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Lewis
vs. Rahman - Der Vorbericht
von Steffen Kuhnt

Im
Nachhinein sagten viele, daß der Champion es selbst herausgefordert
habe. Es sollte sozusagen eine Titelverteidigung unter vielen werden,
eine Show im Ausland, leicht verdientes Geld. Der Gegner - ein krasser
Außenseiter, kein schlechter Mann, aber jemand, der unter normalen
Umständen niemals eine Chance gegen den Besten von allen haben würde.
In solchen Situationen fällt es in der Tat schwer, sich als unbestrittener
Schwergewichtsweltmeister auf seine Vorbereitung zu konzentrieren, anstatt
sich den angenehmeren und verlockenderen Dingen des Lebens zu widmen.
Doch nur kurze Zeit später muß sich der entthronte Champion
eingestehen, daß er selbst seine Krone und einige gute Zahltage
leichtfertig verschenkt hat, daß seine Karriere eine schmerzhafte
und unerwartete Wendung genommen hat, für die er nur sich allein
Vorwürfe machen kann.
Genau
dies geschah vor mehr als 10 Jahren, als der von vielen für unbesiegbar
gehaltene Mike Tyson gegen den
42:1-Außenseiter James "Buster"
Douglas vorzeitig verlor.
Heute
heißt der Top-Schwergewichtler Lennox
Lewis, und vor seiner anstehenden Titelverteidigung gegen Hasim
Rahman läßt die Situation einige Erinnerungen an Mike
Tysons "Vorbereitung" vor dem Douglas-Kampf wach werden. Während
sich Herausforderer Rahman bereits in der südafrikanischen Höhenluft
akklimatisierte und trainierte, war Lewis noch mit dem Dreh eines Films
beschäftigt, in dessen Rahmenhandlung eine Schwergewichts-WM zwischen
ihm und Wladimir Klitschko
stattfindet. Als Lewis schließlich am Ort des Geschehens (Johannesburg)
eintraf, brachte er stolze 122,2 kg auf die Waage - immerhin fast 9 kg
mehr als noch bei seinem letzten Kampf gegen David
Tua.
Die
Frage ist nun, inwiefern sein Gegner Hasim Rahman in der Lage sein wird,
Vorteile aus jener Situation ziehen zu können oder ob er am Ende
gar feststellen muß, daß alles nur ein PR-Gag war, um dem
speziell in den USA eher mäßigen Interesse an diesem Fight
auf die Sprünge zu helfen. Klar dürfte sein, daß die Tatsache,
daß Rahman einer der würdigsten amerikanischen Herausforderer
ist, nur ein Indiz für die große Kluft zwischen den wenigen
Top-Schwergewichtlern und dem Rest ist. Rein sportlich gesehen gibt es
im Augenblick außer Wladimir Klitschko und Mike Tyson niemanden,
dem Fans und Experten eine große Chance gegen den Champion aller
Klassen geben würden, was auch den WBA-"Weltmeister" Johnny
Ruiz einschließt. In jedem Fight gegen einen Gegner jenseits
von Klitschko und Tyson wird von Lewis daher ein deutlicher Sieg erwartet
– nicht mehr und nicht weniger.
Bei
näherem Hinsehen werfen die Lorbeeren, auf denen "The Rock’s"
Titelchance basiert, einige Fragen auf. Rahmans bislang beste Leistung
dürfte sein Match gegen David Tua gewesen sein, den er über
9 Runden lang einzig und allein mit einem guten Jab fast immer unter Kontrolle
hatte. Zu Rahmans Pech wurde er kurz vor Ende der neunten Runde Sekundenbruchteile
vor dem Gong unachtsam, ließ seine Deckung um einige Zentimeter
fallen und fing sich prompt einen schweren linken Haken des "Tuaman"
ein. Jener witterte seine Chance und feuerte noch einen linken Schwinger
ab – klar nach dem Pausenging allerdings. Rahman taumelte schwer mitgenommen
in seine Ecke – Tua wurde nur ermahnt. Nach den Regeln hätte man
Rahman 5 Minuten zur Erholung zusprechen müssen, was jedoch nicht
geschah, so daß ein in Runde 10 nachsetzender Tua, klar nach Punkten
zurückliegender Tuaman doch noch durch TKO gewinnen konnte – auch
wenn der Abbruch recht verfrüht zu sein schien. Es war eine Niederlage
für Rahman, aber eben eine mehr als unglückliche gegen einen
Top-Mann, wie man damals überall lesen konnte.
Rahmans
nächster namhafter Gegner war Oleg
Maskaev. Auch hier lag "The Rock" wieder nach Punkten
vorn (knapp, aber verdient), als ihn eine schwere rechte Hand des Exil-Kasachen
durch die Seile aus dem Ring beförderte. Nach dieser erneuten – diesmal
unbestrittenen und schweren – KO-Niederlage zweifelten nicht wenige Beobachter
Rahmans Zukunft in der Weltspitze an. Seine wohl letzte Chance auf Wiedergutmachung
nutzte der Mann als Baltimore jedoch, als er den hoch eingestuften Südafrikaner
Corrie Sanders stoppen konnte, nicht jedoch, ohne vorher selbst zu Boden
geschickt worden zu sein.
Im
Lichte solcher Referenzen muß man schon einen scharfen Blick haben,
um die wirklichen Chancen auf einen Sieg von Hasim Rahman über Lennox
Lewis mit bloßem Auge wahrnehmen zu können. Es gibt nicht eine
"Kategorie", in der Lewis seinem Gegner nicht überlegen
wäre. Rahman schlägt zwar einen guten Jab und bewegt sich recht
geschmeidig, was ihn jedoch nicht davor schützt, in fast jedem Kampf
deutliche Treffer zu nehmen. Die Schlaghärte des Weltmeisters und
dessen körperliche und boxerische Überlegenheit dürften
für die Nehmerfähigkeiten des Herausforderers eine kaum lösbare
Prüfung sein.
Das
BoxingPress-Team rechnet daher mit einem Fight, der den Auftritten des
Weltmeisters gegen Michael Grant
oder Frans Botha ähneln
dürfte - es sei denn Lewis’ eher laxe Vorbereitung steht ihm dabei
im Weg. Dann könnte dem hoch motivierten Herausforderer womöglich
die ein oder andere gute Aktion gelingen. Jedoch müßte selbst
ein Champion, der sich nicht in Bestform befindet, einfach eine Nummer
zu groß für einen Mann vom Kaliber eines Hasim Rahman sein.
Dennoch
gibt es einige Insider, die Rahman durchaus einige Chancen einräumen,
jedoch handelt es sich dabei zumeist um Lewis-Kritiker und um solche,
die Rahmans Aufgabesieg gegen Boxgott Frankie
Swindell als Zeichen göttlicher Fügung ansehen...
Premiere
World überträgt in der Nacht vom 21. auf den 22. April ab 04.00
Uhr live. Im Co-Event des Abends verteidigt der IBF-Weltmeister im Superbantamgewicht,
Lehlohonolo Ledwaba, seinen Gürtel gegen Carlos Contreras.
Den ausführlichen Bericht von der Veranstaltung in Johannesburg gibt
es Sonntag im Laufe des Tages auf diesen Seiten.
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