
Er
galt als der legitime Nachfolger von Lennox
Lewis, galt als Hoffnungsträger für die Zukunft
der derzeit schwachen Schwergewichtszene. Doch die 12.000 Zuschauer
in der Preussag Arena in Hannover wurden am Samstag abend Zeugen der
wohl größten Sensation seit vielen Jahren im deutschen Berufsboxen.
WBO-Weltmeister Wladimir
Klitschko (BP-Nr.2) verlor seinen Titel durch KO in Runde
zwei gegen den bereits 37-jährigen Südafrikaner Corrie
Sanders (Foto), der in den letzten knapp drei
Jahren gerade mal drei Runden im Ring gestanden hatte. Sanders
gewann jedoch nicht nur diesen Kampf und den WM-Gürtel. Die Art
und Weise seines Sieges zerstörte auch nachhaltig den Nimbus der
Unbesiegbarkeit, der Klitschko bereits anzuhaften schien. Die Schwergewichtsszene
ist damit so durcheinander gewirbelt, wie schon lange nicht mehr. BoxingPress
liefert eine ausführliche Analyse dazu.
Das Vorspiel
Im
Vorfeld hatte nicht vieles auf eine Sensation hingedeutet. Der für
die freiwillige Titelverteidigung verpflichtete Gegner Corrie Sanders
wurde von vielen, nicht zuletzt auch von der BoxingPress-Redaktion,
als üblicher Gegner mit gutem Rekord, aber unübersehbaren
Schwächen angesehen. Bereits 37 Jahre alt, in den vergangenen drei
Jahren fast kaum im Ring aktiv und schon zweimal vorzeitig besiegt,
schien der Südafrikaner das übliche Profil für eine gelungene,
womöglich sogar spektakuläre Titelverteidigung abzugeben.
Lediglich
seine beeindruckende Schlagkraft, seine schnellen Hände und die
unbequeme Rechtsauslage sprachen dafür, dass der 37-Jährige
am Ende nicht nur ein weiterer Name im Rekord des WBO-Weltmeisters sein
würde. Während seiner Vorbereitung hatte sich Sanders u.a.
den einstigen Klitschko-Bezwinger Ross
Puritty (Foto) als Sparringspartner und Tippgeber
genommen, doch fand dies zu Recht wenig Beachtung, denn bereits Axel
Schulz hatte aus der Arbeit mit Puritty vor seinem Kampf gegen Wladimir
nicht viel Hilfreiches mitnehmen können. Zu unterschiedlich sind
die Kampfstile von Sanders, Schulz und Puritty.
Auf
dem Weg in den Ring der Preussag Arena erweckte Corrie Sanders dann
auch nicht den Anschein eines Mannes, der wild entschlossen war, sich
am Ende seiner Karriere noch den WM-Gürtel eines der vier großen
Weltverbände umzulegen. Geradezu harmlos wirkte der leicht untersetzte
Südafrikaner, der zuvor zwar als Schnellstarter, aber auch nicht
gerade als Konditionswunder bekannt war. Wie sich wenig später
herausstellen sollte, würde die körperliche Verfassung von
Sanders in diesem Kampf jedoch kaum eine Rolle spielen.
Wladimir
Klitschko schien wie immer unbeeindruckt von seinem Gegner und dem Spektakel,
dass die lautstarken Zuschauer um ihn herum verursachten. Auch die Tatsache,
dass der Weltmeister vom wieder einmal indisponierten Ringsprecher Karsten
Speck fälschlicherweise als "Dr. Vitali Klitschko"
angekündigt wurde, rang dem Ukrainer bestenfalls ein müdes
Lächeln ab. Ganz anders Universum-Matchmaker Hedi Taouab,
der sich während der falschen Ansage entsetzt an den Kopf gefasst
hatte. Der arme Hedi ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sich das
wahre Entsetzen erst noch einstellen würde...
Der Kampf
Die
erste Runde verlief zunächst unspektakulär. Klitschko hielt
sich gegen seinen körperlich beinahe ebenbürtigen Gegner wie
gewohnt auf Distanz, wirkte konzentriert und ruhig. Ein gewisser Respekt
vor Schlagkraft des Gegners war beiden Boxern von Beginn anzumerken,
doch Klitschko suchte schon bald nach einer Gelegenheit, seine rammende
linke Führhand ins Ziel zu bringen. Diese bot sich in der Folgezeit
mehrfach, da Sanders seine Deckung nicht gerade mit Feuereifer geschlossen
hielt. Klitschko landete einige Treffer mit schnellen Links-Rechts-Kombinationen
und zog sich danach sofort in die lange Distanz zurück. Nichts
deutete daraufhin, dass sich der Ukrainer in wenigen Momenten auf dem
Ringboden wiederfinden würde.
