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Roy Jones jr.
vs.
Felix Trinidad
- Der Vorbericht
von Wolfgang Schiffbauer

„Clash
Of The Titans“ – „Die Schlacht der Titanen“. So
kündigte Promoter-Legende Don King einen Kampf an,
der am kommenden Samstag stattfinden wird. Einen Kampf, der in den Augen
vieler Boxfans um Jahre zu spät kommt. Einen Kampf zwischen zwei
Boxern, die vor nicht allzu langer Zeit als zwei der besten Boxer der
Welt galten, die zu ihrer besten Zeit ihre Gewichtsklassen nahezu nach
belieben dominierten. Zwei Boxer, die von vielen gefürchtet und von
allen aufgrund ihrer Fähigkeiten respektiert wurden. Doch diese Zeit
ist vorbei. Heute, im Jahre 2008, gelten sowohl Roy
Jones Jr. (Foto) als auch Felix
„Tito“ Trinidad als alt, verbraucht, fertig.
Doch für diese eine Nacht im Mekka des Boxens, im New Yorker Madison
Square Garden, wollen beide die Zeit zurückdrehen und sich selbst
und den Fans beweisen, dass sie noch lange nicht Reif für die Boxrente
sind. Schenkt man Don King und den beiden Boxern glauben, so erwartet
die Fans und Experten eine wahre Schlacht, einer der größten
Kämpfe der letzten Jahre. Das sensationelle Comeback eines abgeschriebenen
Fighters, der früher die Massen verzauberte. Die große Frage
ist jedoch, ob es den alternden Ringlegenden tatsächlich gelingen
wird, einen letzten großen Kampf zu zeigen, ob entweder Jones oder
Trinidad wirklich die Rückkehr in die Weltspitze gelingt. Und ob
das Duell für die Boxwelt wirklich relevant ist. Viele Experten sehen
keinen sportlichen Wert in diesem Kampf, bezeichnen die „Schlacht
der Titanen“ als „Rentnerboxen“. Geld sei der Hauptgrund
für das Aufeinandertreffen. Doch was stimmt? Wird es wirklich das
große Comeback oder ein lockeres Sparring zweier alter Männer?
Seoul, 1988. Die olympischen Spiele. Der Kampf um die Goldmedaille im
Halbmittelgewicht. Der koreanische Lokalmatador Park Si-Hun
trifft auf einen 19-jährigen US-Amerikaner. Auf Roy Levesta Jones.
Dieser dominiert den Kampf, trifft Si-Hun nach Belieben. Und verliert
in einem der größten Skandale in der Geschichte des Amateurboxens
nach Punkten. Gewinnt nur Silber. Jones wird als bester Boxer der Olympiade
ausgezeichnet, kommt aber nur schwer über die Niederlage hinweg.
Jones überlegte, die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Entschied
sich aber stattdessen für eine Profi-Karriere. Es sollte der Anfang
einer Erfolgsstory werden.
1993 besiegte er Bernard Hopkins nach Punkten und gewann
seinen ersten WM-Titel, die IBF-Krone im Mittelgewicht. Ein Jahr später
zeigte er die vielleicht beste Leistung seiner ganzen Karriere, als er
den ungeschlagenen Weltmeister im Supermittelgewicht James Toney
dominierte und einstimmig nach Punkten besiegte. Der zweite WM-Titel für
den Mann aus Pensacola, Florida. Es folgten sechs Titelverteidigungen,
unter anderem gegen Vinny Pazienza und Eric Lucas.
Doch Jones wollte mehr. 1996 wechselte er ins Halbschwergewicht, gewann
gegen Mike McCallum seinen dritten Gürtel, den WBC-Titel.
Doch kurz darauf verlor er den Titel, per Disqualifikation gegen Montell
Griffin (auf Foto links). Es sollte lange die einzige
Niederlage des Ausnahmekönners aus den USA sein.
„Besorgt mir einen Rückkampf. Sofort. Ich will, dass es
mein nächster Kampf wird. Gibt ihm was er will“, sagte
Jones. „Egal was es kostet.“
Fünf Monate nach der Niederlage schlug Jones Griffin in der ersten
Runde schwer KO und war wieder Weltmeister.
„Diesen ersten Kampf gegen Griffin zu verlieren war fast so
enttäuschend wie der Verlust der Goldmedaille“, so der
US-Amerikaner damals. „Beim ersten Kampf habe ich nur probiert,
ihn zu besiegen. Beim zweiten Kampf konnte ich niemandem widersprechen,
der sagte, dass es mir um mehr als nur den Sieg ging.“
Es folgten Siege über Virgil Hill, Reggie
Johnson, Richard Hall, Julio Cesar Gonzalez
und Clinton Woods. Elf Titelverteidigung im Halbschwergewicht
schaffte Jones insgesamt.
