit gerechnet
hatte, der erfahrene Vernon Forrest würde in bester Boxer-Manier
seinen gefährlichen Gegner sich zunächst auspowern lassen, um
ihn im späteren Kampfverlauf auszuboxen, wurde überrascht: Der
US-Amerikaner hielt vehement dagegen und stellte sich dem offenen Schlagabtausch.
Forrest vertraute wohl auf seine schnelleren Hände und guten Reflexe,
was sich zunächst auch auszahlte, denn der langsamere Mayorga kassierte
in Runde zwei mehrere schwere Aufwärtshaken und weitere harte Treffer.
Forrest-Trainer Ronnie Shields war alles andere als begeistert von der geänderten Taktik seines Schützling. Noch in der Rundenpause beschwor er Forrest geradezu, sich nicht auf eine bedingungslose Schlägerei mit dem brandgefährlichen Mayorga einzulassen. Doch "Boxer" Vernon hatte jetzt den Schläger in sich entdeckt. Dies freilich zur Begeisterung der Zuschauer in der Halle und vor den Fernsehschirmen, die inzwischen nichts mehr auf den Sitzen hielt. Runde drei machte dort weiter, wo Runde zwei aufgehört hatte. Beide Boxer droschen bedingungslos aufeinander ein. Doch nun landete Mayorga mit seiner Rechten immer wieder klare Treffer, die nur noch mehr den Kampfgeist Forrests hervorriefen. Der 31-Jährige schlug umso verbissener zurück. Mitten in eine dieser Revanche-Aktionen platzierte Mayorga einen linken Haken, der Forrest in die Seile taumeln ließ. Wenig später krachte ein rechter Schwinger von "El Matador" an die Schläfe des US-Amerikaners, der die Entscheidung brachte.
Forrest ging schwer mitgenommen zu Boden, rappelte sich zwar noch einmal auf, doch seine Beine versagten ihm den Dienst. Referee Denkin zählte den Weltmeister nicht einmal mehr bis acht an, sondern brach den Kampf sofort ab. Eine im ersten Moment für Forrest und manche Zuschauer vielleicht nicht nachvollziehbare Entscheidung, doch der US-Boy wirkte zu angeschlagen, um den Kampf noch einmal eine entscheidende Wendung zu geben. Vielmehr dürfte der Ringrichter den Weltmeister vor einem schweren KO und einem verfrühten Karriereende bewahrt haben.
Derweil
kannte der Jubel im Lager des neuen Doppel-Weltmeisters keine Grenzen.
Mayorga umarmte stürmisch jeden Umstehenden und schrie seine Freude
bis in den letzten Winkel der mit 3000 Zuschauern ausverkauften Halle.
Schließlich hatte "El Matador" gerade den zweiten ungeschlagenen
Weltmeister in Folge bezwungen, und das trotz offensichtlicher boxerischer
Schwächen. Im anschließenden Interview gestand der Nicaraguaner
dies dann auch ein. "Ich habe keinen schönen Stil, aber ich
bin sehr, sehr stark," sagte Mayorga. Währendessen qualmte
der Sieger voller Freude seine erste Zigarette nach monatelanger Abstinenz.
Der unterlegene Forrest gab sich unterdessen kämpferisch: "Alle großen Champions haben mal verloren und sind dann zurückgekommen. Genau das habe ich vor." Zum Kampfverlauf erklärte der 31-Jährige: "Ich habe seinen Kampf gekämpft, weil ich mir gleich früh Respekt verschaffen wollte. Die Leute kennen mich nur als Boxer, aber ich kann auch fighten. Es hängt vom Gegner ab." Im Anschluss verwies Forrest auf eine vertraglich vereinbarte Rückkampf-Klausel, die nun aufgrund seiner Niederlage wirksam wird. Mayorgas Promoter Don King kündigte auf der Pressekonferenz jedoch an, dass sein Schützling zuvor einen weiteren Titel-Vereinigungskampf gegen den Sieger des IBF-WM-Kampfes zwischen Weltmeister Michele Piccirillo (BP-Nr.6) und Cory Spinks (BP-Nr.7) bestreiten soll.
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