Inmitten
einer dieser Angriffsaktionen Klitschkos feuerte Rechtsausleger Sanders
seine erste linke Schlaghand ab, die der Weltmeister jedoch noch mit
dem rechten Handschuh knapp vor der Schläfe abfangen konnte. Allein
dieser Schlag, obgleich er keinerlei Wirkung erzielte, erregte erste
Aufmerksamkeit. Denn dieser Corrie Sanders machte - ganz anders als
viele andere Herausforderer wie z.B. zuletzt Jameel McCline -
so gar nicht den Eindruck, als ob ihn die physische Präsenz des
Weltmeisters einschüchtern könnte.
Bei
genauerem Hinsehen wurde deutlich, dass der Südafrikaner seinem
Gegner in Sachen Körpergröße und Reichweite fast ebenbürtig
war. Hinzu kam, dass Sanders alles andere als "gunshy" wirkte.
Der erfahrene Veteran lauerte förmlich darauf, seine ersten schnellen
Hände abfeuern zu können. Gerade als sich Klitschko warmzuschlagen
schien, einige klare Treffer landete und sich nach einem Angriff wieder
vorbildlich in die lange Distanz zurückgezogen hatte, sah Corrie
Sanders seine erste Chance gekommen. Blitzartig überbrückte
der Herausforderer die Distanz und brachte sein ganzes Körpergewicht
hinter eine mit voller Wucht geschlagene Linke, die mit erstaunlicher
Präzision und beeindruckender Wirkung am Kopf von Klitschko einschlug.
Noch nie zuvor hatte man den Weltmeister einen derart klaren Volltreffer
einstecken sehen.
Doch
obgleich Klitschkos Kopf wie ein Punchingball nach hinten flog, kompensierte
der Ukrainer diesen Schlag scheinbar erstaunlich gut. Klitschko ging
sofort in den Clinch, hielt seinen Gegner fest und suchte nach Erholung.
Der erfahrene Sanders jedoch roch den Braten und versuchte vehement,
sich aus der Umklammerung seines Gegners zu lösen. Schließlich
gelang es dem Südafrikaner, trotz des taktisch richtigen Verhaltens
Klitschkos, der weiter klammerte oder die sichere Distanz suchte, weitere
Treffer anzubringen. Womöglich war Klitschko doch schwerer angeschlagen,
als dies zunächst den Anschein hatte - womöglich war er aber
auch schon hier überfordert mit der für ihn kaum gekannten
Situation. Sanders jedenfalls, bekannt für seine Gefährlichkeit
und eine Vielzahl von KO-Siegen in den ersten Runden, setzte beherzt
nach und landete schließlich einen kurzen rechten Haken, gefolgt
von einer krachenden linken Schlaghand. Diese Kombination traf Klitschko
völlig deckungslos und ließ den 112kg-Koloss zum Entsetzen
aller Zuschauer schwer mitgenommen auf den Ringboden krachen.
Dort
lag der Weltmeister dann, scheinbar minutenlang, direkt vor den Augen
seines Promoters und Förderers Klaus-Peter Kohl. Die Szenerie
wirkte geradezu irreal - der von allen Medien als bildschöner,
auf Jahre unbezwingbarer Schwergewichtler dargestellte 26-Jährige,
dem eben noch die Boxfans zu Füßen lagen, lag ihnen auf einmal
selbst zu Füßen - auf dem Ringboden in der Preussag Arena.
Das
Entsetzen wollte der Hoffnung jedoch nicht weichen, denn die Schwerfälligkeit,
mit der Klitschko versuchte, wieder auf die Beine zu gelangen, machte
schlagartig deutlich, wie mitgenommen der Weltmeister war. Das Anzählen
des US-amerikanischen Ringrichter Genaro Rodriguez schien sich
eine halbe Ewigkeit hinzuziehen und war dennoch regelkonform, denn Klitschko
stand nach genau neun Sekunden wieder, wenn auch auf wackligen Beinen.
Doch dem Referee gebührt an dieser Stelle kein Vorwurf und keine
Unterstellung - es entspricht durchaus der Normalität, dass ein
seit Jahren amtierender Weltmeister eher noch einmal in den Kampf zurückgelassen
wird, als ein offensichtlich überforderter Herausforderer.
In
den folgenden Sekunden tat Klitschko das einzig Richtige - er klammerte.
Genauer gesagt: er "versuchte" es. Doch der mit sehr guten
Finisher-Qualitäten ausgestattete Corrie Sanders wusste diese unbeholfen
wirkenden Versuche schnell zu unterbinden und brachte seine nächste
Linke unter, die Klitschko zu Boden sinken ließ - wohl mehr aus
Erschöpfung, denn aufgrund von Schlagwirkung. Dennoch eine weitere
Kränkung für den stolzen Ukrainer, der einfach kein Gegenmittel
für die beste Waffe seines Gegners fand. Dieses Mal rappelte sich
der Weltmeister schneller wieder auf. Kurz darauf bewahrte ihn der Rundengong
zunächst vor weiterer Bestrafung.