Der erste März 2003 sollte sowohl der größte Moment in
Jones’ Karriere werden, als auch der Anfang vom Ende seiner Rolle
als der „Pound-4-Pound“ beste Boxer der Welt. Als erster ehemaliger
Mittelgewichtsweltmeister seit über einem Jahrhundert schaffte Roy
Jones das Kunststück, sich einen WM-Titel im Schwergewicht zu holen.
Er besiegte den WBA-Champion John Ruiz in Las Vegas nach
Punkten.
„Ich weiß was die Leute jetzt sagen werden, aber es liegt
nicht an John Ruiz“, so Jones. „Wie die meisten anderen
Gegner von mir, war er schlicht langsamer als ich. Und taktisch war ich
auch besser.“
Nach dem WM-Sieg in der Königsklasse des Boxens wechselte Jones überraschend
wieder ins Halbschwergewicht. Ein hart umkämpfter Sieg gegen Antonio
Tarver folgte. Am 15. Mai 2004 kam es zum Rückkampf zwischen
ihm und Tarver. Der Mann aus Tampa, Florida, schickte Jones mit einem
schweren linken Haken in der zweiten Runde zu Boden. Das unmögliche
war wahr geworden. Roy Jones Jr. wurde von Antonio Tarver KO geschlagen.
„Ich habe keine Ausreden. Ich bin gekommen, um zu tun, was ich
tun musste. Jeder strengt sich gegen mich besonders an“, sagte
Jones. „So etwas kann passieren. Ich bin ein Krieger und komme
um zu kämpfen. Das passiert den Besten unter uns.“
Doch es folgten zwei weitere Niederlagen. Vier Monate nach dem Tarver-KO
besiegte IBF-Weltmeister Glen Johnson Jones durch KO
in der neunten Runde. Einen dritten Kampf gegen Tarver 2005 verlor der
Ex-Champion deutlich nach Punkten. Die Karriere schien vorbei.
Doch Jones gab sich damit nicht zufrieden. 2006 startete Jones sein Comeback,
besiegte seitdem Prince Badi Ajamu und Anthony
Hanshaw deutlich nach Punkten.
Felix
„Tito“ Trinidad ist seit 1990 Profi. Bereits früh stellte
sich heraus, dass der Boxer aus Puerto Rico das Potential zur Legende
hat. Im Alter von 20 Jahren gewann er 1993 seinen ersten WM-Titel, besiegte
Maurice Blocker durch KO in der zweiten Runde und sicherte
sich den IBF-Gürtel im Weltergewicht. Es folgten 14 erfolgreiche
Titelverteidigungen, die meisten davon KO-Siege. Yori Boy Campas,
Oba Carr, Hector Camacho oder auch Pernell
Whitaker mussten sich dem hart schlagenden Trinidad geschlagen
geben.
Am 18. September 1999 folgte der größte und wichtigste Kampf
in der Karriere des Felix Trinidad. Im Kampf um den unumstrittenen Titel
des Weltergewichts-Champion fand er sich mit dem ebenfalls ungeschlagenen
WBC-Champion Oscar De La Hoya im Ring wieder. Mit dem
„Golden Boy“. Der Kampf sprengte alle finanziellen Rekorde
für einen Nicht-Schwergewichtskampf und sorgte für ein Medieninteresse,
das es so schon lange nicht mehr bei einem Boxkampf gegeben hatte. Trinidad
gewann den Kampf, umstritten, nach Punkten. Die ersten Runden dominierte
De La Hoya den Kampf, boxte „Tito“ phasenweise aus. Nach zehn
Runden war sich der Goldjunge aber zu sicher, lief nur noch weg. Und für
zwei Punktrichter genügten die letzten beiden Durchgänge, um
am Ende Trinidad vorne zu haben. Der Puerto Ricaner gewann den Kampf und
durch seine beherzte Leistung viele Fans. Die Boxexperten waren jedoch
von der boxerisch eher schwachen Leistung nicht überzeugt. In seinem
Heimatland Puerto Rico war der damals 26-jährige nun endgültig
ein Held.
Der WBA-Titel im Halbmittelgewicht folgte für Trinidad. Den US-Olympiasieger
David Reid besiegte er einstimmig nach Punkten. Im Dezember
2000 kam es zum zweiten „Superfight“ in seiner Karriere. Im
Kampf um die WBA- und IBF-Gürtel besiegte er den jungen, ungeschlagenen
Fernando Vargas in einer Ringschlacht durch technischen
KO in der zwölften Runde.
