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Arturo Gatti - Das Portrait
von Steffen Kuhnt

Auf der Beliebtheitsskala fast aller wirklichen Boxfans steht ein Name nahezu immer ganz oben: Arturo Gatti. Der in den USA lebende gebürtige Kanadier mit italienischen Vorfahren spricht nicht nur drei Sprachen fließend (englisch, französisch und italienisch), sondern ist auch bereits zu Lebzeiten zu einer Legende des Boxsports geworden. Allerdings sah sein Weg dorthin ganz anders aus als der einiger seiner "Kollegen", denn für die Popularität des "aufregendsten Fighter des Jahrzehnts" waren die eigentlichen Leistungen zu einem wesentlich höheren Maße verantwortlich als die letztendlichen Ergebnisse.

Wenn der "Thunder" am 24.03. auf Oscar De La Hoya, einen der größten Superstars des Boxsports, trifft, werden die Zahlen der Buchmacher und die Prognosen der Experten klar gegen ihn sprechen. Dies wird jedoch nichts daran ändern, daß die Herzen vieler Fans für ihn schlagen werden. Im Vorfeld dieses Kampfes wirft das Team von BoxingPress einen würdigenden Blick auf die bisherige Karriere eines einzigartigen Fighters.

15. Dezember 1995 - Arturo Gatti vs. Tracy Patterson I
Im ersten WM-Kampf seiner Karriere traf Gatti auf einen erfahrenen "Veteranen" - Tracy Harris Patterson. Der Adoptivsohn von Ex-Schwergewichtschampion Floyd Patterson war zu diesem Zeitpunkt amtierender IBF-Champion im Juniorleichtgewicht, während sich Arturo Gatti einen Ruf als schneller Starter und harter Puncher mit möglicherweise noch zu wenig Erfahrung für einen Titelfight erworben hatte. An diesem Abend, interessanterweise im Vorprogramm seines nächsten Gegners, Oscar De La Hoya, übertraf Arturo jedoch alle Erwartungen. Er etablierte sich sofort, zeigte gute Reflexe und eine noch bessere Führhand. In Runde 2 bekam der Champion außerdem Gattis mittlerweile wohlbekannte Schlagkraft zu spüren und wurde von einem Uppercut aus dem Bilderbuch zu Boden geschickt.

Was jedoch zunächst nach einer klaren Sache für den Youngster aussah, wurde am Ende doch noch zu einer Zitterpartie, als nämlich ein Problem, daß Gatti während seiner gesamten folgenden Karriere begleiten sollte, zum ersten Mal vor breiten Publikum offenbar wurde: Arturo's Neigung zu Cuts und Schwellungen. Gegen Mitte des Kampfes hatte Patterson überraschend seine Taktik geändert und begann damit, ansatzlose rechte Hände zu schlagen, die ihr Ziel ein ums andere Mal fanden. Schon bald begannen Gattis Augen zuzuschwellen, und die damit verbundenen Schwierigkeiten gestatteten es seinemerfahrenen Gegner, seinen Punkterückstand langsam zu verringern. Am Ende reichte es jedoch für Gatti, der damit seinen ersten und bis dato einzigen WM-Titel gewinnen konnte. Noch wichtiger war jedoch wahrscheinlich die Tatsache, *wie* er diesen Erfolg errungen hatte, nämlich mit Kämpferherz, Härte und, was heute viele Experten vergessen, guten boxerischen Fähigkeiten.

23. März 1996 - Arturo Gatti vs. Wilson Rodriguez
Sein Sieg über Patterson war eine gute Leistung - seine erste Titelverteidigung jedoch war Arturo Gattis erster Schritt auf dem Weg zur lebenden Legende. Ein heiseres Publikum, ein schwitzender Cutman, ein hyperaktiver Ringarzt und viele erfahrene Experten am Ring waren sich einig, daß das, was sie gerade erleben durften, einer der besten Fights war, die sie je gesehen hatten, wenn nicht sogar *der* beste, wie sich Erfolgstrainer Emanuel Steward zitieren ließ.