In
der einminütigen Pause zeigte Klitschkos Betreuerstab eine erstaunliche
Unfähigkeit, mit der Situation umzugehen. Fritz Sdunek,
dem erfahrenen und sonst so abgebrühten Meistertrainer, viel vor
Schreck der Eimer aus der Hand. Ansonsten brachte der sichtlich unter
Schock stehende Trainer nicht viele Worte heraus. Konkrete Anweisungen
wie konsequentes Klammern, sich über die Zeit retten, flink auf
den Beinen sein - sie blieben aus. Auch kein Hinweis von Seiten Sduneks
an seinen Schützling, wie dieser fortan die linke Schlaghand seines
Gegners hätte vermeiden sollen. Kein bewusstes Atmen mit Klitschko,
um dessen Erholung zu beschleunigen. Wladimir stieß ein "kann
passieren" in die gespenstische Tatenlosigkeit seiner Ecke heraus
und wenig später war eine wertvolle Minute um, ohne dass sie Klitschko
in irgendeiner Weise weitergeholfen hätte.
Der
Weltmeister hatte in der Pause dann wohl seine eigenen Konsequenzen
gezogen. Im Vertrauen auf seine körperliche Überlegenheit
und seine bekannte Schlagstärke, entschied sich Klitschko dazu,
die sogenannte "Brechstange" hervorzuholen. Mit aller Gewalt
stürmte er in seinen Gegner und versuchte, den Kampf mit einem
Volltreffer noch zu seinen Gunsten zu entscheiden. Der flinke Sanders
hatte keine Schwierigkeiten, den behäbig vorgetragenen Angriffen
Klitschkos auszuweichen und traf seinerseits mit einer weiteren krachenden
Linken mitten ins Gesicht des Weltmeisters. Dieser fand sich Sekundenbruchteile
später auf dem Hosenboden wieder, mit dem Gesichtsausdruck eines
kleinen, perplexen Schuljungen, der soeben eine Kraftprobe eindeutig
verloren hatte.
Trotzig
und, das sei an dieser Stelle hervorgehoben, mit einem vorbildlichen
Kämpferherz, das ihm viele zuvor nicht zugetraut hatten, mühte
sich Klitschko ein weiteres Mal auf die Beine und stellte sich erneut
dem Kampf. Ans Aufgeben dachte Klitschko nicht, doch die Widerstandskraft
des Weltmeisters war inzwischen erloschen. Sanders suchte jetzt vehement
die Entscheidung, ein wahrer Schlagregen prasselte auf Klitschko ein,
der völlig wehrlos durch den Ring taumelte. Nur die Seile schienen
jetzt den stolzen 2-Meter-Hünen noch im Ring zu halten. Genau dort
kassierte Klitschko eine weitere ungebremste Linke seines Gegners und
ging zum vierten Mal zu Boden. Auch hier stand der Weltmeister noch
einmal rechtzeitig auf, doch der Ringrichter hatte den Kampf bereits
völlig zu Recht abgebrochen. Wladimir Klitschko war ein geschlagener
Mann.
Der
Sieger
Unterdessen
brach frenetischer Jubel im Lager von Corrie Sanders aus. Der 37-Jährige
schrie seine Freude in die Zuschauerränge, seine Betreuer waren
nicht mehr zu bändigen und vollführten einen Freudentanz im
Ring. Dem symphatischen Sanders ist dieser Erfolg von Herzen zu gönnen.
Im Spätherbst seiner Karriere hatte ihn niemand mehr auf der Rechnung
gehabt, womöglich nicht einmal mehr er selbst. Doch die harte und
gezielte Vorbereitung hat sich für den neuen Weltmeister ausgezahlt.
Seine Routine aus hunderten Amateurkämpfen und einer fast vierzehnjährigen
Profikarriere, gepaart mit einer beeindruckenden Schlagkraft und Schnelligkeit,
verschafften ihm einen nicht für möglich gehaltenen Sieg.
Sanders ließ es nicht zu, dass seine bekannten Schwächen
in diesem Kampf eine Rolle spielten, er suchte die frühe Entscheidung,
als sich die Gelegenheit bot.
"Ich
hatte gar nicht vor, in der ersten Runde zu gewinnen," erklärte
der Veteran nach dem Kampf. "Aber die Chance ergab sich einfach
und die habe ich genutzt. Mir hat auch Ross Puritty sehr in meiner Vorbereitung
geholfen. Wir hatten uns große Chancen ausgerechnet."
Der Hinweis auf Puritty erfolgte im Sanders-Lager immer wieder, doch
dessen Hilfestellung in der Vorbereitung will sich der BoxingPress-Redaktion
nicht erschließen. Puritty hatte sich bei seinem Sieg über
Klitschko in Kiew über zehn Runden hinweg den Schädel weichprügeln
lassen und dann selbst einen erschöpften Wladimir kaum klar getroffen.
Außer der Konditionsschwäche Klitschkos war der US-Amerikaner
nicht in der Lage gewesen, irgendwelche anderen boxerischen Defizite
des Ukrainers offenzulegen. Die Gründe für die Niederlage
Klitschkos dürften also eher an anderer Stelle zu suchen sein,
doch dazu später mehr.
