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Nacht der langen Krallen
- Der Bericht

Vor ca. 5000 Zuschauern in der Magdeburger Bördelandhalle verteidigte
Regina
Halmich (Foto oben) zum 21. Mal ihren WIBF-Fliegengewichtstitel.
Halmich bildete jedoch nur die Spitze der "Nacht der langen Krallen".
Insgesamt zeigten zwölf weibliche "Katzen" und ein schwarzer
"Panther" die scharfen Krallen. Rückkehrer Juan
Carlos Gomez traf dabei auf den Nigerianer David
DeFiagbon.
1. Kampf: Susianna
Kentikian - Iliana
Boneva, vier Runden, Fliegengewicht
Den Auftakt zur langen "Ladies Night" machte Neuling Susianna
Kentikian. Gegnerin war die Bulgarin Iliana
Boneva, die allerdings auch im siebten Profikampf sieglos blieb.
Am Ende konnte Kentikian in ihrem Profidebüt einen Punktsieg verbuchen.
2. Kampf: Natascha
Ragosina Borislava
Goranova, vier Runden, Supermittelgewicht
Keinerlei Probleme hatte Natascha
Ragosina mit Borislava
Goranova. Ragosina, die mit ihrem aufrechten Kampfstil an Vitali
Klitschko erinnert, konnte ihre körperliche Überlegenheit auch
gegen die erfahrene Bulgarin nutzen. Erleichtert wurde ihre Arbeit durch
die Tatsache, dass Goranova normalerweise im vier Klassen tieferen Superleichtgewicht
angesiedelt ist. Am Ende siegte Ragosina in ihrem fünften Profikampf
einstimmig nach Punkten.
3. Kampf: Alesia
Graf Dayana
Santana, acht Runden, Superbantamgewicht
Vor noch weniger Schwierigkeiten wurde Alesia
Graf im darauf folgenden Duell gegen Dayana
Santana aus der Dominikanischen Republik gestellt. Die Stuttgarterin
zeigte eine herausragende, technisch vielleicht die beste Leistung des
Abends. Bereits in Runde eins kontrollierte sie den Kampf mit ihrem Jab,
der den Kopf ihrer Gegnerin im Verlauf des Kampfes immer wieder zurückschnappen
ließ. Die nächsten Runden offenbarten einen Klassenunterschied
zwischen beiden Boxerinnen, wobei Graf ihre Kontrahentin mit einer Vielzahl
an flüssigen Kombinationen, technisch sauber vorgetragenen Aufwärtshaken
und Körpertreffern eindeckte, die im Frauenboxen wirklich nicht an
der Tagesordnung sind. Auch die solide Doppeldeckung, die bei der gebürtigen
Weißrussin ihren Namen wirklich verdient, soll hier nicht unerwähnt
bleiben. Die völlig überforderte Dayana Santana versuchte zwar
mit wilden Schwingern über die Außenbahn irgendwie kämpferisch
dagegenzuhalten, wurde dann aber richtigerweise, vielleicht sogar schon
etwas zu spät, in der Pause zur fünften Runde von ihrem Trainer
aus dem Kampf genommen. Sieger durch TKO in Runde fünf war somit
Alesia Graf, die damit auch in ihrem achten Profikampf ungeschlagen blieb.
4. Kampf: Julia
Sahin Maya
Frenzel, zehn Runden, Fliegengewicht
Im vierten Gefecht des Abends stand nun die Deutsche Meisterschaft im
Fliegengewicht auf dem Spiel, um die sich Universum-Boxerin Julia
Sunshine Sahin und Maya
Frenzel von der Baden Box-Promotion bemühten. Verliefen die
ersten Runden noch verhältnismäßig ruhig, wobei sich Sahin
leichte Vorteile erboxen konnte, zog die Kölnerin in Durchgang vier
das Tempo an und deckte Frenzel mit Kombinationen zum Körper sowie
einer krachenden Rechten zum Rundenende ein. Die Karlsruherin blieb auch
weiterhin sehr empfänglich für die Schlaghand von Sahin. In
der neunten Runde machte sie dann auch nicht mehr den frischesten Eindruck.
Nachdem sie einige Aufwärsthaken und natürlich wieder mehrfach
die Rechte einstecken musste, konnte sie sich nur noch durch Klammern
aus dieser brenzligen Situation befreien. Da in Runde zehn nicht mehr
viel passierte, konnte sich Julia Sahin am Ende über einen einstimmigen
Punktsieg und den Deutschen Meistertitel freuen. Zweimal 100:90 sowie
einmal 99:91 lautete das Urteil des Kampfgerichts.
5. Kampf: Jan
Zaveck Martin Kukuls, sechs Runden, Weltergewicht
Als
erster Mann kletterte der SES-Profi Jan
Zaveck (Foto) in den Ring der Bördelandhalle. Sein
Gegner Martin
Kukuls war von der Sorte "Gelegenheitsboxer". Nach überstandener
Handverletzung nutzte Zaveck die Möglichkeit, vor heimischem Publikum
zu glänzen. Nach einigen klaren Treffern in der vierten Runde, trieb
Zaveck seinen lettischen Kontrahenten unnachgiebig durch den Ring, so
dass der sich ein Taxi zur Flucht gewünscht hätte. Sichtlich
angeschlagen vom Dauerbeschuss des Slowenen zog Kukuls die Notbremse.
