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Klitschko nimmt Jefferson in zwei Runden auseinander
von Jörg Lüdemann



Wladimir Klitschko hat erstmals seinen WBO-Titel im Schwergewicht erfolgreich verteidigt. Kurz vor seinem 25. Geburtstags besiegte der Ukrainer den Amerikaner Derrick Jefferson durch TKO nach 2:09 Minuten der zweiten Runde. Dabei erzielte Klitschko insgesamt drei Niederschläge und nahm den wegen seiner Schlaghärte gefürchteten Jefferson regelrecht auseinander. Zuvor war Zoltan Lunka beim Versuch gescheitert, den WBO-Titel im Fliegengewicht zu gewinnen. Der 30 Jahre alte gebürtige Rumäne verlor gegen den acht Jahre jüngeren Mexikaner Fernando Montiel durch technischen K.o. in der siebten Runde.

Vor 8000 Zuschauern in der Münchener Rudi-Sedlmayr-Halle hatte sich zunächst der vielversprechende Supermittelgewichtler Jürgen Brähmer gegen den erfahrenen US-Amerikaner Rob Bleakley (77-34-1, 19KO's) durchsetzen können. Brähmer bestimmte das Duell überlegen und konnte seinen Gegner in der ersten und vierten Runde schwer zu Boden schicken. Der zweite Niederschlag war gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Ende des Kampfes.

Der Kampf um die deutsche Cruisergewichts-Meisterschaft zwischen Lokalmatador Alexander Petkovic und dem ungeschlagenen Turhan Altunkaya fand nicht statt. Petkovic kämpfte stattdessen gegen den Algerier Mohammed Bouraoui, den er durch TKO in Runde zwei besiegen konnte. Die Universum-Boxer Levent Cukur und Andreas Kotelnik blieben gegen nicht nennenswerte Gegner klare Punktsieger.

Dann bekam Fliegengewichtler Zoltan Lunka aus dem Universum-Stall seine erste WM-Chance. Der Amateur-Weltmeister stand gegen den WBO-Weltmeister Fernando Montiel (20-0-1, 14KO's) jedoch von Beginn an auf verlorenem Posten. Nach dem üblichen Abtasten in der ersten Runde zeigte sich schnell, daß der kleine Mexikaner seinem Herausforderer in Sachen Schnelligkeit und Beweglichkeit weit überlegen war. Lunka versuchte, von der Ringmitte aus das Geschehen zu diktieren, doch Montiel hatte für beinahe jeden Angriffsversuch eine passende Antwort, wenn er nicht gerade selbst das Heft in die Hand nahm.

Der 21-jährige Weltmeister, der bislang ausschließlich in Mexiko geboxt hatte, zeigte keinerlei Nervosität und konnte schon in den Anfangsrunden harte Treffer am Kopf des Herausforderers platzieren. Im für einen Mexikaner äußerst untypischen "stick and move"-Stil nutzte Montiel den gesamten Ring aus, um nach kurzen Attacken mit dem linken Seitwärtshaken immer wieder die Distanz zu suchen. Lunka, der eine Ringpause von 10 Monaten hinter sich hatte, marschierte zwar unentwegt, schlug jedoch kaum oder nur halbherzig. Zudem zeigte der Deutsche ein mangelhaftes Deckungsverhalten und mußte ein ums andere Mal die schnellen Haken des Weltmeisters einstecken.

An diesem Zustand änderte sich auch in den Runden vier bis sechs nichts, Montiel traf beinahe nach Belieben und präsentierte sich für sein junges Alter außergewöhnlich abgeklärt. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil konsequent aus und das deutsche Publikum war bald auf der Seite des Mexikaners. Zoltan Lunka hielt zwar verbissen dagegen, schien aber nie in der Lage, dem Weltmeister ernsthaft Paroli bieten zu können.

In der siebten Runde war es dann soweit. Montiel schickte den mittlerweile frustrierten und fast deckungslosen Lunka mit einer Kombination von mehreren Kopfhaken schwer in die Ringseile. Lunka stand noch einmal auf, doch der Ringrichter beendete den Kampf kurz vor Ende der Runde. Trainer Michael Timm stand bereits am Ring, um im Falle des Falles das Handtuch zu werden. Damit nimmt ein symphatischer, talentierter Weltmeister den Gürtel wieder mit nach Mexiko. Von Fernando Montiel wird die internationale Boxszene möglicherweise noch einiges hören. Der 30-jährige Zoltan Lunka hingegen sollte ernsthaft über sein Karriereende nachdenken. Seine zweite Profi-Niederlage belegte auf deutliche Weise, daß dem starken Techniker die Umstellung vom Amateur- in den Profi-Bereich nie wirklich gelungen ist.