Kaum jemand hatte Gattis Gegner an diesem Abend, dem weitgehend unbekannten Spanier Wilson Rodriguez, eine wirkliche Chance eingeräumt, den aufstrebenden Gatti schlagen zu können. Davon unbeeindruckt zeigte dieser jedoch eine großartige Leistung und hielt in den ersten Minuten nicht nur mit, sondern boxte den jungen Champion auch ein ums andere Mal aus. Doch damit nicht genug, denn schon nach kaum mehr als einer Minute begann Gattis rechtes Auge in alarmierender Geschwindigkeit zuzuschwellen. Hinzu kam noch ein sauberer Niederschlag, so daß vieles darauf hindeutete, daß Gattis Stern genauso schnell wieder untergehen könnte, wie er aufgegangen war.

Heute weiß man, daß Gatti immer dann am besten und gefährlichsten ist, wenn er in großen Schwierigkeiten ist, doch damals traute das Publikum seinen Augen nicht, als es erlebte, wie sich Arturo wieder in das Match zurückfightete. Trotz der immer stärker werdenden Schwellungen im Gesicht setzte "Thunder" seinem Gegner nach und ging in den Schlagabtausch. Zwischen den erbittert ausgefochtenen Runden arbeitete Cutman Joe Souza fieberhaft am Gesicht seines Mannes, während der resolute und besorgte Ringarzt mit seinen mittlerweile legendären Worten "Cover your left eye or it's over. How many fingers?" den Zustand des Weltmeisters überprüfte. Gatti erriet die richtigen Antworten und schaffte es in den nächsten Minuten in eindrucksvoller und mitreißender Manier, seinen Gegner mit schweren Körpertreffern, von denen ein besonders gut platzierter Leberhaken zu einem Niederschlag führte, auf das vorzubereiten, was in Runde 6 kommen sollte.

Rodriguez war zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich mitgenommen von den guten Körperattacken des Champions. Aber dies verkam zur Randnotiz als Gatti jenen Schlag voll ins Ziel bringen konnte, der mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden ist: Den linken Haken. Ein Blitzschlag hätte keine größere Wirkung haben können - Rodriguez ging schwer zu Boden und kam nicht einmal in die Nähe davon, bei "10" wieder kampfbereit zu sein. Nach diesem atemberaubenden Triumph hatte Arturo Gatti nicht nur seinen Titel erfolgreich verteidigt, sondern sich auch in die Herzen einer treuen Fangemeinde geboxt, die in den folgenden Jahren immer größer werden sollte - und am Jahresende bestand unter den Experten kaum ein Zweifel darüber, welches der "Fight des Jahres" gewesen war.

22. Februar 1997 - Arturo Gatti vs. Tracy Patterson II
Etwas mehr als ein Jahr nach dem Gewinn seines WM-Titels kam es zum Rematch mit dem Ex-Champion, den Arturo Gatti seinerzeit entthront hatte. Man muß kein Genie sein, um die Absicht des erfahrenen Patterson zu erraten, denn natürlich wollte dieser dort weitermachen, wo er im Dezember 1995 aufgehört hatte, als es ihm gegen Ende des Matches gelang, den durch seine Schwellungen behinderten Gatti ein ums andere Mal in Bedrängnis zu bringen. Arturo besann sich seinerseits auf die Mittel, die ihm seinerzeit zum Erfolg verholfen hatten und begann das Match als aggressiver *Boxer*. Dennoch kam Patterson bereits früh mit einigen Wirkungstreffern durch und schickte Gatti sogar mit einem hervorragenden Körperhaken zu Boden, der zum Glück des Weltmeisters als Tiefschlag gewertet wurde.