Er ging auf ein Knie und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in der
vierten Runde war somit Jan Zaveck.
6. Kampf: Denis
Boytsov Ladislav
Slezak, vier Runden, Schwergewicht
Den fünften KO-Sieg im fünften Profikampf feierte der 18-jährige
Russe Denis
Boytsov. Sein slowakischer Gegner Ladislav
Slezak war mit dem jungen Talent völlig überfordert.
Bereits nach wenigen Sekunden wurde der Slowake das erste Mal angezählt.
Zwei Körpertreffer hatten ihn niedergestreckt. Boytsov vergeudete
keine weitere Zeit. Nach einer Serie von harten Körpertreffern genügte
ein Streifschuss mit der Linken, um Slezak erneut zu Boden zu schicken.
Ringrichter Andreas Schweiger zählte den Slowaken nach nur
104 Sekunden Kampfdauer aus. Das Publikum reagierte mit den einzigen Buhrufen
des Abends auf das ungleiche Duell. Da half es auch nichts mehr, dass
Ringsprecher Gerhard Müller den miserablen Kampfrekord (1-11)
des Slowaken verschwiegen hatte.
7. Kampf: Bert
Schenk Hamid
Bouhembel, acht Runden, Mittelgewicht
Das
Arbeitspensum von Bert
Schenk (BP-Nr. 11, Foto) hielt sich nach sechsmonatiger
Verletzungspause ebenfalls in überschaubaren Grenzen. Schon in der
ersten Runde musste sein Gegner Hamid
Bouhembel nach zwei schnellen linken Haken zu Boden. In Runde
drei legte Schenk mit seiner effektiven Schlaghand nach. Auf einen linken
Aufwärtshaken folgten ein Körpertreffer und zwei weitere linke
Aufwärtshaken. Den krönenden Abschluss bildete ein Hau
den Lukas-Treffer auf den tiefabgeduckten Franzosen, der dabei seinen
Mundschutz verlor. Manfred Küchler beendete das ungleiche
Duell in der dritten Runde. Wie nach dem Kampf bekannt wurde, wartet am
5. März 2005 eine wesentliche größere Herausforderung
auf den Universum-Profi. Dann trifft er in Leverkusen auf seinen Stallgefährten
Felix
Sturm (BP-Nr. 5).
8. Kampf: Juan
Carlos Gomez David
DeFiagbon, acht Runden, Schwergewicht
Zum
ersten Höhepunkt des Abends kam es dann, als Juan
Carlos Gomez (Foto) seinem Ruf als Schwergewichtshoffnung
wieder neues Leben einhauchen wollte, nachdem er im letzten Kampf überraschend
vom Kubaner Yanqui
Diaz in Runde eins gestoppt wurde. Dabei war für den Schwarzen
Panther mit David
DeFiagbon ein überraschend starker Gegner verpflichtet worden.
Trotzdem verlief die erste Runde dieses Mal schon wesentlich erfreulicher
für Gomez. Nach einem Jab-Duell in den ersten Minuten erwies sich
der Nigerianer als völlig unvorbereitet auf die Rechtsauslage seines
Gegners und musste zum Rundenende etliche linke Schlaghände des Kubaners
einstecken. Der zweite Durchgang verlief dann in etwas gemäßigtem
Tempo, was allerdings einen Zusammenprall der Köpfe beider Kontrahenten
nicht verhindern konnte. Leidtragender dieses Zwischenfalls war Juan Carlos
Gomez, der aus der Pause zur dritten Runde mit einer massiven Schwellung
über dem linken Auge aus seiner Ecke kam. Gewiss der Tatsache, die
volle Kampfdistanz mit dieser Verletzung nicht bestreiten zu können,
suchte der Universum-Boxer sofort den KO und attackierte DeFiagbon mit
wilden Kombinationen zum Kopf. Als dieser Wirkung zeigte, deckte Gomez
ihn ohne Rücksicht auf die eigene Kondition mit Schlagsalven ein,
bis der 34-Jährige hilflos und ohne nennenswerte Gegenwehr im Ring
umhertaumelte. Auch wenn der Zeitpunkt natürlich ein wenig unglücklich
war, so ist der Abbruch durch Ringrichter Kurt Stroer nach 2:58 Minuten
der dritten Runde durchaus gerechtfertigt. Sieger durch technischen KO:
Juan Carlos Gomez.
