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Tszyu & Hamed zurück im Ring
von Jörg Lüdemann


Mit "Prince" Naseem Hamed und Kostya Tszyu (Foto) kehren am kommenden Wochenende zwei potentielle P4P-Boxer in den Ring zurück. Am Samstag verteidigt Tszyu seine drei WM-Gürtel im Juniorweltergewicht im Mandalay Bay Casino in Las Vegas gegen den zähen Ghanaer Ben Tackie. Für den Australier ist es der erste Kampf seit seinem überzeugenden Sieg im Titelvereinigungs-Kampf gegen Zab Judah aus den USA, den er im vergangenen November in der zweiten Runde ausknocken konnte. Hamed wird in London gegen den 34-jährigen Ex-Europameister Manuel Calvo aus Spanien antreten. Seit dem letzten Kampf bzw. der ersten Niederlage des Briten gegen Marco Antonio Barrera sind dann bereits 13 Monate vergangen.

Tszyu: Vorbildlich in vielerlei Hinsicht

Kostya Tsyzu hat in der Vergangenheit vorgelebt, wie sich ein würdiger Weltmeister zu verhalten hat. Der 32-Jährige ist stets gegen die besten Gegner in seiner Gewichtsklasse angetreten. Seine letzten sieben WM-Kontrahenten hatten eine durchschnittliche Siegesquote von beachtlichen 97% (301 Siege bei 10 Niederlagen), bevor sie gegen Tszyu antraten. Darunter waren so klangvolle Namen wie Zab Judah, Julio Cesar Chavez und Miguel Angel Gonzalez sowie starke Boxer wie Sharmba Mitchell, Oktay Urkal und Diosbelys Hurtado.

Der Australier präsentiert sich stets in bester körperlicher Verfassung und studiert seine Herausforderer akribisch. Tszyu gilt gewichtsklassenübergreifend als einer der härtesten Puncher der internationalen Boxszene, doch dabei wird oft übersehen, dass der gebürtige Russe auch über eine exzellente Boxschule verfügt. Nicht umsonst verlief seine Amateur-Laufbahn überaus erfolgreich (259 Siege, 11 Niederlagen, Welt- und Europameister). Darüber hinaus besticht der 32-Jährige auch durch sein bescheidenes und intelligentes Auftreten außerhalb des Rings. Ein symphatischer Sportler durch und durch.

Dem gegenüber kann sein Herausforderer Ben Tackie bislang wenig Zählbares vorweisen. Gleichwohl gilt der Ghanaer als schlagstarker und widerstandsfähiger Boxer, der über gute Kondition und beachtliche Nehmerfähigkeiten verfügt. Tackie verlor noch nie vorzeitig. Mit diesen Attributen ist er für jeden Gegner unangenehm, doch gelang es bereits weniger renommierten Boxern wie Gregorio Vargas, John-John Molina, Ray Oliveira oder Roberto Garcia den 28-Jährigen auszuboxen. Allerdings musste Garcia seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und verlor in der zehnten Runde durch KO gegen Tackie. Gegen Oliveira kam Tackie auf den Punktzetteln zu einem eher schmeichelhaften Erfolg.

Trotz alledem dürfte der Ghanaer (Foto) einen würdigen Herausforderer abgeben, zumal Tszyu dazu neigt, sich gegen sogenannte "Brawler" wie Tackie auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen. Agiert Tszyu im Laufe des Kampfes zu überheblich, könnte er eine bittere Überaschung erleben. Für die Zuschauer vor Ort und an den Fernsehgeräten dürfte dieser Kampf also mit Sicherheit sehenswert werden. Die ganz offensichtliche Deckungsschwäche Tackie's, die Schlagkraft und die boxerische Überlegenheit Tszyu's sollten am Ende jedoch den Ausschlag zugunsten des Weltmeisters geben. Daher legt sich die BoxingPress-Redaktion auf einen vorzeitigen Sieg von Kostya Tszyu in der zweiten Kampfeshälfte fest.

Hamed: Ist das Feuer neu entflammt?

