| |
Krajnc
vor schwerer Aufgabe in Kopenhagen
von Fabian Weber, Boxing.de
Der
6. April soll für Armand
Krajnc (Foto) ein großer Moment werden. Denn zum ersten
Mal bestreitet der 28-jährige Schwede einen Weltmeisterschaftskampf in
Skandinavien. Für Krajnc ein besonderes Ereignis, denn Profiboxen ist
in seiner Heimat gesetzlich verboten.
Aus diesem Grund klettert Krajnc seit dem 5. August 1996 für den Hamburger
Veranstalter Universum Box-Promotion in den Ring, und gewann 26 Kämpfe
in Folge (18 davon durch Knockout). 25 Mal boxte Krajnc dabei in Deutschland,
einen Kampf bestritt er in der Schweiz.
"Ich habe nie verstanden, warum die Regierung meines Landes das
Profiboxen verbietet. Eine politische Entscheidung," erklärt
Krajnc enttäuscht. "Ich träume davon, daß dies eines Tages aufgehoben
wird." Mit seinem Kampf in Kopenhagen kommt Krajnc seinem Wunsch,
vor seinen Landsleuten zu kämpfen, bereits ein gutes Stück näher.
"Das Publikum in Kopenhagen wird vor allem aus Dänen und Schweden
bestehen. Die Arena nennt sich ‚Zirkus’ und ist auch so rund wie ein Zirkus.
Sie faßt zwar nur 2.000 Zuschauer, aber sie ist ausverkauft und ich erwarte
eine großartige Stimmung. Kopenhagen ist nur zehn Minuten per Auto von
meiner Heimatstadt Malmö entfernt, zwischen den Städten gibt es eine Brücke."
Der Kampfabend wird von Modern Sports & Events Ltd veranstaltet und live
in Skandinavien von TV1000 und in Deutschland von PremiereWorld
übertragen (Samstag, den 6. April, ab 21 Uhr, Sport3).
Doch
der Auftritt von Krajnc in der dänischen Hauptstadt, und damit seine Heimkehr
in skandinavische Gefilde, steht unter einem ungünstigen Stern und ist
mit einem großen Risiko verbunden. Denn aus verschiedenen privaten Gründen
(u.a. wurde Krajnc Vater) konnte der WBO-Champion sich diesmal mit Trainer
Torsten Schmitz nur dreieinhalb Wochen auf seinen Kampf vorbereiten.
Zudem muß er sich in Kopenhagen einem ganz besonders gefährlichen Herausforderer
stellen: Dem bulligen und hart schlagenden Namibier Harry
Simon (Foto), unbesiegt in 22 Kämpfen, Ex-Weltmeister
im Juniormittelgewicht, und derzeit hungriger Nummer-1 Herausforderer.
"Simon ist für mich wie jeder andere Herausforderer auch,"
winkt Krajnc jedoch ab. "Sie alle wollen meinen Gürtel und gehen
nach vorn. Aber ich habe die richtigen Antworten parat und werde es dem
Kerl schon zeigen." Vor wenigen Wochen zeigte sich der Weltmeister
noch ein wenig nachdenklicher: "Im Moment ist die Zeit mein größter
Gegner," sagte Krajnc gegenüber der schwedischen Tageszeitung
"Expressen". "Im Normalfall habe ich acht Wochen Vorbereitungszeit,
jetzt sind es nur dreieinhalb. Das ist nicht gut für mich, aber ich
denke, ich werde meinen Frust darüber im Sparring auslassen."
Für
Krajnc ist es die vierte Verteidigung des Titels der World Boxing Organization,
den er im November 1999 gegen den Briten Jason Matthews durch Knockout
in Runde 8 gewonnen hatte. Im vorvergangenen Jahr bezwang Krajnc zunächst
den US-Amerikaner Jonathan Corn, dann seinen Stallgefährten und
Titelvorgänger Bert Schenk und verteidigte seine WBO-Krone schließlich
im November letzten Jahres gegen seinen schwedischen Landsmann Paolo
Roberto.
Doch Titelverteidigung Nummer 4 wird die mit Sicherheit schwerste für
den 1,82m großen Mann aus Landskrona, der vor vier Monaten zum ersten
Mal Vater wurde. Sein Herausforderer, der 29-jährige Harry "Terminator"
Simon, bezwang zuletzt Ex-Weltmeister Hassine Cherifi in einem
Mittelgewichtsduell, nachdem er seine WBO-Krone im Juniormittelgewicht
viermal erfolgreich verteidigt, und dann aufgrund von Gewichtsproblemen
niedergelegt hatte.
Während Simon durch seine Fähigkeiten als KO-Schläger bekannt ist (17
Knockouts in 22 Kämpfen), mußte der unbesiegte Namibier allerdings auch
zweimal mit knappen Punktsiegen nach hause gehen. So bezwang er die Amerikaner
Ronald Wright und Rodney Jones in WM-Kämpfen nur durch mehrheitliche
Punktentscheidung.
Grund zum Optimismus also für Armand Krajnc, der trotz der schweren Aufgabe,
die vor ihm liegt, bereits einen Blick in die Zukunft riskiert: "Ich
bin bereit gegen jeden anzutreten. Ich möchte meinen nächsten Kampf in
den USA bestreiten und will beweisen, daß ich jeden schlagen kann."
Im zweiten Hauptkampf des Abends verteidigt der britische Cruisergewichts-Weltmeister
Johnny
Nelson im Kopenhagener "Cirkusbygningen" seinen
Titel der WBO gegen Ezra
Sellers. Der US-Amerikaner hatte sich seine WM-Chance im
vergangenen November durch einen K.o.-Sieg über Nelsons Landsmann und
Ex-Champion Carl Thompson verdient. Für den erfahrenen Johnny Nelson
bereits die neunte Titelverteidigung.
|
|