Dieser anfängliche Erfolg des Ex-Champions entpuppte sich jedoch als Strohfeuer, denn in den verbleibenden Runden war Gatti der klar bessere Mann und gewann dieses Mal haushoch nach Punkten.

4. Oktober 1997 - Arturo Gatti vs. Gabriel Ruelas
Der Hauptkampf dieses Oktoberabends, der Erstrunden-KO von Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis gegen Andrew Golota, war eine kurze und bündige Sache, dennoch war keiner der Zuschauer war am Ende der Veranstaltung enttäuscht. Der Grund dafür hatte einen Namen: "Gatti".

In seiner, wie sich herausstellen sollte, letzten Titelverteidigung traf Arturo auf Ex-WBC-Champion Gabriel Ruelas, der nach dem tragischen Tod seines Gegners Jimmy Garcia zwar nicht mehr ganz der Alte, aber immer noch ein gefährlicher Herausforderer war.

In den Eröffnungsrunden begann Gatti wieder als Boxer und sah auch gut dabei aus, jedoch hatte auch der Herausforderer einige gute Szenen. Dennoch war Gatti der Chef im Ring, bis der erfahrene Ruelas eine Schwachstelle in der Verteidigung seines Gegners gefunden hatte, die er ein ums andere Mal auszunutzen verstand, indem er harte Uppercuts ins Ziel brachte. Gattis Reaktion auf jene harten Treffer ist bis zum heutigen Tag typisch für ihn - aus Arturo, dem Boxer, wurde Arturo, der Fighter. Wieder und wieder standen sich beide Kontrahenten gegenüber und tauschten wahrhafte "Bomben" aus. Am Ende der vierten Runde war Gatti stehend KO, und auch sein Gesicht begann wieder, mit besorgniserregender Geschwindigkeit zuzuschwellen.

Nachdem er sich in die Pause retten konnte, kam der Champion im Verlauf der nächsten Runde postwendend wieder in Schwierigkeiten, auch wenn er selbst einige gute Treffer landen konnte, die Ruelas allerdings nur mit einem Lächeln quittierte. Als er Gatti in der Ringecke stellen konnte, verschwand dieses Lächeln jedoch sehr schnell, als ihn nämlich ein knallharter linker Haken des Champions voll am Kinnwinkel traf. Ruelas verlor sofort den Boden unter den Füßen und hatte keine Einwände gegen die Entscheidung des Referees, das Match sofort abzubrechen.

Dieser Triumph, zugleich der "Kampf des Jahres 1997", war zugleich Arturo Gattis letzter Kampf im Juniorleichtgewicht, da er nicht mehr imstande war, dieses Limit zu bringen - ein Problem, das seine gesamte bisherige Karriere immer wieder bestimmte.

17. Januar 1998 - Arturo Gatti vs. Angel Manfredy
Selten wurde ein Nicht-Titelkampf in den unteren Gewichtsklassen mit so vielen Vorschußlorbeeren bedacht wie das Aufeinandertreffen von Arturo Gatti mit dem schillernden Angel Manfredy, der schon seit langem behauptete, Gatti würde ihm aus dem Weg gehen. Das Match zwischen den beiden wurde dem Hype nicht nur gerecht, sondern übertraf alle Erwartungen noch bei weitem.

Schon nach wenigen Sekunden wurde deutlich, daß "El Diablo" nicht nur ein technisch gut ausgebildeter Boxer war, sondern auch ein Fighter, der es in Bezug auf Härte und Kampfgeist durchaus mit Gatti aufnehmen konnte. Bereits gegen Ende der ersten Runde wurde der sprichwörtlich mit dem eigenen Blut geschriebene Thriller des Arturo Gatti um ein weiteres Kapitel bereichert, als ein rechter Schwinger seines Gegners ein häßliches Cut über Arturos linkem Auge öffnete. "Business as usual" für Cutman Joe Souza, der seinem Schützling kurz mitteilte "You're cut", was dieser mit einem "Fuck!" quittierte.

