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Halmich und Sam siegreich
von Andreas Kämpfe


Der zweite Schweriner Profi-Boxabend fand am 26.04.2003 in der Sport- und Kongreßhalle in Schwerin statt. Hauptkämpfe waren zum einen die Europameisterschaft im Schwergewicht zwischen Sinan Samil Sam (BP-Nr.17) (Türkei) und Julius Francis (Großbritannien) sowie die WIBF-Weltmeisterschaft im Federgewicht zw. Regina Halmich aus Karlsruhe und Cathy Brown (Großbritannien).

Die Kampfergebnisse im Einzelnen:

1. Andreas Kotelnik W 8 Virgil Meleg, Juniorweltergewicht

2. Wladimir Sidorenko vs. Emil Stoica, Fliegengewicht, angesetzt auf 6 Runden

Der für Universum boxende Ukrainer Wladimir Sidorenko (BP-Talent) übernahm von Anfang an die Initiative und bestimmte das Ringgeschehen. Sein Gegner, für den es der fünfte Kampf in 8 Wochen war, wehrte sich zwar tapfer und versuchte mitzuboxen, fand aber kein Mittel gegen die schnellen Hände von Sidorenko. Diesem gelang es nicht, bei seinen zahlreichen Treffern Schlagwirkung zu erzielen. Lediglich in der letzten Runde schien Stoica nach einer schönen Linken etwas angeklingelt, rettete sich aber über die Zeit.

Völlig verdienter Punktsieger: Wladimir Sidorenko.

3. Konstantin Onofrei vs. Sedreck Fields, Schwergewicht, angesetzt auf 8 Runden

Nun hieß es "Showtime", denn Sedrick Fields betrat den Ring. Der Journeyman aus den USA sah seine Hauptaufgabe wohl darin, das Publikum zu unterhalten und so machte er schon aus dem Einzug eine Show. Sein Gegenüber Konstantin Onofrei schien für solche Spielchen nichts übrig zu haben.

Aber auch im Ring machte der Entertainer Fields eine erstaunlich gute Figur. Immer wieder gelang es ihm, in der Halb-und Nahdistanz klare Treffer zu setzen und trotzdem fand er noch Zeit, sich bei jeder gelungenen Aktion selbst zuzujubeln. Onofrei hingegen boxte erschreckend schwach, viel zu selten konnte er Fields aus der langen Distanz treffen. Er schien unbeweglich und eindimensional und es gelang ihm nicht einmal, seinen Kontrahenten richtig unter Druck zu setzen. Dafür nahm er einzelne Hände von Fields, ohne überzeugend antworten zu können.

Insgesamt bestimmte Fields den Kampf, verbrachte aber zuviel Zeit mit seinen Spielereien anstatt den entscheidenden Erfolg zu suchen. Trotzdem zeigte der BoxingPress-Punktezettel nach 8 Runden ein 78-74 für Fields.

Das offizielle Urteil hingegen war eine geteilte Entscheidung zugunsten Onofreis, was man als Fehlurteil bezeichnen muss. Leider sah sich Ringsprecher Peter Müller auch nicht veranlasst, die Punktwertungen im Einzelnen vorzulesen, so dass man kaum nachvollziehen kann, wie dort gepunktet wurde.

4. Mario Veit vs. José Maria Guerrero, EU-Meisterschaft im Supermittelgewicht

Den besten Kampf des Abends lieferten sich Mario Veit (BP-Nr.17) und Jose M. Guerreo: Von der ersten Runde an schlugen beide ein hohes Tempo ein und versuchten durch eine Vielzahl von Schlägen zum Erfolg zu kommen. Insbesondere der Spanier machte in den ersten beiden Runden Druck, während Veit versuchte, mit schnellen Kontern zum Erfolg zu kommen. Teilweise lieferten sich beide Boxer einen offenen Schlagabtausch.

In der vierten Runde zog sich Guerrero dann eine Platzwunde zu, konnte aber weiter machen. Allerdings mußte er ab der vierten Runde dem hohen Anfangstempo Tribut zollen und konnte seine Schnelligkeit nicht fortsetzen. Veit gewann immer mehr die Oberhand und bestimmte fortan das Kampfgeschehen, wobei der Spanier nicht ungefährlich blieb und immer wieder versuchte, Treffer zu setzen. Aber Mario Veit traf besser und folgerichtig gelang es ihm, in der 9. Runde durch einen Körpertreffer seinen Gegner zu Boden zu zwingen. Jedoch rettete sich Guerrero über die Zeit, so daß die Punktrichter bemüht wurden. Diese werteten den Kampf 98-92; 100-90 und 99-90, alle für den Sieger Mario Veit. BP hatte den Kampf 98-91 für Veit.