Schließlich stand die erste Titelverteidigung von Wladimir Klitschko auf dem Programm. Nach den lautstarken Ankündigungen im Vorfeld wirkten beide Boxer beim obligatorischen Staredown vor Kampfbeginn wild entschlossen. Nach nervösem und fahrigem Beginn diktierte Klitschko das Geschehen der ersten Runde. Derrick Jefferson versuchte sofort den finalen Schlag zu landen und stürmte mit wilden Schwingern nach vorn. Klitschko wich diesen ungestümen Angriffen aus bzw. hielt den Herausforderer meist im Clinch in Schach.

Fast unbemerkt schloß Klitschko dann mit einer blitzschnellen Linken das linke Auge des Herausforderers. Wenige Sekunden später konnte er Jefferson mit einer harten linken Haken zu Boden zu schicken. Der Amerikaner kam zwar schnell wieder auf die Beine, war aber sichtlich beeindruckt, als er kurze Zeit später in seine Ecke ging. Nach weiterem Klammern in Runde zwei landete Klitschko dann eine brutale rechte Hand, die den Amerikaner mitten in der Vorwärtsbewegung traf. Dabei hatte Wladimir die Führhand Jefferson's zuvor mit seiner Linken heruntergezogen, um dann seine rechte Schlaghand mit voller Wucht ins Ziel zu bringen.

Der Amerikaner sackte schwer getroffen zu Boden und kaum einer der Beobachter, inklusive Klitschko selbst, glaubte an eine Weiterführung des Kampfes. Doch Jefferson gelang es, sich noch ein weiteres Mal aufzurappeln - im Gegensatz zu seinem Landsmann Orlin Norris bewies der US-Boy in München ein echtes Kämpferherz. Allerdings war nach einem weiteren Niederschlag Klitschko's das Duell beendet. Ringrichter Genaro Rodriguez brach das Duell ab und Jefferson hatte keine Einwände. Klitschko feierte daraufhin ausgelassen den Sieg und seinen 25. Geburtstag.

Direkt im Anschluß an das Kampfende stürmte ein wütender Vitali Klitschko in die Ecke des Herausforderers und attackierte den Geschlagenen verbal. "Jefferson hat vor dem Kampf gesagt, daß heute die Beerdigung meines Bruders sei", erklärte der ältere Klitschko später. "So einen unfairen Sportler habe ich noch nicht erlebt. Aber heute war statt dessen die Beerdigung der Hoffnung von Jefferson einen Klitschko zu besiegen." Sichtlich verärgert fügte er ein "schöne Grüße nach Amerika von den Weicheiern" an.

Unterdessen bekräftigte Wladimir seinen Wunsch, noch in diesem Jahr gegen Doppel-Weltmeister Lennox Lewis oder Mike Tyson anzutreten. Auch Klaus-Peter Kohl zeigte sich außergewöhnlich risikofreudig und verhandlungsbereit. "Wenn Lennox Lewis der absolute Weltmeister sein will, muss er Wladimir schlagen. Bevor er diesen Gürtel nicht hat, darf er sich nicht als Champion des Schwergewichts bezeichnen. Dieser Kampf muss kommen. Wir sind bereit dazu und boxen überall dort, wo man uns einen Ring hinstellt," so der Hamburger Promoter nach dem erfolgreichen Kampf seines Schützlings.

Tatsächlich hat Wladimir Klitschko am gestrigen Abend zum wiederholten Male beeindrucken können. Der Weltmeister steigert sich mit jedem Kampf und scheint auch im täglichen Training mit Fritz Sdunek eifrig hinzuzulernen. Bei seiner beeindruckenden Schlagkraft übersehen viele Kritiker und auch die Gegner im Ring oftmals, daß Klitschko ein gut geschulter Boxer ist, in dessen Repertoire nur noch einige Waffen im Infight fehlen. Seine Nehmerfähigkeiten bleiben jedoch weiterhin ungeprüft. Doch angesichts der Tatsache, daß es bisher fast keinem Gegner gelang, klare Treffer beim Ukrainer zu setzen, entsteht der Eindruck, daß die oft unorthodox anmutende Verteidigung Klitschko's effektiver ist als sie aussieht.

Mit dem Sieg über Jefferson hat sich der junge und noch immer entwicklungsfähige Ukrainer sicherlich viel Anerkennung in den USA erworben. Der Ausrutscher in Kiew gegen Ross Puritty gerät dort langsam in Vergessenheit. Dabei darf nicht übersehen werden, daß die Kampfweise des Amerikaners Jefferson wie maßgeschneidert für Wladimir war. Doch die Frage bleibt, welche Gegner - außer Lewis und Tyson - noch realistische Siegchancen gegen den WBO-Weltmeister besitzt...

 

 

 
     

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