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Gurov bezwingt May, Beyer siegreich
von Arne Leyenberg



Der Applaus dürfte wohl der letzte für ihn gewesen sein. Als Torsten May nach acht Runden im Kampf mit Alexander Gurov um die Europameisterschaft im Cruisergewicht den Ring als geschlagener Mann verließ, bekundeten die 3500 Zuschauer in der Erfurter Messehalle ihren Respekt, ihre Anerkennung, aber vielleicht auch ihr Mitleid für eine bewegte Karriere. Denn diese ist nun wohl beendet.

Der 31 Jahre alte Deutsche wollte sich mit dem Gewinn der vakanten EM und der Intercontinental-Titel der Verbände WBA und IBF noch einmal zurückkämpfen, dorthin wo er 1996 bereits angelangt war. Zurück in die Weltspitze, zurück zu einem Kampf um die Weltmeisterschaft, womöglich gegen Maske-Bezwinger Virgil Hill. Als Rahmenkämpfer zu enden, sei ihm zu wenig, gab er vor dem Duell bekannt, er wolle nur noch Hauptakteur im Kampf um bedeutende Titel sein. Doch gerade jene zuvor geäußerte Entschlossenheit ließ Torsten May im Ring vermissen.

Er begann gegen Gurov im Rückwärtsgang boxend. Der Ukrainer diktierte das Geschehen von der Ringmitte aus, sein Gegenüber musste die weiten Wege gehen, um sich von der Schlagdistanz fernzuhalten. Seine Taktik sah vor, die ersten Runden mit dem schlagstarken Gurov zu überstehen, danach aus der Distanz heraus den Kampf zu führen. Gurovs rechte Führungshand fand jedoch stets durch die lückenhafte Deckung des Deutschen ins Ziel. Auch mit seinen Kombinationen, wenn es ihm gelang, May an den Seilen zu stellen, erzielte er Wirkung. Sein Gegner beschränkte sich auf vereinzelte Aktionen, obwohl der Ukrainer, bereits zweimaliger Europameister, ebenfalls stets die rechte Führungshand am Kopf, wenn sie denn einmal kam, nahm.

Mit Beginn der siebten Runde aber schien sich Torsten May seiner vor dem Kampf geäußerten Entschlossenheit zu erinnern und blieb stehen, stellte sich der Auseinandersetzung, stellte sich dem Schlagabtausch. Vielleicht, weil die Kondition nicht mehr reichte, doch es schien so, als wolle auch er endlich Klarheit über Fortsetzung oder Beendigung seiner Karriere. Er suchte die Entscheidung mit Gurov im Ring, aber wohl auch für die Zukunft. Und ähnlich wie in anderen Duellen zuvor, beispielsweise gegen Adolpho Washington oder Stefan Angehrn, sah er schlecht aus beim stehenden Ausfechten dieser Europameisterschaft.

Ein Cut über dem rechten Auge sorgte zudem für starke Verunsicherung, behinderte May und verstärkte den "Nervenkrieg" im Ring, wie ihn Trainer Ulli Wegner vor der Auseinandersetzung angekündigt hatte. Als der Deutsche in der achten Runde nach einer Linken Gurovs zum Kopf zu Boden ging, war das Ende nahe. Denn May war in seiner Karriere trotz härtester Treffer, die er hatte einstecken müssen, und wahren Prügelstrafen wie gegen Washington, noch nie am Boden gewesen. Ringrichter Erkki Meronen gab den Kampf noch einmal frei, doch wenig später erschien Ulli Wegner an den Ringseilen, das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe in der Hand.

Obwohl Torsten May sich nach der Auseinandersetzung nicht zu seiner Zukunft äußern wollte und angab, zunächst eine "Nacht über die ganze Geschichte" schlafen zu wollen, wird es wohl der letzte Auftritt des Boxers May gewesen sein. Eine Karriere, die so hoffnungsvoll und vielversprechend begann, ist zu Ende. Der Olympiasieger und Weltmeister der Amateure, der nach dem Kampf ins Krankenhaus zum Nähen der Cutverletzung musste, wird dem Boxsport aber erhalten bleiben. Trainer Wegner gab auf der anschließenden Pressekonferenz bekannt, es werde Zeit, "dass ich einen Assistenztrainer an die Seite bekomme, und Torsten ist der beste, den ich mir für diesen Job vorstellen kann."

