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Krajnc verliert WM-Gürtel an Simon, Nelson mit viel Mühe
von Jörg Lüdemann


In Kopenhagen, Dänemark, unterlag der gebürtige Schwede Armand Krajnc seinem Herausforderer Harry Simon (Foto) aus Namibia im WBO-Titelkampf im Mittelgewicht. In der ausverkauften Arena "Cirkus Revyen" fehlten Krajnc am Ende die nötige Kondition und die boxerischen Mittel, um seinen WM-Gürtel behalten zu können. Simon gewann den Kampf einstimmig und verdient nach Punkten (116:112, 116:112 und 116:113), ohne dabei jedoch restlos zu überzeugen.

Vor 2000 Zuschauern zeigten beide Boxer eine sehr couragierte Leistung. Dabei war der 29-jährige Simon der weitaus aktivere Boxer zu Beginn und gegen Ende der Distanz. Der Mann aus Namibia zeigte eine beeindruckend hohe Schlagfrequenz und ging bevorzugt zum Körper, doch die meisten seiner Schläge landeten auf der diesmal überraschend dichten Deckung von Krajnc. Simon's gefährlichste Waffe war ein eingesprungener linker Haken, der allerdings oft ins Leere flog.

Armand Krajnc wirkt zu Beginn des Kampfes sehr nervös, seine Nase blutete nach einem frühen Treffer in der ersten Runde stark. Der Schwede fand im gesamten Kampfverlauf zu selten in die richtige Distanz für seine Angriffe und hatte große Schwierigkeiten, den flinken Herausforderer überhaupt einmal klar zu treffen. Krajnc kam mit der Schnelligkeit und der Beweglichkeit seines Gegners nicht gut zurecht.

Simon musste seinem hohen Anfangstempo zwischenzeitlich Tribut zollen und der Lokalmatador nahm zur Freude der Zuschauer nach der Hälfte der Distanz das Heft in die Hand - ohne jedoch klare Treffer anbringen zu können. Krajnc dominierte diese Runden durch seine körperliche Überlegenheit, weniger aber durch seine boxerischen Fähigkeiten. Der Herausforderer wirkte müde, vielleicht sogar etwas ratlos, und es hatte den Anschein, als ob der Weltmeister seinen Gürtel vielleicht doch noch würde behalten können. Krajnc hatte sich auf die wilden Angriffe des Herausforderers inzwischen sehr gut eingestellt.

Doch Simon mobilisierte in den letzten beiden Runden noch einmal letzte Kraftreserven, denen Krajnc nicht mehr viel entgegen zu setzen hatte. Im Gegenteil: Der Mann aus Namibia konnte in der elften und zwölften Runde noch einige Wirkungstreffer gegen Krajnc verbuchen. Nun rächte sich die mangelnde Vorbereitung für den 28-jährigen Schweden, der sich mit seiner kämpferischen Leistung jedoch den Respekt der meisten unabhängigen Beobachter verdiente. Die wenigsten Experten hatten Krajnc im Vorfeld zugetraut, mit Simon über die Runden gehen zu können.

Dennoch zeigte der Kampf die Limitationen beider Boxer auf: Simon war der Sprung aus einer niedrigeren Gewichtsklasse anzumerken, er wirkte im Vergleich zu Krajnc kleiner und der Punch des als "KO-Schläger" bekannten Boxers konnte den Schweden kaum beeindrucken. Viele seiner Schläge flogen wild vorbei oder landeten auf der Deckung von Krajnc. Krajnc hingegen fand kein boxerisches Mittel gegen seinen quirligen Herausforderer und musste sich dafür im Anschluß an den Kampf ungewohnt deutliche Worte von Promoter Klaus-Peter Kohl anhören.

"Armand hat einfach zu wenig getan und den Kampf klar verloren. Mit drei Wochen Vorbereitung kann kein WM-Kampf gewonnen werden," zog Kohl verbal vom Leder. "Armand muss fleißiger trainieren, dann kann er auch wieder zu Titelehren kommen. Heute hat er den WM-Gürtel verschenkt."