Wie es scheint, ist Mario Veit wirklich auf dem besten Wege in die erweiterte Weltspitze des Supermittelgewichts. Seine Leistungen in den letzten Monaten waren durchweg gut. Vom Debakel gegen Joe Calzaghe scheint er sich völlig erholt zu haben.

5. Luan Krasniqi vs. Przemyslaw Saleta, Schwergewicht

Nun stand die Revanche für Luan Krasniqi auf dem Plan. War er schon im ersten Kampf im Juli letzten Jahres der klar bessere Mann, gab er damals jedoch völlig überraschend in der Pause zur 9. Runde auf. Dies galt es also gerade zu rücken. Krasniqi machte einen entschlossenen Eindruck, begann jedoch die erste Runde - wie zuvor angekündigt - eher verhalten. Jedoch gelang es ihm dann, mit einer rechten Geraden sichtbar Wirkung zu hinterlassen und Luan setzte entschlossen nach. Saleta suchte sein Heil im tiefen Abducken, worauf Krasiqi mit mehreren Nackenschlägen der eher unorthodoxen Art antwortete. Ringrichter Daniel van de Wiele ging dazwischen und ermahnte Krasniqi. Jedoch schien diese "Pause" für Saleta nicht gereicht haben, denn er fand sich sofort wieder in der Defensive. Das Spiel mit dem Abducken und den Nackenschlägen wiederholte sich nochmal, bis es schließlich Krasniqi im dritten Anlauf gelang, Saleta auf den Boden zu bringen. Van de Wiele zählte an, gab den Kampf aber dann wieder frei. Krasniqi setzte nach und schon beim ersten Treffer ging Saleta wieder zu Boden. Der Kampf wurde nochmal freigegeben, aber nach dem dritten Bodenbesuch hatte auch der Ringrichter genug gesehen.

Sieger durch TKO in Runde 1: Ein sichtlich erleichteter Luan Krasniqi.

6. Pavel Melkomian vs. Krzyssztof Wlodarczyk, Internationale Meisterschaft der WBA im Cruisergewicht

Nun stand ein Kampf zweier ungeschlagener Cruisergewichtstalente auf dem Programm. Der für UBP boxende Melkomian (BP-Talent) ergriff gleich zu Anfang des Kampfes die Initiative und setzte seinen Gegner schon in der Eröffnungsrunde unter Druck. Sein Einsatz wurde erstmals sichtbar belohnt, als Wlodarczyk (BP-Talent) zu Boden mußte. Jedoch stand dieser sofort wieder auf und konnte den Kampf fortsetzen. Die Anfangsphase gehörte dennoch eindeutig Melkomian. Auch in der zweiten Runde machte Melkomian sehr zum Unglück der lautstark den Kampf begleitenden Ecke Wlodarcyzks den Kampf. Er setzte klare Treffer, jedoch schaffte es der Pole, auch diese Runde zu überstehen.

In der dritten Runde kam Wlodarczyk besser in den Kampf, ohne jedoch schon das Ruder an sich reißen zu können. Die Runde endete mit einer unschönen Szene, als Melkomian einen klaren Schlag auf den Hinterkopf einstecken mußte. Der Ringrichter verzichtete zwar auf eine Verwarnung, sprach dem Armenier aber eine Erholungspause zu. Diese schien aber vor allem Wlodarczyk genutzt zu haben, denn dieser war es nun, der das Kampfbild bestimmte. Er traf mit klaren Händen und drängte seinen Kontrahenten immer mehr in die Defensive. Auch ein Cut, der sich bei ihm geöffnet hatte, schien ihn nicht zu behindern.

Es folgte die Pause zur fünften Runde und überraschend auch das Ende des Kampfes. Bei Pavel Melkomian hatte sich ein böser Cut am Auge gebildet und der Ringarzt untersagte die Fortführung des Kampfes. In der Ecke machte sich schon deutlich Enttäuschung breit, bis man plötzlich auf die Scorecards ging. Da im Kampf kein Kopfstoß oder ähnliches zu sehen war und auch der Ringrichter nichts dergleichen anzeigte, ist diese Entscheidung aus Sicht von BoxingPress nicht nachzuvollziehen. Trotzdem bleibt es natürlich bei dem Urteil:

Sieger Pavel Melkomian.

