| |
Mosley
vs. Taylor - Der Bericht
von Steffen Kuhnt
Gestern
nacht dürften die Reihen der Zweifler an der Tatsache, daß
"Sugar" Shane Mosley
(Foto) pound-for-pound der derzeit beste Boxer ist, weiter dezimiert
worden sein. Mit einer virtuosen Leistung bezwang der Champion im Weltergewicht
den zähen Australier Shannan
Taylor durch Abbruch am Ende der fünften Runde, als der Referee
gnädigerweise die Empfehlung des Ringarztes, den Kampf zu beenden,
in die Tat umsetzte. Aber es war weniger der Fakt "Mosley TKO6
Taylor", der diesen Triumph so eindrucksvoll machte als vielmehr
die Art und Weise, wie Mosley in geradezu spielerischer Manier seinen
Herausforderer nie auch nur den Hauch einer Chance ließ.
Das Camp
des bis dahin unbesiegten Mannes aus "down under" hatte gehofft,
die Härte, Zähigkeit und Entschlossenheit ("...ich bin
bereit, zu sterben...") ihres Schützlings in einen Erfolg
ummünzen zu können. Taylor mußte jedoch schnell feststellen,
daß er dem phänomenalen Speed des Mannes aus Pomona, Kalifornien,
nichts entgegensetzen konnte. Bereits in der ersten Runde brachte Mosley
einige schnelle und auch harte Hände ins Ziel, die den für sein
gutes Kinn bekannten Australier auch sofort beeindruckten. Nur mit viel
Glück konnte sich Taylor in die erste Rundenpause retten, denn knapp
10 Sekunden vor Rundenende schickte ihn der Champ mit einer Bilderbuchkombination,
abgeschlossen von einer krachenden Rechten, schwer zu Boden. Normalerweise
wäre der Fight bereits zu diesem Zeitpunkt zu Ende gewesen, wenn
nicht der Gong zur Pause den sichtlich schwer mitgenommenen Taylor gerettet
hätte.
Die
folgenden Durchgänge waren ein Schaulaufen für den "Sugarman"
- zwar versuchte Taylor wirklich alles, was in seiner Macht stand, war
jedoch zu jedem Zeitpunkt chancenlos. In den wenigen Situationen, in denen
Taylor selbst den einen oder anderen Treffer ins Ziel bringen konnte,
zeigte Mosley keinerlei Reaktion, und so war es kaum verwunderlich, daß
die Frustration des Australiers mit jeder verstreichenden Sekunde größer
wurde und sich dieser mit unsauberen Aktionen Luft zu verschaffen suchte.
Angesichts
der mehr als deutlichen Überlegenheit des Champions war es nur eine
Frage der Zeit, wann der Kampf zu Ende sein würde. Zum Leidwesen
von Taylor, der viele schwere Treffer nehmen mußte, und zum Glück
des Publikums, daß eine Demonstration der Ästhetik des Boxens
geboten bekam, ließ das Unausweichlich noch bis zum Ende der fünften
Runde auf sich warten. Nach einigen schweren Körpertreffern, einem
Markenzeichen von Mosley, und einem knallharten linken Haken hatten die
Offiziellen ein Einsehen und ließen den völlig fertigen Shannan
Taylor den Fight nicht mehr fortsetzen. Sowohl dieser als auch seine Betreuer
hatten keinerlei Probleme mit dieser Entscheidung.
Im Interview
nach dem Kampf bestätigte der alte und neue Champion noch einmal
seine Absicht, gegen Felix Trinidad anzutreten, signalisierte aber auch
sein Wissen um die Tatsache, daß ein solcher Kampf gegen den ins
Mittelgewicht aufsteigenden Superstar in nächster Zeit kaum zu realisieren
sein dürfte. Ein Rematch gegen Oscar
De La Hoya wäre eine weitere finanziell attraktive Option,
jedoch muß der "Golden Boy" in 14 Tagen zunächst
eine Standortbestimmung abliefern, was gegen Fan-Liebling Arturo
Gatti allerdings (bedauerlicherweise) kaum mehr als eine Formsache
darstellen dürfte.
Eine
kleine Überraschung lieferte der zweite Hauptkampf des Abends, in
dem Schwergewichtler Oleg Maskaev
zum zweiten Mal in Folge schwer KO ging. Die ersten nennenswerten Aktionen
seines Gegners, Lance "Mount" Whitaker (Foto),
brachten Maskaev bereits ins Straucheln und eine schöne, lockere
rechte Hand schickte den einstigen Geheimtip so schwer zu Boden, daß
es dieser nicht fertigbrachte, vor "10" wieder auf den Beinen
zu sein. Der hünenhafte Whitaker dürfte damit in die engere
Auswahl zukünftiger Titelaspiranten aufgerückt sein, während
Maskaev effektiv aus den besagten Reihen verschwunden sein dürfte.
|
|