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Krasniqi besiegt Monse erneut
- Der Bericht


Von M. Kurt Saygin


Am vergangenen Samstagabend standen sich Luan Krasniqi (auf Foto links, 26-1-0, 12 KO`s) und Rene Monse (auf Foto rechts, 14-1-0, 7 KO`s) zum zweiten Mal gegenüber. Man muss Krasniqi zugute halten, dass er sich – im Gegensatz zu einigen anderen Schwergewichtlern – nicht zu schade ist, sich seine Revanchen persönlich einzufordern. Gegen den Gegner seiner einzigen Niederlage, Przemyslaw Saleta, trat er nach nur neun Monaten wieder an und besiegte ihn durch TKO in der ersten Runde. Bei Rene Monse dauerte es zwar etwas länger, jedoch hatte der Universum-Boxer auch nicht gegen ihn verloren, sondern musste „bloß“ das erste Mal in seiner Profi-Laufbahn zu Boden. Den Kampf gewann der Rottweiler damals zwar mit einer Mehrheitsentscheidung, ein fader Beigeschmack blieb jedoch, den er offensichtlich auswetzen wollte. Sein Gegner hingegen wollte diesmal seiner Ankündigung nach den Kampf „nicht über die Runden gehen lassen“.

Rene Monse (Foto) konnte in seiner Amateurlaufbahn durchaus einige Erfolge erzielen, wie z.B. die letzte DDR-Meisterschaft im Superschwergewicht (1989), Militärweltmeisterschaft in Tunis (1994) und den dritten Platz bei den Weltmeisterschaften in Berlin (1995). Als Profi jedoch reichten seine Erfolge über einen Sieg gegen Willi "De Ox" Fischer beim Kampf um die Internationale Deutsche Meisterschaft (2000) nicht hinaus. Monse ist als Rechtsausleger mit passablem linken Haken durchaus ein unangenehmer Gegner und wäre – höhere Motivation vorausgesetzt – bestimmt zu mehr imstande gewesen als er in seiner Profilaufbahn erreicht hat.

Der von Humbert Furgoni geleitete Kampf selber begann für Krasniqis Verhältnisse sehr schnell und verbissen, womit Monse offenbar nicht gerechnet hatte. Unglücklicherweise verfehlte ein linker Kopfhaken des Universum-Boxers sein Ziel so, dass der nachkommende Ellenbogen Monses Nase brach. Auch, wenn dem Europameister keine Absicht unterstellt werden kann, war dieser Umstand für den Magdeburger mehr als unglücklich.
In der zweiten Runde nahm sich der SES-Steinforth-Boxer die Worte seines Trainers Werner Kirsch in der Rundenpause „Weniger reden, mehr schlagen!“ offenbar zu Herzen und konnte mehr eigene Akzente setzen. Dennoch gingen beide Runden an den Europameister. In der dritten Runde machten sich bereits bei beiden erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Die Workrate fiel, Monses Treffergenauigkeit ebenfalls. Der Champion konnte mit den klareren Treffern auch diese dritte Runde auf seinem Konto verbuchen.

Am Anfang der vierten Runde roch es kurzfristig nach einer Sensation. Mit einer überfallartigen Attacke und einem wunderbaren linken Kopfhaken auf die Nasenwurzel klingelte der Herausforderer seinen Kontrahenten an und setzte ohne Zeitverzögerung nach. Der gebürtige Kosovo-Albaner versteckte sich eine Zeit lang hinter seiner Doppeldeckung und fand erst gegen Ende der Runde in den Kampf zurück. Aufgrund des starken Anfangs hatte Monse die erste Runde auf seinem Punktekonto gut.

In der fünften Runde stellte der Magdeburger seinen Gegner kurzfristig an den Seilen und deckte ihn mit Schlagserien ein, die jedoch zum großen Teil wirkungslos an der Deckung Krasniqis verpufften. Dieser brachte sich mit einem Sidestep und Drehung aus der Gefahrenzone und attackierte nun seinerseits den Herausforderer. Fünfzehn Sekunden vor dem Gong konnte der Europameister einen Kopfhaken anbringen, der Monse kurzfristig taumeln ließ.

Bereits in der Rundenpause zur sechsten Runde fand ein anderer Kampf statt: Die gekonnte Trainerrethorik Werner Kirschs besiegte kurzfristig die Absichten des Herausforderers, den Kampf aufgrund Ermüdung abzubrechen. In der Tat machte Monse einen ermüdeten Eindruck, wofür er von der Fachwelt sehr schnell gerügt und mit mangelnder Trainingsvorbereitung beschuldigt wurde. An dieser Stelle sei jedoch der Einwand gestattet, dass sich jeder Kritiker bitte mal im wahrsten Sinne des Wortes an die eigene Nase fassen und sich überlegen sollte, wie es wäre, wenn diese Nase nicht nur gebrochen, sondern auch noch rundenlangen Schlägen eines Schwergewichtsboxers ausgesetzt wäre. Nicht jeder Heavyweight hat die Bisskraft eines Muhammad Ali oder eines Oktay Urkal (BP-Nr. 7 im Superleichtgewicht), die (übrigens unwissentlich) mit gebrochenem Unterkiefer weitergekämpft haben. Ali sagte einmal in einem Interview, dass er doch nicht so verrückt gewesen wäre, wissentlich mit gebrochenem Kiefer weiterzukämpfen. Monse hingegen war sich seines Nasenbruchs wahrscheinlich lange Rundenminuten und viele Treffer lang vollkommen bewusst. „Ermüdungserscheinungen“ müssen nicht unbedingt immer und zwangsläufig auf „unprofessionelle Einstellungen“ hinweisen.