7. Regina Halmich vs. Cathy Brown, WIBF-Weltmeisterschaft im Fliegengewicht

Nach einer 40-minütigen Pause kam es nun zum ersten Hauptkampf des Abends. Regina Halmich verteidigte ihren Titel gegen Cathy Brown, die sich mit einer Niederlage in ihrem letzten Kampf für diese Weltmeisterschaft "qualifiziert" hatte.
Trotzdem war es Brown, die in der Anfangsphase die Akzente setzen konnte. Sie erzielte gute Treffer gegen eine zwar nach vorne gehende, aber wie immer viel zu offene Regina Halmich. Halmich schien die Anfangsphase wahrlich zu verschlafen und mußte in der dritten Runde sogar nach einem Schlag auf den Schulterbereich zu Boden. Ringrichter van de Wiele zählte die Weltmeisterin bis 8 an, gab dann jedoch den Kampf wieder frei. Dieser Niederschlag schient das Weckzeichen für die erfogreichste Profiboxerin der Welt gewesen zu sein. Nun nahm zunehmend Halmich das Heft in die Hand und setzte immer bessere Treffer. Cathy Brown versuchte zwar alles und traf ihrerseits auch ein ums andere Mal, jedoch fehlten ihr am Ende wohl sowohl die Kondition als auch die boxerischen Fähigkeiten, um dem Kampf eine entscheidende Wendung zu geben. So mussten nach 10 spannenden Runden wieder die Punktrichter ans Werk.

Sie werteten den Kampf 98-92, 97-95 sowie 97-94 für Halmich. Auf dem BoxingPress-Punktezettel stand es zum Schluß 95:94 knapp für die alte und neue Weltmeisterin im Fliegengewicht Regina Halmich.

8. Sinan Samil Sam vs. Julius Francis, Europameisterschaft im Schwergewicht

Nun brach ein Sturm über Schwerin herein. Während vor der Halle der Wind für einen solchen sorgte, waren es in der Halle die zahlreichen türkischen Fans, die den Stimmungspegel ansteigen ließen. Der Grund dafür war der Europameister im Schwergewicht Sinan Samil Sam (BP-Nr.17), der seinen Titel gegen Julius Francis verteidigte. Francis ist heute noch den Boxfans dafür bekannt, daß er vor seinem Kampf gegen Mike Tyson Werbung auf seinen Schuhsohlen verkaufte. Also nicht gerade ein Optimist...

Der Kampf begann verhalten, um nicht zu sagen langweilig. Sam bestimmte den Kampf von der Ringmitte und trottete Francis hinterher, der seinerseits versuchte, bloß nicht hart getroffen zu werden. Aktionen waren in den ersten 5 Runden Mangelware, das Tempo erschreckend niedrig. Sam gewann zwar alle Runden klar, jedoch schien es so, als ließe er sich von Francis geradezu einschläfern. Er tat nicht mehr als nötig, um die Runden zu gewinnen und konnte keine zwingenden Aktionen setzten.

Erst in der siebten Runde änderte sich das lethargische Kampfbild, als es Sam gelang, seinen Gegner mit einem Körpertreffer zu Boden zu schicken. Francis konnte den Kampf zwar fortsetzen, aber der Startschuß für eine letzte Offensive war gefallen. Sam setzte sofort nach und konnte seinen Gegner erneut zu Boden zwingen, worauf der Ringrichter das ungleiche Duell abbrach. Somit Sieger durch TKO 7 Sinan Samil Sam.

Für Francis sollte dieser Kampf besser das Karriereende bedeuten und für Sam ist diese Leistung als klarer Rückschritt zu bewerten. Von seiner Galaform wie gegen Danny Williams war er weit entfernt.

Damit endete das zweite Schweriner Boxevent. Es war eine Veranstaltung mit einigem Licht und viel Schatten. Die Kämpfe von Veit und Sidorenko waren sehr gut bis gut und auch der Kampf von Regina Halmich war aufgrund der Spannung absolut in Ordnung. Dagegen war das Niveau im Kampf zwischen Sam und Francis erschreckend schwach und die Entscheidungen der Offiziellen in den Kämpfen von Melkomian und Onofrei haben einen bitteren Beigeschmack.

 

 
     

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