| |
Roy Jones Jr. besiegt Felix Trinidad
von Jörg Dubiel

Roy
Jones Jr. (Foto) sagte, er wäre wieder zurück,
er wäre wieder „der Alte“. Am Samstagabend stand ihm
im Madison Square Garden Felix
Trinidad gegenüber, der ebenfalls an vergangene glorreiche
Zeiten anknüpfen wollte. Roy Jones war zwar wieder zurück auf
der großen Bühne des amerikanischen TV-Senders HBO, wie der
Roy Jones von einst wirkte er jedoch nicht.
Seit seinem dritten Kampf gegen Antonio
Tarver ist einige Zeit vergangen, in welcher der ehemalige
Dominator des Halbschwergewichts fern der großen amerikanischen
TV-Netzwerke HBO und Showtime boxte. Doch mit dem Comeback des puertoricanischen
Stars „Tito“ Trinidad offerierte sich für Jones die Chance,
sich vor größerem Publikum in starker Form zu präsentieren.
Doch zu Beginn des Kampfes war es eher sein Kontrahent, der den Kampf
gestaltete und versuchte, vergessen zu machen, dass er seit mehr als zwei
Jahren nicht mehr im Ring gestanden hatte. Jones zeigte zu Beginn nur
wenige und überfallartige Aktionen, während Trinidad vor allem
zum Körper Jones’ ging. Schläge des Puertoricaners, die
auf den Kopf seines Gegners zielten, verpufften zumeist an dessen stabiler
Doppeldeckung. Mit einem linken Aufwärtshaken zum Rundenende konnte
„Tito“ jedoch die beste Aktion des Auftaktdurchgangs für
sich verbuchen.
In
den beiden darauf folgenden Runden gelang es Jones zwar ein paar gute
Haken ins Ziel zu bringen, doch Felix Trinidad (Foto) zeigte
sich weiterhin als der aggressivere Boxer, der vor allem mit harten Haken
zum Körper punktete. Jedoch darf festgehalten werden, dass viele
Schläge Trinidads verdächtig tief an der Grenze zum Tiefschlag
lagen. Ringrichter Arthur Mercante Jr. ließ dies
zumeist unkommentiert. So trommelte Jones in der dritten Runde demonstrativ
auf seine Hose, als wolle er sagen „Hey, ich kann deine Schläge
zum Körper wegstecken, auch wenn sie auf meiner Hose landen“.
Dennoch, für jemanden mit den Ansprüchen eines Roy Jones, der
ankündigte seinen Gegner innerhalb der ersten vier Runden auszuknocken,
waren die vergangenen neun Minuten des Kampfes eine Enttäuschung.
Doch im vierten Durchgang drehte Jones langsam auf. Er wirkte nun selbstsicherer,
als sei er sich nun gewiss, die Schlagkraft Trinidads vertragen zu können.
Immer wieder konnte der 39-Jährige seine rechte Gerade ins Ziel bringen.
Zwar war er weit davon entfernt, seiner Ankündigung eines Sieges
innerhalb der ersten vier Runden gerecht zu werden, doch die Roy-Jones-Fans
dürfte die vierte Runde beruhig haben.
Trinidad konnte den fünften Durchgang wiederum ausgeglichener gestalten.
Zwar drängte Jones ihn nun zurück, doch zahlreiche Körpertreffer
vermochten, dass diese Runde auf dem einen oder anderen Punktzettel dem
Puertoricaner zugeschrieben wurde.
Nun aber begann die Phase im Kampf, in der Roy Jones auftrumpfte. Mehrere
präzise und klare Treffer zum Kopf bescherten ihm den Gewinn der
zuvor knappen sechsten Runde. So war es auch ein präziser Treffer
mit der Rechten zur Schläfe, mit der „Junior“ seinen
Gegner in der siebten Runde auf die Knie schickte. Doch „Tito“
richtete sich wieder auf und konnte sich erholen. Jones gelang es nicht,
entscheidend nachzusetzen.
Im achten und im neunten Durchgang konnte Trinidad zwar weiterhin mit
Jab und Körperhaken treffen, doch die beeindruckenden und härter
wirkenden Treffer gelangen dem vier Jahre älteren Jones, der mit
seinen schnellen Haken zum Kopf eine hohe Trefferquote erzielte.
Sehr
deutlich zugunsten Jones’ verliefen die Runden zehn bis zwölf.
In der zehnten erzielte der frühere Träger olympischen Silbers
gar einen zweiten Niederschlag, als er mit einem Jab Trinidad aus dem
Gleichgewicht brachte.
Und so entschieden die drei Punktrichter Julie Lederman,
Nelson Vazquez und Tom Kaczmarek schließlich
mit 117:109 und zwei Mal 116:110 zugunsten des Boxers aus Pensacola, Florida.
