Klitschko
schüttelt Ringrost ab und besiegt Botha vorzeitig
exklusiv aus Stuttgart berichtet Dr.
Constantin Hofmann
Wladimir
Klitschko hat seinen WBO-Gürtel im Schwergewicht gegen den
Südafrikaner Francois
Botha in der mit über 10.000 Zuschauern ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle
in Stuttgart verteidigt. In der achten Runde fing Klitschko seinen Gegner
mit einem schweren rechten Haken ab und setzte gegen den angeschlagenen
Botha sofort entschlossen nach. Nach mehreren Treffern schlug der Ukrainer
einen linken Haken, der Botha endgültig zu Boden schickte. Der 33-Jährige
stand zwar noch einmal auf, war jedoch nach Ansicht des Ringrichters nicht
mehr in der Lage, den Kampf fortzuführen.
Unser Bericht
über den kompletten Kampfabend am 16.03.2002 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle
soll nicht - wie von vielen erwartet oder erhofft - mit Kritik am Veranstalter
wegen der Wahl der Gegner für die Universum-Boxer beginnen. Nein,
starten soll er mit einem ausdrücklichen Lob an den Veranstalter
für die Wahl des Austragungsortes.
Über
sechs lange Jahre musste die baden-württembergische Landeshauptstadt
auf eine große Profiboxveranstaltung warten, genau seit dem 9. Dezember
1995. An diesem Tage unterlag der deutsche Schwergewichtler und Publikumsliebling
Axel
Schulz im Kampf um die vakante IBF-Weltmeisterschaft dem Südafrikaner
Francois
Botha mit 2:1 Punktrichterstimmen. Das Publikum war mit dieser
Entscheidung damals ausgesprochen unzufrieden und bombardierte den Ring
mit allen verfügbaren Wurfgeschossen wie Sektgläsern, Feuerzeugen
und Münzen (und das im Schwabenländle!).
Botha wurde
kurz darauf der Titel aberkannt, da ihm die Einnahme anaboler Steroide
nachgewiesen wurde. Seitdem fand aufgrund dieser Ausschreitungen - verständlicherweise
- erst einmal keine größere Boxveranstaltung in Stuttgart mehr
statt. Das Stuttgarter Publikum war dementsprechend ausgehungert nach
einer Weltmeisterschaft im Schwergewicht und quittierte die Wahl des Austragungsortes
mit einer restlos ausverkauften Schleyerhalle. Dies mag auch daran gelegen
haben, dass mit Francois Botha ausgerechnet derselbe Mann an demselben
Ort antrat, diesmal allerdings gegen Wladimir Klitschko, einen
Mann weit schwereren Kalibers, als es Axel Schulz gewesen war.
Dass es eine
Reihe weitaus würdigerer Gegner für eine Weltmeisterschaft gegeben
hätte, schien jedenfalls das Publikum in seiner breiten Masse nicht
zu stören. Trotzdem gebührt an dieser Stelle der Universum Box
Promotion Anerkennung, die dem unausgesprochenen Bann über die südwestdeutsche
Metropole endlich ein Ende bereitete und zur Freude der badischen und
schwäbischen Boxsportfans in der Schleyerhalle veranstaltete.
Doch zunächst
zu den Vorkämpfen:
Den Beginn
des Kampfabends läutete mit Reidar Walstad ein junger Schwede
ein, der nach vier Runden im Bantamgewicht einen ungefährdeten Punktsieg
gegen Stefan Berska einfuhr. Es sollte der einzige Kampf des Abends
bleiben, der über die Runden ging. Etwas undankbar für die Boxer
war, dass sie mit Hallenöffnung zu boxen begannen, so dass sich erst
wenige Zuschauer auf den Plätzen eingefunden hatten.
Den zweiten
Kampf des Abends bestritt der Weltergewichtler Isaam
Khalil aus dem Universum-Stall, der bereits in der ersten Runde
Rene Orlowski durch TKO bezwang.
Auch der
folgende Kampf im Halbschwergewicht ging nicht viel länger: Zsolt
Erdei (9-0, 7KO's) aus Ungarn, der erst seit einem knappen Jahr
zum Universum-Team gehört, deckte seinen Gegner Anthony
Stephens (30-11-2, 17KO's) in der zweiten Runde mit einem Schlaghagel
an den Seilen ein, woraufhin dieser vom Ringrichter stehend ausgezählt
wurde.