Fünf Monate später folgte der WBA-Gürtel im Mittelgewicht.
Diesmal lernte er William Joppy mit seiner Schlagkraft
das Fürchten. In der fünften Runde war Schluss. Trinidad hatte
sich seinen Status als einer der besten Boxer der Welt zurückerarbeitet
und galt in den Augen mancher Experten sogar als unbesiegbar.
Doch niemand hatte die Rechnung mit Bernard Hopkins gemacht. Im September
2001, im Madison Square Garden, 18 Tage nach den Terroranschlägen
auf das World Trade Center, zeigte der „Executioner“ den erstaunten
Fans eine Hinrichtung ihres Idols. Hopkins dominierte Trinidad und besiegte
ihn in der zwölften und letzten Runde vorzeitig.
Nach einem KO-Sieg über Hacine Cherifi gab Trinidad
2002 seinen Rücktritt bekannt. Doch es sollte nicht der letzte Rücktritt
des Puerto Ricanischen Stars sein.
Im Oktober 2004 kehrte „Tito“ in den Ring zurück. Im
ausverkauften Madison Square Garden meldete er sich eindrucksvoll zurück,
zerstörte Ricardo Mayorga in acht Runden.
Die
Hoffnung auf einen Rückkampf gegen Hopkins oder De La Hoya wurden
allerdings bald von Ronald „Winky“ Wright
zerstört. Im Mai 2005 erteilte Wright Trinidad eine Boxlehrstunde
und gewann äußerst deutlich nach Punkten. Felix Trinidad wirkte
ausgebrannt, ideenlos. Der zweite Rücktritt war also nur eine Frage
der Zeit, er folgte kurz nach dem Kampf gegen Wright.
Beide Athleten können also auf eine glorreiche Karriere sowie einen
schmerzhaften Absturz im Boxen zurückblicken. Der Kampf im Madison
Square Garden ist für beide wohl die letzte Chance, der Verlierer
kann sich sicher von der großen Bühne des Profiboxens verabschieden.
Der Gewinner könnte erneut einen großen Kampf, einen WM-Titel
und viel Geld bekommen.
Doch was wird nun am kommenden Samstag im Ring passieren? Beide Boxer
kündigten große Taten an. „Glaubt mir“,
so Jones. „Er wird keine zwölf Runden mit mir im Ring stehen.
Ich höre immer, wenn er das macht und dies tut. Er wird
das alles vielleicht probieren aber er wird nicht mit mir über die
Distanz kommen. Ich bin wieder Fit, mein Körper hat sich langsam
wieder an das Gewicht gewöhnt. Ich bin wieder da, wo ich hin wollte.
Ich verspreche, dass er nicht über die Distanz kommt, ich werde ihn
in vier Runden stoppen.“ Aber auch „Tito“ ist selbstbewusst.
„Eine seiner Schwächen ist, dass er von jedem, der hart
schlagen konnte, durch KO besiegt wurde. Und ich schlage sehr hart“,
so der Puerto Ricaner. „Ich bin gespannt, ob er damit klar kommen
wird.“
Der Kampf findet im Halbschwergewicht statt, beide Boxer dürfen aber
maximal 170 amerikanische Pfund wiegen, also fünf Pfund weniger,
als das eigentliche Limit der Gewichtsklasse. Sowohl Jones als auch Trinidad
wirkten auf Fotos und Trainingsvideos fit. Doch eine große Frage
wird sein, ob Jones mit dem Gewicht zu Recht kommt. Seit fast zwölf
Jahren musste er nicht mehr so leicht in den Ring steigen. Im Alter von
39 Jahren kann das fatal sein, dazu führen, dass die Schnelligkeit,
einer seiner letzten Trümpfe, ihn verlässt und er sich im Ring
nicht gut genug bewegen kann, um Trinidad auf Distanz zu halten. Allerdings
fragt man sich genauso, ob der 35-jährige Trinidad in einem für
ihn derart hohen Gewicht überhaupt noch über eine gewaltige
Schlagkraft verfügt. Schon im Mittelgewicht wirkten seine Schläge
nicht mehr so hart wie früher. Nun, nach 20 Monaten Pause und mit
fünf Kilogramm mehr auf den Rippen, bestehen berechtigte Zweifel
an Trinidads Verfassung.
Für Roy Jones spricht, dass er in den letzten Jahren zumindest gelegentlich
im Ring gestanden hat. Außerdem verfügt er immer noch über
sehr schnelle Hände und eine gute Beinarbeit. Seine Kondition hat
aber nachgelassen, weswegen er immer mehr Zeit an den Seilen verbringt.