Über die Zukunft der beiden Boxer kann man sich nun ausschweifend
Gedanken machen. Roy Jones zeigte sich durchaus interessiert an einem
Kampf gegen den Sieger des Aufeinandertreffens von Bernard Hopkins
und Joe Calzaghe. Es scheint zwar deutlich, dass Jones
nicht mehr der Boxer vergangener Tage ist - jener hätte wohl deutlicher
gegen Trinidad in dessen derzeitiger Verfassung gewonnen - dennoch bleibt
er konkurrenzfähig. Gegen die vier derzeitigen Weltmeister im Halbschwergewicht
- Chad Dawson, Danny Green, Clinton
Woods und Zsolt Erdei – hätte er
gewiss noch passable Chancen wieder einen Titel zu erringen.
„Tito“ Trinidad kündigte an, dass er sich nun mit seinem
Vater beraten werde, wie seine Karriere weitergeht. Seitens des Fernsehsenders
HBO scheint durchaus Interesse zu bestehen, weitere Kämpfe des Puertoricaners
zu übertragen. Rückkämpfe mit anderen Veteranen, wie Oscar
De La Hoya, Ricardo Mayorga und Fernando
Vargas, könnten eine Möglichkeit sein. Vielleicht wäre
auch ein Kampf gegen Arthur Abraham eine Option. HBO
soll angeblich Interesse haben, Kämpfe des IBF-Weltmeisters zu übertragen.
Weitere Kämpfe:
Im
Vorprogramm gab es ein Aufeinandertreffen zweier Don-King-Schwergewichte.
Der Pole Andrew
Golota (Foto) traf dabei auf den dreizehn Jahre
jüngeren Mike
Mollo. Für Golota war es nach dem Duell mit Kevin
McBride seit seinem Comeback der zweite Kampf gegen einen Schützling
von Don King. Mike Mollo trat 2006 in die Dienste des
schillernden Promoters mit der Starkstromfrisur. Damals kassierte er abseits
der Fernsehbilder eine vorzeitige Niederlage gegen DaVarryl Williamson.
Im gleichen Jahr prügelte er aber wiederum Kevin McBride zwei Runden
lang durch den Ring, jenen Iren, gegen den zuletzt Golota anfangs arge
Schwierigkeiten hatte.
Mollo startete auch vergangenes Wochenende mit hohem Tempo in den Kampf.
Doch der kräftige Pole, welcher erst vor zwei Wochen seinen 40. Geburtstag
feierte, hielt den Angriffen stand und fand immer wieder mit kurzen Haken
Wege durch die löchrige Deckung Mollos. In der zweiten Hälfte
des Kampfes schwanden die Kräfte des US-Amerikaners zunehmend. Kaum
fähig sich zu verteidigen, torkelte Mollo in den letzten Minuten
des Kampfes durch den Ring. Doch Golota gelang es nicht, seinen Gegner
entscheidend zu treffen und Ringrichter Randy Neumann
machte keine Anstalten den angeschlagenen Mollo aus dem Kampf zu nehmen.
Letzten Endes siegte Golota einstimmig nach Punkten mit 118:109, 116:112
und 116:110. Damit meldet sich der gebürtige Warschauer zurück
im erweiterten Kreis der Herausforderer im Schwergewicht. Gut möglich,
dass künftig weitere Duelle mit anderen schweren Jungs von Don King
winken. Vielleicht bekommt Golota trotz seines fortgeschrittenen Alters
gar eine fünfte Titelchance.
Für eine große Überraschung sorgte Alex
Bunema, er trat gegen den ehemaligen IBF-Weltmeister im Halbmittelgewicht,
Roman Karmazin, an. In einem ausgeglichenen Kampf
gelang es Bunema in der neunten Runde bei seinem russischen Kontrahenten
mit harten Treffern Wirkung zu erzielen. Karmazin, der seinen Titel 2006
nur umstritten an Cory Spinks verlor, überstand
zwar die neunte Runde, jedoch fand er sich nach einem linken Haken Bunemas
in der zehnten Runde auf dem Ringboden nieder. Der aus Kongo stammende
Bunema setzte nach und brachte seine rechte Schlaghand ins Ziel. Als Karmazin
erneut zu Boden ging, brach Ringrichter Johnny Callas
den Kampf ab.
Mit zweimal 118:109 und 116:111 erzielte der 20-jährige Devon
Alexander einen klaren Punktsieg über den ehemaligen
Weltmeister DeMarcus
„Chop Chop“ Corley, dessen Karriere mittlerweile
zu der eines Aufbaugegners abdriftet.
Der ehemalige Weltergewichts-Weltmeister Luis
Collazo erzielte einen klaren Punktsieg in seinem Aufbaukampf
gegen Edvan
Dos Santos Barros.
Cruisergewichtler Emmanuel
Nwodo, der vor einem halben Jahr gegen Darnell Wilson
schwer KO ging, meldete sich mit einem KO-Sieg in der zweiten Runde gegen
Ezra Sellars zurück.
Dienstag,
22. Januar 2008
|
|