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Geschenkter Sieg für Hoffmann

von Benni Vivacqua


Im Vorprogramm des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Markus Beyer (BP-Nr. 10) und Danny Green (BP-Nr. 3) fand die Auseinandersetzung zwischen Timo Hoffmann (Foto oben) und dem Australier Bob Mirovic um den vakanten IBF Intercontinental-Titel im Schwergewicht statt.

Erstmals in der Ecke des Eislebeners war sein neuer Trainer Buddy McGirt aus den USA, wo Hoffmann auch eine mehrwöchige Trainingsphase absolvierte. Der 30-Jährige ging als hoher Favorit in den Kampf gegen seinen neun Jahre älteren Gegner, der schon in der Anfangsphase des Kampfes vom Kommentator der ARD wie der sichere Verlierer beschrieben wurde. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass alles ganz anders kommen sollte.

Hoffmann konnte die ersten drei Runden noch äußerst knapp für sich verbuchen, doch schon in diesen Durchgängen wurde deutlich, dass Mirovic nicht zum Verlieren nach Zwickau gekommen war. Die guten Jabs und harten Haken des gebürtigen Kroaten schon in den Anfangsrunden wurden als Warnzeichen von seinem Gegenüber nicht erkannt, ebenso wenig wie die fünf rechten Volltreffer, die gleich zu Anfang der vierten Runde bei Hoffmann einschlugen. Als nach etwa einer Minute dieses Durchgangs eine weitere Rechte die Schläfe des Deutschen traf, wackelte dieser bedenklich und ging sogar während des Nachsetzens von Mirovic zu Boden. Der Ringrichter entschied nicht auf einen Niederschlag, was man durchaus hätte tun können. Noch angeschlagen hielt sich Hoffmann auch in der fünften Runde nur mit Mühe auf den Beinen. Im sechsten und siebten Durchgang versuchte der Deutsche wieder in den Kampf zu kommen und setzte wieder einige Treffer, doch mit rammenden Jabs, wuchtigen Haken sowie der größeren Aktivität entschied der Australier auch diese Runden für sich. In der achten Runde wirkte Hoffmann erneut angeschlagen, doch seine bekannt guten Nehmerfähigkeiten verhinderten Schlimmeres. Die Runden neun und zehn boten ebenfalls das gleiche Bild. Mirovic war einfach effektiver und setzte die besseren Treffer. Im elften Durchgang, den ebenfalls der 39-Jährige bestimmte, kam der Ringrichter Hoffmann zur Hilfe mit einem diskussionswürdigen Punktabzug wegen Haltens gegen Mirovic, so dass diese Runde unentschieden gewertet werden musste. Im letzten Durchgang waren die Kontrahenten beide dermaßen erschöpft, dass außer Klammern keine nennenswerten Aktionen mehr zustande kamen. Auf dem Punktezettel des BP-Autors lag Bob Mirovic am Ende mit 117:112 vorne.

Der Punktzettel des BoxingPress-Autors
Runde
Timo Hoffmann
Bob Mirovic
1
10
9
2
10
9
3
10
9
4
8
10
5
9
10
6
9
10
7
9
10
8
9
10
9
9
10
10
9
10
11
10
10
12
10
10
Gesamt
112
117


Die offiziellen Punktrichter werteten den Kampf 116:111, 115:112 und 115:112 für Hoffmann und lösten damit ein minutenlanges, gellendes Pfeifkonzert der Zuschauer aus. Zwei Boxer trugen im Ring einen sportlichen Wettkampf aus, die Offiziellen degradierten die Auseinandersetzung durch ihre beschämende Wertung zu einer Jahrmarktsveranstaltung. In einem Boxkampf, der über die Runden geht, ist man den Athleten eine faire Entscheidung schuldig, die einzig und allein auf den Geschehnissen im Ring beruhen sollte. Neben dieser eigentlich selbstverständlichen Interpretation der Punktrichteraufgaben sollten sich alle Offiziellen auch stets der Verantwortung bewusst sein, mit einer Entscheidung die sportliche sowie auch ökonomische Zukunft der Athleten wesentlich zu beeinflussen. Eine Entscheidung wie in diesem Kampf dient einzig den Interessen derjenigen, die mit Timo Hoffmann hochgesteckte Ziele verfolgen und ihre Investition schützen wollen. Auf der Strecke blieb dabei der Sportsgeist und die Fairness.

Timo Hoffmann scheint einmal mehr am Scheideweg der Karriere angelangt zu sein. Seine häufigen Trainerwechsel und die damit einhergehende, dauernde Veränderung seines Stils scheinen seinen Leistungen im Ring abträglich zu sein. Keine seiner zuletzt gezeigten Leistungen, weder das schmeichelhafte Unentschieden gegen Luan Krasniqi (BP-Nr. 15), noch die gestrige Vorstellung gegen den 39-jährigen Mirovic, berechtigt im entferntesten zu Hoffnungen auf einen WM-Titel, wie sie Buddy McGirt geäußert haben soll. Kritische Reflexion und realistische Zielsetzungen wären Hoffmann jetzt eher anzuraten als das Nachjagen von Träumen, die sich nie erfüllen werden.
Montag, 14. März 2005


 
     

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