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Halmich und Ulrich siegen
von Thorsten Fritsche


Am Samstag fand die erste „Universum Champions Night“ des neuen Jahres in der Brandberge-Arena in Halle/Saale statt. Der Hamburger Boxstall schickte seine beiden Boxdiven Regina Halmich (Foto oben) und Thomas Ulrich jeweils in Titelkämpfen in den Ring. Die Karlsruherin sollte auf der Zielgeraden zum Karriereende ihren WIBF-Titel gegen die Ungarin Reka Krempf verteidigen, während der Athlet aus Berlin gegen den Franzosen Rachid Kanfouah um den vakanten Europameistertitel boxte, den er bereits zweimal innehatte. In weiteren Kämpfen traten Norman Schuster, Rudolf Kraj und Karolina Lukasik an.

Den Hauptkampf des Abends absolvierte
Regina Halmich (auf Foto rechts), die ihren voraussichtlich drittletzten Kampf bestreiten sollte. Ende des Jahres wird die WIBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht ihre Karriere wahrscheinlich beenden und den Rekord an absolvierten Titelkämpfen halten. Damit dies auch gelingt, hatten ihr die Verantwortlichen in Reka Krempf eine passende Gegnerin ausgesucht. Die Ungarin ist zwar ebenfalls Weltmeisterin der WIBF im Superfliegengewicht, hatte allerdings bereits sieben Niederlagen im Kampfrekord und versprühte schon beim Einmarsch nicht gerade Aggressivität und unbedingten Siegeswillen. Der eher zaghafte und zurückhaltende Eindruck bestätigte sich dann auch in den ersten Runden des Kampfes, als die 30-Jährige ihrer gleichaltrigen Gegnerin ohne allzu viel Widerstand den Vorwärtsgang und die Kontrolle über das Gefecht überließ. Halmich griff ihre insgesamt harmlose Kontrahentin immer wieder mit Kombinationen an, wobei sie vor allem ihre Führhand als Jab oder Haken häufig ins Ziel brachte. Einige Treffer schienen Krempf sogar kurzzeitig zu beeindrucken. Doch die Deutsche bot in ihren Angriffen selbst genügend Deckungslücken, so dass sie regelmäßig im Vorwärtsgang von einzelnen Schlägen getroffen wurde.

Erst ab Runde fünf hielt Krempf vermehrt dagegen und konnte den Kampf zumindest etwas ausgeglichener gestalten. Doch insgesamt beherrschte die Deutsche noch immer das Gefecht. Ab Runde acht mehrten sich erneut die harten Treffer auf Seiten der Titelverteidigerin und ließen das rechte Auge der Ungarin stark anschwellen. Krempf konnte den Kampf zwar über die Distanz bringen, war jedoch auch in den letzten zwei Durchgängen nicht in der Lage, das Geschehen im Ring an sich zu reißen. Am Ende gewann Regina Halmich verdient mit 99:92, 98:93 und 99:91 einstimmig nach Punkten.

Zuvor schickte sich der Berliner
Thomas Ulrich (Foto) an, zum dritten Mal in seiner Karriere Europameister im Halbschwergewicht zu werden, nachdem er in den letzten beiden Jahren in zwei Weltmeisterschaftskämpfen verloren hatte. Man kann sich natürlich wundern, ob wiederholte Niederlagen als WM-Herausforderer einen Boxer für Europameisterschaftskämpfe qualifizieren, aber als langjähriger Boxfan stellt man sich solche Fragen eigentlich nicht mehr. Der richtige Promoter macht es scheinbar möglich.

In dem Franzosen
Rachid Kanfouah hatte der Deutsche einen Gegner vor sich, den er aus gemeinsamen Sparringskämpfen als unangenehm in Erinnerung hatte. In der Tat sollte sich im Laufe des Kampfes herausstellen, dass die beiden Boxer hervorragend zueinander passten. Während die erste Runde noch eher verhalten und ausgeglichen verlief, sah Ulrich in den nächsten beiden Durchgängen leicht überlegen aus. Es fiel auf, dass er sich mehr bewegte als zuletzt und den Angriffen Kanfouahs, der sichtlich bemüht war, Druck zu machen, durch seitliche Bewegungen auswich. Doch ab Runde vier nahm der Berliner den Schlagabtausch vermehrt an. Beide Boxer zeigten nun, dass ihre Stärken in der Offensive liegen und konnten im Verlauf der folgenden Runden immer wieder harte Treffer unterbringen. Während Ulrich oft mit den genaueren Treffern punktete, wusste Kanfouah durch höhere Schlagfrequenz zu beeindrucken. Vor allem über die Außenbahn und mit Aufwärtshaken fand er immer wieder sein Ziel. Allerdings schien er dabei viel Kraft zu lassen.

Bis Runde acht hatte sich bereits ein aktionsgeladener und unterhaltsamer Kampf entwickelt, doch die Durchgänge acht und neun waren der klare Höhepunkt, als beide Kontrahenten fast ohne Pause harte Schläge austeilten, einsteckten und abwechselnd angeschlagen schienen. Ulrich, dessen Defensivmängel inzwischen hinreichend bekannt sind, war an Nase und rechter Augenpartie deutlich gezeichnet, während Kanfouah sichtlich die Kräfte schwanden.

In Runde zehn traf Ulrich dann mit einer ganzen Schlagserie, die seinen Gegner schwer taumeln ließ. Der Deutsche setzte mehrfach nach und deckte seinen Widersacher mit weiteren Treffern ein, bis aus der französischen Ecke schließlich das Handtuch in den Ring geflogen kam. Damit war Thomas Ulrich in einem spektakulären Kampf nicht nur Sieger durch technischen KO nach 2:36 Minuten in Runde zehn, sondern zugleich Europameister und Interkontinentaler Meister der WBO geworden. Im anschließenden ZDF-Interview sprach man natürlich gleich wieder von kommenden Weltmeisterschaftskämpfen.

Rudolf Kraj verteidigte seinen internationalen Titel des WBC im Cruisergewicht nicht weniger spektakulär. Insgesamt vier Mal schickte der Tscheche seinen Gegner Cesar David Crenz auf die Bretter. Der erste Niederschlag ereilte den Argentinier in Durchgang fünf. In Runde sieben gab es dann gleich zwei Bodenbesuche, wobei der erste davon sogar außerhalb des Seilgevierts endete, als Crenz durch die Ringseile rutschte. Nachdem Kraj seinen Gegner das vierte Mal runter geschickt hatte, brach Ringrichter Daniel van de Wiele den Kampf ab.

Auch Norman Schuster gewann vorzeitig. In der ersten Verteidigung seines deutschen Meistertitels im Weltergewicht schickte er seinen Herausforderer Mike Reissmann bereits in der ersten Runde dreimal zu Boden. Vom letzten Niederschlag durch einen Leberhaken erholte sich der Berliner nicht rechtzeitig und wurde von Ringrichter Manfred Küchler ausgezählt.

In einem weiteren Weltmeisterschaftskampf der Damen sicherte sich die Polin Karolina Lukasik den vakanten WIBF-Titel im Superweltergewicht gegen die Amerikanerin Jill Emry. In ihrem sechsten Profikampf setzte sich die Spotlight-Boxerin nach einem harten und engen Gefecht über eine geteilte Punktentscheidung durch. Zwei Punktrichter hatten Lukasik mit 99:92 und 97:93 vorn gesehen, während der dritte den Kampf 96:94 für Emry gab.

Montag, 15. Januar 2007


 
     

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