Sollte Trinidad nicht zu viel Ringrost angesetzt haben und noch genug
Kraft in seinen linken Haken legen können, so könnte genau das
ein Problem für Jones werden. Ist Trinidad aber konditionell nicht
auf der Höhe, so wird es für ihn schwer, den nötigen konstanten
Druck auf Jones aufzubauen. Und dieser könnte einen ungefährdeten
Punktsieg auf seinem Konto verbuchen. Auch die Schlagkraft Jones’
spricht gegen „Tito“ Trinidad. Zwar sagt man ihm nicht die
größte Schlagkraft nach, aber trotzdem ist er durch seine Schnelligkeit
und seine körperliche Überlegenheit einer der gefährlichsten
Gegner, die mit Trinidad in einem Ring standen.
„Er
weiß, dass er große Schlagkraft hat“, sagte Jones.
„Und um jemand anderen, der hart schlägt zu beeindrucken,
muss man auch die auch haben. Er bringt seinen linken Haken und denkt
er schlägt mich damit KO, wenn er ihn landen kann. Aber er vergisst,
dass ich mit beiden Händen explosiv bin. Er muss in bester Verfassung
in den Ring steigen.“
„Ich kann ihn innerhalb von zwei oder von vier Runden besiegen.
Ich kann mit ihm zwölf Runden gehen. Das ist nicht wirklich wichtig“,
so Trinidad. „Er ist nur ein weiterer Boxer, der sagt, dass
er mich ausknocken wird. Es ist mir egal, was er sagt. Ich denke, dass
ich der bessere Kämpfer bin. Er wird sein Versprechen, mich in vier
Runden zu besiegen, nicht halten können. Das ist unmöglich,
weil ich ihn nämlich bereits in zwei Runden KO geschlagen habe.“
Für Trinidad ist es wichtig, dass er aggressiv zu Werke geht, dass
er Jones an den Seilen stellt und Kombinationen schlägt. Er sollte
nicht versuchen, den Kampf mit einem harten Schlag zu beenden. Viel mehr
die Fülle an Treffern könnte ein großes Problem für
den US-Amerikaner werden. „Tito“ läuft dabei jedoch Gefahr,
seine eigenen Schwächen zu offenbaren. Seine Defensive war nie besonders
stark und durch die nötige Aggressivität leidet die eigene Deckung.
Und Jones ist immer noch sehr schnell, hat ein gutes Auge für Konter.
Es gibt viele mögliche Szenarien in diesem Kampf. Jones boxt Trinidad
aus, lässt ihn zwölf Runden lang durch seine Schnelligkeit daneben
schlagen, kontert ihn ab und gewinnt deutlich nach Punkten. Oder seine
Schlagkraft, die Gewichtsklasse, ist wirklich zu viel für „Tito“
und Jones hält seine Prognose und schlägt seinen Kontrahenten
schwer KO. Es kann aber auch ganz anders kommen, Roy Jones ist dehydriert,
Trinidad trifft ihn mehrmals schwer und gewinnt seinerseits durch KO.
Hierbei handelt es sich wohl um die drei wahrscheinlichsten Möglichkeiten.
Was im Endeffekt passiert, kann man nie vorhersehen. Der Autor dieses
Vorberichts ist der Meinung, dass es eine Mischung aus Szenario eins und
zwei wird. Roy Jones ist schneller, boxt variabler. Der Ringrost und das
hohe Gewicht machen Trinidad zu schaffen. Über die erste Hälfte
des Kampfes ist Jones vorsichtig, landet aber gute Konter, auch zum Körper.
Nachdem er merkt, dass „Tito“ nachlässt, dreht er auf
und schlägt ihn schließlich in der neunten Runde KO.
Ob Don King Recht behält und das Duell zwischen Roy Jones und Felix
Trinidad wirklich einer der besten Kämpfer der letzten Jahre wird,
bleibt abzuwarten. Betrachtet man die Vorzeichen, so ist es eher unwahrscheinlich.
Schließlich handelt es sich um zwei alternde Legenden, die lange
nicht mehr überzeugen konnten. Kommt es also doch nicht zur „Schlacht
der Titanen“? Wer weiß, es handelt sich um zwei (ehemalige)
Weltklasseathleten, die mehr geleistet haben, als viele andere Boxer.
Es wäre nicht das erste Mal, dass zwei Ex-Champions einen letzten
großen Kampf liefern. Und schenkt man der Filmindustrie glauben,
so soll man schließlich niemals nie sagen.
Freitag,
18. Januar 2008
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