Ein
Teil der Zuschauer in Hannover blamierte sich inzwischen mit einem gellenden
Pfeifkonzert. Ob hier der verdiente Sieger oder der klare Verlierer
ausgepfiffen wurde - Sinn machte weder das eine noch das andere. Offensichtlich
wusste ein Teil der Fans seiner Enttäuschung nicht anders Ausdruck
zu verleihen. Sportliche Fairness unter diesen Zuschauern: Fehlanzeige.
Dabei hat sich Sanders mit seinem menschlich bescheidenen und sportlich
beherztem Auftritt viele Symphatien erwerben können. Selbst seinem
unterlegenen Gegner spendete der neue Weltmeister Trost. "Das
war nun mal dein Verlierertag. Du bist jung, du wirst zurückkommen,"
so Sanders. Der Südafrikaner ist ein würdiger neuer Schwergewichts-Weltmeister
der WBO.
Später
gab Sanders zu Protokoll, dass er am Tag vor dem Kampf einen Anruf von
Weltmeister Lennox Lewis erhalten hatte. Der Brite habe ihm geraten,
Klitschko permanent unter Druck zu setzen, da dieser oft sehr ängstlich
boxen würde. Sanders betonte, dass ihm der Anruf sehr viel bedeutete
und ihn in seinem Gefühl bestätigte, den Kampf gewinnen zu
können.
Der
Verlierer
In
der Niederlage zeigte der enttäuschte Ex-Weltmeister menschliche
Größe. Wladimir Klitschko gehörte zu den wenigen geschockten
Beteiligten in- und außerhalb des Rings, die es fertigbrachten,
Corrie Sanders zu dessen Erfolg zu gratulieren. Außerdem stellte
er sich im Moment der bittersten Stunde seiner Karriere allen anschließenden
Interviews - soviel Professionalität bringen bei weitem nicht alle
Leistungssportler auf. Die Schuld für die Niederlage nahm der Ukrainer
vollständig auf sich. "Es lag nicht am Trainer, es lag
nicht an der Vorbereitung, es lag allein an mir," sagte der
26-Jährige einsichtig. "Ich kann verstehen, daß jetzt
viele Fans enttäuscht sind. Aber das ist Sport, und ich komme zurück
und zeige, wo es langgeht."
Bei
der anschließenden Fehleranalyse gab Klitschko zu, taktisch unklug
geboxt und sich nach den Niederschlägen viel zu hektisch verhalten
zu haben. "Ich hätte mehr klammern müssen, aber ich
wollte mich sofort revanchieren und bin reingesprungen. Das war mein
entscheidender Fehler," gestand der Ukrainer seine Unerfahrenheit
im Umgang mit derartigen Situationen im Ring ein. "Er hat mich kalt
erwischt. Sowas passiert mir nie wieder."
"Ich
hoffe, ich kann bald Revanche gegen Corrie nehmen und den WM-Gürtel
zurückholen," sagte Klitschko auf der späteren Pressekonferenz.
"Ich brauche keine Aufbaukämpfe und würde am liebsten
sofort wieder gegen Sanders boxen. Dann habe ich die Sache hinter mir."
Trainer Fritz Sdunek stimmte mit seinem Schützling in der ersten
Analyse überein. "Er ist viel zu offen reingegangen, er wollte
sich sofort für den Treffer revanchieren. Das war der Hauptfehler. Ich
dachte, so etwas passiert ihm nicht mehr."
Irgendwann
im Laufe der Nacht wurden die Erklärungsversuche im Lager des Ex-Champs
allerdings weitaus einsilbiger. "Im Boxen kann ein Schlag entscheidend
sein. Wladimir wurde ausgekontert," erklärte Sdunek und Bruder
Vitali (Foto) wurde nicht müde, von einem "Lucky
Punch" zu sprechen, dem sein Bruder zum Opfer gefallen sei.
Bei allem Respekt: Ein vierfacher "Lucky Punch" also? Entweder
ist dem älteren Klitschko die Bedeutung der englischen Bezeichnung
nicht klar, oder aber Vitali hatte nicht den Mut, das auszusprechen,
was eigentlich alle Zuschauer vor Ort und an den Fernsehschirmen gesehen
hatten. Sein jüngerer Bruder war nach Strich und Faden verprügelt
worden und wahrlich nicht das Opfer eines einzigen Glücksschlages.
Die
Analyse
Doch
wie hatte es dazu kommen können? Wo liegen die Gründe für
diese klare Niederlage? Welche neuen Erkenntnisse hat dieser Kampf geliefert?
Die
Ursachen für die Niederlage sind weit vielschichtiger, als es den
Anschein hat. Bemerkenswert viele Faktoren haben sich in Hannover zum
Super-GAU für das Zugpferd der Universum-Box-Promotion entwickelt.