Schlag
auf Schlag ging es - im wahrsten Sinne des Wortes - weiter mit dem Rumänen
Konstantin
Onofrei (5-0, 5KO's), der im Schwergewicht für Universum
gegen den Griechen Alex Kostapolusz (1-3-1, 0KO's) antrat. Bereits
in der ersten Runde musste der Grieche einen Niederschlag hinnehmen, nach
einem weiteren, der kurz vor dem Gong erfolgte, zählte ihn der Ringrichter
nach dem Gong aus. Ein problemloser Sieg für den 25-jährigen
Onofrei.
In der nun
folgenden Pause präsentierte "Hit Radio Antenne 1" die
beiden Box-Weltmeisterinnen Daisy Lang und Regina Halmich.
Daisy Lang, die wie fast immer bei öffentlichen Auftritten sehr sexy
gekleidet war, kündigte stolz ihren nächsten Kampf im April
an, bei dem sie Hauptkämpferin sein wird, Regina Halmich wagte einen
Tipp bezüglich des anstehenden Hauptkampfes und prognostizierte einen
KO-Sieg von Klitschko in Runde 5.
Sinan
Samil Sam (13-0, 6KO's) aus dem Hamburger Boxstall trägt
den Kampfnamen "Der Bulle vom Bosporus" und machte an diesem
Abend seinem Namen alle Ehre: Sam agierte gegen den Amerikaner Thomas
Edward Williams (27-10, 18KO's) von Anfang an sehr aggressiv und
konnte in der dritten Runde den ersten Niederschlag verbuchen. Besonderes
Merkmal von Sam war in diesem Kampf sein guter Aufwärtshaken. Nach
einem weiteren Niederschlag in derselben Runde kam für Williams das
vorzeitige Ende.
Jürgen
Brähmer, der von seinem Manager Klaus-Peter Kohl
als "Jahrhunderttalent" bezeichnet wird, hat zwar einen perfekten
Rekord von 21-0 (18), musste sich aber noch nie einem wirklich gefährlichen
Gegner stellen. Das sollte sich in Stuttgart leider auch nicht ändern,
denn mit dem Brasilianer Roberto
Martins (9-8) trat ein Mann an, von dem man nicht erwarten konnte,
dass er Brähmer in Schwierigkeiten bringen würde.
Bereits
in der ersten Runde schickte Brähmer seinen Gegner aus Brasilien
zweimal zu Boden. In der zweiten Runde lief Martins direkt in einen Konter
des Deutschen und konnte sich nicht mehr rechtzeitig erholen. In der kurzen
Zeit dieses Kampfes blitzte die Klasse des schlagstarken Deutschen auf:
Äußerst schnell und beweglich - so konnte man zumindest erahnen,
was in ihm steckt. Allerdings war auch zu beobachten, dass Brähmer
seine Fäuste sehr tief hängen ließ und die zwei Male,
als er in die Defensive geriet, nicht sehr souverän aussah. Dennoch
scheint es weiter so, als ob Jürgen Brähmer die Zukunft im Supermittel-,
evtl. später auch im Halbschwergewicht gehört. Das Potential,
um einmal ganz nach oben zu kommen, hat der junge Mann zweifellos.
In einer
kurzen Pause musste das schwäbische Publikum dann bayerische Weisheiten
von Wolfgang Fierek über sich ergehen lassen und war froh,
als dessen Interview mit "Hit Radio Antenne 1" vorbei war und
man statt dessen den Schwaben Luan Krasniqi aus Rottweil im Publikum
begrüßen durfte.
Gespannt
waren die Zuschauer auf die Leistung des gutaussehenden Berliners Thomas
Ulrich (21-1, 16KO's), der erst den zweiten Kampf nach
seiner schweren KO-Niederlage gegen Glencoffe Johnson am 28.07.2001
bestritt. Zuvor hatte er Mohamed Siluvangi nach Punkten bezwungen,
ohne dabei jedoch glänzen zu können. In Stuttgart ging es nun
gegen den Brasilianer Marco
Antonio Duarte, der angeblich mit dem Kampfrekord von 19-4 antrat,
von dem man sich aber allenfalls versprechen durfte, dass er einen würdigen
Journeyman für Ulrich abgeben würde. Alles andere als ein klarer
Sieg von Ulrich wäre eine Enttäuschung gewesen.
