Zurück
Forum
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Klitschko schüttelt Ringrost ab und besiegt Botha vorzeitig
exklusiv aus Stuttgart berichtet Dr. Constantin Hofmann


Wladimir Klitschko hat seinen WBO-Gürtel im Schwergewicht gegen den Südafrikaner Francois Botha in der mit über 10.000 Zuschauern ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart verteidigt. In der achten Runde fing Klitschko seinen Gegner mit einem schweren rechten Haken ab und setzte gegen den angeschlagenen Botha sofort entschlossen nach. Nach mehreren Treffern schlug der Ukrainer einen linken Haken, der Botha endgültig zu Boden schickte. Der 33-Jährige stand zwar noch einmal auf, war jedoch nach Ansicht des Ringrichters nicht mehr in der Lage, den Kampf fortzuführen.

Unser Bericht über den kompletten Kampfabend am 16.03.2002 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle soll nicht - wie von vielen erwartet oder erhofft - mit Kritik am Veranstalter wegen der Wahl der Gegner für die Universum-Boxer beginnen. Nein, starten soll er mit einem ausdrücklichen Lob an den Veranstalter für die Wahl des Austragungsortes.

Über sechs lange Jahre musste die baden-württembergische Landeshauptstadt auf eine große Profiboxveranstaltung warten, genau seit dem 9. Dezember 1995. An diesem Tage unterlag der deutsche Schwergewichtler und Publikumsliebling Axel Schulz im Kampf um die vakante IBF-Weltmeisterschaft dem Südafrikaner Francois Botha mit 2:1 Punktrichterstimmen. Das Publikum war mit dieser Entscheidung damals ausgesprochen unzufrieden und bombardierte den Ring mit allen verfügbaren Wurfgeschossen wie Sektgläsern, Feuerzeugen und Münzen (und das im Schwabenländle!).

Botha wurde kurz darauf der Titel aberkannt, da ihm die Einnahme anaboler Steroide nachgewiesen wurde. Seitdem fand aufgrund dieser Ausschreitungen - verständlicherweise - erst einmal keine größere Boxveranstaltung in Stuttgart mehr statt. Das Stuttgarter Publikum war dementsprechend ausgehungert nach einer Weltmeisterschaft im Schwergewicht und quittierte die Wahl des Austragungsortes mit einer restlos ausverkauften Schleyerhalle. Dies mag auch daran gelegen haben, dass mit Francois Botha ausgerechnet derselbe Mann an demselben Ort antrat, diesmal allerdings gegen Wladimir Klitschko, einen Mann weit schwereren Kalibers, als es Axel Schulz gewesen war.

Dass es eine Reihe weitaus würdigerer Gegner für eine Weltmeisterschaft gegeben hätte, schien jedenfalls das Publikum in seiner breiten Masse nicht zu stören. Trotzdem gebührt an dieser Stelle der Universum Box Promotion Anerkennung, die dem unausgesprochenen Bann über die südwestdeutsche Metropole endlich ein Ende bereitete und zur Freude der badischen und schwäbischen Boxsportfans in der Schleyerhalle veranstaltete.

Doch zunächst zu den Vorkämpfen:

Den Beginn des Kampfabends läutete mit Reidar Walstad ein junger Schwede ein, der nach vier Runden im Bantamgewicht einen ungefährdeten Punktsieg gegen Stefan Berska einfuhr. Es sollte der einzige Kampf des Abends bleiben, der über die Runden ging. Etwas undankbar für die Boxer war, dass sie mit Hallenöffnung zu boxen begannen, so dass sich erst wenige Zuschauer auf den Plätzen eingefunden hatten.

Den zweiten Kampf des Abends bestritt der Weltergewichtler Isaam Khalil aus dem Universum-Stall, der bereits in der ersten Runde Rene Orlowski durch TKO bezwang.

Auch der folgende Kampf im Halbschwergewicht ging nicht viel länger: Zsolt Erdei (9-0, 7KO's) aus Ungarn, der erst seit einem knappen Jahr zum Universum-Team gehört, deckte seinen Gegner Anthony Stephens (30-11-2, 17KO's) in der zweiten Runde mit einem Schlaghagel an den Seilen ein, woraufhin dieser vom Ringrichter stehend ausgezählt wurde.

