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Shane
Mosley
vs.
Ronald Wright
- Der Bericht
Von Wolfgang Oswald
Am 13. März standen sich im Mandalay Bay Casino in Las Vegas, Nevada,
der amtierende WBA- und WBC-Champion "Sugar"
Shane Mosley (BP-Nr. 1) und der IBF-Weltmeister Ronald
"Winky" Wright (Foto oben, BP-Nr. 3) gegenüber.
Dabei ging es in dieser Titelvereinigung um die unangefochtene Vorherrschaft
im Superweltergewicht, und man konnte auf einen spannenden und hochklassigen
Kampf zwischen zwei glänzenden Boxtechnikern gespannt sein.
Runde für Runde - Sugar Shane Mosley
gegen Ronald Winky Wright
Runde 1:
Beide Boxer legten ein hohes Tempo vor und versuchten sofort, ihre Führhand
zu etablieren, um damit den Kampf aufzubauen. Mosley landete einige gute
Körpertreffer, während Wright besser mit dem Jab traf und nach
einer kurzen Serie seine Schlaghand gut ins Ziel brachte.
Wertung: 9-10
Runde 2:
Der Rechtsausleger Wright wirkt eine Spur aktiver, trifft immer wieder
mit seinem rechten Jab und kurzen Kombinationen. Seine Deckung steht und
er vermeidet die schnellen Hände von Mosley durch geschicktes Agieren
im Angriff mit dem Kopf und Körper.
Wertung: 9-10
Runde 3:
In der Mitte der Runde kommt Wright mit einer linken Geraden gut durch.
Er kontrolliert die Auseinandersetzung und die Ringmitte. Sugar
Shane findet kein probates Mittel. Seine schnellen, als Serien geschlagenen
Hände kommen einen Tick zu spät, um damit den dritten Durchgang
noch für sich entscheiden zu können. Zudem hält Winky
dabei die Fäuste oben und Mosleys Aktionen verpuffen größtenteils
ohne sichtbare Wirkung.
Wertung: 9-10
Runde 4:
Früh wird klar, dass Mosley seinen größten Trumpf, die
Schnelligkeit und Beweglichkeit, nicht ausspielen kann. Der Grund dafür
ist relativ einfach. Wright hat ein gutes Auge und erarbeitet sich ständig
Vorteile mit seiner rechten Führhand. Er bringt sie aus einer hohen
Deckung und darum ist sein Jab schneller am Ziel als der seines
Kontrahenten. Mosley dagegen boxt mehr mit offener Deckung
und etwas herunterhängender Linken. Dadurch müssen seine Hände
einen längeren Weg als die von Wright absolvieren. Zudem geht Wright
immer wieder in den Mann, setzt seinen Gegner unter Druck und zerstört
so langsam, aber systematisch Mosleys Kampfrhythmus.
Wertung: 9-10
Runde 5:
Beide Kämpfer prallen kurz mit den Köpfen zusammen, aber es
ist keine böse Absicht dahinter. Die Auseinandersetzung verläuft
sehr fair und Ringrichter Tommy Weeks hat wenig Arbeit. Dann folgt
ein offener Schlagabtausch. Keiner der Boxer will zurückweichen und
Mosley sieht etwas besser aus als in den Durchgängen zuvor. Dennoch
geht diese Runde knapp an Wright, da seine Boxvorstellung optisch mehr
beeindruckt und Mosley zu offen und zu unbestimmend agiert.
Wertung: 9-10
Runde 6:
Das hohe Tempo der ersten Runden fordert nun seinen Tribut. Mosley macht
in diesen drei Minuten einen etwas frischeren Eindruck, aber
er bringt zu selten die Rechte, die beste Waffe gegen Rechtsausleger.
Die Runde verläuft weitgehend ausgeglichen und ist schwer zu werten.
Wegen dem aktiveren Eindruck und der Leistungssteigerung vielleicht ein
erster Erfolg für Mosley.
Wertung: 10-9
Runde 7:
Mosley beginnt aggressiv, bestimmt das Geschehen. Doch gerade als er besser
in den Kampf kommt, ist Wright wieder da. Winky hält
dagegen, setzt seinen Rivalen wieder unter Druck und punktet mit der rechten
Führhand, mit der er immer wieder seine linke Schlaghand vorbereitet.
Wertung: 9-10
Runde 8:
Wright wird immer dominierender. Seine Rechts-Links-Kombinationen kommen
zweimal klar durch. Mosley wirkt hilflos und ideenlos.
Wertung: 9-10
Runde 9:
Ein ausgeglichener Durchgang, doch Mosley fehlen einfach die optisch sichtbaren
und eindrucksvollen Treffer für den Gewinn der Runde. Die Deckung
von Wright steht gut. Der Rechtsausleger boxt innen, schlägt
seine Hände stets auf der kürzeren Bahn und Sugar
Shane kann dem nichts entgegensetzen. Er hat nicht die Kraft in seinen
Schlägen, um die Innenbahn zu erobern. Seine körperlichen
Nachteile verbunden mit dem Gewichtsklassenaufstieg machen sich bemerkbar.