So mancher Boxexperte hatte dieses Szenario bereits vor geraumer Zeit
heraufbeschworen, doch nach den immer überzeugenderen Auftritten
des jüngeren Klitschkos in der jüngsten Vergangenheit waren
die Stimmen der deutschen Kritiker fast verstummt. Vieles deutete daraufhin,
dass Wladimir Klitschko mit seinen 26 Jahren tatsächlich schon
der perfekte Schwergewichtler sei, als den ihn die Medien präsentierten.
Einzig
die US-amerikanischen Fans und Experten, die schon hunderte aufstrebende
Talente haben kommen und wieder gehen sehen, wagten es noch, nach den
bis gestern kaum getesteten Nehmer-Fähigkeiten des 26-jährigen
zu fragen. Larry Merchant, langjähriger HBO-Kommentator,
wurde auch während der letzten, überzeugenden Fights von Klitschko
nicht müde, dessen großes Talent hervorzuheben, aber auch
immer wieder die eine entscheidende Frage zu stellen: "Ist Klitschko
in der Lage, prekäre Situationen zu überstehen?"
Nach
dem jetzigen Stand der Dinge muss die Antwort wohl "nein"
lauten. Klitschko war nach dem ersten klaren Treffer von Sanders nicht
mehr in der Lage, seinen Untergang aufzuhalten - der Ukrainer hat diesbezüglich
in einer wichtigen Reifeprüfung versagt. Entsprechend enttäuscht
kommentierte Merchant dann auch den Kampfausgang. "Das ist ein
Schock für die Boxwelt. Für einen Schwergewichtler ist es
nicht entscheidend, wie stark er zuschlagen kann, sondern wie er die
Schläge seines Gegners wegsteckt."
Dabei
kann man Wladimir Klitschko nicht einmal vorwerfen, die Treffer von
Sanders schlecht weggesteckt zu haben. Sicherlich gibt es einige Schwergewichtler
wie Ross Puritty, David Tua oder Oliver McCall,
die über einen Eisenschädel verfügen und härteste
Treffer scheinbar unbeeindruckt absorbieren. Aber daneben es gibt auch
andere Boxer wie Herbie Hide, Bruce Seldon oder Pele
Reid, die beim ersten klaren Treffer wie vom Blitz getroffen zu
Boden gehen und sich nicht mehr davon erholen. Klitschko gehört,
dies steht seit Samstag fest, weder in die eine, noch in die andere
Kategorie.
Der
Ukrainer hat kein sogenanntes "Glaskinn". Er schluckte einige
Volltreffer von Sanders, ehe er zu Boden musste und schaffte es dann
erstaunlich gut, sich wieder auf die Füße zu stellen. Ein
Boxer mit "Glaskinn" wäre mit voller Wucht auf den Boden
geknallt und nicht mehr aufgestanden. Allerdings offenbarte Klitschko
eine ganz andere Schwäche: Der 26-Jährige ist taktisch überhaupt
nicht in der Lage, sich in derartigen Situationen zu sammeln und mit
den bekannten Methoden (Klammern und Halten, Verschanzen hinter einer
soliden Deckung, Einsatz der Beine, Mundschutz ausspucken, Tiefschlag
ansetzen usw.) Zeit zu gewinnen. Am Samstag versuchte Klitschko dies
zwar, jedoch mit einem solchen Maß an Ungeschicktheit, dass es
für Sanders ein Leichtes war, sich Freiräume für erneute
Schlaghände zu verschaffen.
Man
musste zweifellos den Eindruck gewinnen, dass Klitschko aus seiner einstigen
Niederlage gegen Puritty keine Lehren in bezug auf seine Defensive gezogen
hat. Der Ukrainer wirkte nach dem ersten Volltreffer völlig hilflos,
fahrig und ohne jede Übersicht. Wie ein tapsiger Bär versuchte
Klitschko, seinen Gegner festzuhalten oder dessen Schläge mit unkoordiniertem
Fuchteln der Handschuhe abzufangen. Der Olympiasieger von 1996 hatte
überhaupt keine Vorstellung davon, wie er in dieser Situation das
Tempo hätte herausnehmen oder sich Zeit hätte verschaffen
können. Ganz zu schweigen von den mehr als stümperhaften Versuchen,
im Rückwärtsgang einen Konter anzubringen.
In
einer ähnlichen Situation hatte sich Sanders bei seiner letzten
Niederlage gegen Hasim Rahman einen schweren Konter eingefangen,
der den Kampf schließlich zu Gunsten des zuvor deutlich unterlegenen
Rahman drehte. Sanders schlug zwar schnelle Hände, diese jedoch
meist ohne Rücksicht auf seine Deckung. Wäre es Klitschko
in dieser Situation gelungen, aus der Defensive heraus einen platzierten
Haken zu setzen - gar nicht einmal niedrig wäre die Wahrscheinlichkeit
gewesen, dass er Sanders Offensivdrang mit einem Treffer hätte
bremsen können. Doch Klitschko beherrscht diese Art des Boxen (noch)
nicht, soviel kann seit Samstag vorläufig festgehalten werden.