Schlag auf Schlag ging es - im wahrsten Sinne des Wortes - weiter mit dem Rumänen Konstantin Onofrei (5-0, 5KO's), der im Schwergewicht für Universum gegen den Griechen Alex Kostapolusz (1-3-1, 0KO's) antrat. Bereits in der ersten Runde musste der Grieche einen Niederschlag hinnehmen, nach einem weiteren, der kurz vor dem Gong erfolgte, zählte ihn der Ringrichter nach dem Gong aus. Ein problemloser Sieg für den 25-jährigen Onofrei.

In der nun folgenden Pause präsentierte "Hit Radio Antenne 1" die beiden Box-Weltmeisterinnen Daisy Lang und Regina Halmich. Daisy Lang, die wie fast immer bei öffentlichen Auftritten sehr sexy gekleidet war, kündigte stolz ihren nächsten Kampf im April an, bei dem sie Hauptkämpferin sein wird, Regina Halmich wagte einen Tipp bezüglich des anstehenden Hauptkampfes und prognostizierte einen KO-Sieg von Klitschko in Runde 5.

Sinan Samil Sam (13-0, 6KO's) aus dem Hamburger Boxstall trägt den Kampfnamen "Der Bulle vom Bosporus" und machte an diesem Abend seinem Namen alle Ehre: Sam agierte gegen den Amerikaner Thomas Edward Williams (27-10, 18KO's) von Anfang an sehr aggressiv und konnte in der dritten Runde den ersten Niederschlag verbuchen. Besonderes Merkmal von Sam war in diesem Kampf sein guter Aufwärtshaken. Nach einem weiteren Niederschlag in derselben Runde kam für Williams das vorzeitige Ende.

Jürgen Brähmer, der von seinem Manager Klaus-Peter Kohl als "Jahrhunderttalent" bezeichnet wird, hat zwar einen perfekten Rekord von 21-0 (18), musste sich aber noch nie einem wirklich gefährlichen Gegner stellen. Das sollte sich in Stuttgart leider auch nicht ändern, denn mit dem Brasilianer Roberto Martins (9-8) trat ein Mann an, von dem man nicht erwarten konnte, dass er Brähmer in Schwierigkeiten bringen würde.

Bereits in der ersten Runde schickte Brähmer seinen Gegner aus Brasilien zweimal zu Boden. In der zweiten Runde lief Martins direkt in einen Konter des Deutschen und konnte sich nicht mehr rechtzeitig erholen. In der kurzen Zeit dieses Kampfes blitzte die Klasse des schlagstarken Deutschen auf: Äußerst schnell und beweglich - so konnte man zumindest erahnen, was in ihm steckt. Allerdings war auch zu beobachten, dass Brähmer seine Fäuste sehr tief hängen ließ und die zwei Male, als er in die Defensive geriet, nicht sehr souverän aussah. Dennoch scheint es weiter so, als ob Jürgen Brähmer die Zukunft im Supermittel-, evtl. später auch im Halbschwergewicht gehört. Das Potential, um einmal ganz nach oben zu kommen, hat der junge Mann zweifellos.

In einer kurzen Pause musste das schwäbische Publikum dann bayerische Weisheiten von Wolfgang Fierek über sich ergehen lassen und war froh, als dessen Interview mit "Hit Radio Antenne 1" vorbei war und man statt dessen den Schwaben Luan Krasniqi aus Rottweil im Publikum begrüßen durfte.

Gespannt waren die Zuschauer auf die Leistung des gutaussehenden Berliners Thomas Ulrich (21-1, 16KO's), der erst den zweiten Kampf nach seiner schweren KO-Niederlage gegen Glencoffe Johnson am 28.07.2001 bestritt. Zuvor hatte er Mohamed Siluvangi nach Punkten bezwungen, ohne dabei jedoch glänzen zu können. In Stuttgart ging es nun gegen den Brasilianer Marco Antonio Duarte, der angeblich mit dem Kampfrekord von 19-4 antrat, von dem man sich aber allenfalls versprechen durfte, dass er einen würdigen Journeyman für Ulrich abgeben würde. Alles andere als ein klarer Sieg von Ulrich wäre eine Enttäuschung gewesen.

