Zurück
Forum
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Jones Jr. und Hopkins bleiben siegreich!
von Jörg Lüdemann



Halbschwergewichts-Weltmeister Roy Jones und Mittelgewichts-Weltmeister Bernard Hopkins wussten wieder einmal im Ring zu überzeugen und blieben bei ihren Pflichtverteidigungen am Wochenende siegreich. Jones bezwang in Miami im Kampf um seine Gürtel von IBF, WBC und WBA den chancenlosen Australier Glenn Kelly mit einem rechten Haken durch KO in der 7. Runde, nachdem Kelly schon zweimal zuvor am Boden war. Hopkins besiegte in Reading/Pennsylvania seinen Landsmann Carl Daniels durch technischen KO in der 10. Runde, als Daniels zur elften Runde nicht mehr aus seiner Ringecke kam. Der 37-jährige Hopkins überbot dabei mit der 15. Verteidigung des IBF-Championats im Mittelgewicht den Rekord des Argentiniers Carlos Monzon.

Bernard "The Executioner" Hopkins hatte im Vorfeld des Kampfes seinen Gegner als "soft" bezeichnet. Der US-Amerikaner zielte dabei darauf ab, dass Daniels um die Hüften herum beim öffentlichen Wiegen alles andere als austrainiert wirkte. Dieser Eindruck sollte sich im Ring später nicht bestätigen, denn Daniels zeigte sich sehr beweglich im Oberkörper, flink auf den Beinen und überraschend konditionsstark. Dennoch hatte der Ex-Halbmittelgewichts-Champ dem permanenten Druck des Weltmeisters im Endeffekt wenig entgegenzusetzen.

Hopkins zermürbte den Rechtsausleger vor allem mit Serien von Körpertreffern. Daniels wehrte sich nach besten Kräften und kam auch einige Male in der Halbdistanz gut ins Ziel, doch konnte er Hopkins damit zu keinem Zeitpunkt ernsthaft beeindrucken. Gleichwohl blieben die Schwierigkeiten die Hopkins in der Vergangenheit mit Rechtsauslegern hatte, auch in diesem Kampf offensichtlich. In einigen Agenturmeldungen war fälschlicherweise davon die Rede, dass Hopkins "förmlich mit seinem Gegner spielte" - davon kann keinesfalls die Rede sein. Der 37-Jährige brachte seine rechte Schlaghand nur selten ins Ziel und hatte Probleme, die richtige Distanz gegen den unbequem boxenden Herausforderer zu finden.

In der neunten Runde landete Hopkins einen linken Haken an den Kopf von Daniels, der daraufhin zum ersten Mal leicht angeschlagen wirkte. Der Herausforderer überstand diese Situation, wie auch die folgende zehnte Runde, jedoch unbeschadet. Doch für Daniels bestand inzwischen nur noch eine Siegchance durch einen Lucky Punch. In seiner Ecke signalisierte der entnervte und durch die vielen Körpertreffer zermürbte US-Amerikaner, dass er aufgeben wollte. Alle Versuche seiner Ecke, ihren Schützling zum Weitermachen zu überreden, scheiterten und Referee Frank Cappucino brach den Kampf daraufhin ab. Die Freude bei Hopkins war groß, obgleich der Weltmeister wenig Verständnis für die Aufgabe seines Gegners zeigte. Hopkins hatte den Kampf unbedingt vorzeitig gewinnen wollen.

Kurz darauf lieferte sich Hopkins über mehrere tausend Kilometer Entfernung hinweg einen heftigen verbalen Schlagabtausch. In Miami saß Roy Jones *vor* seinem eigenen Kampf in der Kabine und hatte sich den Fight von Hopkins am Fernsehgerät angesehen. Nach dessen Sieg wurde er zum TV-Interview live zugeschaltet. Es entwickelte sich ein heftiges Wortgefecht zwischen den beiden P4P-Boxern. Jones hatte Hopkins bereits am 22. Mai 1993 in Washington im Kampf um das damals vakante IBF-Championat im Mittelgewicht nach Punkten besiegt. Hopkins will nun die Revanche, doch der Kampf droht an einem Streit um den jeweiligen Anteil an der Kampfbörse zu scheitern.

Hopkins will eine Aufteilung der Börse zu gleichen Teilen, während Jones aufgrund seiner längeren Regentschaft gegen bessere Gegner eine Aufteilung von 60:40 verlangt. Hopkins zeigte sich erzürnt über die Forderungen seines Kontrahenten: "Jones hat zuletzt absolut nichts gezeigt, er kann nicht erwarten, im Rematch mehr Geld zu machen als ich," so der 37-Jährige. Hopkins nannte Jones unter anderem einen Heuchler. Ausserdem forderte er den Weltmeister auf, "vor aller Welt Flagge zu zeigen und zu sagen, dass du jetzt gegen mich kämpfen wirst."

Jones zeigte sich wenig beeindruckt und hielt an seinen Forderungen fest. "Wen hast du denn geschlagen, Bernard? Wen? Nur weil du einen aufgeblähten Trinidad geschlagen hast, kannst du dich nicht mit mir auf eine Stufe stellen," sagte Jones. "Ich habe dich 1993 mit einer Hand geschlagen und werde das wiederholen," so der Weltmeister in Anspielung auf den ersten Kampf der beiden, in dessen Verlauf Jones sich die Hand gebrochen hatte.

