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Rudy Markussen ist neuer Europameister - Der Bericht

Von Frank Bleydorn


Der Däne Rudy Markussen (Foto oben) ist neuer Europameister im Supermittelgewicht. Der 27-Jährige bezwang am Samstagabend Danilo Häußler in einem packenden Ringgefecht vor 3000 Zuschauern in Frankfurt (Oder) einstimmig nach Punkten. Damit trat der Däne in der Brandenburg-Halle die Nachfolge seines Landsmannes Mads Larsen (BP-Nr. 3) an, der den EM-Titel vor einiger Zeit verletzungsbedingt niedergelegt hatte und im Herbst gegen Manny Siaca (BP-Nr. 6) aus Puerto Rico um die WBA-Weltmeisterschaft boxen soll. Der neue Europameister Markussen schickte seinen Kontrahenten Häußler im Laufe des Aufeinandertreffens dreimal zu Boden.

1. Kampf: Wlodek Kopec vs. György Hidvégi, Cruisergewicht, angesetzt auf vier Runden

Der 24-jährige György Hidvégi landete am Samstag einen klaren Erfolg über Wlodek Kopec (Foto). Der Ungar drängte seinen 30-jährigen Kontrahenten mit der linken Führhand und harten rechten Haken von Beginn an zurück. Gegen seinen aggressiv eingestellten Gegner kam Kopec zwar im zweiten Durchgang etwas auf, doch ein schwerer linker Haken an den Kopf setzte dem Athleten aus Warschau schwer zu. Wenig später schickte ihn Hidvégi dann erstmals zu Boden, so dass Ringrichter Klaus Griesel den Polen anzählte. In der dritten Runde erhöhte der Ungar den Druck. Nach einem harten rechten Haken auf den Körper zählte der Referee Kopec erneut an, ehe er den Fight nach einer Minute und 23 Sekunden des Durchgangs nach einem weiteren Niederschlag durch Hidvégi zu Gunsten des Ungarn abbrach.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der dritten Runde György Hidvégi


2. Kampf: Michal Durovic vs. Krzysztof Bienias, Superleichtgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der ehemalige EM-Herausforderer von Oktay Urkal (BP-Nr. 7), Krzysztof Bienias (Foto) aus Polen, kam in der Brandenburg-Halle zu einem klaren Punktsieg gegen den Tschechen Michal Durovic. Der 24-jährige Athlet aus Warschau bereitete seine Aktionen konzentriert mit der linken Führhand vor, um immer wieder mit rechten Haken zu sauberen Treffern zu kommen. Sein an Reichweite deutlich unterlegener Kontrahent versuchte sein Glück mit Einzelaktionen. Doch Durovic überbrückte die Distanz gegen den Schützling von Trainer Fiodor Lapin zu selten. Bienias zeigte in der sechsten Runde mit sauberen Links-Rechts-Kombinationen noch einmal einige gute Aktionen und baute unter dem Jubel zahlreicher polnischer Zuschauer seinen Punktevorsprung weiter aus.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Krzysztof Bienias

3. Kampf: Floyd Trumpet vs. Mihaly Kotai, WBF-Weltmeisterschaft im Superweltergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Sehr aggressiv präsentierte sich zunächst Mihaly Kotaii (Foto) bei seiner Verteidigung des WBF-Titels gegen Floyd Trumpet. Mit einer schweren Rechten an den Kopf und weiteren Angriffsaktionen setzte der Ungar seinen Herausforderer in der Anfangsphase massiv unter Druck. Zudem hatte der Athlet vom karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago zunächst große Probleme mit seinem rutschigen Schuhwerk. Ab dem dritten Durchgang bekam der 30-jährige Trumpet seine Standprobleme durch Tapes an beiden Boxschuhen besser in den Griff und gestaltete das Aufeinandertreffen ausgeglichener. Der Kampf wurde zerfahrener, doch ab dem sechsten Durchgang erarbeitete sich Kotai mit linken und rechten Haken auf den Körper wieder ein klares Übergewicht. Trotz eines Cuts über dem linken Auge schickte der Titelverteidiger seinen Widersacher mit einer schweren Rechten in der achten Runde zu Boden. Der von Referee Ernst Salzgeber angezählte Trumpet erhob sich wieder, doch nach weiteren Treffern des 27-jährigen Titelverteidigers signalisierte die Ringecke des Herausforderers nach einer Minute und 50 Sekunden die Aufgabe.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der achten Runde Mihály Kotai

