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Mijares vereinigt Titel

von Thorsten Fritsche


Im Auditorio Centenario in Gomez Palacio, Durango, Mexiko, trafen am Samstag WBC-Weltmeister Cristian Mijares (Foto) und WBA-Champion Alexander Munoz aufeinander, um ihre Titel im Superfliegengewicht zu vereinigen. Dies war die erste Titelvereinigung in dieser Gewichtklasse seit Juli 1997, als Johnny Tapia und Danny Romero gegeneinander boxten. Zudem war der Kampf zwischen Mijares und Munoz eine Fortsetzung des klassischen Duells zwischen Boxer und Puncher. Der 26-jährige Mexikaner Mijares frustriert seine Gegner mit seiner Schnelligkeit und starken Defensive, während der drei Jahre ältere Munoz aus Venezuela von seinen 32 Siegen immerhin 27 vorzeitig erzielte und im klassischen Stil eines lateinamerikanischen Faustkämpfers den Vorwärtsgang liebt. Wie so oft sollte sich der Boxer am Ende durchsetzen.

Sehr ruhig, beinahe gelassen, kam Cristian Mijares vor heimischer Kulisse in den Ring und wirkte dabei gar nicht wie ein Boxer vor einem wichtigen Kampf. Diese Ruhe bewahrte der Mexikaner zu Beginn des Gefechts auch innerhalb des Seilgevierts, als Alexander Munoz nach einer kurzen Abtastphase vermehrt angriff und mehrfach mit seiner Rechten traf. Doch die meisten Schläge des WBA-Champions landeten auf Mijares Deckung oder wurden vom Weltmeister des WBC durch geschickte Ausweichbewegungen vermieden. Anschließend traf der Rechtsausleger seinerseits mit Konterschlägen.

Ab Runde vier beherrschte Mijares das Geschehen im Ring deutlicher. Seine rechte Führhand ausgiebig nutzend wählte er seine Schläge mit Bedacht und traf ein um das andere Mal. Gleichzeitig erlaubte er seinem Gegner nur selten, ihn zu treffen. Beinahe sah es so aus, als wüsste Mijares schon im voraus, welchen Schlag Munoz als nächsten versuchen würde. Wann immer der Boxer aus Venezuela in seinen Angriffsversuchen zu stürmisch wurde und die Balance verlor, nutzte Mijares dies für schnelle Konter. Auch eine kleine Schwellung unter dem rechten Auge schien ihn nicht zu beeindrucken und er setzte seine Überlegenheit in der fünften Runde fort. Ein Punktabzug durch Ringrichter Jon Schorle für Munoz wegen Schlagens auf den Hinterkopf in der sechsten Runde half Mijares zusätzlich dabei, einen Punktvorsprung aufzubauen.

Offensichtlich war sich auch Alexander Munoz (Foto) bewusst, dass er ins Hintertreffen geraten war. Daher erhöhte „El Explosivo“ in Durchgang sieben noch einmal das Tempo. Mehrfach traf er mit Aufwärtshaken und der rechten Geraden zum Kopf seines Kontrahenten. Doch Mijares antwortete seinerseits mit Links-rechts-Kombinationen. Dennoch ging der siebte Durchgang zweifellos an den Titelträger der WBA, der seine bis dahin beste Runde ablieferte. Zunächst sah es so aus, als gelänge es Munoz, das Momentum auch in der achten Runde aufrecht zu erhalten, als er erneut mehrmals hart traf, doch allmählich verstand Mijares es wieder besser, die Schläge seines Kontrahenten zu vermeiden. Munoz wirkte nun frustriert, was sich auch in einigen Beschwerden beim Ringrichter über Fouls während Clinches äußerte. Zum Ende der Runde acht gelang Mijares sogar ein Volltreffer, der Munoz sichtlich beeindruckte.

Durchgang neun zeigte dann einen allmählich müden und frustrierten Munoz, der zwar gelegentlich noch Treffer anbringen konnte, doch deutlich öfter ins Leere schlug und sich bei jeder bietenden Gelegenheit Konter einfing. Wiederholt wirkte er angeschlagen, während Mijares seine beste Runde des Kampfes hatte. Auch in den beiden Folgerunden wurde „El Explosivo“ immer wieder abgefangen, als er seiner einzigen verbliebenen Chance auf einen Sieg, dem überraschenden KO-Erfolg, nachjagte. Munoz ließ zwar beinahe pausenlos die Fäuste fliegen, aber es sah dennoch hoffnungslos für ihn aus. Mijares brillierte mit seinen Meidbewegungen und klingelte in Durchgang zehn seinen Kontrahenten mit einer Kombination aus vier Schlägen schwer an. Fast sah es so aus, als würde der Mexikaner noch vorzeitig siegen. Doch Munoz biss sich durch und steckte auch in Runde zwölf alles weg, was ihm sein Gegner, der selten sein Ziel verfehlte, an den Kopf schlug. An einem Punktsieg für Mijares, der eine großartige Leistung geboten hatte, schien allerdings kein Zweifel zu bestehen – sollte man meinen.

Die zwei Punktrichter Burt Clemens und Marty Sammons sahen Mijares mit 116:111, bzw. 115:112 dann auch als verdienten Sieger. Der dritte, Gustavo Padilla aus Panama, hatte jedoch am Ende Munoz mit 115:113 vorn, was anhand des Kampfverlaufs kaum nachvollziehbar erscheint. Schon im Vorfeld hatte es Ärger um die Besetzung des Kampfgerichts gegeben. Die WBA hatte gegen die Ernennung der drei US-amerikanischen Offiziellen Jon Schorle, Burt Clemens und Marty Sammons protestiert und bereits im voraus nicht für die Korrektheit des Urteils garantieren wollen. Zudem hatte sich der Verband beschwert, dass nur ihr Punktrichter Gustavo Padilla akzeptiert worden war. Dass ausgerechnet der einzige WBA-Offizielle dann ein zweifelhaftes Urteil zugunsten des Champions der WBA, Alexander Munoz, aus dem Hut zaubert, gibt der ganzen Sache einen sehr faden Beigeschmack. Hier könnte man vermuten, dass Verbandspolitik Vorrang vor dem Geschehen im Ring bekam und Padilla in jedem Fall den Kampf an Munoz gegeben hätte. Es ist daher möglich, dass dieser Titelvereinigungskampf ein unrühmliches Nachspiel am grünen Tisch bekommt.

Dabei steht der nächste Gegner für den nun vereinigten Champion der Verbände WBA und WBC, Cristian Mijares, eigentlich bereits fest. Auf einer anderen Veranstaltung im Plaza Monumental in Aguascalientes, Mexiko, gewann am Samstag Mijares' Landsmann Jorge Arce einen Ausscheidungskampf des WBC gegen den Thailänder Devid Lookmahanak durch mehrheitliche Punktentscheidung und darf den Doppel-Weltmeister nun fordern. Dies wäre ein Rückkampf, denn im April 2007 standen sich die beiden Boxer schon einmal gegenüber. Damals hatte der eher unbekannte Champion Mijares dem Herausforderer Arce eine deutliche Punktniederlage zugefügt.

Montag, 19. Mai 2008


 
     

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