Anzumerken
ist jedoch, dass die nach dem Kampf vielfach geäußerte Behauptung,
Klitschko habe nach dem ersten klaren Treffer den offenen Schlagabtausch
gesucht und sei deshalb gescheitert, bei genauer Betrachtung nicht zutrifft.
Bei ruhigem Studium des Kampfes muss man konstatieren, dass der Ukrainer
in der ersten Runde keineswegs zu offensiv agierte, weder vor, noch
nach den ersten klaren Treffern. Klitschko begann vorsichtig, mied den
Infight und versuchte zu klammern, nachdem Sanders ihn klar getroffen
hatte. Es entsetzte mehr die demonstrierte Unfähigkeit Klitschkos,
alle weiteren Kampfhandlungen zu unterbinden, als sein Jähzorn,
es Sanders mit gleicher Münze heimzuzahlen. Diese Eigenschaft des
26-Jährigen kam vielmehr erst in Runde zwei zum Vorschein, als
Wladimir sich praktisch deckungslos vor Sanders aufbaute und mit Gewalt
eine Entscheidung herbeizuführen suchte. Der völlig falsche
Weg zu diesem Zeitpunkt. Dieser Versuch wurde dann umgehend mit dem
dritten Niederschlag bestraft. Danach war jedwede Erholung aus der Rundenpause
Makulatur.
Womit
sich das Augenmerk auf den Betreuerstab von Wladimir Klitschko richten
muss. Für Trainer Fritz Sdunek gab es in den vergangenen Jahren
meist nur Lob - und dies auch berechtigt. Viel zu schnell wurden in
der Stunde der gestrigen Niederlage seine taktische Meisterleistungen
gegen Boxer wie Kostya Tszyu (mit Oktay Urkal), Virgil
Hill und Graciano Rocchigiani (mit Dariusz Michalczewski),
Chris Byrd (mit Wladimir Klitschko) oder Marcelo Dominguez
(mit Juan Carlos Gomez) vergessen. In diesen und vielen anderen
Kämpfen hatte Sdunek seine Schützlinge meisterlich auf ihre
jeweiligen Gegner vorbereitet und eingestellt.
An
diesem Samstag jedoch schien dies dem alten Fritz nicht gelungen zu
sein - oder aber sein Boxer setzte das taktische Konzept nicht wie geplant
um, weil ihn einige Volltreffer aus der Bahn warfen. Allerdings verstand
es Sdunek (Foto) in der wohl wichtigsten Rundenpause seiner Karriere
überhaupt nicht, seinem Mann die nötige Hilfestellung mit
auf den Weg zu geben. Er wirkte auf Klitschko so gut wie gar nicht ein,
keine Anweisungen, kein Wachrütteln. Kurzum: Auch Sdunek wirkte
mit dieser Situation völlig überfordert. Fast hatte man den
Eindruck, Wladimir hätte den alten Fritz beruhigen sollen und nicht
umgekehrt. War
Sdunek in den vergangenen Jahren tatsächlich so erfolgsverwöhnt
gewesen, ein solches Szenario für so unmöglich zu halten,
dass er sich und Wladimir nie darauf vorbereitet hatte?
Des
weiteren stellt sich die Frage, ob die Treffer von Corrie Sanders vermeidbar
gewesen wären. Auffällig
war, dass die rechte Schlaghand von Klitschko so weit herunterhing wie
in jedem anderen Kampf des Ukrainers. Mit dem entscheidenden Unterschied
jedoch, dass von vornherein klar war, dass dies kein Kampf wie jeder
andere werden würde. Denn man wusste im Universum-Lager um die
Schlagkraft und die Gefährlichkeit von Sanders in den ersten Runden.
Zudem wusste man aber vor allem eines: Der Südafrikaner ist ein
Rechtsausleger. Und gute, schnelle Rechtsausleger hatte Wladimir Klitschko,
mit Ausnahme von Chris Byrd, der klare Reichweitennachteile hatte, in
seiner gesamten Profi-Karriere noch nicht geboxt.
So
hätte in der Vorbereitung also das Hauptaugenmerk auf der Vermeidung
von Treffern über die rechte Außenbahn liegen müssen.
Davon war jedoch in Klitschkos Verteidigungshaltung nicht das Geringste
zu erkennen. Lediglich den ersten Versuch von Sanders, seine Linke ins
Ziel zu bringen, konnte Klitschko noch mit Mühe abfangen. Danach
schien der Südafrikaner seine beste Waffe scheinbar nach Belieben
ins Ziel bringen zu können. Klitschko fand überhaupt kein
Mittel gegen die schnelle linke Hand seines Herausforderers. Weder hielt
er seine Rechte zum Schutz nach oben, noch schlug er permanent seinen
linken Jab, um Sanders zu beschäftigen.
