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May vs. Gurov - Der Vorbericht
von Arne Leyenberg



Wenn Torsten May am Samstag abend gegen Alexander Gurov in den Ring der Erfurter Messehalle steigt (live in der ARD ab 22:40 Uhr), steht für ihn wieder einmal mehr als nur ein Kampf um die Europameisterschaft, mehr als ein Duell Mann gegen Mann, auf dem Spiel. Es geht wie so oft auch um die Fortsetzung einer bewegten Karriere.

Nachdem der Olympiasieger und Weltmeister der Amateure auch bei den Preisboxern zunächst außerordentlich erfolgreich war, erkoren ihn die Macher des ehemaligen, in Deutschland führenden Boxsenders RTL, zum "neuen" Henry Maske. Für ihn sahen die Planungen vor, im Jahr 1996 neuer Weltmeister im Cruisergewicht zu werden und nach einer Etablierung im Bewusstsein des deutschen Zuschauers die Lücke zu schließen, die "Gentleman" Maske nach seinem Abtritt von der Showbühne "Boxring" unweigerlich hinterlassen musste.

Doch Torsten May scheiterte - in einer regelrechten "Materialschlacht" unterlag er Gegner Adolpho Washington in Mallorca deutlich nach Punkten. May's Gesicht war nach dem Kampf derart entstellt, daß ihn sein eigener kleiner Sohn nicht mehr sehen wollte. Und es sollte nicht die letzte Niederlage sein. Gegen den Schweizer Stefan Angehrn gab er ein Jahr später frustriert und resigniert auf. Nach eifrigen Überlegungen und einem Trainerwechsel von Darkie Smith zu Ulli Wegner, entschied sich May seine Laufbahn als Faustkämpfer fortzusetzen. Doch überzeugen konnte der 31-jährige seither in seinen letzten Kämpfen nicht mehr. Er war zwar stets siegreich, doch entgegen seines eigentlichen Stils ließ er sich auf Schlachten im Ring ein.

Zuletzt errang er einen zweifelhaften Punktsieg gegen Ian Kulkov in Hannover, wie immer in seinen letzten Duellen musste er viele harte Treffer am Kopf einstecken. Die Stimmen, die ihm schon länger zu einer Beendigung seiner sportlichen Karriere rieten, wurden erneut laut. Doch trotz alledem, oder genau deswegen, will es Torsten May am Samstag noch einmal wissen. Den EM-Gürtel, den er verletzungsbedingt niederlegen musste, möchte er sich zurück holen, dazu die Intercontinental-Titel der WBA und IBF, die allesamt gegen Gurov auf dem Spiel stehen. Im Falle eines Sieges wäre er erneut auf dem Wege zu einer Weltmeisterschaftschance.

Doch vor einem möglichen "happy-end" steht May (24 Kämpfe/22 Siege, 12 K.o.`s) erst einmal dem Rechtsausleger aus der Ukraine zwölf Runden lang gegenüber. Und es dürfte einer der schwersten Kämpfe für den Wahlkölner werden. Der 30 Jahre alte Gurov bereitete sich auf das Duell im neu eröffneten Londoner "Kronk Gym" vor. Er bestritt bislang 32 Kämpfe, von denen er 28 gewinnen konnte und ein Unentschieden errang. 23 mal siegte er vorzeitig. Zweimal bereits wurde er Europameister im Cruisergewicht, den Titel erkämpfte er sich jeweils durch K.o.-Siege im Ausland. Im Kampf um die WBA-Weltmeisterschaft unterlag er Nate Miller durch K.o. in der zweiten Runde. Torsten May's Trainer Ulli Wegner prophezeit bereits jetzt einen "Nervenkrieg" im Ring. Dass ausgerechnet der sensible Deutsche diesen als Sieger verlassen sollte, ist mehr als zweifelhaft...

Den Hauptkampf des Boxabends der Kölner Sauerland-Promotion bestreiten Markus Beyer und Manuel Lopez. Hierbei geht es um den vakanten International-Titel des World Boxing Council (WBC). Dieses Duell wird angesichts der hohen Brisanz bei May-Gurov sicherlich etwas in den Hintergrund treten. Doch schließlich boxt ja Markus Beyer, den auf Einschaltquoten bedachte Programmdirektoren des übertragenden Fernsehsenders ARD zum "Mann der Zukunft" auserkoren haben.

Er soll möglichst bald und möglichst lange Weltmeister sein, ähnlich souverän wie sein Stallgefährte Sven Ottke alle Herausforderer und Herausforderungen erfolgreich meistern und durch einen attraktiven Kampfstil mit vielen massenwirksamen und spektakulären Knockouts begeistern. Der 29 Jahre alte Erlabrunner Beyer war bereits Weltmeister der WBC im Supermittelgewicht, 1999 bezwang er Richie Woodhall in Telford nach Punkten und erfüllte damit die Hoffnungen, die der damals verantwortliche Privatsender RTL in ihn gesetzt hatte. Doch ähnlich wie Torsten May konnte er den hohen Erwartungen nicht ganz nachkommen, bei seiner zweiten Titelverteidigung unterlag er in Frankfurt dem Engländer Glenn Catley vorzeitig. Seitdem befindet er sich auf seinem Weg zurück zu Meisterehren.

Dabei trifft Markus Beyer (21 Kämpfe/20 Siege, 8 K.o.`s) in Erfurt auf den sechs Jahre älteren Amerikaner Manuel Lopez, genannt "Raging Bull". Lopez verlor nur einen seiner 23 Kämpfe, im Profidebüt 1995 ging er bereits in der ersten Runde K.o. Seitdem war er stets siegreich, 10 Duelle gewann er vorzeitig. Der Vater von drei Kindern wird von seiner Frau Lavon gemanagt. Für Lopez ist Boxen nur ein Nebenverdienst, hauptberuflich arbeitet er als Service-Techniker bei Coca-Cola. Er glaubt an einen vorzeitigen Sieg, "ich werde von der ersten Runde an aggressiv nach vorne gehen und die Chance zum K.o.-Schlag suchen." Vor dem Kampf ließ er Markus Beyer ausrichten, "BSE ist ein Klacks gegen Raging Bull, sei auf der Hut und bereit für die Attacken des wütenden Bullens." Hoffentlich hat Manuel Lopez den Vergleich mit dem Rinderwahnsinn wegen der von ihm ausgehenden Gefahr gewählt und nicht wegen der großmundigen Schlagzeilen.

Das Boxingpress-Team rechnet mit spannenden Kämpfen, mit Sieg und Niederlage der deutschen Boxer. Markus Beyer wird es wohl mit einem zähen Gegner Manuel Lopez zu tun bekommen, der gekommen ist, um zu gewinnen. Doch seine boxerischen Mittel werden nicht für einen Punktsieg und seine Schlagkraft nicht für einen vorzeitigen Sieg reichen. Wir erwarten daher einen Punktsieg für Markus Beyer.

Torsten May hingegen wird nach unserer Auffassung den Ring nicht als Sieger verlassen. Gurov wird bedingungslos nach vorne gehen und versuchen, May im Infight zu stellen. Die ersten Runden wird der Deutsche noch dominieren können, wird den Kampf zunächst mit seiner guten Führungshand von außen führen. Doch nach den ersten harten Treffern Gurovs wird May seiner Nervenschwäche erliegen und verkrampfen. Da Torsten May in seinen letzten Duellen und im Kampf mit Adolpho Washington Nehmerqualitäten bewiesen hat, wird das Ende erst in den späten Runden folgen. Abbruchsieger in den letzten drei Runden: Alexander Gurov.

 

 

 
     

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