Ulrich begann
vorsichtig mit stets geschlossener Deckung. Offensichtlich hat man mit
ihm im Training konsequent daran gearbeitet, seine Mängel im Deckungsverhalten
abzustellen. Der bis dahin relativ unspektakuläre Kampf nahm dann
in der dritten Runde ein plötzliches und ebenso unerwartetes wie
unklares Ende: Duarte fasste sich nach einer Aktion von Ulrich heftig
gestikulierend ans linke Auge bzw. an die linke Stirnpartie und reklamierte
wohl einen Kopfstoß von Ulrich. Da er nicht weiterkämpfen wollte
und sich in die Ringseile fallen ließ, blieb dem Ringrichter nichts
anderes übrig, als ihn auszuzählen.
Das
offizielle Urteil lautete KO-Sieg in Runde 3 für Ulrich, eine nähere
Erklärung wurde dem Publikum nicht gegeben. Anders als bei allen
anderen Kämpfen erfolgte unsportlicherweise nach der Urteilsverkündung
kein Aufruf zum Applaus für den Gastboxer. Boxingpress konnte einen
Kopfstoß nicht positiv feststellen, will aber nicht ausschließen,
dass in dem Infight die Köpfe der beiden Boxer aneinandergeraten
sind. Ein Cut war bei Duarte nicht zu erkennen. Jedenfalls war, sollte
es sich um einen Kopfstoß von Ulrich gehandelt haben, mit Sicherheit
keine Absicht beim Deutschen gegeben. Ebenso gut ist es möglich,
dass Ulrich seinen brasilianischen Kontrahenten durch einen regulären
Schlag am Auge verletzt hat. Ein etwas unbefriedigendes Ende für
Ulrich, der sicherlich gerne mehr gezeigt und durch einen klassischen
KO gewonnen hätte.
Das nächste
Promi-Interview bestritten Party-Girl Ariane Sommer sowie Ex-Schwergewichtler
und Publikumsliebling Axel Schulz. Dessen Popularität ist
nach wie vor ungebrochen. So wurde Schulz mehrmals an diesem Abend stürmisch
von den Zuschauern gefeiert. Er tippte auf einen KO-Sieg von Klitschko
in Runde 4 bis 5.
Der Mann
der ferneren Zukunft im Schwergewicht des Universum-Boxstalls heißt
Alexander
Dimitrenko (2-0, 2KO's). Mit möglicherweise zu viel Vorschusslorbeeren
aufgrund seiner Amateurzeit überhäuft, konnte er in seinem ersten
Profikampf am 08.12.2001 in Oberhausen nicht überzeugen. Gegen Marcus
Johnson (7-10-1) schlug er damals zahlreiche Innenhände, brachte
Nackenschläge an und schien auch nicht über die notwendige Schlagkraft
zu verfügen. Jedoch muss man dem jungen Mann aus der Ukraine, der
zweimal die Woche Deutschunterricht nimmt, sicherlich noch viel Zeit geben.
Mit dem US-Amerikaner
Tim Martin (2-9, 1KO) hatte er einen Gegner bekommen, der besser
nie mit dem Boxen angefangen hätte. Der bereits beim offiziellen
Wiegen in der Spielbank Stuttgart (Boxingpress berichtete) schwabbelig
und unaustrainiert wirkende Martin machte im Ring keine bessere Figur
als auf der Waage und musste gleich in der ersten Runde dreimal jeweils
durch einen Körpertreffer zu Boden. Der letzte Körpertreffer
nahm ihn so schwer mit, dass er nicht mehr aufstand. Martin war ein Mann,
den wir um seiner eigenen Gesundheit willen nicht mehr im Boxring sehen
möchten und dessen Anwesenheit sich nur dadurch rechtfertigen lässt,
dass Dimitrenko noch ganz am Anfang seiner Profi-Karriere steht und verständlicherweise
langsam aufgebaut werden muss.