Weniger als 30 Minuten nach diesem hitzigen Wortgefecht stieg Jones dann in Miami in den Ring und nahm seinen Gegner Glen Kelly nach allen Regeln der Kunst auseinander. Während er im TV-Duell gewohnt zögerlich wirkte, entschied Jones das sportliche Fernduell dieses Mal klar für sich. Gegen einen limitierten, aber beherzt kämpfenden Herausforderer bot Jones endlich einmal wieder eine überzeugende Vorstellung.

Der 33-Jährige aus Pensacola begann gewohnt stark und ließ Kelly nie den Hauch einer Chance. Der zuvor in 29 Kämpfen ungeschlagene Australier wirkte streckenweise wie ein Anfänger, der seine Schläge telegraphierte und gegen die schnellen Hände und die große Variabilität von Jones überhaupt kein Gegenmittel fand. Immer wieder trafen die rechten und linken Haken des Weltmeisters bei Kelly ins Ziel und rüttelten den Herausforderer sichtbar durch. Ein lehrbuchhafter linker Aufwärtshaken von Jones schickte Kelly in der dritten Runde das erste Mal zu Boden, doch der Australier rappelte sich wieder auf und überstand die Runde. In seiner Ecke kam Kelly dann allerdings auch kaum zur Erholung - denn Trainer Jeff Fenech erteilte seine Anweisungen gewohnt lautstark und eindringlich.

In der sechsten Runde landete Jones einen linken Haken, der Kelly wiederum sichtlich mitnahm. Kurz darauf musste der Herausforderer nach einem fürchterlichen linken Körperhaken von Jones erneut zu Boden. Ein weiteres Mal kam der Australier mit Mühe auf die Beine und überstand den folgenden Ansturm des Weltmeisters bis zum erlösenden Gong. In der darauffolgenden Runde machte Jones dem Spektakel dann ein Ende - und was für Eines! Er düpierte den überforderten Kelly in seiner unnachahmlichen Art, die ihm von seinen Gegnern als maßlose Arroganz ausgelegt wird: Jones hielt beide Hände für einige Sekunden hinter dem Rücken verschränkt, um Kelly nach vorn zu locken. Der Australier startete eine vorsichtige Attacke und ehe er sich versah, hatte sich Jones zur Seite herausgedreht und einen präzisen rechten Seitwärtshaken an Kelly's Schläfe platziert. Kelly ging schwer getroffen zu Boden und erholte sich dieses Mal nicht mehr rechtzeitig. Der Kampf war vorbei.

Mit dieser Leistung dürfte sich Roy Jones nach den jüngsten Niederlagen von Shane Mosley und Felix Trinidad wieder an die erste Position der internationalen Pound-for-Pound-Ranglisten katapultiert haben. Kelly war mit Sicherheit kein ernsthafter Prüfstein, doch die Dominanz und die Leichtigkeit, mit der Jones seine Gegner immer wieder im Ring vorführt, bleibt beeindruckend. Selbst Bernard Hopkins dürfte große Schwierigkeiten haben, ein probates Mittel gegen die Box-Perfektion eines Jones in Top-Form zu finden. Ganz zu schweigen von WBO-Weltmeister Dariusz Michalczewski, dem man gegen Jones nicht mehr als Außenseiterchancen zurechnen kann.

Direkt nach seinem KO-Sieg legte Jones dann verbal noch einmal nach. "Hopkins braucht mich, und nicht umgedreht. Wenn ich nicht mehr Geld bekomme als er, dann wird der Kampf, den jeder will, nicht stattfinden," so der alte und neue Weltmeister. "Wenn er die Börsenaufteilung nicht akzeptiert, gehe ich am Montag zu HBO und sage 'Gebt mir Geld und ich gehe nach Deutschland und schlage dort Michalczewski, wenn er es will'," so Jones. Danach kündigte der Weltmeister sein Karriereende für 2003 an.

Momentan gibt es für Jones nur noch drei Alternativen: Zunächst einmal der Superfight gegen Hopkins, der von der amerikanischen Öffentlichkeit lautstark gefordert wird. Weit dahinter die Titel-Vereinigung gegen Dariusz Michalczewski, die vermutlich aufgrund der überzogenen Forderungen aus beiden Lagern nie stattfinden wird. Und schließlich ein weiterer Gewichtsklassen-Aufstieg mit WM-Kämpfen gegen Vasili Jirov oder gar John Ruiz. Gut möglich allerdings, dass Jones an seiner Linie festhält und statt dieser Big Fights in den nächsten Monaten weiterhin seinen Pflichtverteidigungen nachkommt.

Jones’ Trainer Alton Merkerson sagte nach dem Kampf, dass sein Schützling demnächst eine Pflichtverteidigung gegen den Briten Clinton Woods zu bestreiten hätte. "Doch die Leite wollen Roy gegen Hopkins sehen," so Merkerson. "Hopkins verdient nicht die Hälfte der Börse, er stellt überhöhte Forderungen. Roy wird ihm entgegenkommen, aber er will das bekommen, was er verdient. Wenn Hopkins mit einem guten Angebot kommt, werden wir den Kampf zustande bringen," zeigte sich der langjährige Trainer von Jones zuversichtlich.

Ein Lob an dieser Stelle einmal an PremiereWorld. Nicht nur, dass der Pay-TV-Sender die beiden Kämpfe der P4P-Boxer Hopkins und Jones live zeigte - die Boxfans, die bis nachts ausgeharrt hatten, bekamen obendrein noch einen weiteren WM-Kampf live und einen Schwergewichtskampf als Aufzeichnung zu sehen. "Boxen pur" - so wünschen es sich die deutschen Boxfans.


 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2002 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.com veröffentlicht werden.
Jeder Verstoß gegen diese Bestimmungen ist urheberrechtswidrig und daher strafbar.
GOWEBCounter by INLINE