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Hoffmann und Häußler in Aktion
von Peter Selzer

Am Samstag veranstaltet der Boxstall von Promoter Wilfried Sauerland einen Kampfabend in der Heimatstadt der beiden Hauptakteure Timo Hoffmann und Danilo Häußler, Frankfurt/Oder (die ARD überträgt live ab 22.55 Uhr). Ob in der Brandenburg-Halle nun wirklich, wie in den offiziellen Meldungen des Veranstalters zu lesen ist, eine "Box-Gala" im Osten der Republik stattfindet, wird freilich in erster Linie von den vier Hauptkämpfern abhängen. Während Hoffmann sich über 12 Runden mit dem Briten Henry Akinwande messen wird, verteidigt Häußler seinen EM-Titel im Supermittelgewicht gegen den Franzosen Rachid Kanfouah.

Zunächst wird der wohl zurzeit beste deutsche Schwergewichtler in den Ring steigen, der 28-jährige Timo Hoffmann (Foto). Der in Eisleben geborene Hoffmann genießt einen recht hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland. Dies ist nicht unbedingt auf herausragende Leistungen im Seilgeviert, sondern eher auf seine ihm eigene Art des Auftretens zurückzuführen. Insbesondere seine Interviews nach dem Kampf reißen den Boxfan oftmals mehr mit als die boxerischen Fähigkeiten des 28-Jährigen.

Dennoch sollte die boxerische Weiterentwicklung der "deutschen Eiche" nicht unterschlagen werden. In den ersten Jahren seiner Karriere konnte man sich wahrlich nicht darauf verlassen, dass es Hoffmann auch nur annähernd in die Nähe der europäischen Boxelite schaffen würde, zu durchschnittlich waren seine Leistungen. Seine behäbigen Körperbewegungen ließen zu, dass ihn fast jeder seiner Gegner beliebig treffen konnte. Da Timo Hoffmann auch nicht über die Nehmerfähigkeiten wie z.B. ein Oliver McCall verfügte, fand er sich u.a. gegen den eher unterdurchschnittlichen französischen Schwergewichtler Antoine Palatis mehrmals am Boden wieder. Der weitere Verlauf der Karriere war eher mit Skepsis zu betrachten.

Doch zwei Ereignisse veränderten das Boxerleben des Mannes, der nunmehr in Frankfurt/Oder lebt: Sein Kampf gegen Vitali Klitschko (Foto) und der Trainerwechsel von Ulli Wegner zu Manfred Wolke. Wurde Hoffmann in seinem Kampf gegen den älteren Klitschko im Vorfeld eher als Opfer denn als Kontrahent bezeichnet, zeigte der Deutsche eine herausragende Willensleistung. Er ließ sich auch von härtesten Treffern des ehemaligen WBO-Weltmeisters nicht beeindrucken und versuchte ständig Druck auszuüben. Zwar unterlag er eindeutig nach Punkten, hatte aber durch seine mutige Leistung die Herzen der Zuschauer in der Halle und vor den Fernsehschirmen gewonnen.

Auch der Wechsel zu Wolke, dem ehemaligen Trainer von Henry Maske brachte Hoffmann sichtbare sportliche Fortschritte. Manfred Wolke kann ihm seine ganze Aufmerksamkeit schenken, bei Ulli Wegner fühlte sich Hoffmann hinter die beiden Supermittelgewichtsweltmeister Sven Ottke und Markus Beyer eher zurückgesetzt.

Wolke gelang es auch, den Stil Hoffmanns aggressiver zu gestalten und die Schlagkraft zu optimieren. Vorzeitige Siege gegen den deutschen Konkurrenten Balu Sauer oder US-Eisenschädel Dick Ryan unterstreichen den beachtlichen Leistungssprung des gelernten Konditors.

Sein Gegner am Samstag wird der ehemalige WBO-Weltmeister Henry Akinwande (Foto) sein. Wäre der Kampf gegen Hoffmann vor zwei Jahren angesetzt worden, man hätte den Deutschen getrost als chancenlos bezeichnen können. Zwar boxte der Engländer, der in Deutschland insbesondere durch seine zwei Kämpfe in den 90er Jahren gegen Axel Schulz bekannt wurde, nie spektakulär, doch verstand er es immer, seine enorme Reichweite, seine Schlaghärte und seine technischen Fertigkeiten geschickt einzusetzen. Vorzeitige Siege über Jeremy Williams, Alexander Zolkin oder  Maurice Harris sprechen eine klare Sprache.

Doch scheint der nunmehr 37-Jährige ein Schicksal vieler anderer Berufskollegen zu teilen - Akinwande scheint "über Nacht alt geworden zu sein". Diese Nacht hat auch ein genaues Datum, es handelt sich um den 17.November des Jahres 2001. Im Kampf gegen Oliver McCall führte Akinwande klar nach Punkten, bis ihn eine harte Rechte des Amerikaners in der zehnten Runde traf und er den Kampf durch KO verlor. Seit diesem Zeitpunkt fand der Schützling des Meistertrainers Don Turner nicht annähernd zu seiner alten Form zurück. Geradezu erschreckend waren seine Leistungen in den beiden letzten Kämpfen gegen Sam Ubokane und Roman Suchoterin (BoxingPress berichtete). Mit diesen beiden Vorstellungen wurde Akinwande auch die zweifelhafte Ehre zuteil, von den BoxingPress-Lesern gleich zweimal in die Liste der schlechtesten Kämpfe des Jahres 2002 gewählt zu werden.

