Zurück
Forum
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Interview mit Punkt- und Ringrichter Joachim Jacobsen
von M. Kurt Saygin

Joachim Jacobsen fungierte am gestrigen Samstag als Ringrichter im WM-Kampf zwischen WBO-Champion Dariusz Michalczewski und Herausforderer Joey DeGrandis. Jacobsen ist einer der bekanntesten Ring- und Punktrichter aus Deutschland. Boxingpress hatte die Gelegenheit, ein exklusives Interview mit dem Norddeutschen zu führen.

Boxingpress: Herr Jacobsen, Sie leiten in ein paar Stunden den Kampf zwischen Dariusz Michalczewski und Herausforderer De Grandis. Sind Sie nervös?

Jacobsen: Wer sagt, dass er vor WM-Kämpfen nicht nervös ist, würde lügen.

Boxingpress: Also auch der Ringrichter fiebert bei großen Kämpfen richtig mit?

Jacobsen: Natürlich fiebert man mit, man muss aber natürlich versuchen, Ruhe zu bewahren und Ruhe auszustrahlen und das auch so für die Boxer rüberzubringen. Das ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Ringrichtertätigkeit: Ruhe bewahren.

Boxingpress: Nun sind Sie ja nicht nur für die WBO, sondern auch noch für andere Verbände tätig. Die Regeln unterscheiden sich doch teilweise erheblich. Wie bereitet man sich auf einen WM-Kampf der einzelnen Verbände vor? Geht man das komplette Regelwerk des einzelnen Verbandes vollständig durch?

Jacobsen: Das muss man sogar. Man muss vor jeder Weltmeisterschaft das Regelwerk durchgehen, gerade wegen der Unterschiede. Z.B. gibt es bei der WBB das stehende Anzählen. Diese Regelunterschiede muss man bei einer Weltmeisterschaft parat haben.

Boxingpress: Aber kommt man da im Ring nicht durcheinander? Gerade, wenn man in mehreren Verbänden gleichzeitig tätig ist?

Jacobsen: Man hat doch einiges an Vorbereitungszeit. Man kommt nicht durcheinander. Das darf man auch nicht, das wäre fatal.

Boxingpress: Leiten Sie eigentlich auch Amateurkämpfe?

Jacobsen: Ich habe lange Jahre auch Amateurkämpfe geleitet und ich war auch auf vielen internationalen Veranstaltungen in Bulgarien, England tätig. Ich habe das aber seit fünf Jahren nicht mehr gemacht, weil ich einfach die Zeit nicht mehr habe. Ich habe auch beruflich viel zu tun, ich habe noch einen kleinen Betrieb, da bleibt einem die Zeit nicht mehr.

Boxingpress: Zurück zu den Kämpfen: Bereiten Sie sich auf die einzelnen Kämpfer auch individuell vor? Es gibt ja nun einige, die gerne Klammern und Kopfstoßen und das gerne verdecken. Sieht man sich die einzelnen Kämpfer vorher auf Video an?

Jacobsen: Die Ringrichter kennen in der Regel die Boxer. Bei sogenannten "Stinkerboxern" oder Boxern, die sehr unsauber boxen, weiss man schon vorher, dass man eine härtere Gangart einlegen und genauer hinschauen muss.

Boxingpress: Ihr wievielter WM-Kampf ist das?

Jacobsen: Ich weiss es nicht genau. Als Ringrichter ist es der vierte, aber gepunktet habe ich bei einigen. Ich kann es nicht genau sagen. Es waren schon einige.

Boxingpress: Geben Sie unserenm Lesern eine Prognose für den Kampfausgang?

Jacobsen: Als neutrale Person kann und darf ich da kein Urteil zu abgeben.

Boxingpress: Was war Ihr interessantestes Erlebnis im Ring? Es gibt ja nun einiges an Kuriositäten, wie z.B. versehentlich getroffene Ringrichter, die KO gehen etc..

Jacobsen: Der schönste und beste Kampf war für mich, als Vitali Klitschko 1998 in Lübeck WBO-Interkontinentalmeister wurde (gegen Dick Ryan, Anm.d.Red.). Den Kampf habe ich geleitet. Das war ein Supererlebnis. Das Aufregendste war in Hannover, wo mir Juan Carlos Gomez beim Trennkommando auf den rechten Arm geschlagen hat. Diesen Arm konnte ich vier Tage lang nicht bewegen. Aber wir haben den Kampf über die Bühne gebracht.

Boxingpress: Sie sagen "geschlagen". War das etwa Absicht? Oder passierte das im Eifer des Gefechts?

Jacobsen: Das war aus Versehen. Ich bin beim Trennkommando dazwischengegangen und der Schlag war schon unterwegs. Da hat er mich halt getroffen.

Boxingpress: Vielen Dank für das interessante Interview.

 

 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2002 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.de veröffentlicht werden.
Jeder Verstoß gegen diese Bestimmungen ist urheberrechtswidrig und daher strafbar.