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Häußler siegt, Hoffmann verliert!
von Peter Selzer


Danilo Häußler (Foto, BP-Nr.14) konnte in seiner Heimatstadt Frankfurt/Oder am gestrigen Abend seinen Titel als Europameister im Supermittelgewicht erfolgreich verteidigen. Der 27-Jährige besiegte seinen französischen Herausforderer Rachid Kanfouah über 12 Runden knapp nach Punkten. Dagegen unterlag Schwergewichtler Timo Hoffmann seinem Gegner Henry Akinwande nach Punkten, wobei es bei der Verkündung des Urteils einen Eklat gab, der jedoch ohne Folgen für das Ergebnis des Kampfes blieb.

Die 3.100 Zuschauer in der gut gefüllten Brandenburg-Halle in Frankfurt/Oder sahen zunächst Timo Hoffmann (Foto) in den Ring steigen. Der in Eisleben geborene Boxer gab sich vor dem Kampf gegen den baumlangen Henry Akinwande zuversichtlich und hoffte, durch einen Sieg gegen den Ex-Weltmeister der WBO seinen Marktwert zu steigern.

Hoffmann konnte seinen eigenen Erwartungen jedoch nicht gerecht werden, denn der mittlerweile 37-jährige Akinwande knüpfte an die Leistungen vergangener Jahre an und beherrschte seinen neun Jahre jüngeren Kontrahenten zu fast jedem Zeitpunkt der 12 Runden. Der Engländer ließ seine fast schon peinlichen Ring-Auftritte in der jüngsten Vergangenheit vergessen und verstand es glänzend, seine linke Führhand variabel einzusetzen. Hoffmann war zwar über die gesamte Distanz im Vorwärtsgang, beschränkte sich allerdings darauf, mit geschlossener Doppeldeckung nach vorne zu gehen, ohne dabei selbst zu schlagen. Akinwande konnte so seinen Jab etablieren und auch seine rechte Schlaghand fand öfter ihr Ziel, als es Hoffmann recht sein konnte.

In den folgenden Runden bot sich das immer gleiche Bild. Lediglich in Runde zehn konnte Hoffmann seinen Gegner kurzzeitig in Schwierigkeiten bringen, als ein rechter Haken traf. Beim Zuschauen wurde man an den Kampf Akinwandes gegen Oliver McCall (BP-Nr.15) erinnert, als es diesem gelang, klar nach Punkten zurückliegend, den Briten in Runde zehn auszuknocken. Hoffmann aber verfügt nicht über die Schlagkraft eines McCall und so überstand sein Gegner diese Situation unbeschadet.


Unmittelbar nach dem Schlussgong schien die Punkteverteilung nur noch Formsache zu sein; auf dem Punktzettel von BoxingPress stand es 118:110 für Akinwande (Foto). Für Verwunderung sorgte dann aber die Aussage von Ringsprecher Ben Wett, der Kampf würde durch eine "Split Decision" entschieden. Entsetzen löste dann dessen Ankündigung aus, dass der deutsche Punktrichter Heinrich Mühmert den Kampf mit 116:114 für Timo Hoffmann wertete, eine Wertung die in keiner Weise nachvollziehbar ist. Die beiden anderen Wertungsrichter punkteten vertretbar mit 117-111 und 116-114 für Akinwande.

In jüngster Vergangenheit wurde den deutschen Veranstaltern schon mehrmals der Vorwurf gemacht, für den Gastboxer sei ein Punktsieg nicht möglich. Dieser pauschale Vorwurf ist so mit Sicherheit nicht richtig, doch er erhält durch Punktwertungen wie am gestrigen Abend von Heinrich Mühmert neuen Zündstoff. Durch eine solch abstruse, nicht zu rechtfertigende Wertung zugunsten des Heimboxers nimmt der gesamte Boxsport Schaden. Es wäre wünschenswert, wenn die Veranstalter sich öffentlich von einer solchen Punktewertung distanzieren würden, sonst könnte der Verdacht nahe liegen, dass nicht die sportliche Leistung für den Punktrichter entscheidend ist. Des Weiteren sollte man von einer Verpflichtung Mühmerts, der bereits des Öfteren durch zweifelhafte Wertungen in deutschen Ringen aufgefallen ist, zukünftig absehen.

