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Am
Samstag ging die erste ProSieben Fight Night in der Fight Night Arena
in Köln-Mülheim über die Bühne. In einem neuen, größtenteils
auf das Fernsehen zugeschnittenen Format wurden junge Spotlight-Boxer
wie Susianna Kentikian, Sebastian Zbik
(auf Foto oben rechts)und Sebastian Köber
einem größeren TV-Publikum vorgestellt. Begleitet wurden die
Kämpfe von Musikacts sowie Stefan Raab und Regina
Halmich als Moderatoren. Ob das neue Format, das laut Spotlight
Boxing-Geschaftsführer Dietmar Poszwa bewusst so
gewählt wurde und erst einmal als Test laufen soll, sich beim Boxpublikum
durchsetzt, bleibt abzuwarten. Zumindest etwas gewöhnungsbedürftig
ist es allemal, da es deutlich mehr die Atmosphäre einer TV-Produktion
als einer Sportveranstaltung versprüht. Doch wenn es dann im Ring
zur Sache ging, stand das Boxen zum Glück im Vordergrund und darauf
wollen wir uns im weiteren Artikel konzentrieren. Allerdings wurde mit
gerade einmal fünf Kämpfen im Vergleich zu herkömmlichen
Veranstaltungen relativ wenig Boxen geboten.
1.
Kampf: Serdar Sahin vs. Sven Haselhuhn im Cruisergewicht, angesetzt auf
acht Runden
Den Auftakt zur ersten Fight Night bestritt der Cruisergewichtler Serdar
Sahin gegen Sven Haselhuhn, der im Halbschwergewicht
geführt wird. Von Beginn an waren die Rollen klar verteilt. Der deutlich
größere Sahin agierte von der Ringmitte aus und hatte seine
besten Momente, wenn er seinen Reichweitenvorteil mit Geraden nutzte.
Haselhuhn versuchte dicht am Gegner zum Erfolg zu kommen, doch fehlten
ihm die nötigen Variationen im Angriff, um den „Bomber“
im Infight zu überraschen. Ab der dritten Runde ließ die Aktivität
des Boxers aus Halle nach und anstelle von kurzen Kombinationen feuerte
er vermehrt nur noch Einzelschläge ab. Sahin übernahm ab diesem
Zeitpunkt deutlicher die Kontrolle über den Kampf, konnte aber selbst
nur wenige klare Treffer pro Runde landen. Zu oft setzte der Berliner
auf seine körperliche Überlegenheit und schob den Gegner weg,
anstatt die Aufgabe boxerisch zu lösen. So geriet der Kampfverlauf
besonders in den letzten beiden Runden sehr zerfahren.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Serdar Sahin
2. Kampf: Vitali Tajbert vs. Alessandro Di Meco im Superfedergewicht,
angesetzt auf sechs Runden
Deutlich weniger Probleme hatte Vitali Tajbert im zweiten
Vorkampf des Abends mit seinem Gegner Alessandro Di Meco.
Wie gewohnt, begann der Schützling von Trainer Magomed Schaburow
auf schnellen Beinen, mit lockeren Jabs und zahlreichen Finten. Den Italiener
Di Meco, der erstmals im Ausland boxte, hatte Tajbert sehr schnell ausgeguckt.
Unvermittelt schlug Tajbert seine Führhand nun mit deutlich mehr
Druck und mied die als Haken geschlagenen Konterversuche Di Mecos mit
scheinbar spielerischer Leichtigkeit. Als er dem Jab eine Rechte folgen
ließ, gelang ihm sofort der erste Niederschlag. Der gebürtige
Kasache ließ nicht mehr locker und nach einer Kombination mit mehreren
Treffern musste der Boxer aus Pescara ein zweites Mal zu Boden. Di Meco
wirkte klar, doch sein Kampfeswille hatte deutlich gelitten. Nach einem
Körpertreffer sank er fast auf die Knie, kam aber noch mal hoch,
nur um vom nachsetzenden Tajbert förmlich überrollt zu werden.
Drei Niederschläge waren mehr als genug, weshalb Ringrichter Frank-Michael
Maaß das ungleiche Gefecht beendete.
Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO in der ersten Runde Vitali
Tajbert
3. Kampf: Sebastian Zbik vs. Fawaz Nasir, WBO Inter-Continental Meisterschaft
im Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden
In seinem ersten Titelkampf bei den Profis hatte der Schweriner mit seinem
Gegner aus Dänemark alle Hände voll zu tun. In der Eröffnungsrunde
versuchten beide Boxer hauptsächlich ihren Jab zu etablieren, wobei
Fawaz Nasir meist das bessere Ende für sich hatte. Zu diesem
Zeitpunkt stimmte bei Sebastian Zbik oft die Distanz
zum Gegner noch nicht. Zudem überließ er ihm zu oft den Vorwärtsgang,
bzw. den ersten Schlag. Nasir brachte zum Rundenende auch öfter die
Schlaghand, kam aber nur vereinzelt ins Ziel. Dafür kam Zbik mehrmals
mit dem linken Haken durch. In Runde zwei verstärkte der Gastboxer
seine Angriffsbemühungen noch und sicherte sich dadurch die Runde
in einem von Beginn an sehr engen und taktisch geführten Gefecht.
Ab Runde drei achtete Zbik darauf, seinen Gegner in den Rückwärtsgang
zu drängen, was diesem sichtlich weniger lag. Prompt gelangen dem
Schweriner auch mehr Treffer und er übernahm die Kontrolle über
das Duell. Dabei variierte der Spotlight-Boxer seine Schläge und
brachte den linken Haken, den rechten Cross oder Kombinationen und sammelte
damit auch in den folgenden Runden vier bis sieben reichlich Punkte. Nasir
versuchte zwar wiederholt mit mehr Aktivität den Kampf wieder an
sich zu reißen, hatte aber in dieser Phase des Kampfes das Nachsehen.
Im achten Durchgang ging Zbik vermehrt zum Körper und es schien,
als würde der Däne bei diesen Treffern Wirkung zeigen. Er wurde
langsamer und schien leicht abzubauen. Doch zur Mitte der neunten Runde
kam er noch einmal auf und es gelang ihm, das Duell wieder ausgeglichener
zu gestalten. In Runde zehn verringerte Zbik das Tempo, was Nasir dazu
nutzte, sich den Durchgang zu sichern. In der Folgerunde wurde der Schützling
von Trainer Fritz Sdunek wieder aktiver und traf auch
mehr, trug aber bei einem Zusammenprall eine leichte Cutverletzung davon.
Im letzten Durchgang griff Zbik erneut an, doch es war Nasir, der sich
die Runde durch präzisere Treffer sichern konnte. Überhaupt
machte er den etwas schnelleren und frischeren Eindruck.
Am Ende reichte es für den Schweriner zu einem knappen, aber verdienten
Punktsieg. Die drei Punktrichter sahen ihn mit 116:112, 115:114 und 115:113
vorn, wobei die durchgehend enge Wertung der Offiziellen absolut das Geschehen
im Ring wiederspiegelt.
Nach dem Kampf zeigte sich Sebastian Zbik glücklich über den
Sieg, aber auch selbstkritisch und sogar etwas enttäuscht. Er hatte
sich offensichtlich mehr versprochen, aber den Kampf zu verkrampft begonnen.
Allerdings muss man sagen, dass er in Fawaz Nasir einen wirklich ernstzunehmenden
Gegner vor sich hatte, der meinte, dass er den engen Kampf in Dänemark
zugesprochen bekommen hätte.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Sebastian Zbik
4. Kampf: Sebastian Köber vs. Zoltan Beres im Schwergewicht,
angesetzt auf sechs Runden
Als zweiter Hauptkampf stand ein KO im Schwergewicht auf dem Programm.
Dafür engagierte man den Cruisergewichtler Zoltan Beres,
der gegen Sebastian Köber nicht antrat, um zu gewinnen.