Ulrich begann vorsichtig mit stets geschlossener Deckung. Offensichtlich hat man mit ihm im Training konsequent daran gearbeitet, seine Mängel im Deckungsverhalten abzustellen. Der bis dahin relativ unspektakuläre Kampf nahm dann in der dritten Runde ein plötzliches und ebenso unerwartetes wie unklares Ende: Duarte fasste sich nach einer Aktion von Ulrich heftig gestikulierend ans linke Auge bzw. an die linke Stirnpartie und reklamierte wohl einen Kopfstoß von Ulrich. Da er nicht weiterkämpfen wollte und sich in die Ringseile fallen ließ, blieb dem Ringrichter nichts anderes übrig, als ihn auszuzählen.

Das offizielle Urteil lautete KO-Sieg in Runde 3 für Ulrich, eine nähere Erklärung wurde dem Publikum nicht gegeben. Anders als bei allen anderen Kämpfen erfolgte unsportlicherweise nach der Urteilsverkündung kein Aufruf zum Applaus für den Gastboxer. Boxingpress konnte einen Kopfstoß nicht positiv feststellen, will aber nicht ausschließen, dass in dem Infight die Köpfe der beiden Boxer aneinandergeraten sind. Ein Cut war bei Duarte nicht zu erkennen. Jedenfalls war, sollte es sich um einen Kopfstoß von Ulrich gehandelt haben, mit Sicherheit keine Absicht beim Deutschen gegeben. Ebenso gut ist es möglich, dass Ulrich seinen brasilianischen Kontrahenten durch einen regulären Schlag am Auge verletzt hat. Ein etwas unbefriedigendes Ende für Ulrich, der sicherlich gerne mehr gezeigt und durch einen klassischen KO gewonnen hätte.

Das nächste Promi-Interview bestritten Party-Girl Ariane Sommer sowie Ex-Schwergewichtler und Publikumsliebling Axel Schulz. Dessen Popularität ist nach wie vor ungebrochen. So wurde Schulz mehrmals an diesem Abend stürmisch von den Zuschauern gefeiert. Er tippte auf einen KO-Sieg von Klitschko in Runde 4 bis 5.

Der Mann der ferneren Zukunft im Schwergewicht des Universum-Boxstalls heißt Alexander Dimitrenko (2-0, 2KO's). Mit möglicherweise zu viel Vorschusslorbeeren aufgrund seiner Amateurzeit überhäuft, konnte er in seinem ersten Profikampf am 08.12.2001 in Oberhausen nicht überzeugen. Gegen Marcus Johnson (7-10-1) schlug er damals zahlreiche Innenhände, brachte Nackenschläge an und schien auch nicht über die notwendige Schlagkraft zu verfügen. Jedoch muss man dem jungen Mann aus der Ukraine, der zweimal die Woche Deutschunterricht nimmt, sicherlich noch viel Zeit geben.

Mit dem US-Amerikaner Tim Martin (2-9, 1KO) hatte er einen Gegner bekommen, der besser nie mit dem Boxen angefangen hätte. Der bereits beim offiziellen Wiegen in der Spielbank Stuttgart (Boxingpress berichtete) schwabbelig und unaustrainiert wirkende Martin machte im Ring keine bessere Figur als auf der Waage und musste gleich in der ersten Runde dreimal jeweils durch einen Körpertreffer zu Boden. Der letzte Körpertreffer nahm ihn so schwer mit, dass er nicht mehr aufstand. Martin war ein Mann, den wir um seiner eigenen Gesundheit willen nicht mehr im Boxring sehen möchten und dessen Anwesenheit sich nur dadurch rechtfertigen lässt, dass Dimitrenko noch ganz am Anfang seiner Profi-Karriere steht und verständlicherweise langsam aufgebaut werden muss.

Im neunten und gleichzeitig erstem Kampf mit Live-Übertragung im Fernsehen trat der ehemalige WBC-Cruisergewichts-Champion Juan Carlos Gomez (34-0, 29KO's) gegen den sichtbar unaustrainierten US-Amerikaner Ken Murphy (21-5-1, 16KO's) an. Der in Hamburg lebende Kubaner konnte das Gewichtslimit des Cruisergewichts (86,182 kg) nicht mehr bringen und entschied sich vor kurzem, die Diäten sein zu lassen, seinen WBC-Titel niederzulegen und fortan im Schwergewicht zu boxen. Der mittlerweile 98 kg schwere Gomez bewies, dass er die zusätzlichen Kilos zum Großteil in Muskeln und nicht in Fett zugelegt hatte.

