Universum-Kampfabend
in Essen - Der Vorbericht
von M. Kurt Saygin und Jörg
Lüdemann
Am
kommenden Samstag startet Deutschland mit dem ersten grossen Boxevent
in der Essener Grugahalle in das neue Boxjahr 2003. Im
Hauptkampf des Universum-Kampfabends wird "König" Artur
Grigorian (Foto, BP-Nr.4) gegen den Polen Matt
Zegan seinen WBO-Titel im Leichtgewicht verteidigen. Daneben setzt
Weltergewichts-Europameister Michel
Trabant (BP-Nr.14) seinen Gürtel gegen den Franzosen
Frédéric
Klose auf's Spiel. Im Rahmenprogramm kommt es zu den zwei mit
Spannung erwarteten Halbfinals des "deutschen Frauenbox-Turniers".
In der ersten
dieser Halbfinal-Paarungen werden Regina
Halmich (Universum) und Nadja
Loritz (GBU) in einem von der Boulevard-Presse zum "Zickenduell"
hochstilisierten Kampf gegeneinander antreten. Dieses Fliegengewichts-Duell
birgt zweifellos eine ganz besondere Brisanz, da es im Vorfeld schon zu
einigen verbalen Schlagabtäuschen an verschiedenen Fronten kam. "Ich
kann diese Anmache von einer Frau, die mich gar nicht kennt, nicht verstehen,"
sagte Halmich, für die die Sprüche ihrer Gegnerin jedoch eine
willkommene Motivationshilfe sein dürften. "Die Loritz leidet
doch an totaler Selbstüberschätzung und vergiftet die Atmosphäre,"
meinte Halmich. "Das habe ich bei keiner meiner Gegnerinnen erlebt.
Ich werde ihr im Ring die passende Antwort geben. Das wird sie noch bitter
bereuen."
Detlev
Loritz, der seine Frau Nadja trainiert und managt, kann die ganze
Aufregung nicht verstehen. "Nadja hat doch nur gesagt, alle wollen,
dass die Halmich umfällt. Dann soll sie gegen mich boxen. Jetzt ist es
so weit. Nadja wird die Karriere von Regina Halmich am 18. Januar beenden.
Wir sind zwar auf 10 Runden vorbereitet, aber je schneller Nadja sie ausknockt,
desto besser." Die meisten Boxexperten rechnen mit einem KO-Sieg
zugunsten von Regina Halmich. Dennoch nimmt die WIBF-Weltmeisterin (Foto)
die Herausforderung sehr ernst und trainierte sogar am Heiligabend in
Berlin. Als Sparringspartnerin wurde GBU-Leichtgewichts-Titelträgerin
Sina
Dümer zusammen mit dem routinierten Berliner Trainer Wolfgang
Haring verpflichtet. "Regina
ist topfit! Sie ist wirklich hochmotiviert, sogar am Heiligabend hat sie
volle Leistung gebracht, anstatt bei ihrer Familie in Karlsruhe zu sein",
so Haring über Halmich.
Im zweiten
Halbfinale trifft Daisy
Lang (Universum) in dem für sie ungewohnten Juniorfedergewicht
auf Silke
Weickenmeier (Galaxy) aus Speyer, um die zweite Finalistin im
Kampf um den Titel "Box-Queen Deutschlands" zu bestimmen. Lang
gilt als Favoritin, doch inwieweit der "Lady" der Sprung in
die für sie hohe Gewichtsklasse bekommt, muss abgewartet werden.
Ob allerdings im Falle eines Doppelsieges der Universum-Boxerinnen tatsächlich
Halmich und Lang gegeneinander antreten werden, bleibt fraglich. Beide
kommen aus unterschiedlichen Gewichtsklassen und - noch entscheidender
- aus dem gleichen Boxstall.
Den einzigen
WM-Kampf der Männer bestreitet an diesem Abend der mittlerweile 35-jährige
Artur
Grigorian (BP-Nr.4), der seinen Titel zum 17. Mal
erfolgreich verteidigen will. Sein polnischer Gegner ist ganze neun Jahre
jünger und hat alle seiner 24 Profikämpfe gewonnen. An Motivation
wird es dem Herausforderer sicher nicht mangeln. Obgleich Zegan bislang
noch keinen einzigen Gegner von internationaler Bedeutung geschlagen hat,
gilt der Pole als recht talentiert und offensivstark, wenn auch mit Schwierigkeiten
in der Defensivarbeit. Die Tatsache, dass es sich bei ihm um den ersten
Rechtsausleger handelt, den Rechtsausleger Grigorian seit Amateurzeiten
boxen wird, verleiht dem Kampf ein besonderes Interesse.
