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Mosley vs. Taylor - Die Vorschau
von Steffen Kuhnt

Die meisten Experten halten ihn für das Beste vom Besten, was die heutige Boxszene zu bieten hat - "Sugar" Shane Mosley (Foto). Zweifellos eine große Ehre - aber man gönnt sie dem sympathischen Kalifornier, der so ganz anders ist als das Klischee vom Superfighter. Sein Auftreten wirkt angesichts der regelmäßigen öffentlichen Entgleisungen eines Mike Tyson wie eine frische Brise, und fast möchte man nicht glauben, daß dieser Sonnyboy, der scheinbar keiner Fliege etwas zuleide tun könnte, in Wirklichkeit ein unbesiegter Weltmeister ist und von seinen 36 Gegnern 33 vorzeitig nach Hause schicken konnte.

Die wirklichen Boxfans wissen die Brillanz Mosley schon seit längerem zu schätzen, jedoch ist diese Kunde bislang leider nicht bis zum breiten Publikum vorgedrungen. So blieb dem amtierenden WBC-Champion im Weltergewicht bislang der ganz große finanzielle Wurf noch versagt. Sein bisher größter Sieg war ein überzeugender Punkteerfolg gegen Superstar Oscar De La Hoya - ein Triumph (Foto), der sich jedoch nicht im Marktwert der beiden widerspiegelt, denn während Mosleys Titelverteidigung am Samstag gegen den unbesiegten Australier Shannan Taylor, 28-0-1 (18), vor ca. 3000 Besuchern stattfindet, wird De La Hoyas Comeback gegen Arturo Gatti in zwei Wochen vor einem Publikum ausgetragen werden, das knapp viermal so groß sein wird.

Um diese Ebene zu erreichen, wird sich der Champion klassischer Mittel bedienen müssen, denn während De La Hoya an seiner Gesangskarriere arbeitet, findet man Shane Mosley höchstwahrscheinlich im Gym, denn nach eigenen Angaben ist das Training für ihn "... wie Urlaub - einfach einmal weg von allem und jedem. ... Wenn ich nicht in Form bin, fühle ich mich faul und träge." Die Einstellung von Mosley heilt in der Tat einige Wunden, die die sich in überflüssigen und wenig unterhaltsamen Fights ausdrückenden "Geschäftsstrategien" eines Roy Jones, um nur ein Beispiel zu nennen, bei den Fans hinterlassen haben. "Sugar" Shane und sein ihn managender und trainierender Vater Jack blicken ausschließlich nach vorn und wollen den direkten Vergleich mit Superstar Felix Trinidad. "In einem solchen Fight könnten beide Jungs 20 Millionen Dollar kassieren.", so Jack Mosley. "Zwei Fighter, die De La Hoya besiegt haben, beide ungeschlagen. Beide halten sich für den Pfund für Pfund besten Fighter im Geschäft und beide werden von ihren Vätern trainiert. Dieser Kampf muß einfach kommen."

Zunächst ist dies jedoch Zukunftsmusik, denn während "Tito" Trinidad am Titelvereinigungsturnier im Mittelgewicht teilnehmen wird, muß sich Mosley am kommenden Samstag zunächst mit Shannan Taylor auseinandersetzen. Der Australier, der sich selbst "Bulli Blaster" nennt, blickt seinerseits nicht weiter voraus als bis zu dem Moment, wo er Mosley im Ring gegenüberstehen wird.

Ein Blick in Taylor's (Foto Mitte) Kampfrekord offenbart eine nicht schlechte, aber auch nicht überwältigende Gegnerschaft und ganz sicher nichts, was ihn auf einen Gegner mit den Qualitäten eines Shane Mosley vorbereiten könnte. Immerhin sprechen vorzeitige Siege über Leute wie Jake Rodriguez, Livingstone Bramble (der sich zu jenem Zeitpunkt boxerisch jedoch bereits jenseits von Gut und Böse befand), Willy Wise, Nick Rupa, Lonnie Beasley oder auch den schwachen, aber widerstandsfähigen Buck Smith für die Härte des Australiers. Für einen Weltergewichtler ist Shannan Taylor eine beeindruckende Erscheinung, da er eigentlich ein natürlicher Mittelgewichtler ist. Und wie auch Mosley kann man Taylor kaum vorwerfen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, denn obwohl für ihn die Möglichkeit bestand, um "andere" WM-Titel zu boxen, u.a. gegen Daniel Santos oder Andrew "Six Heads" Lewis, bevorzugte er doch die Chance gegen den Stärksten von allen - Shane Mosley.

Während des Pressetrainings zeigte sich der "Bulli Blaster" in körperlich guter Verfassung und locker und gelöst. Zusätzliche Inspiration verschafften ihm einige Tips und Aufmunterungen von "Veteranen" wie Mike Tyson und Pernell Whitaker, die seine Trainingssession verfolgten. Whitaker ging sogar so weit, einigen Pressevertretern gegenüber zu verlauten, daß Taylor Mosley schlagen könne, ".. wenn er sich an das hält, was ich ihm mit auf den Weg gegeben habe. Aber er muß es von Beginn an konsequent tun."

Auch Taylors Trainer, Ex-Champion Jeff Fenech und Billy Lewis, der auch Kostya Tszyu trainiert, sind davon überzeugt, daß Taylors Bestes gut genug sein wird, um Mosley zu besiegen. Sollte der Australier siegreich sein, dann, so Taylor, "könne er nächsten Monat als glücklicher Mann sterben." Von solchen, von Willensstärke strotzdenden Äußerungen zeigte sich der Champion jedoch unbeeindruckt: "Wir wollen nicht, daß jemand stirbt, ein KO ... wäre schon OK."

Das Team von BoxingPress erwartet keine Sensation und rechnet mit einem klaren Sieg des Champions, "Sugar" Shane Mosley, mindestens nach Punkten, wahrscheinlich aber vorzeitig in den späten Runden.

Premiere World überträgt in der Nacht vom 10.03 zum 11.03 ab 04.00 Uhr live, hoffentlich auch das im Vorprogramm stattfindende Schwergewichtsmatch zwischen Oleg Maskaev und Lance "Mount" Whitaker. Den ausführlichen Bericht von der Veranstaltung in Las Vegas gibt es Sonntag im Laufe des Tages auf diesen Seiten.

 

 
     

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