"Wenn meine Vorbereitung besser gelaufen wäre, hätte ich ihn schlagen können," sagte Krajnc nach dem schweren Kampf, auf den er sich diesmal nur dreieinhalb Wochen vorbereiten konnte. "Simon war nicht so stark wie ich dachte. Ich bin sehr ärgerlich und enttäuscht, weil ich das Gefühl habe, meinen WM-Titel verschenkt zu haben. Ich hoffe auf ein Rematch."

Die Tatsache, dass man den schlecht vorbereiteten Krajnc gegen einen hoch eingestuften und ungeschlagenen Herausforderer ins Rennen schickte, ist zwar sicherlich lobenswert, doch eine für die bekannt vorsichtige Universum-Planung recht ungewöhnliche Entscheidung. Es wirkte bereits im Vorfeld so, als habe man Armand Krajnc seit seiner "Flucht" nach Dänemark im letzten Jahr förmlich abgeschrieben.

Im zweiten Hauptkampf des Abends in Kopenhagen konnte der Brite Johnny Nelson seinen WBO-Titel im Cruisergewicht mit viel Glück gegen den US-Amerikaner Ezra Sellers verteidigen. Der 35-Jährige Weltmeister, der von Ex-Hamed-Trainer Brendan Ingle trainiert wird, schlug seinen Herausforderer durch KO in der achten Runde.

Beide Boxer begannen den Kampf sehr defensiv, Nelson schlug in den ersten drei Runden fast überhaupt nicht. Rechtsausleger Sellers versuchte, seinen schweren rechten Haken ins Ziel zu bringen und konnte die ersten Runden mit spärlichen Aktionen für sich entscheiden. Nelson nutzte seine Reichweitenvorteile aus und ließ Sellers selten in die Schlagdistanz kommen. Seine Hände hielt der Brite erschreckend tief, von einer "Deckung" konnte nicht die Rede sein.

Ab der vierten Runde gewann der Kampf ein wenig an Tempo, weil Nelson vermehrt seine Führhand schlug und seine defensive Haltung abzubauen schien. Doch mitten in seinen Bemühungen, den Kampf an sich zu reißen, musste der Weltmeister zwei Wirkungstreffer durch Sellers (Foto) hinnehmen und ging daraufhin kurzzeitig zu Boden. Nelson war jedoch klar und stand schnell wieder. Kurz darauf erklang der Pausengong.

Danach wurde der Weltmeister endlich aktiver und traf seinen Herausforderer in den folgenden zwei Runden mit guten Kombinationen. Doch Sellers zeigte überraschend gute Meidbewegungen und eine solide Deckung, der US-Amerikaner profitierte hier von seiner großen Erfahrung im jahrelangen Sparring mit Weltklasse-Boxern. Der schnelle und bewegliche Nelson agierte auch in Runde sieben aktiver, doch Sellers duckte erfolgreich unter vielen Schlägen hinweg und traf schließlich mit einem rechten Konter gut ins Ziel. Nelson taumelte zurück in die Seile und rettete sich in der nächsten Minute nur mittels seines beweglichen Oberkörpers über die nachfolgende Angriffswelle seines Gegners.

Johnny Nelson schien auf dem besten Wege, mit einer indiskutablen Leistung seinen WM-Gürtel zu verlieren, als er in der achten Runde eine blitzschnelle rechte Gerade abfeuerte, die Sellers am Auge traf und dieses augenblicklich schloß. Der US-Amerikaner ging mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden und kam nicht mehr rechtzeitig auf die Beine.

Zum glücklichen KO-Sieger wurde Johnny Nelson erklärt, der in dieser Form sicher so schlagbar wie nie zuvor erscheint. Seine vorsichtige Kampfesführung und seine mangelnden Nehmerfähigkeiten könnten ihm in einer der nächsten Titelverteidigungen zum Verhängnis werden. Daher steht zu befürchten, dass sein Management demnächst wieder auf schwächere Herausforderer zurückgreifen wird.

 

 
     

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