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Box-Eklat in Kempten
- Der Bericht
von Frank Bleydorn
Fotos von Daniel Hiller
Außergewöhnliches
spielte sich am Samstagabend bei der internationalen Boxsportgala in Kempten
ab. Vor allem der mit Spannung erwartete Kampf um die EU-Meisterschaft
im Cruisergewicht zwischen dem 22-jährigen Marco
Huck (BP-Talent, Foto) und dem Italiener Pietro
Aurino hatte es in sich. Nach interessantem Beginn endete
der Fight jedoch mit einem Eklat. Der 30-jährige Boxprofi aus Torre
Annunziata verließ in der zweiten Runde wutentbrannt den Ring und
kassierte damit eine Niederlage durch Aufgabe.
Pietro
Aurino vs. Marco
Huck, EU-Meisterschaft im Cruisergewicht, angesetzt auf zwölf
Runden
Der 22-jährige Marco Huck ist neuer EU-Champion im Cruisergewicht.
Er sicherte sich den zuvor vakanten Titel in der BigBOX Allgäu vor
3.000 Zuschauern. Nach ausgeglichenem Beginn überschlugen sich im
zweiten Durchgang des insgesamt unsauber geführten Kampfes die Ereignisse.
Huck stellte seinen in der Rechtsauslage agierenden Kontrahenten mehrfach
mit schnellen Händen. Der 30-jährige Aurino geriet mehr und
mehr unter Druck. Ende der zweiten Runde kam es in der roten Ecke zum
offenen Schlagabtausch. Ohne dass Ringrichter Jean-Louis Legland
eingreifen konnte, verlor Aurino offensichtlich die Nerven und
rammte dem Schützling von Trainer Ulli Wegner zweimal den Kopf ins
Gesicht. Huck reagierte ebenfalls mit einer unschönen Aktion und
zog in einer Art Reflex sein Knie hoch, das den Widersacher glücklicherweise
nicht richtig traf. Infolge der Kopfstöße sprach der Referee
dann einen doppelten Punktabzug gegen den Italiener aus. Huck, dessen
Revanche-Aktion vom Ringrichter offenbar nicht gesehen wurde, hatte Glück,
dass er nicht verwarnt wurde. Aurino verlies daraufhin wütend den
Ring. Zwar brachte ihn sein Team noch einmal dazu, in das Seilgeviert
zurückzukehren, doch den Regeln der European Boxing Union (EBU) entsprechend
wurde diese Aktion als Aufgabe gewertet. Huck, der auch in seinem 17.
Profikampf ungeschlagen blieb, wurde danach zum neuen EU-Champion gekürt.
"Wer ohne Einwirkung des Gegners aus dem Ring steigt, gibt auf.
Das gilt auch für Aurino", begründete Ringrichter
Jean-Louis Legland seine Entscheidung nach dem Aufeinandertreffen. Huck-Trainer
Ulli Wegner sagte nach dem Kampf, dass er sich für die Zuschauer
gewünscht hätte, dass der Fight noch nicht beendet worden wäre.
Doch die Regeln der EBU seien eindeutig und hätten keine Fortführung
des Fights zugelassen.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Runde Marco Huck
Peter
Mitrevski Jr. vs. Sebastian
Sylvester, WBA-Intercontinental Meisterschaft im Mittelgewicht, angesetzt
auf zwölf Runden
Sebastian Sylvester löste in Kempten das Ticket für seine EM-Revanche
gegen den Finnen Amin Asikainen. Im Kampf um die WBA-Intercontinental
Meisterschaft besiegte der Greifswalder den Australier Peter Mitrevski
Jr. durch TKO in Runde acht. Dabei startete Sylvester von Beginn an mit
der linken Führhand aggressiv. Von der Ringmitte aus agierend brachte
der 26-Jährige erste Links-rechts-Kombinationen und Körperhaken
ins Ziel. Im zweiten Durchgang wurde Mitrevski zunächst mit seinem
Jab aktiver, sah sich jedoch später in der Runde wieder in der Defensive.
In Durchgang drei präsentierte sich der Australier erst einmal mit
seinen linken Aufwärtshaken aus kurzer Distanz gefährlich. Doch
Sylvester wirkte weiterhin mit seiner linken Führhand deutlich effektiver.