Im
neunten und gleichzeitig erstem Kampf mit Live-Übertragung im Fernsehen
trat der ehemalige WBC-Cruisergewichts-Champion Juan Carlos Gomez
(34-0, 29KO's) gegen den sichtbar unaustrainierten US-Amerikaner Ken
Murphy (21-5-1, 16KO's) an. Der in Hamburg lebende Kubaner konnte
das Gewichtslimit des Cruisergewichts (86,182 kg) nicht mehr bringen und
entschied sich vor kurzem, die Diäten sein zu lassen, seinen WBC-Titel
niederzulegen und fortan im Schwergewicht zu boxen. Der mittlerweile 98
kg schwere Gomez bewies, dass er die zusätzlichen Kilos zum Großteil
in Muskeln und nicht in Fett zugelegt hatte.
Den Einmarsch
begann der mit einem Strohhut bedeckte Kubaner zur Freude der Zuschauer
in der Schleyerhalle mit einem kurzen Tänzchen. Anschließend
boxte der lebensfrohe Gomez gegen einen Mann, der nur aufs Überleben
aus war und nicht den ernsthaften Versuch machte, den Kampf zu gewinnen.
Gomez bestritt die ersten Runden deutlich überlegen für sich.
In der vierten Runde kassierte Murphy dann laut Ringsprecher Gerhard
Müller einen Punktabzug wegen wiederholten Kopfstoßens,
nachdem der Ringrichter allerdings zuvor einen tiefen Kopf von Murphy
als Grund für den Punktabzug signalisiert hatte. In der fünften
Runde konnte Gomez einen Niederschlag landen, nach einem weiteren Niederschlag
in derselben Runde, verursacht durch zwei Körpertreffer, wurde Murphy
ausgezählt.
Gegen einen
Boxer gut auszusehen, der nur über die Runden kommen will, ist schwierig.
Auch unter Berücksichtigung dieser Tatsache sieht Boxingpress aber
hinsichtlich der Schlagkraft von Gomez zumindest ein Fragezeichen für
seine Zukunft im Schwergewicht. Wer einen großen Titel im Schwergewicht
anstrebt, müsste gegen einen Gegner wie Ken Murphy besser aussehen.
Dennoch ein klarer Sieg für den Kubaner. Schade für die Stuttgarter
Zuschauer war, dass das anschließende Interview mit Gomez im Ring
nicht in der Halle zu hören war.
Dann war
es soweit, der Hauptkampf nahte. Francois Botha (44-3-1, 28KO's), der
in den USA lebende Südafrikaner, schickte sich an, dem in Hamburg
lebenden Ukrainer Wladimir Klitschko (37-1, 34KO's) dessen Weltmeistertitel
nach Version der WBO wegzunehmen. Beim Einmarsch trug Botha ein Tuch in
den Farben der amerikanischen Nationalflagge "Stars and Stripes"
unter seinem schwarzen Mantel, wohl um den Patriotismus in seiner Wahlheimat
wiederzugeben. Wladimir Klitschko hatte sich zurückbesonnen auf seine
bewährte Einmarschmusik von Tina Turner - "Simply the best".
Die
Frage, die sich die über 10.000 Zuschauer stellten, war natürlich:
Würde der Südafrikaner in der Lage sein, den Champion ernsthaft
in Bedrängnis zu bringen oder würde der Kampf ein ebenso schnelles
Ende nehmen wie die Vorkämpfe? Nun, Botha begann aggressiv und versucht
von der ersten Sekunde an, die Distanz zu überwinden und mit wilden
Schwingern Klitschko auszuknocken. Zwar gelang es ihm nicht, den jungen
Ukrainer entscheidend zu treffen, was ihm aber zunächst gelang, war,
Klitschko in der Entfaltung seines Konzeptes zu stören. Der Weltmeister
begann vorsichtig, wollte wohl nach einer fast achtmonatigen Ringpause
kein unüberlegtes Risiko eingehen.
In der zweiten
Runde lieferte sich Botha eine Ringereinlage mit Klitschko und sprang
immer wieder stürmisch in seinen Gegner ohne freilich einen zählbaren
Erfolg zu erreichen. Denn die wenigen Treffer setzte Klitschko. In der
dritten Runde fand Klitschko dann besser in den Kampf und kam mit seinem
Jab einige Male gut durch, ohne aber Botha entscheidend beeindrucken zu
können. In der vierten Runde entwickelte sich ein wildes Gerangel,
Geschubse und Gedränge zwischen den beiden Boxern. Klitschko wirkte
streckenweise etwas ratlos ob des unorthodoxen Kampfstils seines Gegners.