Der sportliche Werdegang des zweiten Hauptkämpfers der Veranstaltung der Sauerland-Promotion in Erfurt, Markus Beyer, dürfte allerdings noch lange nicht am Ende angelangt sein. Der gebürtige Erlabrunner bezwang Gegner Manuel Lopez aus den USA durch K.o. in der siebten Runde und erkämpfte sich damit den Titel des WBC-International-Champions. Der ehemalige Weltmeister ist damit auf dem besten Wege zu einem erneuten Duell um die Krone um Supermittelgewicht.

Konterboxer Beyer machte von Beginn an deutlich, dass er auf eine vorzeitige Entscheidung suchte. Er beschränkte sich auf das Reagieren bei Aktionen des "Raging Bull", so der Kampfname des 35 Jahre alten Amerikaners. Mit harten Linken zum Kopf konnte er bei Lopez, wie Beyer ebenfalls Rechtsausleger, ein ums andere Mal Wirkung erzielen. Doch auch sein zäher Gegner sorgte mit seinen linken Haken für Gefahr. In der siebten Runde, nachdem Lopez bereits einmal am Boden war und angezählt werden musste, beendete Beyer mit einer linken Geraden zum Kinn den Kampf. Lopez ging schwer K.o., blieb unter Aufsicht der verantwortlichen Ringärzte eine zeitlang am Boden liegen, konnte das Seilgeviert aber wenig später ohne sichtbare Schäden aus eigener Kraft verlassen.

Markus Beyer ist auf dem Wege zu einer erneuten Weltmeisterschaftschance, ist sich aber auch bewusst, "dass ich noch viel arbeiten muss." Trainer Ulli Wegner weiß, "dass Markus sich genau einschätzen kann, und die gemachten Fehler werden wir abstellen." In den Weltranglisten wird Beyer nun weiter steigen, doch gerade bei der WBC scheint eine baldige Titelchance angesichts der vielen Anwärtern eher unwahrscheinlich.

Zu den Vorkämpfen der Veranstaltung in Erfurt: Zu Beginn des Abends siegte Schwergewichtler Marcel Beyer über den Ungarn Peter Boldan nach sechs Runden nach Punkten. Beyer hinterließ nach zuvor eher mäßigen Leistungen einen guten Eindruck und verbesserte seinen Kampfrekord auf acht Siege in acht Kämpfen.

Im anschließenden Duell ging der Kölner Cengiz Koc mit seinem Gegner Derryl Morgan aus Amerika ebenfalls über die volle Distanz. Er gewann am Ende der angesetzten vier Runden einstimmig nach Punkten.

Danach folgte die Internationale Deutsche Meisterschaft im Weltergewicht zwischen Titelverteidiger Alpaslan Aguzüm und Herausforderer Artur Drijnaj aus Berlin. Drijnaj marschierte von Beginn an nach vorne, machte pausenlos Druck auf Aguzüm, gönnte ihm keine Pause. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand der Titelträger jedoch besser in den Kampf. In der achten Runde würde die Auseinandersetzung wegen einer Cutverletzung des Berliners abgebrochen.

Schwergewichtler Alexander Kahl aus Stuttgart bezwang Gegner Alfred Pollak aus der Slowakei durch K.o. in der zweiten Runde. Wegen der Kürze des Duells und der Schwäche seines Gegners konnte Kahl jedoch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ganz im Gegensatz zu Lokalmatador Mario Stein. Der Cruisergewichtler aus Erfurt überrannte förmlich Jan Gessel aus Tschechien. Gessel, der vor zwei Wochen gegen Pierre Vogel aus dem Sauerland-Stall unentschieden geboxt hatte, war chancenlos und verlor durch K.o. in der ersten Runde.

 

 

 
     

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