4. Kampf: Hamlet Petrosian vs. Alexander Sipos, Superweltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Einen großen Schritt nach vorne dürfte Superweltergewichtler Alexander Sipos (Foto) mit seinem Sieg gegen den 28-jährigen Hamlet Petrosian gemacht haben. Beide Kontrahenten glänzten in der Anfangsphase mit schnellen Aktionen und attackierten ihren Gegner häufig mit der linken Führhand. Dabei erboxte sich der in Frankreich lebende Petrosian zunächst leichte Vorteile. Ab der dritten Runde agierte Sipos effektiver und kam beispielsweise mit einer Linken an den Kopf des in Armenien geborenenen Konkurrenten zu einem harten Treffer. Auch in der Folgezeit zeigte sich der Wegner-Schützling aggressiver. Zwar erwischte Petrosian den gebürtig aus Wolfratshausen stammenden Widersacher im vierten Durchgang mit einem linken Haken am Kopf schwer, doch der deutsche Superweltergewichtler hielt mit seinen Links-Rechts-Kombinationen sofort wieder dagegen. Ab der fünften Runde erkämpfte sich Sipos weiter Vorteile und wirkte ein wenig frischer, so dass er nach acht Runden auf den Wertungszetteln der Punktrichter vorne lag.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Alexander Sipos

5. Kampf: Aleksandre Borhovs vs. René Dettweiler, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Einen schweren Stand hatte René Dettweiler (Foto) im Schwergewichtskampf gegen Aleksandre Borhovs aus der Republik Lettland. Gegen den in seiner Profikarriere bislang sieglosen Kontrahenten übte der von Manfred Wolke trainierte Schwergewichtler zunächst mit seiner rechten Führhand großen Druck aus und kam zu guten Treffern. Doch ab der zweiten Runde hatte sich Borhovs, der eigentlich eher im Cruisergewicht zu Hause ist, besser auf die Aktionen des deutschen Rechtsauslegers eingestellt und versuchte, selbst Akzente zu setzen. Mit der linken Führhand hielt der Lette den von der Ringmitte aus agierenden Dettweiler dabei auf Distanz, so dass der 21-jährige Deutsche nur selten mit seiner linken Geraden glänzen konnte. Der 30-jährige Borhovs ergriff im Schlussdurchgang noch einmal die Offensive, lag aber auf den Wertungszetteln der Punktrichter am Ende des Kampfes hinten.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten René Dettweiler

6. Kampf: Terry McGroom vs. Cengiz Koc, Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Den 19. Erfolg im 19. Profikampf erzielte am Samstag Cengiz Koc. Der Schützling von Trainer Ulli Wegner hatte gegen Terry McGroom , der im März 2001 erfolglos gegen Vassily Jirov (BP-Nr. 20 im Schwergewicht) um die IBF-Krone im Cruisergewicht boxte, in der Anfangsphase Probleme. So wirkte der Amerikaner erst einmal aktiver. Doch den Schlägen des 38-Jährigen fehlte die Härte. Zudem stand Koc in der Deckung gut und fand ab der dritten Runde besser in den Kampf. Ende des fünften Durchgangs kam er mit seinen linken und rechten Haken zum Kopf zu guten Treffern. In der sechsten Runde wirkte der 26-jährige Schwergewichtler aus Berlin kräftemäßig überlegen und attackierte seinen Kontrahenten mehrfach mit seinen Links-Rechts-Kombinationen.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Cengiz Koc

7. Kampf: Richard Bango vs. Nicolay Valuev, WBA-Interims-Internationale Meisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zehn Runden

Weiterhin ungeschlagen blieb in Frankfurt (Oder) der Russe Nicolay Valuev (Foto). Der 2,17 Meter große Schwergewichtler dominierte das Geschehen im Ring gegen Richard Bango deutlich. Immer wieder nutzte der 30-jährige Schützling von Trainer Manvel Gabrielyan seine Reichweitenvorteile aus und drängte den in Spanien lebenden Konkurrenten zurück. Dabei stellte Valuev seinen tapfer kämpfenden Gegner immer wieder an den Ringseilen und setzte ihm mit harten rechten Haken und Schlagkombinationen an den Kopf zu. Bango versuchte, mit rechten Schwingern dagegen zu halten, hatte aber Probleme, die Distanz zu überbrücken. Dabei hatte der Olympia-Silbermedaillengewinner im Superschwergewicht von 1992 Glück, dass nicht alle rechten Geraden und Haken von Valuev ihr Ziel fanden. Trotzdem war der 36-jährige Schwergewichtler in der Pause zur sechsten Runde schwer gezeichnet, so dass Ringarzt Dr. Thorsten Dolla eine starke Schwellung am linken Ohr inspizierte. Doch der Nigerianer konnte den Kampf zunächst fortsetzen. Nach einer Rechten, die eher den Hinterkopf des in Ibadan geborenen Athleten traf, ging Bango zu Boden und wurde von Ringrichter John Coyle angezählt. Unmittelbar danach brach der Referee aus England das Aufeinandertreffen wegen der größer werdenden Schwellung am linken Ohr des Nigerianers nach einer Minute und 50 Sekunden der sechsten Runde ab.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der sechsten Runde Nicolay Valuev