In den folgenden actionreichen und mitreißenden Runden erwies sich Manfredy als der bessere Boxer, der Gatti immer wieder auskonterte, unter Druck setzte und ihn sogar mit einem grandiosen linken Haken zu Boden schicken konnte. Aber wie immer fightete Gatti zurück, wurde dabei jedoch mehr und mehr von der immer schlimmer werdenden Verletzung über dem Auge behindert. Am Ende der siebten Runde schließlich blutete Gatti, der zu diesem Zeitpunkt wie eine Figur aus einem Horrorstreifen aussah, so stark aus seiner Wunde, daß der Kampf zugunsten des nach Punkten in Führung liegenden Angel Manfredy abgebrochen werden mußte.

Vor dem Fight war ein "explosives" Duell zwischen Arturo Gatti und dem exzentrischen Federgewichtschampion "Prince" Naseem Hamed im Gespräch - nach der erlittenen Niederlage stand dieser gute Zahltag zunächst einmal nicht mehr zur Debatte.

22. August 1998 - Arturo Gatti vs. Ivan Robinson
Ein Aufbaukampf sollte es werden für Arturo Gatti - und der Gegner, Ivan Robinson, schien prädestiniert zu sein für den Stil des Fan-Lieblings, galt der Mann aus Philadelphia doch als ein technisch guter Boxer mit wenig Schlagkraft, der einem Schlagabtausch nie abgeneigt ist, wie er in einem Titelkampf gegen den Südafrikaner Philip Holiday unter Beweis gestellt hatte. Das Problem für Gatti bestand darin, daß sich Robinson selbst keinesfalls als Aufbaugegner sah und fest entschlossen war, sich teuer zu verkaufen und vielleicht die Sensation zu schaffen. Wie eigentlich immer bei einem Auftritt von Arturo Gatti waren die Fans vor Ort und Stelle, aber wohl keiner der Anwesenden war auf das vorbereitet, was nun folgen sollte und was Experten anschließend nicht nur als "Kampf des Jahres 1998", sondern auch als den mit Abstand besten Fight in der Boxgeschichte von Atlantic City bezeichneten.

Von der ersten Sekunde an schonten sich beide Kontrahenten nicht und tauschten alles ab, was sich in ihrem Arsenal befand. Robinson demonstrierte seine erstaunliche Fähigkeit, Gattis harte Treffer anstandslos zu nehmen und sogar erfolgreich zu kontern. Gattis Fans mußten außerdem wieder einmal mit ansehen, daß das Gesicht ihres Mannes erneut bereits in der ersten Runde anzuschwellen begann. Die ersten Durchgänge gehörten allesamt Robinson, dem technisch besseren Boxer, dem es jedoch bei aller Effektivität nicht gelang, Gattis Löwenherz zu brechen. Nach und nach gelang es Arturo, in das Match zurückzufinden, und nach einem "flash knockdown" gegen Robinson wurde der Kampf auch auf den Punktezetteln immer enger. Allerdings waren Punktewertungen etwas, wofür außer den Punktrichtern niemand in der Arena Zeit hatte angesichts des Schlaggewitters, das die beiden Fighter aufeinander losließen. Die Schlagstatistiken waren unglaublich, jeder der beiden feuerte in pro Runde zwischen 80 und 100 Schlägen ab, von denen mehr als die Hälfte Treffer waren.

Hin und her wogte das hochdramatische Gefecht, aber zu Beginn der letzten Runde schien Robinson nach wie vor verdient zu führen, so daß Gatti für einen Erfolg offenbar einen unwahrscheinlich erscheinenden KO aus dem Ärmel hätte ziehen müssen. Wer gedacht hatte, daß nun keine Steigerung mehr möglich sei, der sah sich getäuscht, denn gegen Mitte der zehnten und letzten Runde brachte Arturo Gatti einen schweren rechten Schwinger ins Ziel und hatte seinen Gegner bis zum Schlußgong am Rande des KOs. Keinem im Publikum hielt es jetzt noch auf seinem Platz, und als es Robinson nur um Haaresbreite gelang, die Runde stehend zu überstehen, kannte der Applaus keine Grenzen mehr.

