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Kyösti Heimonen - Das Portrait
von Mika Riihilahti


Achtung - Bei dieser Meldung handelte es sich um den diesjährigen BoxingPress-Aprilscherz: Nach der verletzungsbedingten Absage des US-Amerikaners Joey DeGrandis wurde über die Oster-Feiertage fieberhaft nach einem Ersatzgegner für WBO-Halbschwergewichts-Weltmeister Dariusz Michalczewski gesucht. Wie es scheint, wurde das Management des "Tigers" nun in Finnland fündig. Wie auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Danzig bekanntgegeben wurde, wird der bislang ungeschlagene finnische Meister Kyösti Heimonen (Foto) am 20. April in Danzig gegen den Weltmeister antreten.

Der in Skandinavien als großer Hoffnungsträger gefeierte Heimonen hat bislang jeden seiner 11 Profikämpfe vorzeitig gewonnen (Link zum Kampfrekord) und gilt als schlagstarker Rechtsausleger. In seinem letzten Kampf im Februar des Jahres 2002 besiegte der 25-Jährige den Ex-Michalczewski-Gegner Richard Hall überraschend deutlich durch KO in Runde vier. Sicherlich ein positiv zu wertender Gegnerwechsel, denn mit dem 25-jährigen Puncher dürfte der "Tiger" in Danzig einen sehr unbequemen Gegner vor die Fäuste bekommen.

Kyösti Heimonen wurde am 10. Januar 1977 in Rovaniemi, Finnland geboren. Schon früh entdeckte der sportbegeisterte Vater das Bewegungstalent seines Sprößlings. Im Alter von 9 Jahren begann Heimonen mit dem Boxen, es folgten zahlreiche Erfolge im Juniorenbereich Lapplands und Skandinaviens. Beim Helsinki Golden Gloves Turnier im Jahre 1994 wurde sein heutiger Trainer Gary Trevett, der u.a. auch Jyri Kjall und Tony Halme betreut, auf einen eher schmalbrüstig wirkenden jungen Mann aufmerksam, der allen Gegnern seiner Altersklasse jedoch boxerisch weit überlegen war. Trevett nahm Heimonen fortan unter seine Fittiche und formte aus dem Rohdiamanten einen finnischen Olympia-Teilnehmer bei den Spielen 1996 in Atlanta.

Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei seinem ersten großen internationalen Turnier (Heimonen verlor im Achtelfinale gegen den späteren Olympiasieger Ariel Hernandez aus Kuba), beschloss Trevett im Einvernehmen mit seinem Schützling ins Profilager überzuwechseln. Seit 1997 bestritt der in Finnland mittlerweile sehr populäre Kyösti Heimonen 11 Kämpfe, fast ausschließlich in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Der 25-Jährige hinterließ in den vergangenen fünf Jahren ein Feld der Verwüstung in der finnischen Halbschwergewichts-Szene. Sein Bekanntheitsgrad schnellte in die Höhe, amerikanische Promoter rissen sich darum, den Mann aus Rovaniemi unter Vertrag zu nehmen.

Doch Heimonen ist außerordentlich heimatverbunden und blieb seinen Wurzeln treu. Er studierte Medizin in Rovaniemi und Oulu und arbeitet mittlerweile als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Finnish Graduate School of Neuroscience in Oulu. Ungewöhnlich für einen Boxer - doch so manches im Lebenslauf des charismatischen Halbschwergewichtlers verlief nicht der Norm entsprechend. So heiratete Heimonen im vergangenen Jahr das finnische Supermodel Janina Frostell (beim Klick auf den Namen geht es auf ihre Homepage, Anm.d.Red.). Beide verband bereits zuvor eine langjährige Beziehung. Auf ihrem weitläufigen Anwesen am Stadtrand von Oulu beherbergt das Traumpaar der finnischen Boulevard-Magazine mehr als 30 Haus- und Nutztiere, darunter auch einen Lappland-Elch.

