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Hamed
vs. Barrera - Der Vorbericht
von Steffen Kuhnt

Barrera
muß sich darauf vorbereiten, härter getroffen zu werden, als
er je in seinem Leben getroffen worden ist."
-
Wayne McCullough
"Naz
ist sehr selbstbewußt – er ist so überheblich, daß es
fast schon furchteinflößend ist."
- Emanuel Steward
"Boxen
ist für ihn so, als würde er ein Glas Wasser trinken."
- "Prince" Naseem Hamed über sich selbst
"Ich
mache ein Nickerchen. Oder vielleicht spiele ich Nintendo."
Marco
Antonio Barrera auf die Frage, was er während des typischen Hamed-walkins
tun werde.
Er
ist der lebende Beweis dafür, daß auch im Boxsport "Popularität"
und "Beliebtheit" zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind – "Prince"
Naseem Hamed. Kein Fighter jenseits
von Mike Tyson polarisiert die Massen so, wie der exzentrische Federgewichtsstar
aus Sheffield in England. Manche Fans hassen ihn, andere wiederum lieben
ihn. Aber ganz gleich, ob sie seine Siege feiern oder ihn verlieren sehen
wollen - eines haben sie doch alle gemeinsam: sie sehen sich seine Kämpfe
an.
Kaum
etwas an Hamed ist so, wie bei irgendeinem anderen Fighter in der Geschichte
des Boxens, und gerade den Puristen sind sein Stil und sein Auftreten
ein Greuel. Seine Balance ist schlecht, seine Bewegungsabläufe völlig
unorthodox und sein sportlicher Respekt vor seinen Gegnern ist nahezu
nicht vorhanden. Wie allerdings 31 seiner bisher 35 Gegner erfahren mußten,
ist nur das unerschütterliche Selbstvertrauen des Prinzen größer
als seine für einen Federgewichtler phänomenale Schlagkraft.
Selbst wenn es einem Gegner gelingt, Hamed trotz seiner katzenartigen
Reflexe zu treffen, genügt oft nur ein Gegentreffer, um das Blatt
entscheidend zu wenden. "Mein Punch ist ein Geschenk Gottes",
wird Hamed oft zitiert, und in der Tat ist es bislang keinem seiner Gegner
gelungen, dem praktizierenden Moslem das Gegenteil zu beweisen. Einige
Fighter brachten ihn in mehr oder minder große Schwierigkeiten,
wie beispielsweise Kevin Kelley
oder Paul Ingle, aber am Ende
behielt Hamed immer die Oberhand.
Bei
einem derart exzentrischen Fighter verwundert es kaum, daß er es
nie allen Kritikern recht machen wird. Zwar wird niemand ernsthaft bezweifeln,
daß er der wahre, uneingeschränkte Federgewichtschampion ist,
aber gerade in letzter Zeit klammern sich die ihm weniger wohlgesonnenen
Fachleute häufig an den letzten ihnen verbleibenden Strohhalm – die
Qualität seiner Gegner. Dabei ist gerade dies etwas, was man dem
Prinzen kaum vorwerfen kann – sein Kampfrekord ist gespickt von den Namen
amtierender oder ehemaliger Weltmeister und allgemein starker Fighter.
Doch
all dies ist lediglich ein Zeichen dafür, wie hoch Hamed selbst die
Meßlatte aufgelegt hat – für ihn scheinen andere Maßstäbe
zu gelten. Für den offenen Schlagabtausch mit Wayne
McCullough, der ihn selbst oft traf, konnte z.B. der nach wie
vor kräftig gehypte Erik Morales
weitaus mehr Lorbeeren einheimsen als Hamed, der gegen den Iren trotz
einer Handverletzung praktisch jede Runde klar gewann. Auch die Kritik
an der Würdigkeit seines letzten (von ihm vernichtend ausgeknockten)
Gegners Augie Sanchez erscheint nunmehr angesichts dessen starker
Auftritte gegen Luisito Espinosa
und Daniel Jimenez eher fragwürdig.
In
diesem Licht betrachtet dürfte der am Samstag stattfindende Fight
von Naseem Hamed eine Premiere darstellen, denn ausnahmsweise ist sich
nahezu die gesamte Fachwelt einig, daß es der Prinz diesmal mit
einem absolut würdigen Gegner zu tun haben wird. Und in der Tat sieht
sich der Mexikaner Marco Antonio Barrera
zu Recht keinesfalls als Außenseiter, wenn er Hamed im Ring gegenüberstehen
wird. Von allen mexikanischen Fightern dürfte Barrera derjenige sein,
der bezüglich Klasse und Kampfstil seinem Idol Julio
Cesar Chavez am nächsten kommt.