8. Kampf: Doug Liggion vs. Sinan Samil Sam, Schwergewicht, angesetzt auf zehn Runden

Keine Zweifel ließ Ex-Europameister Sinan Samil Sam (Foto) bei seinem Erfolg gegen Doug Liggion aus den USA aufkommen. Der von Ulli Wegner trainierte Schwergewichtler agierte schon in den ersten Sekunden des Ringgefechtes sehr druckvoll und stellte seinen 36-jährigen Kontrahenten mit seinen Schlagkombinationen an den Ringseilen. Mit einer schweren Rechten knockte Sam seinen Gegner nach nur einer Minute und 58 Sekunden klassisch aus. Damit erreichte der 30-jährige Schwergewichtler aus der Türkei seinen 20. Sieg im 22. Profikampf.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der ersten Runde Sinan Samil Sam

9. Kampf: Branko Sobot vs. Mger Mkrtchian, Supermittelgewicht, angesetzt auf acht Runden

Einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ der ehemalige WBO-WM-Gegner (21.02.2004) von Joe Calzaghe (BP-Nr. 1), Mger Mkrtchian, bei seinem Kampf in der Brandenburg-Halle. Der 27-jährige Armenier übte schon in der Anfangsphase großen Druck auf den Rechtsausleger Branko Sobot aus. Der gebürtige Kroate, der 1998 ebenfalls um den WBO-Gürtel kämpfte, hatte nach zwei Niederschlägen große Mühe, die erste Runde zu überstehen. Im zweiten Durchgang drängte Mkrtchian den 32-Jährigen wieder zurück. Mit einer Rechten schickte er den in Zagreb geborenen Supermittelgewichtler erneut zu Boden, so dass Ringrichter Klaus Griesel den Kampf nach zwei Minuten und 21 Sekunden beendete.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Runde Mger Mkrtchian

10. Kampf: Rudy Markussen vs. Danilo Häußler, Europameisterschaft im Supermittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Eine dramatische Ringschlacht boten sich Rudy Markussen (Foto) und Danilo Häußler im Kampf um die Europameisterschaft. Der Däne erwischte den deutlich besseren Start und brachte klare Treffer ins Ziel, die zu einem Cut unter dem linken Auge von Häußler führten. Doch der Schützling von Trainer Manfred Wolke fand in der zweiten Runde besser in den Kampf. Trotzdem wirkte der in der Rückwärtsbewegung agierende Skandinavier aktiver. Seinen Kontrahenten hinderte zudem ein Cut an der Stirn, der nach einem Zusammenprall mit den Köpfen entstanden war. Ab dem dritten Durchgang kam Häußler auf. Der 29-jährige Supermittelgewichtler stellte den inzwischen ebenfalls durch eine Platzwunde am rechten Auge gezeichneten Markussen einige Male an den Ringseilen und kam mit seinen Links-Rechts-Kombinationen zu Treffern. Doch in der fünften Runde schickte der zu diesem Zeitpunkt eigentlich zu passiv agierende Däne seinen deutschen Gegner plötzlich mit einem fulminanten rechten Aufwärtshaken schwer zu Boden. Der in Schwedt geborene Athlet überstand die Runde, musste aber im nächsten Durchgang nach einer Rechten des Skandinaviers erneut einen Niederschlag hinnehmen. Doch Häußler stemmte sich gegen die drohende Niederlage und übte in der Folge starken Druck auf Markussen auf. Dabei drängte der Wolke-Schützling seinen Widersacher immer wieder an die Seile zurück und brachte seine Hände ins Ziel. In einer kampfbetonten Schlussrunde musste Häußler allerdings einen weiteren Niederschlag hinnehmen, so dass sein Traum vom erneuten Gewinn des EM-Titels platzte. Die Punktrichter werteten den Fight mit 113:112, 115:111 und 115:111 für Markussen, der sich damit an seinem 27. Geburtstag erstmals den EM-Titel sicherte.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Rudy Markussen



 
     

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