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Knapper Sieg für Häußler, leichtes Spiel für Beyer
von M. Kurt Saygin


In einem Kampf, der hauptsächlich von seiner Spannung lebte, konnte Europameister Danilo Häußler (Foto) seinen den Briten Glenn Catley knapp nach Punkten besiegen. Der Schützling von Trainer Manfred Wolke behielt mit 114:111, 114:111, 113:113 nach Meinung der Punktrichter knapp die Oberhand und damit den EM-Titel.

Die Brandenburg-Halle in Frankfurt a. d. Oder war mit ihren 3.100 Plätzen schon seit Wochen restlos ausverkauft. Die Erwartungen an Danilo Häussler, der am Samstag zum zweiten Mal seinen Europameistertitel der EBU im Supermittelgewicht verteidigen sollte, lagen hoch. Der Titelverteidiger, der mit einem Kampfrekord von 17-0-0 (5 KO`s) aufwarten konnte, trat gegen den erfahrenen und schlagstarken Herausforderer aus England an (26-5-0, 20 KO`s). Glenn Catley, der den WBC-Weltmeistertitel im Mai 2000 gegen Markus Beyer durch KO gewann, ihn jedoch in der ersten Titelverteidigung schon wieder verlor, zeigte sich im Vorfeld des Kampfes siegessicher.

Den auf 12 Runden angesetzten Kampf leitete Ringrichter Daniel van de Wiele aus Belgien. Das Punktrichterteam bestand aus Alfred Asaro aus Frankreich, Paolo Scarso aus Italien und Jose Vilas Müller aus Spanien.

Schon in den ersten Runden zeigte sich, dass Catley zwar der bessere ausgebildete Boxer mit dem grösseren Schlagrepertoire war, er sich jedoch mit seiner Kopfhaltung noch selbst Schwierigkeiten bereiten würde. Schon in der ersten Hälfte der ersten Runde gab es eine Ermahnung seitens des Ringrichters wegen Kopfstoßens. Die ausgeglichene erste Runde, die ohne besondere Vorkommnisse verlief, ging aufgrund des Champion-Bonus an Häussler, die zweite aufgrund der etwas genaueren Treffer an den Herausforderer aus England.

Die nächsten Runden hinterließen bei dem Schützling von Manfred Wolke weit deutlichere Spuren, als bei dem Herausforderer, der zwar die härteren, aber nicht unbedingt die zahlreicheren Schläge ins Ziel bringen konnte. Der 26jährige Europameister mit dem Sauerland-typischen, sauberen Boxstil versuchte, mit schwachen Geraden und links-rechts-Kombinationen zu punkten, Catley hingegen agierte mit gefährlichen Haken und einer insgesamt wesentlich höheren Schlagzahl. Die relativ ausgeglichene dritte Runde ging mit leichten Punktvorteilen an Häussler, die vierte aufgrund der besseren Treffer an den Engländer, der auch in diesen beiden Runden immer wieder Ermahnungen wegen seiner in der Tat niedrigen Kopfhaltung erhielt.

In der fünften Runde, in der der Herausforderer eine "letzte Ermahnung" vom Referee erhielt, konnte er dennoch die besseren Treffer auf seiner Seite verbuchen. Häussler schlug viel zu oft zu ungenau. Selbst, wenn Catley seine Deckung fallenließ, war Häussler nicht in der Lage, saubere Wirkungstreffer auf den vollkommen offenen Engländer zu platzieren. Die kurzen, gestochenen Geraden trafen zwar ihr Ziel, aber am Ende der Runde, die an den 29-jährigen Herausforderer ging, war das rechte Auge des Europameisters schon deutlich angeschwollen.

Die nächsten beiden Runden gingen an den nun aktiver werdenden Häussler, nachdem in der sechsten Runde der erwartete erste Punktabzug aufgrund einer Verwarnung wegen Kopfstoßens an den Engländer vergeben wurde (sechste Runde somit 10:8 an Häußler). Der Deutsche, der mittlerweile aus einem kleinen Cut und aus der Nase blutete, zeigte trotz der Verletzungen keinerlei Ermüdungserscheinungen. Es schien sich abzuzeichnen, dass der Kampf über die bessere Kondition entschieden werden würde.

In der achten Runde kam es zu einer umstrittenen Situation. Catley erwischte den 26-jährigen Titelverteidiger mit einer durchgezogenen rechten Geraden in Oberkörperhöhe offensichtlich auf dem falschen Fuß und schickte ihn zu Boden. Häussler, der auf einen "Ausrutscher" reklamierte, wurde zwar angezählt, wirkte aber auch nach dem Niederschlag keineswegs angeschlagen. In der Zeitlupe war zu erkennen, dass es zwar kein klassischer Niederschlag war, der (rechte) Standfuß Häusslers jedoch während des Fallens an einem Punkt fixiert war und somit von einem Ausrutscher ebenfalls nicht die Rede sein kann, sondern eher von einem "aus dem Gleichgewicht bringen". Aufgrund der Ringrichterentscheidung auf Niederschlag ging die achte Runde mit 10:8 an den Herausforderer aus England.