Wenn der 28-jährige Naseem Hamed am Samstag in den Ring der London Arena steigt, sind gut zehn Jahre seit seinem Profi-Debüt im Jahr 1992 vergangen. Doch zum ersten Mal in seiner Karriere wird der "Prinz" einem Gegner nicht mehr ungeschlagen gegenübertreten. Seine Niederlage gegen Marco Antonio Barrera im April des vergangenen Jahres in Las Vegas, die vor allem in ihrer Deutlichkeit überraschte, hat Hamed sowohl sportlich als auch mental sichtbar zurückgeworfen.

Barrera (Foto) führte den Briten über die gesamte Distanz mit einfachsten boxerischen Mitteln und taktischer Disziplin vor und zerstörte damit Hamed's Aura der Unbesiegbarkeit eindrucksvoll. Der Mexikaner lieferte mit seinem Sieg zugleich eine perfekte taktische Vorlage für alle nachfolgenden Gegner des Prinzen. Dass sein boxerisch limitierter Gegner am kommenden Samstag dies auszunutzen versteht, scheint allerdings eher unwahrscheinlich, doch dazu später mehr.

Mit der sportlichen Demoralisierung, den Querelen innerhalb des Hamed-Stalls und der Genugtuung mancher Hamed-Kritiker über dessen Niederlage, fand bei dem exzentrischen Ex-Champ in den vergangenen Monaten ein Prozeß des Umdenkens statt. Hamed kehrte zurück in den Schoß seiner Familie und fand offensichtlich zunehmenden Gefallen an seiner Rolle als Familienvater und der Gelassenheit, sich nicht mehr dem Druck der nächsten Titelverteidigung aussetzen zu müssen.

Ein direktes Rematch gegen Barrera lehnte der Brite ab. Ohnehin war lange Zeit ungewöhnlich wenig aus dem Munde des einstigen "Großmauls" zu hören. Vereinzelt angesetzte Kampftermine wurden frühzeitig wieder abgesagt, hinzu kam die Fastenzeit, in der Hamed nicht zu boxen pflegt. Der Comeback-Kampf gegen Manuel Calvo sollte bereits am 23. März stattfinden. Doch Hamed verletzte sich im Sparring am Rücken und konnte einige Wochen nicht trainieren. Zudem kamen Gerüchte auf, er habe zunehmend Probleme, das Federgewichts-Limit zu bringen.

Doch am Samstag werden all diese Dinge vorerst keine Rolle mehr spielen. Naseem Hamed will es noch einmal wissen, nimmt einen neuen Anlauf zu Titelehren. "Ich bin zuversichtlich, dass ich Calvo in eindrucksvoller Manier schlagen werde und dieser Kampf mich einem Rematch gegen Barrera näher bringt. Ich möchte 2002 mindestens drei Kämpfe bestreiten, die mit dem Rückkampf gegen Barrera enden werden, um meine Niederlage auszumerzen," sagte der Brite vor einigen Wochen.

Der Spanier Calvo (Foto) wird ihn auf diesem Weg wohl kaum aufhalten können. Zwar gewann der 34-Jährige seine letzten neun Kämpfe in Folge und ging in seiner langen Karriere noch nie KO, doch findet sich in seinem insgesamt 38 Profi-Fights umfassenden Rekord kaum ein nennenswerter Sieg. Calvo verfügt zwar über beachtliche Nehmerfähigkeiten, aber weder sein Punch noch seine boxerischen Anlagen sollten ein Problem für Hamed darstellen. Die BoxingPress-Redaktion rechnet daher auch mit einem vorzeitigen Erfolg von Naseem Hamed.


Ebenfalls am Samstag wird Fan-Liebling Arturo Gatti einen weiteren Comeback-Kampf im Junior-Weltergewicht gegen den harten "Irish" Mickey Ward bestreiten. Diese Ansetzung im Mohegan Sun Casino in Uncasville verspricht, ein
hochexplosiver Kampf zu werden - wie fast immer unter Gatti's Beteiligung. Sollte sich Gatti in diesem Kampf auf seine boxerischen Qualitäten besinnen, rechnet die Boxingpress-Redaktion mit einem Punktsieg des Kanadiers. Lässt sich Arturo hingegen auf einen offenen Schlagabtausch mit dem toughen Ward ein, ist vieles denkbar. Doch auch in diesem Fall sollte Gatti aufgrund seiner überlegenen Physis als Sieger aus dem Ring steigen.

 

 
     

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