Von Beginn an bewegte sich Beres an den Seilen entlang und zeigte eigene
Aktionen erst, als Köber gar zu verhalten agierte. Ob der Schwergewichtler
aus Frankfurt/Oder den Sieg in der zweiten Runde zu seinem Markenzeichen
machen will oder noch die Zeit bis zur nächsten Werbeunterbrechung
überbrücken sollte, sei mal dahingestellt. Sonderliche Mühe,
Beres zu stellen, hatte der 27-jährige jedenfalls nicht. Nach 1:07
Minuten im zweiten Durchgang schlug Köber eine Rechte in die Aktion
des Ungarn hinein, der schwer zu Boden ging. Beres kam noch einmal schwankend
auf die Füße, wurde aber völlig zu Recht ausgezählt.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der zweiten Runde Sebastian Köber
5. Kampf: Susianna Kentikian vs. Carolina Alvarez, WBA-Weltmeisterschaft
im Fliegengewicht, angesetzt auf zehn Runden
Man sagt ja „styles make fights“. Allerdings können Boxstile
einen Kampf offensichtlich auch zerstören, denn was in diesem Weltmeisterschaftskampf
der Frauen zum Teil geboten wurde, hatte wenig bis nichts mit Boxen zu
tun. Und dieser Teil hieß Carolina Alvarez. Zugegeben,
die Athletin aus Venezuela wirkte sehr fit, agierte aggressiv und zeigte
viel Kampfgeist und auch Nehmerfähigkeiten. Boxerisch hatte sie allerdings
nichts zu bieten. Eine echte Beinarbeit gab es schlicht nicht und sie
beherrschte auch kaum einen sauberen Schlag. Vielmehr griff sie wild mit
windmühlenartigen Schlägen an und stolperte dabei vorwärts.
Susi Kentikian, die ihrem Temperament entsprechend selbst
zunächst zu stürmisch und überhastet angriff, fing sich
wiederholt Treffer, zeigte aber das bessere Boxen. Von Beginn an kam sie
mit klaren Schlägen durch, da ihre Gegnerin nicht einmal im Entferntesten
über so etwas wie eine Defensive verfügte.
Ab Runde drei tat sich Kentikian den Gefallen, die wilden Schläge
ihrer Gegnerin auszupendeln und dann mit Kontern zu antworten. Dies führte
nicht nur dazu, dass sie selbst weniger getroffen wurde, sondern auch
dazu, dass sich die Kontrahentinnen weniger oft ineinander verkeilten
und klammerten. Die „Killer Queen“ schien sich vor allem auf
Wirkungstreffer mit der Schlaghand zu verlegen und kam auch meist durch.
Nur die gewünschte Wirkung blieb aus. In der Tat verhinderte allein
die physische Überlegenheit von Alvarez ein rasches Ende des boxerisch
absolut ungleichen Kampfes.
Im fünften Durchgang hatte Alvarez doch einmal eine gute Szene, als
es ihr gelang, Kentikian an den Seilen zu stellen. Doch diese konnte sich
aus der Situation befreien und wieder die Kontrolle über den Kampf
gewinnen. Ab Runde sieben musste die Gastboxerin ihrem kraftraubenden
Stil Tribut zollen und wurde sichtlich langsamer. Zudem hatte sie offensichtlich
ein Problem mit ihrer Nase, die aufgrund zahlloser Treffer rot und geschwollen
war. In der folgenden Runde ging auch Kentikian etwas vom Gas, was die
Gastboxerin noch einmal zu eigenen Aktionen kommen ließ, auch wenn
sie aufgrund ihrer fehlenden Technik kaum einen sauberen Treffer unterbringen
konnte.
In Runde neun war dann plötzlich nach 27 Sekunden Schluss. Ringrichter
Marc Nelson brach den Kampf unvermittelt ab, als Alvarez an den
Seilen mehrere Schläge kassierte. Allerdings mutet der Abbruch deshalb
merkwürdig an, da die Kolumbianerin solche Treffer schon in den acht
vorhergehenden Runden hatte nehmen müssen und dieses Mal nicht mehr
Wirkung zeigte als zuvor. Aber die Zuschauer dürften froh gewesen
sein, dass dieser Kampf endlich zu Ende war.
Susi Kentikian freute sich zu Recht über den Sieg und die gewonnene
Weltmeisterschaft. Nachdem sie ihren Kampfstil ab Runde drei umgestellt
hatte, hatte sie eigentlich alles richtig gemacht. Im Anschluss an das
Gefecht sprach sie von ihrem bisher härtesten Kampf. Hart war das
Duell zweifellos, allerdings aufgrund der Gegnerin ziemlich unansehnlich.
Es wäre wünschenswert nächstes Mal wieder eine Boxerin
gegen Kentikian im Ring zu sehen, deren Können diese Bezeichnung
verdient.
Offizielles Urteil: Sieger durch technischer KO in Runde neun nach 27
Sekunden Susianna Kentikian
Sonntag,
18. Februar 2007
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