In der neunten und zehnten Runde gab der Engländer noch einmal ordentlich Gas und konnte auch aufgrund seiner Vielseitigkeit die besseren Treffer anbringen. Häußler agierte noch immer zu verhalten und wenig effektiv.

In den letzten beiden Runden geschah etwas, was man in Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hat: Der eher für seine ruhige Haltung bekannte Meistertrainer Manfred Wolke forderte von seinem Schützling, alles zu geben, "ihn niederzureissen" und "das Tier müsse jetzt erwachen". Es waren überraschende und unerwartete Worte, die ihr Ziel nicht verfehlten. Der Europameister stürzte sich in die Runden und gab alles, was er noch hatte und das war nicht wenig. Aus mehreren Cuts und der Nase blutend deckte Danilo Häussler den Engländer derart mit Schlägen ein, dass dieser kaum wusste, wie ihm geschah.

Gegen Ende der elften sowie zwölften Runde schaffte es der Europameister tatsächlich, den erfahrenen Glenn Catley anzuklingeln, der zu seinem Unglück (und zu allem Überfluß?) auch noch ein weiteres Mal eine Verwarnung mit einhergehendem Punktabzug wegen Kopfstoßens erhielt. Beide Runden konnte der Deutsche mit überraschender Klarheit für sich verbuchen, die letzte Runde aufgrund der Verwarnung sogar mit dem Ergebnis von 10:8.

Somit stand es auf dem Boxingpress-Punktzettel 113:114 für Catley ohne und 113:112 für Häussler mit den Punktabzügen.

Die Punktrichter werteten:

Alfred Asaro: 114:111 Häussler

Paolo Scarso : 113:113 Catley

Jose Vilas Müller: 114:111 Häussler

Damit lautete die Entscheidung: Punktsieg für Danilo Häussler. Diese Entscheidung ist zwar sicherlich umstritten, jedoch keinesfalls abwegig.

Im zweiten Hauptkampf des Abends wollte sich Markus Beyer, der momentane International Champion des WBC, erneut für einen WM-Kampf qualifizieren. Der Kampf sollte ein weiterer Schritt in diese Richtung sein, nachdem er im Mai 2000 diesen Titel gegen den Engländer Glenn Catley verlor.

Der Kampf verlief über weite Strecken sehr unsauber. Der Herausforderer aus den USA Antoine "Sugar" Robinson war mehr mit Ringen, denn mit Boxen beschäftigt und zeigte viel zu oft die typisch amerikanischen Kasperlespielchen mit Achselzucken, hämischen Grinsen, wilden Schwingern, ungestümen Ins-Leere-Laufen und unsauberen Schlägen.

Beyer war in keiner Phase des Kampfes wirklich gefordert und gewann die ersten zwei Runden klar. Die dritte Runde hatte mit einem Boxkampf schon kaum mehr Ähnlichkeit. Robinson – mit der linken Hand Beyers Oberkörper festhaltend – schlug mit der rechten wild und sinnlos auf Beyers linken Arm ein, kämpfte fast ohne nennenswerte Deckung und musste selbst Schläge von Beyers Führungshand einstecken, die zwar kraftvoll, aber sehr langsam und aus großer Distanz geschlagen wurden.

In den darauffolgenden Runden schlug der Gastboxer aus Kentucky, der den Namen "Herausforderer" nicht unbedingt verdient hatte, noch mehrere Innenhände, wandte sich mehrmals vom Kampf ab, diskutierte mit dem Schiedrichter und gestikulierte wild herum, was in der fünften Runde zu einer Verwarnung führte, für welche der Aufhänger wiederholtes Halten und Schlagen war. Da ausschließlich Markus Beyer wirklich boxte, gingen alle Runden an ihn. Gegen Ende der Runde rutschte der überkommunikative Robinson, der permanent versuchte, den Titelverteidiger in Diskussionen zu verwickeln, aus, fand sich auf dem Ringboden wieder und verweilte dort sicherheitshalber ein paar Sekunden, ohne jedoch angezählt zu werden.

In der sechsten Runde kam es zum ersten Niederschlag mit Anzählen für Robinson, der dann in der siebten ein weiteres Mal niedergeschlagen wurde, worauf der Ringrichter beim darauffolgenden Wirkungstreffer den Kampf beendete. Das offizielle Urteil lautete auf TKO nach 2:49 in der siebten Runde, was viel spektakulärer klingt, als es wirklich war.

Alles in allem war es ein enttäuschender Kampf, der ganz bestimmt nicht als "Meilenstein" auf dem Weg zurück zum Weltmeistertitel gewertet werden kann.

Im Rahmenprogramm gewann der 32-jährige Oktay Urkal aus Berlin gegen Matthews Zulu einstimmig nach Punkten. Zwei Kämpfe des Abends brachten überraschende Resultate: Donavan Luff aus Südafrika knockte Schwergewichtler Marcel Beyer in der vierten Runde aus und fügte dem Deutschen die erste Profiniederlage zu. Auch Cruisergewichtler Mario Stein kassierte seine erste Niederlag gegen den Südafrikaner Isaac Mahlangu, der Stein gleich in der ersten Runde ausknocken konnte.




 

 
     

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