"Ich
bin heiss auf den Kampf und fühle mich so gut wie nie," so Grigorian.
"Der Altersunterschied interessiert mich nicht. Gedanken mache
ich mir nur darüber, dass der Pole wie ich Rechtsausleger ist. Da muss
ich mir etwas einfallen lassen." Der Weltmeister sollte jedoch seine
Vorteile in Sachen Technik und Erfahrung ausspielen können, um den
Herausforderer in der zweiten Kampfeshälfte vorzeitig, oder deutlich
nach Punkten besiegen zu können. Danach wünscht sich Grigorian
endlich den langersehnten Titel-Vereinigungskampf. "Am besten
ein Vereinigungskampf gegen WBC-Weltmeister Floyd Mayweather. Wenn der
Amerikaner so boxt wie bei seinem letzten Titelkampf gegen den Mexikaner
Castillo, hat er gegen mich keine Chance," lehnt sich "König
Artur" weit aus dem Fenster.
Auch Europameister
Michel
Trabant (BP-Nr.14) geht als Favorit in die Verteidigung
seines EM-Titels im Weltergewicht. Doch die sportliche Aufgabe des Berliners
dürfte weitaus schwerer zu lösen sein. Da der ursprüngliche
Herausforderer Jacek
Bielski kurzfristig absagte, musste ein Ersatz gefunden werden.
An dessen Stelle tritt nun der auf europäischem Niveau hoch einzuschätzende
französische Meister Frédéric
Klose, der Trabant einen heißen Tanz liefern dürfte.
"Er
ist ein sehr starker Bursche, hat eine starke Physis," sagt der
Berliner über seinen neuen Gegner. "Er hat eine gute rechte Schlaghand.
Aber ich bin sehr gut vorbereitet und deshalb überzeugt, daß ich gewinne.
Es wird aber sicher ein harter Kampf werden." Nicht umsonst ist
der 32-Jährige Klose seit sechs Jahren unbezwungen und schlug unter
anderem den soliden Weltergewichtler Jawaid
Khaliq (BP-Nr.18) 1998 nach Punkten. Von Februar 1997 bis
heute gewann Klose 20 Kämpfe in Folge, verlor zudem noch nie vorzeitig.
Seine kurzfristige Verpflichtung könnte der erste Erfolg des kürzlich
zu Universum gewechselten Matchmakers Jean-Marcel Nartz sein.
Im Rahmenprogramm
des Kampfabends in Essen kommt es außerdem zu einem rein türkischen
Duell zwischen Adnan
"Aachen Assassin" Serin und Ahmed
Öner um den IBU-Titel im Schwergewicht. Diesen hatte Serin
im vergangenen Jahr überraschend in Finnland durch TKO gegen den
finnischen Titelträger Jukka Jarvinen gewonnen. Öner
gibt in Essen sein Debüt im Schwergewicht.
Der
für Bert
Schenk (Foto, BP-Nr.12) verpflichtete Gegner mit
dem klangvollen Namen Didier
Nkuku Mupeko ist trotz seines Rekordes von 4-11-4 alles andere
als "Fallobst". Der Franzose ist ein sehr guter Journeyman,
der immer alles gibt, austrainiert ist und erst einmal vorzeitig verloren
hat. Erst im April 2002 machte Universum-Sprössling Felix
Sturm diese unliebsame Erfahrung, als ihn Mupeko im Hamburger
Universum-Gym über sechs Runden größtenteils beherrschte
und Sturm dennoch zu Unrecht auf den Punktzetteln gewann. Schenk wird
sich in diesem Kampf keine Ruhephasen erlauben dürfen.
Der
Kampf von Michel Trabant wird live im ZDF (ab 23.00 Uhr) übertragen. Zuvor
ist im Rahmen des "Aktuellen Sportstudios" das Frauen-Duell Halmich vs.
Loritz in voller Länge zu sehen. Die restlichen Kämpfe gibt es im Anschluss
an den Trabant-Kampf als Zusammenfassungen. Unerfreulich für all
die Boxfans, die gern den Weltmeisterschafts-Kampf von Artur Grigorian
in voller Länge gesehen hätten.
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