Das Urteil der Punktrichter fiel knapp aus, sah jedoch den richtigen Mann vorn, denn "Mighty" Ivan Robinson wurde zum 2:1 Punktsieger erklärt. Nach dieser zweiten Niederlage in Folge schien zwar Arturo Gattis Karriere auf Weltniveau in mehr als ernsthafter Gefahr zu schweben, allerdings waren sein Marktwert wie auch seine Popularität bei den Fans nach wie vor ungebrochen.

12. Dezember 1998 - Arturo Gatti vs. Ivan Robinson II
Das hochdramatische Match zwischen Gatti und Robinson hatte Fans, Experten und viele Fernsehzuschauer dermaßen begeistert, daß, sobald bekannt wurde, daß der Vertrag im Falle einer Niederlage Gattis ein sofortiges Rematch vorsah, die Boxwelt den 12. Dezember geradezu herbeisehnten. "Mein Kopf sagte mir: ‚Tu' etwas!', aber mein Körper konnte einfach nicht. Irgendetwas fehlte - ich war nur zu 50% Gatti an diesem Abend. Diesmal werde ich zu 110% Gatti sein und alles wieder geradebiegen", wurde Arturo zitiert. Robinson reagierte leicht verärgert angesichts solcher Aussagen und meinte: "Jetzt ist es persönlich. ... Wenn es etwas gäbe, was ich ihm sagen sollte, dann würde ich ihm sagen, daß ich ihn liebe und daß er seine Prügel einstecken soll wie ein Mann."

In vielen Fällen kann ein Rematch nicht das halten, was das erste Aufeinandertreffen verspricht. Der zweite Gatti-Robinson-Kampf hingegen konnte den Erwartungen gerecht werden, denn die beiden Fighter machten dort weiter, wo sie wenige Monate zuvor aufgehört hatten. Zu Beginn schien es, als ob Gatti diesmal mit boxerischen Mitteln besser aussah als noch im ersten Kampf - er traf gut und konnte vor allem auch erstklassige Körperhaken ins Ziel bringen. Als jedoch auch Robinson seinerseits erfolgreiche Aktionen zeigen konnte, wurde der Fight mehr und mehr zu einem "Brawl", in dem jedoch wiederum der bessere Boxer - Robinson - die Oberhand zu gewinnen schien. Am Ende der absolut unglaublichen dritten Runde sah es so aus, als ob Gatti diesmal vorzeitig verlieren könnte, und in den folgenden Minuten mußten seine Fans mit ansehen, wie ihr Mann eine geradezu furchteinflößende Anzahl von Treffern kassieren mußte.

Aber Gatti wäre nicht Gatti, wenn er einfach so aufgegeben hätte. Wie ein verwundeter Löwe warf er in den letzten Runden noch einmal alles nach vorn, schlug mächtige Körperhaken und beendete den Kampf zwar als der klar Unterlegene, aber wie ein wahrer Krieger. Die Urteilsverkündung war Formsache und Gattis dritte Niederlage in Folge amtlich. Der Ex-Champion bot, als der Ringsprecher das Unvermeidliche verkündete, ein Bild des Elends - verschwollen, enttäuscht und völlig teilnahmslos, und man konnte sich nur fragen, ob dies das letzte Kapitel der einzigartigen Story eines einzigartigen Fighters war.