Was
also hatte man in der Vorbereitung trainiert, um sich auf die Rechtsauslage
des Gegners einzustellen? Insbesondere, da Klitschko bislang über
fast keine Erfahrung mit gut ausgebildeten Rechtsauslegern verfügte.
Ein boxerisch versierter Weltmeister darf sich solche Hände nicht
derart hilflos einfangen.
Anscheinend
hatte man die Gefährlichkeit des Herausforderers im Vorfeld doch
unterschätzt. Dies lag ja auch durchaus nahe, da Corrie Sanders
in den letzten Jahren nicht gerade für viel Aufsehen gesorgt hatte.
Davor hatte der Südafrikaner einige beeindruckende und weniger
beeindruckende Auftritte im Ring hingelegt. Seine schnellen Demontagen
von soliden Boxern wie Johnny DuPlooy, Bobby Czyz, Alfred
Cole oder Michael Sprott blieben weniger im Gedächtnis,
als seine zwei vorzeitigen Niederlagen gegen Nate Tubbs und Hasim
Rahman. Dabei hatte Sanders gerade gegen Rahman in den ersten Runden
eine Weltklasse-Leistung abgeliefert. Nur mit viel Mühe hatte Rahman
(Foto) nach zwei Niederschlägen überhaupt die zweite
Runde überstanden.
Darüber
hinaus wusste man von Sanders, dass dieser verhältnismässig
konditionsschwach und sorglos in der Deckungsarbeit ist. Doch damit
diese Schwächen zum Tragen kommen würden, hätte sich
Klitschko in den ersten Runden darauf konzentrieren müssen, die
schnelle Schlaghand des 37-Jährigen zu vermeiden. 25 seiner 28
Knockouts hatte Sanders in den ersten drei Runden erzielt, ein deutlicher
Beleg für seine Gefährlichkeit. Drei KO-Siege über Francois
Botha im Amateurlager sprachen ebenfalls eine deutliche Sprache.
Dennoch
hatte niemand dem Südafrikaner im Vorfeld eine solche Gefährlichkeit
zugetraut, auch nicht die BoxingPress-Redaktion. Über das Stehvermögen
des 37-jährigen Sanders kann kein Urteil gefällt werden, aber
die Schnelligkeit und die Präzision seiner Hände überraschte
sicher nicht nur Wladimir Klitschko. Sanders schlug schlichtweg schneller
als Klitschko, war zudem sehr variabel und mit einem sehr guten Timing
ausgestattet. Ein US-amerikanischer Journalist wies im Vorfeld des Kampfes
mit Recht darauf hin, dass Sanders über ein beachtliches Talent
verfüge, zum rechten Zeitpunkt loszuschlagen und eine Lücke
für seine Schläge zu finden. Dabei marschiert Sanders mutig
und mit vollem Körpereinsatz nach vorn und bringt sich in Anbetracht
seiner Statur und seines Alters geradezu leichtfüssig in die richtige
Schlagdistanz.
Kurzum: Der Südafrikaner ist in der Vergangenheit zweifellos unter
seinen Möglichkeiten geblieben. Die Gründe dafür dürften
in einem schlechtem Management und der Tatsache, dass er sich zu spät
in den USA präsentierte, zu suchen sein. Nichtsdestotrotz handelt
es sich bei ihm um einen 37-jährigen, inaktiven, konditionsschwachen,
bereits mehrfach klar besiegten Mann. Ein Boxer mit den Ansprüchen
eines Wladimir Klitschko hätte in der Lage sein müssen, gegen
einen Gegner wie Corrie Sanders einen deutlichen Sieg einzufahren. Daran
gibt es nichts zu deuteln.
Die Zukunftsaussichten
Doch
nun ist für das Klitschko-Team nunmal der Super-GAU eingetreten.
Wie geht es also weiter?
Die
Hoffnungen des Hamburger Universum-Boxstalls, mit Wladimir Klitschko
in den USA die ganz großen Kämpfe zu bestreiten und die ganz
großen Börsen zu kassieren, sind zunächst erstmal in
weite Ferne gerückt. Für Klitschko war es nach der Schlappe gegen
Ross Puritty im Jahr 1998 schon die zweite vorzeitige Niederlage im
42. Profikampf. Besonders problematisch dabei: Es handelt sich nicht
um Niederlagen gegen absolute Weltklasseleute, sondern um Gegner aus
der zweiten und dritten Reihe. Der US-Sender HBO übertrug
die desaströse Niederlage weltweit. Nicht gerade ein Empfehlungsschreiben
für einen künftigen Heilsbringer im Schwergewicht.
"So
eine Niederlage bringt keinen nach vorn,"
gestand der ungewohnt wortkarge und sichtlich fassunglose Promoter Klaus-Peter
Kohl dann auch nach dem Kampf ein. "Wir werden uns in den nächsten
Tagen zusammensetzen und beraten, wann, wie und ob wir ein Rematch machen
können," kündigte Kohl an. "Unsere USA-Pläne
müssen wir vorerst ändern."