Heimonen steht spätestens seit dem Sieg über Hall im Februar im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der 25-Jährige verfügt neben seiner Schlagkraft über ausgeprägte boxerische Fähigkeiten. Umso mehr erstaunt die mutige Gegnerwahl nach der Absage des US-Amerikaners DeGrandis. Heimonen ist zwar außerhalb Europa's noch immer recht unbekannt, doch er gilt in Insiderkreisen als großes Talent mit guten Chancen auf einen WM-Gürtel.

Kyösti Heimonen
Im Rahmen der Pressekonferenz stellte sich Heimonen den Fragen der Pressevertreter. Vor seinem Gegner zeigte er wenig Respekt:

"Euer Tiger ist doch nicht mehr als ein alter, zahnloser Stubenkater!"

Im Rahmen der am Sonntag eilig einberufenen Pressekonferenz in Danzig zeigte sich Kyösti Heimonen vor seinem ersten WM-Kampf sehr zuversichtlich. "Ich habe Respekt vor den Erfolgen von Michalczewski, aber er ist in meinen Augen nur noch ein zahnloser Tiger," so der Herausforderer. "Wen hat er denn in den letzten Jahren geschlagen? Ich weiß, was ich kann und warte, seitdem ich Profi bin, auf diese Chance. Wenn ich meine Stärken sukzessiv zum Tragen bringe, werde ich den Gürtel mit nach Hause nehmen."

Dariusz Michalczewski hatte für diese Androhung nur ein müdes Lächeln übrig. "Ich kenne den Mann nicht und nehme ihn deshalb sehr ernst," so der Tiger. Michalczewski werde sich so intensiv wie noch nie auf seinen Titelkampf in Danzig vorbereiten, ergänzte Trainer Fritz Sdunek. Beide Boxer wurden in der polnischen Hafenstadt von über 10.000 Zuschauern begeistert empfangen und wollen auch musikalisch neue Akzente auf ihrem Weg zum Ring setzen. Der amtierende Weltmeister Michalczewski steigt mit der eigens für ihn komponierten Hymne "Ready For The Victory" von Modern Talking in den Ring. Der Herausforderer mag es lieber klassisch: Auf ihn soll die "Finlandia" von Jean Sibelius beim Einmarsch stimulierend wirken.

Mika Riihilahti führte exklusiv für BoxingPress ein Interview mit dem sympathischen Finnen, den er noch vor seiner Abreise nach Danzig in dessen Trainingscamp in Vaasa aufsuchte.

Boxingpress: Mr. Heimonen, wann haben Sie davon erfahren, dass Sie gegen Dariusz Michalczewski um den WM-Titel boxen werden? Wie war Ihre erste Reaktion?

Heimonen: Wir wussten bereits seit drei Wochen, dass wir als Ersatzgegner vorgesehen waren, wenn DeGrandis sich verletzen sollte. Als ich dann die Bilder von der körperlichen Verfassung dieses US-Boy's gesehen habe, da wusste ich, dass er es nicht mehr schaffen würde. Ich war auf alles vorbereitet und habe noch härter trainiert als sonst.

Boxingpress: Wie sieht die Vorbereitung auf ihren ersten WM-Kampf aus?

Heimonen: Zunächst einmal vertraue ich seit Jahren auf die fitness-fördernden Eigenschaften unserer finnischen Saunenlandschaft. Wir haben im Camp eine finnische Sauna, die mit bis zu 100 Grad Celsius beheizt werden kann. Ich bin jeden Tag zwischen 5 und 15 Kilometer mit meinem Trainer Gary Trevett gelaufen. Mit meinem Trainingspartner und Freund Anti Perejoki habe ich darüber hinaus in den letzten Wochen über 100 Sparringsrunden absolviert.

Boxingpress: Wo haben Sie ihr Trainingscamp aufgeschlagen? 