Mosley bleibt nur die Außenbahn und das ist gegen einen
taktisch und technisch gewieften Boxer wie Wright zu wenig.
Wertung: 9-10
Runde 10:
Wieder das gleiche Bild: Wright arbeitet gut, bestimmt das Tempo und holt
sich auch diese Runde mit seinem ausgezeichneten Jab. Die Ecke von Mosley
macht einen ratlosen Eindruck.
Wertung: 9-10
Runde 11:
Mosley weiß, dass er einen Knockout braucht, um den Kampf zu gewinnen.
Er trifft mit der Rechten, schlägt Serien und versucht mit dem Jab
vorzubereiten. Trotzdem kommt Wright auch diesmal wieder gut durch, aber
man kann die Runde knapp Mosley geben.
Wertung: 10-9
Runde 12:
Der letzte Gong und beide Boxer geben noch einmal alles. Fuß an
Fuß liefern sie sich einen offenen Schlagwechsel. Es geht hin und
her. Mosley scheint der etwas dominierendere Mann in diesem Gefecht der
schnellen Hände zu sein. Doch gegen Ende der Runde wirkt er kurz
angeschlagen. Tapfer versucht er weiter mitzuhalten und gewinnt diese
Runde mit einem knappen Punktvorsprung.
Wertung: 10-9
Die Auseinandersetzung um die Weltmeisterschaft ist zu Ende und auf dem
Punktzettel des Autors steht es 117:111 für Ronald Winky
Wright. Auch die offiziellen Punktrichter sehen es ähnlich und werten
zweimal 117:111 und einmal 116:112. Sieger nach Punkten und damit unangefochtener
Weltmeister der Verbände WBA, WBC und IBF im Superweltergewicht:
Ronald Winky Wright.
Undercard: Vassily
Jirov gegen Baby Joe
Mesi
Licht
und Schatten wechselten beim Ringauftritt der hoch gehandelten weißen
Schwergewichtshoffnung Joe
Mesi (Foto, BP-Nr. 14) gegen den Rechtsausleger Vassily
Jirov(BP-Nr. 1 im Cruisergewicht) ab. Nach einer ausgeglichenen
Anfangsphase setzte sich Baby Joe mit zunehmender Kampfdauer
immer besser in Szene. Seine linke Führhand bestimmte den Kampf und
bereitete die Rechte variabel als Gerade und Haken geschlagen vor. Nach
einem linken Aufwärtshaken wirkte Jirov beeindruckt und er tat sich
schwer, die rechte Schlaghand von Mesi zu vermeiden.
Nach der Hälfte der Distanz öffnete sich nach einem unabsichtlichen
Kopfstoß ein schwerer Cut über dem Auge von Jirov, der mehr
und mehr Probleme bekam. Der russische Exweltmeister konnte sein hohes
boxerisches Potential gegen Mesi nicht abrufen, der wegen seines Gewichtsvorteils
und seiner Kraft die Innenbahn beherrschte. Mesis Stil wirkte im Gegensatz
zur glänzenden Technik von Jirov zwar unbeholfen und ungelenk, doch
der Rechtsausleger versäumte es zu punkten und verschenkte so Runde
für Runde an den Italoamerikaner. Jirov arbeitete viel zu wenig mit
der Führhand. Auch von seiner Stärke, den Körperschlägen,
machte er nur selten Gebrauch, wohl weil er Mesi keine Blöße
für die rechte Schlaghand geben wollte.
Zu Beginn der neunten Runde hatte sich Mesi einen komfortablen Punktvorsprung
erarbeitet. Der Rechtsausleger war vom Cut gezeichnet, wirkte mitgenommen
und alles andere als zuversichtlich. Alles schien nach Plan für Mesi
zu laufen, als dieser plötzlich einen harten Treffer kassierte und
zu Boden musste. Jirov witterte jetzt seine Chance und setzte in der letzten
Runde noch einmal alles auf eine Karte. Zweimal schickte er Mesi auf die
Bretter, der die Runde mehr schlecht als recht überstand und noch
mal um den Sieg zittern musste. Dennoch reichte es zu einem knappen und
einstimmigen Punktsieg für Joe Mesi, dessen Leistung vor allem in
der Schlussphase des Kampfes Anlass zu Kritik und Zweifel gab. Sicher,
Jirov ist ein Weltklasseboxer und Mesi sah lange Zeit gut und souverän
aus. Allerdings agierte Baby Joe zeitweise viel zu offen,
und gegen einen echten Schwergewichtler kann sich das noch mehr rächen.
Man sollte aber auch berücksichtigen, dass Jirov als ehemaliger Cruisergewichtler
schneller und beweglicher agierte als manch anderer der großen und
schweren Jungs es tun. Auf alle Fälle bleibt abzuwarten,
wie Mesi die Niederschläge aus diesem Kampf verdauen
und verkraften wird. Seine letzten beiden Vorstellungen waren alles andere
als wirklich überzeugend, und ob er wirklich eine Zukunft als große
weiße Hoffnung im Schwergewicht hat, werden seine nächsten
Fights zeigen.
Sonntag,
14. März 2004
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