Dabei
paßt der ehemalige Jurastudent so gar nicht in das gängige
Klischee des mexikanischen Fighters. Der Sohn eines Filmproduzenten ist
intelligent, beherrscht und überrascht durch seine geradezu stoische
Ruhe – eine Eigenschaft, die er oft auch im Ring an den Tag legt. Dies
bedeutet jedoch keinesfalls, daß Barrera ein langweiliger Fighter
ist – in Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Der Erfolg des
Mexikaners begründet sich in seinem druckvollen Offensivstil, und
sein knallharter linker Körperhaken, Barreras Markenzeichen, gehört
zum Besten, was der Boxsport in diesem Bereich zu bieten hat. Auch das
Herz und der Kampfeswille von Marco Antonio Barrera sind unbestritten
– der sensationelle Fight gegen seinen Landsmann Erik Morales ist das
beste Indiz dafür.
Auch
in den besagten Fight ging Barrera als Außenseiter, stellte jedoch
unter Beweis, daß er dem von vielen Experten als einer der weltbesten
Boxer eingestufte Morales an jenem Abend mehr als nur ein gleichwertiger
Gegner war. In einem sensationellen Duell, daß es in Sachen Verbissenheit
und Dramatik mit jeder legendären Ringschlacht aufnehmen konnte,
steckte Barrera alle Treffer des als harten Puncher bekannten Morales
weg, fightete zurück und hatte seinen Gegner mehrfach am Rande des
KO. Daß dem völlig verschwollen aussehenden Morales am Ende
dennoch der Punktsieg zugesprochen wurde, wurde von allen Beobachtern
und Zuschauern nahezu einhellig als Skandal bezeichnet.
Die
Einschätzung, daß Barrera eine ausgezeichnete Chance hat, Hamed
zu besiegen, wie sie von nicht wenigen Fachleuten geäußert
wird, basiert im wesentlichem auf der Klasseleistung des Mexikaners im
Morales-Fight. Jedoch bestimmen nur allzu oft die Stile der Kontrahenten
den eigentlichen Kampf, und diesbezüglich sind Morales und Hamed
zwei Boxer, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Während
Morales ein aufrechter Offensivboxer mit einer guten rechten Hand ist,
ein Mann, der ständig nach vorn marschiert, den Schlagabtausch sucht
und auch gern bereit ist, Treffer zu nehmen um selbst ins Ziel zu kommen,
ist Hamed ein absolut unorthodoxer und schneller Rechtsausleger, der schwer
zu treffen ist, eher als Konterboxer agiert und als härtester Puncher
"pound for pound" gilt.
Es
ist wahrscheinlich, daß Barreras geradliniger, druckvoller (eben
mexikanischer) Stil dem Prinzen sehr entgegen kommt. Außerdem hatte
Barrera in der Vergangenheit immer einige Problemchen mit Rechtsauslegern,
auch wenn er diese stets besiegen konnte. Darüber hinaus basiert
Barreras Kampftaktik immer zu einem guten Teil auf seiner Fähigkeit,
einige Treffer des Gegners nehmen zu können – was gegen Hamed ein
sehr gefährliches Spiel sein dürfte.
Auf
der anderen Seite darf man nicht außer acht lassen, daß Hamed
gegen Boxer, deren Stil man zumindest einigermaßen mit dem von Marco
Antonio Barrera vergleichen kann, z.B. Paul Ingle und Augie Sanchez, oft
auch selbst einige Schwierigkeiten hatte. Barrera dürfte stärker
sein als die beiden genannten Fighter, so daß einiges für eine
spannende Auseinandersetzung spricht.
Das
BoxingPress-Team rechnet mit einem interessanten Match, daß
mit einem späten vorzeitigen Sieg von Hamed enden dürfte.
Auch nach Punkten dürfte es für Barrera schwer werden, den Prinzen
zu besiegen. Trotzdem sollte dieser damit rechnen, eine hartes Stück
Arbeit vor sich zu haben.
Premiere
World überträgt in der Nacht vom 07.04. zum 08.04. ab 04.00
Uhr live. Das Co-Event des Abends bestreiten Omar Sheika und Stephane
Ouellet - ein rassiges Supermittelgewichts-Duell, daß hoffentlich
ebenso übertragen wird.
Den ausführlichen Bericht von der Veranstaltung in Las Vegas gibt
es Sonntag im Laufe des Tages auf diesen Seiten.
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