Die sechste Runde bestand zum großen Teil aus Einzelaktionen und Klammern beider Boxer. Gegen Ende der Runde kam Krasniqi mit einer Links-Rechts-Kombination direkt auf die Nase durch, die den Herausforderer in die Seile stolpern ließ. Nachdem der Europameister nachsetzte, drehte sich der Magdeburger weg und wurde daraufhin vom Referee stehend angezählt. Die Fortsetzung des Kampfes verhinderte erst der ertönende Gong und dann – am Ende der Rundenpause – das fliegende Handtuch der SES-Ecke.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der siebten Runde: Luan Krasniqi

Der Europameister mag sich zwar in diesem Kampf einigermaßen souverän geschlagen haben, von einer Empfehlung für einen WM-Kampf bzw. einem laut eigener Aussage „Beweis der Zugehörigkeit zur Weltspitze“ kann nach der heutigen Leistung auf keinen Fall geredet werden.

In einem weiteren Kampf besiegte die Universum-Hoffnung Alexander Dimitrenko (Foto, 14-0-0, 10 KO`s) den alternden und lustlosen Julius Francis (23-17-1, 12 KO`s), der bereits mit Luan Krasniqi und Sinan Samil Sam im Ring stand. Dimitrenko mühte sich vergeblich ab, den Engländer unter Druck zu setzen, der seine letzten sieben Kämpfe ausnahmslos verlor und auch keine Motivation erkennen ließ, wenigstens gegen den weniger erfahrenen Dimitrenko mal ordentlich zurückzuhauen. Die einzige für diesen Kampf „sensationelle Wende“ bestand im Auslagenwechsel Dimitrenkos in der vierten Runde.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten durch die dreifache Wertung 80:72 Alexander Dimitrenko, der erfreulicherweise mittlerweile trotz weit kürzerem Aufenthalt in Deutschland mindestens genauso gut Deutsch spricht wie einige Boxerkollegen aus den gleichen Regionen der Welt

Im stallinternen Duell Konstantin Onofrei (Foto, 17-1-0, 12 KO`s) vs. Goran Gogic (9-1-2, 5 KO`s) besiegte der amtierende Internationale Deutsche Meister Onofrei seinen Stallkollegen, der in den ersten Runden mit dem besseren Auge und den klareren Treffern aus der Distanz glänzen konnte. In der neunten Runde jedoch schien Gogic ausgepowert und stand wehrlos an den Seilen, woraufhin Trainer Fritz Sdunek das Handtuch warf.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 1:08 Minuten der neunten Runde Konstantin Onofrei

In einem Vorkampf besiegte der Universum-Boxer Ruslan Chagaev (BP-Talent, 11-0-1, 9 KO`s) den übergewichtigen und „eigentlich“ inaktiven US-Amerikaner Garing Lane (22-36-2, 13 KO`s), der seit Monaten bereits nicht mehr trainierte und sich seine Brötchen als Lastwagenfahrer verdient. In der fünften Runde wurde Lane das erste Mal kniend angezählt und musste nach einem Schlag auf den Solar Plexus das zweite Mal zu Boden, ohne jedoch richtig hinzufallen. Ebenfalls kniend ließ er sich an und auszählen.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO nach 1:46 Minuten der fünften Runde Ruslan Chagaev

Den wohl beherztesten, wenn auch technisch nicht anspruchsvollsten Kampf des Abends lieferten sich Firat Arslan (20-3-1, 14 KO`s) und Lee Manuel Ossie (31-4-0, 19 KO`s). Beiden Boxern gemein ist, dass sie nach ihren größten Titelchancen sieglos wieder nach Hause zurückkehrten. Einzig Lee Manuel Ossie konnte den Kampf um den EU-Titel im Halbschwergewicht in einem reißenden Fight gegen den Franzosen Oliver Beard gewinnen, verlor aber die Kämpfe um den WBC Internationalen Meister sowie den IBF Interkontinentalmeister jeweils nach Punkten. Der in Vigo/Spanien lebende Liberianer kämpfte zwar wie immer beherzt und attraktiv und ließ sich auf jeden offenen Schlagabtausch ein, bot aber dabei zu viel eigene Trefferfläche, die der Türke Firat Arslan auszunutzen verstand.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten Firat Arslan

In weiteren Kämpfen besiegte der Ukrainer Taras Bidenko (10-1-0, 6 KO`s) den Brasilianer Daniel Frank (14-7-1, 14 KO`s) durch KO nach 1:54 Minuten der ersten Runde und der Russe Valery Chechenev (2-0-0, 1 KO) den Deutschen Frank Dunklau (0-3-1) durch KO nach 2:36 Minuten der zweiten Runde.
Montag 02. August 2004


 
     

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