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Susianna Kentikian
vs.
Carolina Alvarez


von Thorsten und Karsten Fritsche



Am Samstag ging die erste ProSieben Fight Night in der Fight Night Arena in Köln-Mülheim über die Bühne. In einem neuen, größtenteils auf das Fernsehen zugeschnittenen Format wurden junge Spotlight-Boxer wie Susianna Kentikian, Sebastian Zbik (auf Foto oben rechts)und Sebastian Köber einem größeren TV-Publikum vorgestellt. Begleitet wurden die Kämpfe von Musikacts sowie Stefan Raab und Regina Halmich als Moderatoren. Ob das neue Format, das laut Spotlight Boxing-Geschaftsführer Dietmar Poszwa bewusst so gewählt wurde und erst einmal als Test laufen soll, sich beim Boxpublikum durchsetzt, bleibt abzuwarten. Zumindest etwas gewöhnungsbedürftig ist es allemal, da es deutlich mehr die Atmosphäre einer TV-Produktion als einer Sportveranstaltung versprüht. Doch wenn es dann im Ring zur Sache ging, stand das Boxen zum Glück im Vordergrund und darauf wollen wir uns im weiteren Artikel konzentrieren. Allerdings wurde mit gerade einmal fünf Kämpfen im Vergleich zu herkömmlichen Veranstaltungen relativ wenig Boxen geboten.


1. Kampf: Serdar Sahin vs. Sven Haselhuhn im Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden

Den Auftakt zur ersten Fight Night bestritt der Cruisergewichtler Serdar Sahin gegen Sven Haselhuhn, der im Halbschwergewicht geführt wird. Von Beginn an waren die Rollen klar verteilt. Der deutlich größere Sahin agierte von der Ringmitte aus und hatte seine besten Momente, wenn er seinen Reichweitenvorteil mit Geraden nutzte. Haselhuhn versuchte dicht am Gegner zum Erfolg zu kommen, doch fehlten ihm die nötigen Variationen im Angriff, um den „Bomber“ im Infight zu überraschen. Ab der dritten Runde ließ die Aktivität des Boxers aus Halle nach und anstelle von kurzen Kombinationen feuerte er vermehrt nur noch Einzelschläge ab. Sahin übernahm ab diesem Zeitpunkt deutlicher die Kontrolle über den Kampf, konnte aber selbst nur wenige klare Treffer pro Runde landen. Zu oft setzte der Berliner auf seine körperliche Überlegenheit und schob den Gegner weg, anstatt die Aufgabe boxerisch zu lösen. So geriet der Kampfverlauf besonders in den letzten beiden Runden sehr zerfahren.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Serdar Sahin


2. Kampf: Vitali Tajbert vs. Alessandro Di Meco im Superfedergewicht, angesetzt auf sechs Runden


Deutlich weniger Probleme hatte Vitali Tajbert im zweiten Vorkampf des Abends mit seinem Gegner Alessandro Di Meco. Wie gewohnt, begann der Schützling von Trainer Magomed Schaburow auf schnellen Beinen, mit lockeren Jabs und zahlreichen Finten. Den Italiener Di Meco, der erstmals im Ausland boxte, hatte Tajbert sehr schnell ausgeguckt. Unvermittelt schlug Tajbert seine Führhand nun mit deutlich mehr Druck und mied die als Haken geschlagenen Konterversuche Di Mecos mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit. Als er dem Jab eine Rechte folgen ließ, gelang ihm sofort der erste Niederschlag. Der gebürtige Kasache ließ nicht mehr locker und nach einer Kombination mit mehreren Treffern musste der Boxer aus Pescara ein zweites Mal zu Boden. Di Meco wirkte klar, doch sein Kampfeswille hatte deutlich gelitten. Nach einem Körpertreffer sank er fast auf die Knie, kam aber noch mal hoch, nur um vom nachsetzenden Tajbert förmlich überrollt zu werden. Drei Niederschläge waren mehr als genug, weshalb Ringrichter Frank-Michael Maaß das ungleiche Gefecht beendete.

Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO in der ersten Runde Vitali Tajbert


3. Kampf: Sebastian Zbik vs. Fawaz Nasir, WBO Inter-Continental Meisterschaft im Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden


In seinem ersten Titelkampf bei den Profis hatte der Schweriner mit seinem Gegner aus Dänemark alle Hände voll zu tun. In der Eröffnungsrunde versuchten beide Boxer hauptsächlich ihren Jab zu etablieren, wobei Fawaz Nasir meist das bessere Ende für sich hatte. Zu diesem Zeitpunkt stimmte bei Sebastian Zbik oft die Distanz zum Gegner noch nicht. Zudem überließ er ihm zu oft den Vorwärtsgang, bzw. den ersten Schlag. Nasir brachte zum Rundenende auch öfter die Schlaghand, kam aber nur vereinzelt ins Ziel. Dafür kam Zbik mehrmals mit dem linken Haken durch. In Runde zwei verstärkte der Gastboxer seine Angriffsbemühungen noch und sicherte sich dadurch die Runde in einem von Beginn an sehr engen und taktisch geführten Gefecht.

Ab Runde drei achtete Zbik darauf, seinen Gegner in den Rückwärtsgang zu drängen, was diesem sichtlich weniger lag. Prompt gelangen dem Schweriner auch mehr Treffer und er übernahm die Kontrolle über das Duell. Dabei variierte der Spotlight-Boxer seine Schläge und brachte den linken Haken, den rechten Cross oder Kombinationen und sammelte damit auch in den folgenden Runden vier bis sieben reichlich Punkte. Nasir versuchte zwar wiederholt mit mehr Aktivität den Kampf wieder an sich zu reißen, hatte aber in dieser Phase des Kampfes das Nachsehen.

Im achten Durchgang ging Zbik vermehrt zum Körper und es schien, als würde der Däne bei diesen Treffern Wirkung zeigen. Er wurde langsamer und schien leicht abzubauen. Doch zur Mitte der neunten Runde kam er noch einmal auf und es gelang ihm, das Duell wieder ausgeglichener zu gestalten. In Runde zehn verringerte Zbik das Tempo, was Nasir dazu nutzte, sich den Durchgang zu sichern. In der Folgerunde wurde der Schützling von Trainer Fritz Sdunek wieder aktiver und traf auch mehr, trug aber bei einem Zusammenprall eine leichte Cutverletzung davon. Im letzten Durchgang griff Zbik erneut an, doch es war Nasir, der sich die Runde durch präzisere Treffer sichern konnte. Überhaupt machte er den etwas schnelleren und frischeren Eindruck.

Am Ende reichte es für den Schweriner zu einem knappen, aber verdienten Punktsieg. Die drei Punktrichter sahen ihn mit 116:112, 115:114 und 115:113 vorn, wobei die durchgehend enge Wertung der Offiziellen absolut das Geschehen im Ring wiederspiegelt.

Nach dem Kampf zeigte sich Sebastian Zbik glücklich über den Sieg, aber auch selbstkritisch und sogar etwas enttäuscht. Er hatte sich offensichtlich mehr versprochen, aber den Kampf zu verkrampft begonnen. Allerdings muss man sagen, dass er in Fawaz Nasir einen wirklich ernstzunehmenden Gegner vor sich hatte, der meinte, dass er den engen Kampf in Dänemark zugesprochen bekommen hätte.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Sebastian Zbik


4. Kampf: Sebastian Köber vs. Zoltan Beres im Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Als zweiter Hauptkampf stand ein KO im Schwergewicht auf dem Programm. Dafür engagierte man den Cruisergewichtler Zoltan Beres, der gegen Sebastian Köber nicht antrat, um zu gewinnen. Von Beginn an bewegte sich Beres an den Seilen entlang und zeigte eigene Aktionen erst, als Köber gar zu verhalten agierte. Ob der Schwergewichtler aus Frankfurt/Oder den Sieg in der zweiten Runde zu seinem Markenzeichen machen will oder noch die Zeit bis zur nächsten Werbeunterbrechung überbrücken sollte, sei mal dahingestellt. Sonderliche Mühe, Beres zu stellen, hatte der 27-jährige jedenfalls nicht. Nach 1:07 Minuten im zweiten Durchgang schlug Köber eine Rechte in die Aktion des Ungarn hinein, der schwer zu Boden ging. Beres kam noch einmal schwankend auf die Füße, wurde aber völlig zu Recht ausgezählt.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der zweiten Runde Sebastian Köber