Aus der Ruhe bringen ließ er sich davon jedoch nicht.
Bothas Strategie
war klar: Durch überfallartiges In-den-Mann-Springen versuchte er,
Klitschkos Konzept durcheinanderzubringen und dabei einen Wirkungstreffer
zu setzen. Der WBO-Champion ließ sich dadurch aber nicht beeindrucken.
In der fünften Runde kam Klitschko erneut mit seinem Jab mehrmals
gut durch und traf nun immer häufiger. Da der Ringrichter die beiden
Boxer spät trennte, kam es immer wieder zu längerem Gerangel
im Infight. In der sechsten Runde setzte Klitschko dann mehrere gute Treffer,
doch Botha bewies Nehmerfähigkeiten. Eine Runde später brachte
der Ukrainer den Südafrikaner schließlich erstmals in echte
Bedrängnis. Zweimal konnte Klitschko mehrere schwere Trefferserien
setzen, die Botha sichtlich mitnahmen.
Das
erwartete vorzeitige Ende kam dann in der achten Runde doch noch - später,
als es viele Experten vorausgesagt hatten. Der Herausforderer lief in
einen rechten Haken Klitschkos förmlich hinein und war schwer mitgenommen.
Klitschko setzte sofort mit einer Schlagserie an den Seilen nach. Der
Südafrikaner konnte sich noch einmal wegdrehen und kassierte dann
einen linken Haken vom Champion, der ihn endgültig zu Boden schickte.
Schwer getroffen fiel Botha auf die Ringmatte. Zwar war er bei "8"
wieder oben, der Ringrichter entschied sich jedoch zu Recht dafür,
den Südafrikaner nicht weiterboxen zu lassen. Sicherlich eine vernünftige
Entscheidung, denn ein noch schwererer anschließender Niederschlag
wäre wohl unvermeidlich gewesen.
Auf der anschließenden
Pressekonferenz präsentierte sich Botha als fairer Verlierer: Mit
zwei blauen Augen gratulierte er Klitschko und sagte, dass dieser eine
Chance gegen Lewis oder Tyson verdiene. Etwas resigniert resümierte
Botha, dass es sein Abend heute wohl nicht gewesen sei. Botha bedankte
sich für die freundliche Aufnahme in Deutschland und äußerte
die Hoffnung, bald wieder in Deutschland kämpfen zu dürfen.
Zur Frage, ob der Ringrichter verfrüht abgebrochen habe, meinte er,
dass er den Ringrichter nicht kritisieren wolle und froh sei, gesund zu
seiner Familie zurückkehren zu können.
An dieser
Stelle sei die Frage an den Veranstalter erlaubt, ob es nicht möglich
wäre, eine Dolmetscherin zu engagieren, die zum einen vernünftig
Englisch spricht und versteht und zum anderen schon einmal etwas vom Boxen
gehört hat, so dass sie weiß, dass es einen Herrn Lennox Lewis
gibt und der dritte Mann im Ring nicht Schiedsrichter, sondern Ringrichter
heißt. Beides war bei der Dame nicht der Fall. Sollte einer der
Anwesenden nicht des Englischen mächtig gewesen sein, so hat er auf
dieser Pressekonferenz jedenfalls ganz andere Aussagen zu hören bekommen,
als das, was Botha und sein Trainer eigentlich gesagt haben.
Klitschko
analysierte den Kampf dann zutreffend dahingehend, dass Botha seine Chance
in einem Lucky Punch gesucht habe. Botha sei sehr selbstbewusst in den
Kampf gegangen. In welcher Runde er selbst gewinne, sei für ihn unwichtig
gewesen. Mit seiner eigenen Leistung zeigte sich der Ukrainer nicht uneingeschränkt
zufrieden und verwies auf seine lange Kampfpause von über sieben
Monaten. "Das war nicht leicht. Ich habe wieder viel gelernt.
Ich hatte eine lange Wettkampfpause und war etwas langsamer als sonst.
Wichtig ist aber letztlich nur das Resultat."
Klitschkos
Manager Klaus-Peter Kohl entgegnete auf Fragen, wann denn nun endlich
die großen Kämpfe gegen Lewis, Tyson oder Holyfield kämen,
nur, dass jedenfalls beide Klitschko-Brüder wieder in den USA kämpfen
würden. Wladimir hätte aufgrund seiner fast achtmonatigen verletzungsbedingten
Pause anfangs nicht in seinen normalen Rhythmus im Ring gefunden.
