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Erik
Morales vs. Manny Pacquiao - Der Bericht
von Thorsten Fritsche
Obwohl kein Weltmeisterschaftskampf, so war das Match zwischen Manny
Pacquiao (BP-Nr. 1 im Federgewicht) und Erik
Morales (BP-Nr. 2 im Superfedergewicht, Foto oben) am Samstag
im MGM Grand in Las Vegas, Nevada, vielleicht die hochkarätigste
Ansetzung, die derzeit im Superfedergewicht möglich war. Beide Boxer
sind bei den Fans für ihren Kampfeswillen, ihre Schlagkraft und ihre
kompromisslose Art zu boxen bekannt, die hauptsächlich im Vorwärtsgang
stattfindet. Jedoch vermutete die Mehrzahl der Experten, dass der 26-jährige
Athlet von den Philippinen schneller, frischer und unverbrauchter als
sein zwei Jahre älterer Kontrahent aus Mexiko sei, der sich zuletzt
von seinem Erzrivalen Marco
Antonio Barrera (BP-Nr. 1 im Superfedergewicht) den Schneid
hatte abkaufen lassen. Daher ging der Pac Man als Favorit
in diesen Kampf, bei dem es lediglich um den vakanten internationalen
Meistertitel des WBC im Superfedergewicht ging, auch wenn er sich letztlich
eines Weltmeisterschaftskampfes als würdig erwies.
Obwohl es bereits in der ersten Runde zu vielen Schlagwechseln kam, zeigte
sich doch, dass beide Boxer Respekt voreinander hatten. Während Morales
das Geschehen im Ring von der Ringmitte aus zu beherrschen versuchte,
bewegte sich Pacquiao schnell in den Gegner hinein, um Treffer zu landen
und sich dann wieder zurückzuziehen. Keiner der zwei Kontrahenten
suchte zunächst sein Glück im direkten Vorwärtsgang. Der
Mexikaner bewegte sich schulbuchmäßig immer nach links von
seinem, in der Rechtsauslage boxenden, Gegner weg und vermied so dessen
hart geschlagenen Cross. Jedoch kam Pacquiao in der ersten Runde mehrmals
mit Kombinationen zum Körper durch, die sichtbare Wirkung bei Morales
hinterließen. Erst kurz vor dem Gong zur ersten Pause schien sich
El Terrible wieder erholt zu haben.
In
den nächsten drei Durchgängen fand Morales besser in den Kampf.
Obwohl Pacquiao (Foto) weiterhin gute Körpertreffer landen
konnte, gelang es dem Mann aus Tijuana zusehends, mehr eigene Akzente
zu setzen, indem er mal die Schläge des Gegners auspendelte und konterte,
mal mit langen Händen aus der Distanz traf. Auch wenn Pac Man
zu diesem Zeitpunkt der schnellere der beiden Boxer war, so hatte es den
Eindruck, als würde Morales die härteren Treffer landen. Als
er in Runde fünf seinerseits zeitweise im Vorwärtsgang boxte,
entwickelte sich endgültig die Ringschlacht mit scheinbar offenem
Visier, die sich sicher viele Zuschauer erhofft hatten. Beide Boxer feuerten
unzählige Haken ab, von denen viele ihr Ziel fanden.
Jedoch kam es im Laufe der fünften Runde zu einer mehr als einminütigen
Unterbrechung, da Pacquiao stark aus einer Platzwunde über dem rechten
Auge zu bluten begann. Der Ringrichter Joe Cortez wertete den Cut
als Ergebnis von Morales Schlägen, jedoch offenbarte eine Zeitlupe
eindeutig, dass die Verletzung bei einem unbeabsichtigten Zusammenstoß
der Köpfe entstanden war. Es schien zunächst fast, als ob der
hochklassige Kampf abgebrochen werden müsse, zum Glück konnte
er dann aber doch fortgesetzt werden.
Auch in der nachfolgenden Runde blutete der Philippino weiterhin stark.
Morales blieb nun wieder mehr auf Distanz und diktierte den Kampf mittels
seiner oft unterschätzten boxerischen Fähigkeiten. Doch schon
in Durchgang sieben befanden sich die beiden Kontrahenten erneut meist
in der Halbdistanz und bearbeiteten einander mit Kombinationen zum Kopf
und vor allem zum Körper. Pacquiao schien Mitte der Runde angeschlagen
zu sein, hielt aber tapfer dagegen. Doch der Mexikaner hatte zu diesem
Zeitpunkt klar die besseren Momente und deckte ihn noch mit dem Gong mit
einem Schlaghagel ein. Pac Man fand seinerseits in den zwei
folgenden Runden wieder in den Kampf zurück und zwang Morales vermehrt
in die Distanz. Jedoch gelang es ihm nun besser, am Mann zu bleiben, wo
er unablässig Kombinationen ablud. So war es in der neunten Runde
dann an ihm, seinen Gegner anzuklingeln.
Die zehnte Runde zeigte dann erstmalig ein Nachlassen in den Kampfhandlungen
beider Boxer, die jetzt etwas müde wirkten. Die kurze Atempause dauerte
jedoch nur etwa eine Minute, bevor die Kontrahenten sich erneut mit allem
beharkten, was ihr Schlagrepertoir hergab. Pacquiao bestritt einen Teil
der Runde ohne Mundschutz, nachdem dieser bei einem Treffer seines Gegners
herausgefallen war. Zum Ende überraschte Morales, indem er die Runde
bis zum Pausengong ebenfalls in der Rechtsauslage bestritt.
Pacquiaos rechtes Auge war zu Beginn der elften Runde inzwischen fast
zugeschwollen. Dennoch hielt er weiterhin tapfer dagegen, auch wenn das
Momentum eindeutig bei seinem Gegner lag, der nun die zweite Luft zu haben
schien. Morales hatte in den Schlagwechseln zumeist das bessere Ende für
sich und schien den Kampf endgültig für sich zu entscheiden.
Doch anscheinend mag auch er dramatische zwölfte Runden, ähnlich
wie sein Berufskollege Markus
Beyer (BP-Nr. 10 im Supermittelgewicht) letzte Woche. Während
er zunächst die besseren Treffer anbringen konnte, wechselte er kurz
darauf erneut in die Rechtsauslage, wodurch Pacquiao ein Ziel für
seine schlagstarke Linke fand, die wiederholt hart bei seinem Gegner einschlug.
Obwohl sichtbar angeschlagen, blieb Morales in der für ihn ungewohnten
und ungünstigen Auslage. Er schlug sogar weiter mit, obwohl Pac
Man die besseren Treffer anbringen konnte. Doch Morales blieb dessen
ungeachtet auf den Füßen und schaffte es bis zum finalen Gong.
Die Punktrichter werteten den Kampf schließlich einstimmig mit 115:113
für Erik Morales, der damit sicher demnächst wieder um Weltmeisterschaftsehren
boxen darf. Dieses Duell hat erneut gezeigt, dass es nicht unbedingt einen
WM-Gürtel braucht, um große Kämpfe geboten zu bekommen.
Um so mehr ist es eine Schande, dass dem deutschen Boxfan dieser großartige
Kampf im Fernsehen vorenthalten und stattdessen demnächst wieder
eine mittelmäßige Weltmeisterschaft im Schwergewicht zu sehen
sein wird.
Sonntag,
20. März 2005
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