5. Kampf: Susianna Kentikian vs. Carolina Alvarez, WBA-Weltmeisterschaft im Fliegengewicht, angesetzt auf zehn Runden


Man sagt ja „styles make fights“. Allerdings können Boxstile einen Kampf offensichtlich auch zerstören, denn was in diesem Weltmeisterschaftskampf der Frauen zum Teil geboten wurde, hatte wenig bis nichts mit Boxen zu tun. Und dieser Teil hieß Carolina Alvarez. Zugegeben, die Athletin aus Venezuela wirkte sehr fit, agierte aggressiv und zeigte viel Kampfgeist und auch Nehmerfähigkeiten. Boxerisch hatte sie allerdings nichts zu bieten. Eine echte Beinarbeit gab es schlicht nicht und sie beherrschte auch kaum einen sauberen Schlag. Vielmehr griff sie wild mit windmühlenartigen Schlägen an und stolperte dabei vorwärts. Susi Kentikian, die ihrem Temperament entsprechend selbst zunächst zu stürmisch und überhastet angriff, fing sich wiederholt Treffer, zeigte aber das bessere Boxen. Von Beginn an kam sie mit klaren Schlägen durch, da ihre Gegnerin nicht einmal im Entferntesten über so etwas wie eine Defensive verfügte.

Ab Runde drei tat sich Kentikian den Gefallen, die wilden Schläge ihrer Gegnerin auszupendeln und dann mit Kontern zu antworten. Dies führte nicht nur dazu, dass sie selbst weniger getroffen wurde, sondern auch dazu, dass sich die Kontrahentinnen weniger oft ineinander verkeilten und klammerten. Die „Killer Queen“ schien sich vor allem auf Wirkungstreffer mit der Schlaghand zu verlegen und kam auch meist durch. Nur die gewünschte Wirkung blieb aus. In der Tat verhinderte allein die physische Überlegenheit von Alvarez ein rasches Ende des boxerisch absolut ungleichen Kampfes.

Im fünften Durchgang hatte Alvarez doch einmal eine gute Szene, als es ihr gelang, Kentikian an den Seilen zu stellen. Doch diese konnte sich aus der Situation befreien und wieder die Kontrolle über den Kampf gewinnen. Ab Runde sieben musste die Gastboxerin ihrem kraftraubenden Stil Tribut zollen und wurde sichtlich langsamer. Zudem hatte sie offensichtlich ein Problem mit ihrer Nase, die aufgrund zahlloser Treffer rot und geschwollen war. In der folgenden Runde ging auch Kentikian etwas vom Gas, was die Gastboxerin noch einmal zu eigenen Aktionen kommen ließ, auch wenn sie aufgrund ihrer fehlenden Technik kaum einen sauberen Treffer unterbringen konnte.

In Runde neun war dann plötzlich nach 27 Sekunden Schluss. Ringrichter Marc Nelson brach den Kampf unvermittelt ab, als Alvarez an den Seilen mehrere Schläge kassierte. Allerdings mutet der Abbruch deshalb merkwürdig an, da die Kolumbianerin solche Treffer schon in den acht vorhergehenden Runden hatte nehmen müssen und dieses Mal nicht mehr Wirkung zeigte als zuvor. Aber die Zuschauer dürften froh gewesen sein, dass dieser Kampf endlich zu Ende war.

Susi Kentikian freute sich zu Recht über den Sieg und die gewonnene Weltmeisterschaft. Nachdem sie ihren Kampfstil ab Runde drei umgestellt hatte, hatte sie eigentlich alles richtig gemacht. Im Anschluss an das Gefecht sprach sie von ihrem bisher härtesten Kampf. Hart war das Duell zweifellos, allerdings aufgrund der Gegnerin ziemlich unansehnlich. Es wäre wünschenswert nächstes Mal wieder eine Boxerin gegen Kentikian im Ring zu sehen, deren Können diese Bezeichnung verdient.

Offizielles Urteil: Sieger durch technischer KO in Runde neun nach 27 Sekunden Susianna Kentikian
Sonntag, 18. Februar 2007

 
     

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