Fazit:

Das Management von Timo Hoffmann wählte mit Henry Akinwande einen sehr bekannten Namen. Ein Sieg über den Engländer bringt dem Deutschen mehr internationale Anerkennung als ein Sieg über den international noch eher unbekannten Europameister Sinan Samil Sam - ein Kampf, auf den Timo Hoffmann ebenfalls eine Option hat.

Gefahr wird sich für Hoffmann ergeben, sollte Henry Akinwande einen zweiten Frühling erleben und an seine früheren Fähigkeiten anknüpfen können. Gelingt es Akinwande, seine gute linke Führhand zu etablieren oder eine seiner gefährlichen rechten Schlaghände genau ins Ziel zu bringen, dann könnte der Engländer einen Sieg für sich verbuchen, so wie es auch Don Turner für den kommenden Samstag angekündigt hat. Aufgrund der zuletzt beständig schlechten Leistungen des Engländers mag aber die Redaktion von BoxingPress nicht an ein solches Comeback glauben und geht von einem Punktsieg des Deutschen aus. Hoffmann scheinen hoch gewachsene Gegner zu liegen. Mit seiner stabilen Doppeldeckung und seinem unermüdlichen Angriffswillen dürfte er den Großteil der Runden für sich verbuchen - so ihn der Respekt vor dem großen Namen des Gegners nicht verkrampfen lässt.

Danilo Häußler vs. Rachid Kanfouah

Im anschließenden zweiten Hauptkampf trifft der amtierende Supermittelgewichts-Europameister Danilo Häußler (Foto) auf den international unbekannten Franzosen Rachid Kanfouah.
Die aktuelle Situation im Supermittelgewicht macht es dem 27-jährigen Mann aus Frankfurt/Oder nicht leicht. Drei der vier Weltmeistergürtel hängen um die Hüften deutscher Boxer. Doch nicht nur das: Sven Ottke, Weltmeister der Verbände IBF und WBA, sowie Markus Beyer, Weltmeister der WBC, sind ebenso wie Häußler bei Wilfried Sauerland unter Vertrag. Bliebe für Häußler nur der Weg zur WBO-Krone, sollte er momentan einen Weltmeisterschaftskampf bestreiten wollen. Einen Kampf um die WBA-Weltmeisterschaft, der aufgrund von Ottkes Statut als "WBA-Superchamp" ebenfalls möglich wäre, soll außer Betracht bleiben.

Doch die WBO war noch nie ein Thema für einen Boxer aus dem Sauerland-Camp. Dies mag weniger an der Organisation selbst, als an der Tatsache liegen, dass Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl seine Boxer primär um die WBO-Titel kämpfen lässt und zweifelsfrei auch über einen gewissen Einfluss in der WBO verfügt. Es wäre Danilo Häußler auch nicht unbedingt zu raten, den amtierenden WBO-Weltmeister Joe Calzaghe (Foto) herauszufordern, denn der Boxer aus Wales gilt allgemein als bester Boxer dieser Gewichtsklasse. Auf ein Duell zwischen Calzaghe und Ottke wartet die Boxwelt daher wohl leider vergeblich.

Also verbleibt Häußler nur die Krone Europas, bis Ottke, das Zugpferd von Wilfried Sauerland, seine Karriere beendet. Ob man dem Deutschen allerdings mit Gegnern wie dem 30-jährigen Kanfouah einen Gefallen tut, darf bezweifelt werden. Der Mann aus Vichy verfügt zwar über einen guten Kampfrekord (21-2-2 (18 KOs)), schaut man jedoch auf die Namen in besagtem Kampfrekord, kann man ihm wohl die Berechtigung absprechen, um die Europameisterschaft zu kämpfen. Der Franzose verfügt zwar über ein Kämpferherz, ist ein robuster und zäher Kämpfer, doch seine boxerischen Fähigkeiten sind limitiert und er gehört nicht gerade zu den Schnellsten seiner Zunft. Der deutsche Fernsehzuschauer konnte sich davon schon bei diversen Übertragungen auf Eurosport überzeugen.

Sicherlich hätte man Häußler vor eine größere Herausforderung stellen können, wobei fraglich ist, ob z. B. die Dänen Rudy Markussen und  Mikkael Kessler oder der Franzose und Bezwinger von Rachid Kanfouah, Jean Paul Mendy, bereit gewesen wären, um die Europameisterschaft zu kämpfen. Des Weiteren bestreitet Häußler eine freiwillige Titelverteidigung, bei der erfahrungsgemäß nicht die stärksten Herausforderer ausgewählt werden. Am interessantesten wäre aus deutscher Sicht wohl ein zukünftiges Duell des Europameisters gegen den wiedererstarkten Mario Veit aus dem Universum-Boxstall. Dieser Kampf könnte auch die deutschen Hallen außerhalb des Einzugsgebietes von Frankfurt/Oder füllen.

Fazit:

Die Redaktion von BoxingPress geht von einem klaren Sieg Häußlers aus, vielleicht sogar vorzeitig. Es bleibt zu hoffen, dass Wilfried Sauerland seinem Boxer, der zweifelsfrei über ein enormes Kämpferherz verfügt und wohl keiner Herausforderung aus dem Weg gehen würde, bei der nächsten Titelverteidigung einen Herausforderer in den Ring stellen wird, dessen Siegchancen bei mehr als 10 bis 20 Prozent liegen werden.

Die ausführliche Analyse des Kampfabends in Frankfurt gibt es am Sonntag auf diesen Seiten.

 

 
     

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