Das Publikum in Frankfurt/Oder quittierte die Punktwertung Mühmerts mit einem gellenden Pfeifkonzert. Nicht auszudenken, was in der Brandenburghalle geschehen wäre, hätte ein zweiter Offizieller ein ähnlich unsportliches Heimurteil zu Gunsten von Hoffmann gefällt. Man hätte Akinwande gleichermaßen um den verdienten Sieg gebracht wie zuletzt den Polen Matt Zegan (BP-Nr.8) im Kampf gegen WBO-Weltmeister Artur Grigorian.

Timo Hoffmann erkannte im anschließenden Interview fair die Überlegenheit seines Gegners an und kündigte an, er wolle weiter an sich arbeiten, um gestärkt in den Ring zurückzukehren. "Akinwande hatte die Erfahrung von 46 Kämpfen. Ich bin noch nicht so weit, einen wie ihn schlagen zu können. Aber ich bleibe dran und verspreche, ich komme wieder zurück," so der Deutsche nach seiner Niederlage.

Der anschließende Hauptkampf zwischen Europameister Danilo Häußler (Foto, BP-Nr.14) und seinem Herausforderer Rachid Kanfouah war hauptsächlich durch die Verbissenheit der beiden Boxer geprägt. Dem Europameister gelang es nicht, die technischen Mängel seines Herausforderers konsequent zu nutzen. Häußler ließ dabei Variabilität vermessen. Die Kontrahenten standen sich meist in geschlossener Doppeldeckung auf kurzer Distanz gegenüber. Hierbei war Häußler jedoch der etwas effektivere Mann.

In Runde zehn blutete der Deutsche stark aus einer Wunde über dem linken Auge. Der erfahrene Ringrichter Daniel van de Wiele zeigte an, die Wunde sei durch einen unbeabsichtigten Kopfstoss verursacht worden. In den folgenden beiden Runden schien Häußler darauf bedacht sein, das lädierte Auge zu schützen und agierte somit etwas zu passiv. Der Franzose konnte die Inaktivität des Europameisters aber erst zu spät ausnutzen. Nach der zwölften Runde werteten die Punktrichter 115:113, 115:113 und 115:114 zugunsten des Titelverteidigers. BoxingPress wertete ebenfalls 115:113.

Kanfouah erklärte nach dem Kampf, er fühle sich betrogen, die Wertung zugunsten Häußlers sei nur damit zu erklären, dass der Kampf in Deutschland stattgefunden habe. Dem ist mit Sicherheit nicht so, aber durch den vorherigen Eklat um die Punktewertung von Heinrich Mühmert sah sich der Franzose wohl zu solchen Aussagen genötigt.

Im anschließenden Interview meinte Promoter Wilfried Sauerland, dass man plane, Häußler in England am Auge operieren zu lassen, um vernarbtes Gewebe über dem linken Auge zu entfernen. Es bleibt zu hoffen, dass die Operation erfolgreich verlaufen wird und Häußler Ende des Jahres wieder im Ring zu sehen ist.

Interessant war die Aussage von Sauerland, Häußler müsse auf einen WM-Kampf warten, bis Markus Beyer (BP-Nr.7) seinen Titel verliert oder Sven Ottke (BP-Nr.1) seine Karriere beenden wird. Eine Niederlage seines Doppelweltmeisters Ottke ist damit nach Ansicht seines Promoters wohl ausgeschlossen. Einem, von Axel Schulz ins Spiel gebrachtem, internen Stallduell erteilte Sauerland eine Absage. Über einen möglichen Kampf seines Schützlings gegen WBO-Weltmeister Joe Calzaghe (BP-Nr.1) wurde aus bekannten Gründen nicht gesprochen.

 

 
     

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