26. Februar 2000 - Arturo Gatti vs. Joey Gamache
Nach dem für ihn so schwarzen Jahr 1998 legte Arturo Gatti eine längere Pause ein und kehrte erst im Sommer 1999 mit einem Erstrunden-KO über einen völlig überforderten Reyes Munoz in den Ring zurück. Nach einigen weiteren Monaten der Abstinenz wartete mit Ex-Champion Joey Gamache ein Gegner auf ihn, dem einige Experten immerhin zutrauten, Gatti Probleme bereiten zu können.

Gamache selbst hatte einen Kampf gegen Gatti immer wieder gefordert und sprach sogar höchstpersönlich im Büro des Präsidenten des US-Senders HBO vor, um Gatti in den Ring zu bekommen. Als es an jenem Abend im Madison Square Garden, wieder im Vorprogramm von Oscar De La Hoya, jedoch soweit war, standen die Vorzeichen mehr als schlecht für Joey Gamache.

Arturo Gatti, der schon immer neben seinen Gegnern und seinen Verletzungen auch sein Gewicht bekämpfen mußte, wog am Abend des Fights fast so viel wie ein Mittelgewichtler - ein direkter Vergleich der Körper der beiden Boxer ließ Joey Gamache neben Gatti wie einen Schuljungen aussehen. Im Fight selbst dauerte es nur wenige Sekunden, bis die Chancenlosigkeit von Gamache deutlich wurde. Arturo scheuchte seinen Gegner wie eine lästige Fliege durch den Ring und erzielte bald darauf den ersten Niederschlag. Nur mit Mühe und Not gelang es einem sichtlich schwer angeschlagenen Joey Gamache, sich in die Rundenpause zu retten.

"Y'know where you are??", fragte sein Trainer besorgt, und Gamache antwortete bezeichnenderweise: "I'm in the Garden - it's a Gatti fight." Nach dem Gong zur zweiten Runde wurde es dann richtig bitter für Gamache - Gatti prügelte ihn wie einen Spielball durch den Ring und knockte ihn dann mit einer fürchterlichen Dreierkombination aus. Jeder der Schläge traf mit voller Wucht, und Gamaches Augen waren geschlossen, noch ehe er hart auf dem Ringboden aufschlug. Dieser KO beendete die aktive Karriere von Joey Gamache, der einige Hirnverletzungen erlitt und sich aufgrund dieser zwangsweise zur Ruhe setzte.

24. März 2001 - Arturo Gatti vs. Oscar De La Hoya
Der vernichtende KO gegen Joey Gamache war Arturo Gattis letzter Fight vor seinem Aufstieg ins Weltergewicht, wo er seitdem gegen Eric Jakubowski und Joe Hutchinson jeweils siegreich blieb. Am 24. März wird Gatti nun auf den mit Abstand besten Gegner seiner Karriere treffen - Oscar De La Hoya.

Betrachtet man dieses Match von seiner positiven Seite, so kann man feststellen, daß es Arturo Gattis bislang größten Zahltag markieren wird. Wirft man jedoch einen Blick auf die voraussichtlichen Chancen des Fan-Lieblings, dann verebbt jedwede Euphorie recht schnell.

Während Gattis gesamter Karriere waren es immer technisch gute Boxer, die ihn in Schwierigkeiten bringen und letztendlich besiegen konnten. Da man darüber hinaus davon ausgehen muß, daß Oscar De La Hoya nach wie vor um einiges besser ist als z.B. ein Ivan Robinson oder Angel Manfredy, dann wäre alles andere als ein klarer und wohl auch vorzeitiger Sieg des "Golden Boy" eine Sensation. Das gesamte Boxingpress-Team wäre für eine derartige Überraschung jedoch sehr empfänglich...

Wer Gatti kennt, kann sich zumindest einer Sache sicher sein - so lange das Match letztendlich dauern wird, wird Arturo Gatti fighten und seinem Gegner alles entgegensetzen, was in seiner Macht steht. Und genau dafür werden ihn seine Fans auch weiterhin lieben.

Premiere World überträgt diesen Kampf am Samstag NICHT. Die ganze Welt des Boxens...


 
     

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