9. Kampf: Regina
Halmich Marylin
Hernandez, zehn Runden, Fliegengewicht
Ebenfalls
eine Art Wiedergutmachung stand nun für Regina
Halmich (Foto) auf dem Programm, die im Hauptkampf des
heutigen Abends ihren WIBF-Titel im Fliegengewicht gegen Marylin
Hernandez, die aus der Dominikanischen Republik angereist war,
verteidigen wollte. Zwar hatte Halmich keine KO-Niederlage auszumerzen,
jedoch war ihr umstrittener Punktsieg im letzten Kampf gegen Elena
Reid und die damit verbundene Medienkritik Anlass genug für
die Karlsruherin, es in diesem Kampf allen zeigen und wieder einmal einen
deutlichen Sieg einfahren zu wollen. Als Austragungsort für dieses
Unternehmen hätte sie sich wohl kaum etwas Geeigneteres aussuchen
können als Sven Ottkes Ex-Wohnzimmer, die gut gefüllte
Magdeburger Bördelandhalle. Schon zum Einmarsch brandeten Jubelstürme
auf, die zwar nicht mit denen konkurrieren konnten, die der ebenfalls
anwesende Sven Ottke bei seiner Vorstellung durch den Hallensprecher
einheimsen konnte, der Weltmeisterin aber durchaus einen sehr herzlichen
Empfang bereiteten.
Angetrieben davon begann Halmich konzentriert die erste Runde und bestimmte
das Geschehen über die linke Führhand. Dass die Herausforderin
sich von der Atmosphäre keineswegs beeindrucken lassen wollte, zeigte
sie zum Ende des Durchgangs, als sie eine Schlagkombination deutlich nach
dem Rundengong beendete, was ihr auch prompt den Unmut des scheinbar sehr
auf Regelkonformität bedachten Publikums einbrachte. In den folgenden
Runden übernahm die Deutsche dann immer mehr die Regie, indem sie
den Kampf über den Jab, wenn sie ihn denn regelmäßig schlug,
bestimmte. Immer mehr brachte sie ihre typischen Eins-Zwei-Kombinationen
ins Ziel, blieb aber wie üblich anfällig für die sporadisch
vorgetragenen Gegenangriffe ihrer Kontrahentin. Die gegnerische Linke
einmal konsequent zu vermeiden, wird sie wohl zu diesem Zeitpunkt ihrer
Karriere nicht mehr lernen. Bereits zur Mitte des Kampfes dominierte Halmich
die erst 20-jährige Dame aus Santo Domingo, die ihr einfach physisch,
technisch, und auch was Erfahrung sowie Professionalität anbelangt
einfach nicht das Wasser reichen konnte. Besonders deutlich wurde der
Unterschied in Sachen Power und Geschwindigkeit dann in Runde sieben,
als Hernandez, die einfach nicht aufstecken wollte und tapfer versuchte
dagegenzuhalten, bei einem offenen Schlagabtausch den kürzeren zog
und erneut schwere Kopftreffer hinnehmen musste. Zu Beginn des achten
Durchgangs musste die Titelträgerin dann noch eine kleine Schrecksekunde
überstehen, als sie ein Treffer von Hernandez kurzfristig zwang,
den Rückwärtsgang einzulegen, sie danach die Runde jedoch klar
für sich gestalten konnte und praktisch nach Belieben traf.
Angetrieben von immer wieder aufbrandenden Beifallsstürmen sowie
nicht enden wollenden Regina, Regina-Sprechchören, hatte
Halmich den Kampf mittlerweile zu einem Mismatch gestaltet, indem nur
der Kampfgeist ihrer Gegnerin sowie die Tatsache, dass die dominikanische
Trainercrew diesmal kein Einsehen mit ihrem jungen Schützling hatte,
sie um einen vorzeitigen Sieg brachte. Die einseitige Vorstellung war
scheinbar ganz nach dem Geschmack des Publikums, welches den Jubel zum
Kampfende nochmals forcierte. Spätestens als zwei in Folge gelandete
Führhände Halmichs den 5000 Kehlen in der Halle ein beeindrucktes
Raunen abgewann, ahnte man, dass die Magdeburger die Rekordweltmeisterin
als neue Mieterin des Ottke-Wohnzimmers akzeptieren
würden.
Zweimal 100:92 und einmal 100:91 lauteten die Urteile der drei Punktrichter,
die der Titelverteidigerin am Ende einen einstimmigen Punktsieg einbrachten.
Die Autoren dieses Artikels werteten den Kampf 100:91 bzw. 100:90.
Nach dem Kampf bedankte sich Regina dann auch wortwörtlich "beim
Svennie" für die gute Vorarbeit beim tollen Publikum und unterschrieb
auf ihre Weise den Mietvertrag, indem sie ankündigte,
sehr gerne nach Magdeburg wiederzukommen. Die Fans dürfen dann auch
auf einen Rückkampf mit Elena Reid hoffen, denn wie Trainer Torsten
Schmitz nach dem Kampf bekannt gab, wird man wahrscheinlich, nach
nur ein bis zwei weiteren Aufbaukämpfen, ja vielleicht sogar noch
in diesem Jahr, ganz abhängig von den Plänen der Weltmeisterin
dreier Gewichtsklassen, ein Rematch mit der Baby Doll bestreiten.
Neues Selbstbewusstsein wurde durch den klaren Sieg offensichtlich genug
getankt...
Sonntag,
16. Januar 2005
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