Den Einmarsch begann der mit einem Strohhut bedeckte Kubaner zur Freude der Zuschauer in der Schleyerhalle mit einem kurzen Tänzchen. Anschließend boxte der lebensfrohe Gomez gegen einen Mann, der nur aufs Überleben aus war und nicht den ernsthaften Versuch machte, den Kampf zu gewinnen. Gomez bestritt die ersten Runden deutlich überlegen für sich. In der vierten Runde kassierte Murphy dann laut Ringsprecher Gerhard Müller einen Punktabzug wegen wiederholten Kopfstoßens, nachdem der Ringrichter allerdings zuvor einen tiefen Kopf von Murphy als Grund für den Punktabzug signalisiert hatte. In der fünften Runde konnte Gomez einen Niederschlag landen, nach einem weiteren Niederschlag in derselben Runde, verursacht durch zwei Körpertreffer, wurde Murphy ausgezählt.

Gegen einen Boxer gut auszusehen, der nur über die Runden kommen will, ist schwierig. Auch unter Berücksichtigung dieser Tatsache sieht Boxingpress aber hinsichtlich der Schlagkraft von Gomez zumindest ein Fragezeichen für seine Zukunft im Schwergewicht. Wer einen großen Titel im Schwergewicht anstrebt, müsste gegen einen Gegner wie Ken Murphy besser aussehen. Dennoch ein klarer Sieg für den Kubaner. Schade für die Stuttgarter Zuschauer war, dass das anschließende Interview mit Gomez im Ring nicht in der Halle zu hören war.

Dann war es soweit, der Hauptkampf nahte. Francois Botha (44-3-1, 28KO's), der in den USA lebende Südafrikaner, schickte sich an, dem in Hamburg lebenden Ukrainer Wladimir Klitschko (37-1, 34KO's) dessen Weltmeistertitel nach Version der WBO wegzunehmen. Beim Einmarsch trug Botha ein Tuch in den Farben der amerikanischen Nationalflagge "Stars and Stripes" unter seinem schwarzen Mantel, wohl um den Patriotismus in seiner Wahlheimat wiederzugeben. Wladimir Klitschko hatte sich zurückbesonnen auf seine bewährte Einmarschmusik von Tina Turner - "Simply the best".

Die Frage, die sich die über 10.000 Zuschauer stellten, war natürlich: Würde der Südafrikaner in der Lage sein, den Champion ernsthaft in Bedrängnis zu bringen oder würde der Kampf ein ebenso schnelles Ende nehmen wie die Vorkämpfe? Nun, Botha begann aggressiv und versucht von der ersten Sekunde an, die Distanz zu überwinden und mit wilden Schwingern Klitschko auszuknocken. Zwar gelang es ihm nicht, den jungen Ukrainer entscheidend zu treffen, was ihm aber zunächst gelang, war, Klitschko in der Entfaltung seines Konzeptes zu stören. Der Weltmeister begann vorsichtig, wollte wohl nach einer fast achtmonatigen Ringpause kein unüberlegtes Risiko eingehen.

In der zweiten Runde lieferte sich Botha eine Ringereinlage mit Klitschko und sprang immer wieder stürmisch in seinen Gegner ohne freilich einen zählbaren Erfolg zu erreichen. Denn die wenigen Treffer setzte Klitschko. In der dritten Runde fand Klitschko dann besser in den Kampf und kam mit seinem Jab einige Male gut durch, ohne aber Botha entscheidend beeindrucken zu können. In der vierten Runde entwickelte sich ein wildes Gerangel, Geschubse und Gedränge zwischen den beiden Boxern. Klitschko wirkte streckenweise etwas ratlos ob des unorthodoxen Kampfstils seines Gegners. Aus der Ruhe bringen ließ er sich davon jedoch nicht.