Zum Leidwesen des Deutschen übersah Ringrichter Mikael Hook einen
absichtlichen Kopfstoss des 27-jährigen Gegners. Zum Glück blieb
dieser jedoch ohne Folgen. Das Geschehen wurde allerdings insgesamt unsauberer
und zerfahrener. Nach Schlägen auf den Hinterkopf ermahnte der Referee
Sebastian Sylvester. Doch auch sein Gegner hatte sich zuvor durch absichtliches
Nachschlagen nach dem Stop-Kommando nicht sonderlich fair verhalten. In
der siebten Runde unterstrich der Schützling von Trainer Hartmut
Schröder seine Dominanz an den Ringseilen mit einer harten
Rechten zum Kopf des Widersachers. Der angeschlagene Australier kassierte
wenig später noch einen harten linken Seithaken und hatte Mühe,
sich in die Pause zum achten Durchgang zu retten. In diesem sorgte Sebastian
Sylvester dann für die Entscheidung. Mit einer überraschenden
Links-rechts-Kombination an den Kopf schickte er Peter Mitrevski Jr. schwer
zu Boden. Die australische Ecke warf daraufhin nach 44 Sekunden des achten
Durchgangs das Handtuch und signalisierte somit die Aufgabe.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der achten Runde Sebastian Sylvester
Marc
Bargero vs. Danilo
Häußler, Supermittelgewicht, angesetzt auf acht Runden
Auch
der von Manfred Wolke trainierte Supermittelgewichtler Danilo Häußler
(Foto) gewann in der bigBOX Allgäu gegen Marc Bargero (Australien).
Der Deutsche präsentierte sich in Kempten von der ersten Sekunde
an sehr druckvoll. Er drängte den meist in der Rechtsauslage agierenden
Konkurrenten immer wieder zurück, nutzte dabei aber zu selten die
Führhand. Die Folge war, dass auch der ungestüm agierende 38-Jährige
mehrfach gute Momente für sich verbuchte. Noch im ersten Durchgang
kassierte Häußler am Kopf einen rechten Seithaken des Widersachers.
In Runde zwei nutzte Bargero Deckungslücken des Deutschen erneut
zu Treffern mit der Rechten. Häußler blieb trotzdem überlegen.
Der Wolke-Schützling setzte dabei auf schnelle linke und rechte Haken
zum Körper und Kopf des Australiers. Zwar musste der in Frankfurt
(Oder) lebende Supermittelgewichtler auch in Runde drei einen rechten
Schwinger des Gegners hinnehmen, doch er sorgte mit einem rechten Konter
an den Kopf des Kontrahenten ebenfalls für eine sehenswerte Aktion.
Ab dem vierten Durchgang wurde die Überlegenheit, vor allem durch
die größere Aktivität des 31-Jährigen, größer.
Bei dem erfahrenen Bargero schwanden offenbar aufgrund des hohen Tempos
durch den Konkurrenten ein wenig die Kräfte. So war es nicht verwunderlich,
dass die Links-rechts-Kombinationen von Häußler immer häufiger
das gewünschte Ziel fanden und der Australier zahlreiche Treffer
kassierte. Doch Bargero zeigte in dem recht zerfahrenen Fight Kämpferherz.
Dennoch verbuchte Häußler vor allem in der siebten Runde noch
einmal klare Aktionen für sich. Am Ende sahen die Wertungsrichter
den Deutschen mit 80:72, 80:73 und 78:75 als einstimmigen Punktsieger.
Damit wahrte der IBF-Weltranglistendritte seine Chance, in absehbarer
Zeit um einen WM-Titel zu kämpfen.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Danilo Häußler
Weitere Kämpfe:
Im Cruisergewicht kam der 22-jährige Yoan
Pablo Hernandez zu seinem neunten Sieg. Der Kubaner knockte
den Amerikaner Jason
Curry bereits nach einer Minute und zwölf Sekunden der
ersten Runde aus. Wenig Mühe hatte in der gleichen Gewichtsklasse
auch der Würzburger Alexander
Frenkel. Der bei seinem Profidebüt völlig überforderte
Kroate Tomislav
Juric Grgic wurde in der zweiten Runde von Ringrichter Josef
Temml in der roten Ecke ausgezählt, nachdem er sich nicht mehr zum
Kampf stellte. Der erst 18-jährige Martin
Kempf verbuchte bei seinem Profidebüt den ersten Sieg.
Der von Manfred Wolke trainierte Cruisergewichtler gewann
gegen Bojan
Miskovic (Kroatien) durch TKO in der zweiten Runde. Etwas
länger brauchte der Pole Lukasz
Janik im Cruisergewichtslimit für den Erfolg gegen den
30-jährigen Abdelhadi
Hanine. In seinem ersten Profikampf setzte sich der 22-Jährige
mit einem TKO-Sieg in der dritten Runde durch. Im Supermittelgewicht erkämpfte
der Kitzinger Karo
Murat einen einstimmigen Punktsieg gegen den Belgier Biagio
Patera. Im Mittelgewicht setzte sich der 19-jährige
Dominik
Britsch gegen den gleichaltrigen Kroaten Dragan
Planjanin mit einem TKO-Sieg in Durchgang zwei durch. Ebenfalls
siegreich blieb der norwegische Superfedergewichtler Andreas
Evensen. Er bezwang Pascal
Bouchez
(Belgien) über sechs Runden einstimmig nach Punkten und hat jetzt
fünf Siege aus fünf Profikämpfen in seiner Kampfbilanz
zu Buche stehen.
Montag, 18. Dezember 2006
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