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Klitschko besiegt Ibragimov
von Benni Vivacqua
IBF-Schwergewichtsweltmeister Wladimir
Klitschko (auf Foto links) gelang am Samstagabend
im New Yorker Madison Square Garden durch einen deutlichen Punktsieg gegen
den WBO-Champion Sultan
Ibragimov die angestrebte Titelvereinigung. Dabei wurden
die von einem Großteil der Fans und Experten in den Kampf gesetzten
Erwartungen erfüllt: Es wurde die befürchtet einseitige und
im Wortsinne langweilige Angelegenheit.
Die
Geschichte des Kampfes ist schnell erzählt. Nach einer verhalten
geführten Eröffnungsrunde, in der sich Klitschko darauf beschränkte,
die Führhand seines in der Rechtsauslage boxenden Gegners mit einer
fallbeilartigen Bewegung niederzuschlagen und Ibragimov zu drei leichten
Körper- sowie einem Kopftreffer kam, folgten einige Durchgänge
ohne jeglichen Höhepunkt. Der lange Zeit für den Hamburger Universum-Boxstall
kämpfende Ukrainer folgte einem sehr defensiv eingestellten Ibragimov
abwartend durch den Ring, schlug dessen Führhand herunter und landete
einige harte Jabs pro Runde. Das Publikum zeigte sich ungeduldig und verabschiedete
die Kontrahenten bereits nach der zweiten Runde mit Buh-Rufen in die Rundenpause.
Bis zur fünften Runde mussten die 14.000 Besucher im Madison Square
Garden warten, bevor der Schützling von Emanuel Steward
erstmals eine rechte Gerade schlug.
Nachdem
Ibragimov (Foto) vier Runden hintereinander unspektakulär
abgab, versuchte er sein Glück im sechsten Durchgang mit mehr Aktivität.
Doch was er auch versuchte, Klitschko geriet nie ernsthaft in Bedrängnis.
Mit guter Beinarbeit entzog er sich den Angriffen seines Gegners. Die
meisten der ohnehin wenigen zum Kopf geschlagenen Aktionen blockte er
ab, um sogleich wieder seinen eigenen, sehr harten Jab zu etablieren.
Trotz dieser vergleichsweise lebendigen Runde machte das Publikum seinem
Unmut erneut lautstark Luft.
In den Runden sieben bis neun brachte Klitschko einige Male mit Erfolg
seine rechte Gerade, was dem enttäuschten Publikum phasenweise doch
noch Hoffnung auf ein wenig Spektakel in Form eines KOs machte, insbesondere
in Runde neun, als Ibragimov nach einem solchen Treffer aus dem Gleichgewicht
geriet und in die Ringseile stolperte. Nach diesem Strohfeuer jedoch gingen
beide Kämpfer mehr oder weniger zu ihrem Schema zurück und boten
drei weitere Kopien der zuvor geboxten Runden. Am Ende gewann Wladimir
Klitschko verdient deutlich mit 119:110, 118:110 und 117:111.
Darf ein so deutlicher, souveräner Sieg eines Weltmeisters über
den anderen überhaupt kritisiert werden? Die Antwort hängt natürlich
vom Standpunkt der Betrachtung ab. Die rein ergebnisorientierten Fans
Klitschkos sowie der Sportler selbst werden zufrieden sein. Immerhin vereinigt
der 31-Jährige nun zwei Titel im Schwergewicht, was angesichts der
insgesamt vier Titel und der damit verbundenen Relativierung des Begriffs
“Weltmeister“ sehr zu begrüßen ist. Hält man
sich jedoch vor Augen, dass Wladimir Klitschko alle Vorteile auf seiner
Seite hatte – so z.B. die bessere Technik, die größere
Schlaghärte, die bessere Beinarbeit, die größere Reichweite
– sich jedoch ausschließlich seine deutlich überlegenen
physischen Parameter zunutze machte, überwiegt doch die Enttäuschung.
Die
Leistung Ibragimovs ist nicht minder enttäuschend, doch darf man
dabei nicht seine generelle Unterlegenheit außer Betracht lassen.
Durch seine defensive Kampfführung erreichte er als Teilerfolg das
kleine Kunststück, nicht KO zu gehen, doch zu mehr fehlten ihm schlicht
die Mittel. Klitschko hingegen präsentierte sich nach einer legitimen
Abtast- und Studierphase als sehr unkreativ und leidenschaftslos. So ist
der früher zu Unrecht als typischer “Ostblock-Kämpfer“
bezeichnete Athlet ausgerechnet unter der US-Trainerikone Emanuel Steward
mehr denn je zu einem “Box-Roboter“ geworden, der es hervorragend
versteht, ein Konzept umzusetzen. Der Erfolg gibt ihm bislang Recht, doch
das instinktlos anmutende Festhalten an Taktiken kann viele Boxfans nicht
begeistern, welche weiter hoffen, dass die zur Zeit klare Nr. eins des
Schwergewichts in naher Zukunft wieder einmal so gefordert wird, dass
seine wahre Leistungsstärke einschätzbar wird.
Montag, 25. Februar 2008
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