Bothas Strategie war klar: Durch überfallartiges In-den-Mann-Springen versuchte er, Klitschkos Konzept durcheinanderzubringen und dabei einen Wirkungstreffer zu setzen. Der WBO-Champion ließ sich dadurch aber nicht beeindrucken. In der fünften Runde kam Klitschko erneut mit seinem Jab mehrmals gut durch und traf nun immer häufiger. Da der Ringrichter die beiden Boxer spät trennte, kam es immer wieder zu längerem Gerangel im Infight. In der sechsten Runde setzte Klitschko dann mehrere gute Treffer, doch Botha bewies Nehmerfähigkeiten. Eine Runde später brachte der Ukrainer den Südafrikaner schließlich erstmals in echte Bedrängnis. Zweimal konnte Klitschko mehrere schwere Trefferserien setzen, die Botha sichtlich mitnahmen.

Das erwartete vorzeitige Ende kam dann in der achten Runde doch noch - später, als es viele Experten vorausgesagt hatten. Der Herausforderer lief in einen rechten Haken Klitschkos förmlich hinein und war schwer mitgenommen. Klitschko setzte sofort mit einer Schlagserie an den Seilen nach. Der Südafrikaner konnte sich noch einmal wegdrehen und kassierte dann einen linken Haken vom Champion, der ihn endgültig zu Boden schickte. Schwer getroffen fiel Botha auf die Ringmatte. Zwar war er bei "8" wieder oben, der Ringrichter entschied sich jedoch zu Recht dafür, den Südafrikaner nicht weiterboxen zu lassen. Sicherlich eine vernünftige Entscheidung, denn ein noch schwererer anschließender Niederschlag wäre wohl unvermeidlich gewesen.

Auf der anschließenden Pressekonferenz präsentierte sich Botha als fairer Verlierer: Mit zwei blauen Augen gratulierte er Klitschko und sagte, dass dieser eine Chance gegen Lewis oder Tyson verdiene. Etwas resigniert resümierte Botha, dass es sein Abend heute wohl nicht gewesen sei. Botha bedankte sich für die freundliche Aufnahme in Deutschland und äußerte die Hoffnung, bald wieder in Deutschland kämpfen zu dürfen. Zur Frage, ob der Ringrichter verfrüht abgebrochen habe, meinte er, dass er den Ringrichter nicht kritisieren wolle und froh sei, gesund zu seiner Familie zurückkehren zu können.

An dieser Stelle sei die Frage an den Veranstalter erlaubt, ob es nicht möglich wäre, eine Dolmetscherin zu engagieren, die zum einen vernünftig Englisch spricht und versteht und zum anderen schon einmal etwas vom Boxen gehört hat, so dass sie weiß, dass es einen Herrn Lennox Lewis gibt und der dritte Mann im Ring nicht Schiedsrichter, sondern Ringrichter heißt. Beides war bei der Dame nicht der Fall. Sollte einer der Anwesenden nicht des Englischen mächtig gewesen sein, so hat er auf dieser Pressekonferenz jedenfalls ganz andere Aussagen zu hören bekommen, als das, was Botha und sein Trainer eigentlich gesagt haben.

Klitschko analysierte den Kampf dann zutreffend dahingehend, dass Botha seine Chance in einem Lucky Punch gesucht habe. Botha sei sehr selbstbewusst in den Kampf gegangen. In welcher Runde er selbst gewinne, sei für ihn unwichtig gewesen. Mit seiner eigenen Leistung zeigte sich der Ukrainer nicht uneingeschränkt zufrieden und verwies auf seine lange Kampfpause von über sieben Monaten. "Das war nicht leicht. Ich habe wieder viel gelernt. Ich hatte eine lange Wettkampfpause und war etwas langsamer als sonst. Wichtig ist aber letztlich nur das Resultat."

Klitschkos Manager Klaus-Peter Kohl entgegnete auf Fragen, wann denn nun endlich die großen Kämpfe gegen Lewis, Tyson oder Holyfield kämen, nur, dass jedenfalls beide Klitschko-Brüder wieder in den USA kämpfen würden. Wladimir hätte aufgrund seiner fast achtmonatigen verletzungsbedingten Pause anfangs nicht in seinen normalen Rhythmus im Ring gefunden.