Heimonen: In Vaasa, einem meiner Lieblingsorte hier in Finnland. Die Ruhe ist einfach unbeschreiblich und die Ablenkungen gering. Die Leute hier mögen mich und die Trainingsbedingungen sind ideal. Wir haben fast ausschließlich im Freien trainiert, sogar beim Sparring.



Rihpalahti-Gym in Vaasa
Auf den Inseln zwischen Vaasa und Kokkola gibt es zahlreiche alte Bauernhöfe. Der Rihpalahti-Hof dient dem Team um Trainer Gary Trevett seit Jahren als umfunktioniertes Box-Gym.

Boxingpress: Beschreiben Sie unseren Lesern bitte ihre Stärken als Boxer.

Heimonen: Es heißt immer, ich wäre ein typischer Puncher, doch das ist nicht ganz richtig. Ich verfüge über das komplette Schlagarsenal und versuche immer, meinen Gegner zu studieren und dann seine Fehler aufzudecken. Bisher habe ich zwar alle meine Kämpfe vorzeitig gewonnen, aber wir sind immer auf die volle Distanz hin vorbereitet. Ich vertraue meinem Trainer hundertprozentig, Gary ist wie ein Vater zu mir.

Boxingpress: Internationale Anerkennung wird Ihnen erst seit Ihrem spektakulären KO-Sieg gegen Richard Hall zuteil. Wie kam es dazu?

Heimonen: Meine Promoter hatten Ausschau nach einem attraktiven Gegner gehalten und ein finnischer Sponsor ist für die Kampfbörse von Hall aufgekommen. Hall war nach seiner Niederlage gegen Michalczewski noch in Deutschland und sie haben ihn dann mit viel Geld nach Helsinki geholt. Meine Börse war klein, aber das war mir egal. Der Sieg hat mich sportlich enorm weitergebracht, das Geld kommt dann irgendwann von ganz allein.

Boxingpress: Wie wollen Sie Michalczewski bezwingen?

Heimonen: Michalczewski ist ein starker Weltmeister, aber ich habe keine Angst vor ihm. Er ist älter geworden und boxt schon seit einer Weile keine guten Gegner mehr. Für mich ist das natürlich positiv, so komme ich zu einem WM-Kampf, obwohl andere eigentlich vor mir dran wären. Aber Michalczewski hat einen Fehler gemacht, wenn er glaubt, ich würde in die Reihe der DeGrandis' und Nunn's gehören. Ich weiß, was ich gegen ihn zu tun habe und Sie werden es am 20. April erleben.

Boxingpress: Wie lange liegt Ihre letzte Niederlage zurück und warum haben Sie es in fünf Profijahren bislang nur auf 11 Kämpfe gebracht?

Heimonen: Das letzte Mal verloren habe ich bei den olympischen Sommerspielen in Atlanta 1996 gegen den kubanischen Weltklasse-Mann Hernandez. Seit 1997 bin ich Profi, habe nebenbei studiert und bin gerade dabei, eine kleine Familie zu gründen. So etwas kostet viel Zeit, doch ich liebe es, in den Ring zu steigen und meinen Fans eine große Show zu bieten. Bald bin ich Weltmeister, dann wird das Boxen für mich eine Weile lang die Hauptrolle spielen.

Boxingpress: Zuguterletzt: Was möchten Sie unseren boxsportbegeisterten Lesern in Deutschland mit auf den Weg geben?

Heimonen: Macht euch darauf gefasst, dass euer Superstar in drei Wochen wie ein Uhu nach dem Waldbrand (wörtlich übersetzt, Anm.d.Red.) aussehen wird. Danach werde ich immer meinen Pflichtverteidigungen nachkommen und mich immer den stärksten Herausforderern stellen - so wie es ein echter Weltmeister tun sollte.

Boxingpress: Mr. Heimonen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Für bebilderte Eindrücke aus dem Trainingscamp von Kyösti Heimonen in Vaasa...

 

 
     

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