Von den anwesenden
Journalisten wurde bemängelt, dass zeitgleich zum heutigen Kampfabend
eine Sauerland-Veranstaltung in Magdeburg stattgefunden habe, die in der
ARD übertragen wurde, und ob dies nicht vermeidbar sei. Kohl entgegnete
hierauf, dass dies natürlich für die Boxfans bedauerlich sei
und er hoffe, dass dies möglichst nicht mehr vorkomme, er es aber
nicht ausschließen könne. Dies liege daran, dass Universum
15 bis 18 Kampftage im Jahr veranstalte und man Rücksicht auf Ferienzeiten
und andere Sportgroßereignisse wie z.B. Olympia nehmen müsse,
so dass Überschneidungen nicht immer zu vermeiden seien.
Boxingpress
bedauert diese Überschneidung außerordentlich und konnte nicht
den Eindruck gewinnen, dass hier ernsthaft versucht wurde, durch Absprachen
mit dem Sauerland-Camp Derartiges zu vermeiden. Genausowenig schien es
uns aber, dass hier absichtlich eine Konkurrenzsituation geschaffen wurde.
Letztlich wird man die Terminwahl respektieren müssen, auch wenn
viele Fans sicherlich beide Veranstaltungen gerne besucht oder zumindest
live am Fernseher verfolgt hätten.
Leider waren
die Boxer der restlichen Kämpfe nicht auf der Pressekonferenz verfügbar.
Boxingpress ließ es sich aber nicht nehmen, für unsere Leser
den zufällig anwesenden und elegant in schwarzem Anzug, weißem
Hemd und schwarzer Krawatte gekleideten Jürgen Brähmer zu fragen,
wo er sich selbst im deutschen Supermittelgewicht einschätzen würde
im Hinblick darauf, dass es ja mit Sven Ottke, Markus Beyer und Danilo
Häußler noch andere gute Supermittelgewichtler in Deutschland
gibt.
Brähmers
Antwort war ebenso knapp wie selbstbewußt: "Ganz oben.".
Auf ein ungläubiges Nachfragen dieses Autors bestätigte der
talentierte Faustkämpfer seine Positionsbestimmung mit einem knappen
Kopfnicken. Wir meinen, dass diese Einschätzung sogar stimmen könnte
und würden uns wünschen, dass Brähmer in absehbarer Zeit
die Gelegenheit bekommt, sich zu beweisen.
Was bleibt
als Resümee dieses Kampfabends? Aus sportlicher Sicht waren die Vorkämpfe
unbefriedigend: Es war bereits im Vorhinein absehbar, dass alle Universum-Kämpfer
ihre Kämpfe vorzeitig gewinnen würden und so kam es dann auch
(bis auf den kurzfristig hinzugenommenen Anfangskampf). Viele Zuschauer
äußerten lautstark ihren Unmut über die kurze Dauer der
Kämpfe und die drückende Überlegenheit der Universum-Boxer.
Es ist zwar
absolut verständlich, dass junge Talente mit entsprechenden Gegnern
langsam aufgebaut werden müssen. Aber einem Jürgen Brähmer
oder einem Thomas Ulrich, die mit jeweils über 20 Profikämpfen
keine Neulinge mehr sind, tut man keinen Gefallen, wenn man sie gegen
Gegner wie am heutigen Abend stellt. Beide haben die Ambition, in absehbarer
Zeit um einen Titel zu kämpfen und benötigen stärkere Gegner,
um diesen Leistungssprung erfolgreich bestehen zu können.
Der Hauptkampf
überraschte dagegen positiv, nicht nur, weil er länger andauerte,
als alle erwartet bzw. befürchtet hatten, sondern auch, weil Botha
cleverer agierte und sich besser verkaufte als gedacht. Trotzdem muss
klar festgehalten werden, dass sich Botha den Titelkampf im Vorfeld nicht
sportlich verdient hatte. Gegen Klitschko hatte er zu keinem Zeitpunkt
eine echte Siegchance und gab bis zum KO alle Runden an Wladimir Klitschko
ab, der seinen Gegner dominierte und damit verdient WBO-Weltmeister bleibt.
|