Von den anwesenden Journalisten wurde bemängelt, dass zeitgleich zum heutigen Kampfabend eine Sauerland-Veranstaltung in Magdeburg stattgefunden habe, die in der ARD übertragen wurde, und ob dies nicht vermeidbar sei. Kohl entgegnete hierauf, dass dies natürlich für die Boxfans bedauerlich sei und er hoffe, dass dies möglichst nicht mehr vorkomme, er es aber nicht ausschließen könne. Dies liege daran, dass Universum 15 bis 18 Kampftage im Jahr veranstalte und man Rücksicht auf Ferienzeiten und andere Sportgroßereignisse wie z.B. Olympia nehmen müsse, so dass Überschneidungen nicht immer zu vermeiden seien.

Boxingpress bedauert diese Überschneidung außerordentlich und konnte nicht den Eindruck gewinnen, dass hier ernsthaft versucht wurde, durch Absprachen mit dem Sauerland-Camp Derartiges zu vermeiden. Genausowenig schien es uns aber, dass hier absichtlich eine Konkurrenzsituation geschaffen wurde. Letztlich wird man die Terminwahl respektieren müssen, auch wenn viele Fans sicherlich beide Veranstaltungen gerne besucht oder zumindest live am Fernseher verfolgt hätten.

Leider waren die Boxer der restlichen Kämpfe nicht auf der Pressekonferenz verfügbar. Boxingpress ließ es sich aber nicht nehmen, für unsere Leser den zufällig anwesenden und elegant in schwarzem Anzug, weißem Hemd und schwarzer Krawatte gekleideten Jürgen Brähmer zu fragen, wo er sich selbst im deutschen Supermittelgewicht einschätzen würde im Hinblick darauf, dass es ja mit Sven Ottke, Markus Beyer und Danilo Häußler noch andere gute Supermittelgewichtler in Deutschland gibt.

Brähmers Antwort war ebenso knapp wie selbstbewußt: "Ganz oben.". Auf ein ungläubiges Nachfragen dieses Autors bestätigte der talentierte Faustkämpfer seine Positionsbestimmung mit einem knappen Kopfnicken. Wir meinen, dass diese Einschätzung sogar stimmen könnte und würden uns wünschen, dass Brähmer in absehbarer Zeit die Gelegenheit bekommt, sich zu beweisen.

Was bleibt als Resümee dieses Kampfabends? Aus sportlicher Sicht waren die Vorkämpfe unbefriedigend: Es war bereits im Vorhinein absehbar, dass alle Universum-Kämpfer ihre Kämpfe vorzeitig gewinnen würden und so kam es dann auch (bis auf den kurzfristig hinzugenommenen Anfangskampf). Viele Zuschauer äußerten lautstark ihren Unmut über die kurze Dauer der Kämpfe und die drückende Überlegenheit der Universum-Boxer.

Es ist zwar absolut verständlich, dass junge Talente mit entsprechenden Gegnern langsam aufgebaut werden müssen. Aber einem Jürgen Brähmer oder einem Thomas Ulrich, die mit jeweils über 20 Profikämpfen keine Neulinge mehr sind, tut man keinen Gefallen, wenn man sie gegen Gegner wie am heutigen Abend stellt. Beide haben die Ambition, in absehbarer Zeit um einen Titel zu kämpfen und benötigen stärkere Gegner, um diesen Leistungssprung erfolgreich bestehen zu können.

Der Hauptkampf überraschte dagegen positiv, nicht nur, weil er länger andauerte, als alle erwartet bzw. befürchtet hatten, sondern auch, weil Botha cleverer agierte und sich besser verkaufte als gedacht. Trotzdem muss klar festgehalten werden, dass sich Botha den Titelkampf im Vorfeld nicht sportlich verdient hatte. Gegen Klitschko hatte er zu keinem Zeitpunkt eine echte Siegchance und gab bis zum KO alle Runden an Wladimir Klitschko ab, der seinen Gegner dominierte und damit verdient WBO-Weltmeister bleibt.

 

 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2002 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.de veröffentlicht werden.
Jeder Verstoß gegen diese Bestimmungen ist urheberrechtswidrig und daher strafbar.
GOWEBCounter by INLINE