Unklar
bleibt, ob der Kampfvertrag mit Sanders eine Option auf einen Rückkampf
beinhaltet. Kohl (Foto) wollte sich dazu nicht äußern.
Dies verwundert, da der Hamburger Großgastronom in der Szene als
meisterlicher Vertragsverhandler gilt, der meist gleich Optionen auf
drei bis vier weitere Kämpfe der verpflichteten Gegner bekommt,
sollten diese gewinnen. Doch mittlerweile mehren sich die Anzeichen
dafür, dass tatsächlich keine Optionen auf ein Rematch vorliegen.
Dies wäre ein ungewohntes Versäumnis des Promoters. Womöglich
will man aber auch nur ein wenig Zeit gewinnen und Klitschko erst einmal
ein paar Aufbaukämpfe bestreiten lassen, ehe er zum vereinbarten
Rematch antritt.
Auf
Corrie Sanders dürften hingegen erfreuliche Zahltage warten, falls
er nicht von Kohl kaltgestellt werden kann.
"Ich boxe als nächstes da, wo das Geld ist," gab der Südafrikaner
unumwunden zu. "Lennox Lewis, IBF-Weltmeister Chris Byrd, ein Rematch
- ich werde alle Optionen checken." Angeblich soll es bereits eine
erste Kontaktaufnahme zwischen dem Sanders-Lager und dem Management
von Weltmeister Lennox Lewis gegeben haben, um einen Kampf der beiden
Champions in Südafrika durchzuführen.
Es ist, nicht nur aufgrund der zur Zeit aufgewühlten Schwergewichts-Szene
durchaus denkbar, dass der schlagstarke Sanders noch für die ein
oder andere Überraschung sorgen wird. Sein unbequemer Stil dürfte
diversen Schwergewichtlern erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Man
darf gespannt sein, inwieweit der Südafrikaner diese Chance beim
Schopfe packt und sein vorhandenes Potential doch noch ausschöpfen
kann. Immer vorausgesetzt, Sanders muss oder wird kein sofortiges Rematch
gegen Klitschko bestreiten.
Ob
dies im Interesse von Wladimir Klitschko wäre, ist von entscheidender
Bedeutung. Die Fehler aus diesem Kampf werden analysiert und festgestellt
werden - die Frage bleibt, ob Klitschko sie noch abstellen kann. Dies
wird in hohem Maße davon abhängen, ob der Ukrainer diese
Niederlage als Chance begreift, seine großen Schwächen auszumerzen
oder ob er sie wieder nur als "Betriebsunfall" abtut. Seine
Psyche wird darüber entscheiden, ob und wie er sich selbst aus
dieser Situation herausziehen kann. Eine derart klare KO-Niederlage
hat schon bei vielen anderen Boxern deutliche Spuren hinterlassen. Nur
eine klare und ehrliche Aufarbeitung wird dazu führen, dass Klitschko
energisch an seinen Schwächen arbeiten wird.
Erschwerend
kommt seit diesem Samstag natürlich hinzu, dass Klitschko seinen
Nimbus der Unbesiegbarkeit für einige Zeit abgegeben hat. Zukünftige
Gegner wissen jetzt um die Nehmerfähigkeiten und die Hilflosigkeit
des Ukrainers in Drucksituationen. Interessant wäre hier zum Beispiel
die Frage, wie wohl ein Jameel McCline aufgetreten wäre, hätte
er zuvor diesen Kampf von Wladimir Klitschko sehen können. Der
Respekt seiner Gegner dürfte von nun an deutlich nachlassen, was
vor allem bei schlagstarken Schwergewichtlern eine große Gefahr
mit sich bringt. Andererweits dürften einige ambitionierte US-Boys
ihre Chancen gegen Klitschko fortan überschätzen und eher
gewillt sein, gegen ihn in den Ring zu steigen.
Das
Fazit
Der Kampf am Samstag hat eindrucksvoll gezeigt, dass zur Zeit jeder
Schwergewichtler der Welt verwundbar ist. Dies
ändert aber nichts an der Tatsache, dass Wladimir Klitschko immer
noch weit talentierter und boxerisch besser ausgebildet ist, als der
Großteil der anderen Schwergewichtler aus den Top20 der Welt.
Klitschko
ist kein schlechterer Boxer als vorher. Aus Niederlagen *kann* man lernen.
Gelingt es Klitschko, seine Deckungsarbeit entscheidend zu verbessern
und in Zukunft wieder weniger überheblich in seine Kämpfe
zu gehen, dann gibt es für ihn mit Sicherheit einen Weg zurück
an die Weltspitze.
Ob dieser über ein direktes Rematch mit Corrie Sanders führt,
was logisch und wünschenswert wäre, werden die nächsten
Wochen zeigen.
Eines
bleibt vorerst als bezeichnendes Fazit: Die Schwergewichts-Weltmeister
der vier großen Verbände heißen aktuell Lennox Lewis,
Roy Jones, Chris Byrd und Corrie Sanders...verrückte
Boxwelt.