Ottke besiegt Crawford durch TKO in Runde 8
von Arne Leyenberg
IBF-Weltmeister
Sven Ottke hat seinen Titel
im Supermittelgewicht zum neunten Mal erfolgreich verteidigt. Der gebürtige
Spandauer besiegte in Magdeburg den Herausforderer James Crawford
durch TKO in der achten Runde. Für den damit weiter ungeschlagenen Ottke
war es der 22. Sieg im 22. Profikampf. Der Herausforderer aus Grinnell/Iowa
fand kaum ein Mittel für erfolgreiche Attacken und musste im 39. Profikampf
seine dritte Niederlage hinnehmen. Im Rahmenprogramm war Timo
Hoffmann durch einen einstimmigen Punktsieg gegen Michael Sprott
erfolgreich.
Der Kampfabend
der Sauerland-Promotion in der mit 7.500 Zuschauern ausverkauften Bördelandhalle
in Magdeburg begann, wie viele der folgenden Auseinandersetzungen enden
sollten: mit einem K.o. in der ersten Runde. Der 26 Jahre alte Ukrainer
Oleksander Zubrykhin, unter Vertrag beim Management von Lennox
Lewis (Panix Promotion), ließ seinem Gegner im Supermittelgewicht, Attila
Lelkes aus Ungarn, keine Chance. Bereits nach der ersten Kombination schneller
und harter Fäuste ging dieser zu Boden und wurde von Ringrichter Heinrich
Mühmert ausgezählt.
Ebenso
erging es dem 24 Jahre alten Tschechen Marek Oravski. Sein Duell
mit dem 14 Jahre älteren, ehemaligen Kickboxweltmeister Andreas
Sidon war sowohl kurz als auch ungleich. Oravski zeigte Wirkung
nach einer harten Rechten zum Kinn, ein klassischer Leberhaken beendete
den Kampf des Tschechen gegen den Routinier Sidon. Der Giessener trifft
nun am 5. Mai in seiner Heimatstadt auf den Berliner Ralf Packheiser.
Dabei wird es um den vakanten internationalen deutschen Meistertitel im
Schwergewicht gehen. Sidon nach dem Kampf: "Das war eine gelungene
Generalprobe. Den Leberhaken habe ich vermehrt trainiert in den letzten
Wochen. Nun freue ich mich auf Packheiser. Ich werde mich jetzt knallhart
vorbereiten, topfit sein und am 5. Mai deutscher Meister!"
Danach folgte
Rüdiger May und blieb auch in seinem 31. Kampf seiner Linie treu.
Er bezwang, entgegen dem Trend des Abends, Henri Besse Mobio "nur"
durch einen verdienten Punktsieg im Cruisergewicht nach acht Runden. Wenn
sich der jüngere der beiden May-Brüder auf seine Stärken besinnt und aus
der Distanz heraus boxt, wirkt er souverän. Doch Mobio gelang es manches
Mal ihn im Infight zu stellen und unter Druck zu setzen.
Im vierten
Kampf des mit zehn Kämpfen üppigen Programms, hatte der Silbermedaillengewinner
von Sydney, Sergiy Dotsenko aus der Ukraine, nur wenig Zeit und
Gelegenheit sein zweifellos vorhandenes Talent zu demonstrieren. Der Weltergewichtler,
ebenfalls bei der englischen "Panix-Promotion" unter Vertrag, traf auf
einen zu schwachen Gegner. Szabo Gylia ging früh in der ersten
Runde K.o.
Danach war
die neue Hoffnung des Sauerland Stalles an der Reihe. Schwergewichtler
Cengiz Koc ließ seinem furchteinflößenden Äußeren und dem entschlossenen
Walk-In mit eigens für ihn komponierter Musik Taten folgen. Mit schweren
Körpertreffern setzte der Olympiateilnehmer von Sydney dem sich tapfer
wehrenden Karlsruher Ergin Solmaz schwer zu. Nach harten Kombinationen
zum Kopf warf Solmaz Trainer, Detlef Loritz, das Handtuch. Koc`s
eindrucksvoller dritter Sieg im dritten Kampf.
Anschließend
nutzte Lokalmatador Dirk Dzemski vom Magdebruger Boxstall SES
die Gelegenheit, sich gegen einen schwachen Gegner eindrucksvoll in Szene
zu setzen. Er überrannte den Supermittelgewichtler Gabriel Botos förmlich.
Es folgte
der auf dem Papier interessanteste und brisanteste Kampf des Abends. Timo
Hoffmann traf auf den Engländer Michael Sprott, dem er
vor wenigen Wochen in London knapp nach Punkten unterlegen war. Hoffmann
war die nervliche Belastung anzumerken, zu viel stand für ihn auf dem
Spiel, eine erneute Niederlage konnte er sich nicht erlauben. Entschlossen,
sich nachhaltig zu revanchieren, ging der Eislebener in den Kampf.
Doch
das hohe Tempo, das Timo von Beginn an einschlug, konnte er nicht halten,
nach der dritten Runde hatte er sich bereits verausgabt. Mit gewaltigen
Aufwärtshaken schlug er den Briten schwer an und setzte vehement mit einem
Schlaghagel nach. Sprott überstand die brenzlige Situation jedoch und
war nun konditionell im Vorteil. Die folgenden Runden konnte er alle für
sich entscheiden. Eine vollkommen unnötige Verwarnung durch den Ringrichter
raubte ihm jedoch einen Punkt. Wie nicht anders zu erwarten, schenkten
die Punktrichter Hoffmann einen mehr als schmeichelhaften Punktsieg.
Die Zuschauer,
die den Kampf mindestens unentschieden sahen, quittierten den einstimmigen
Sieg mit einem gellenden Pfeifkonzert. Skandalös eine der drei Punktwertungen:
79:73 für Timo Hoffmann. Dieser gab im anschließenden Interview kleinere
Fehler zu. Doch sah er sich auch als Sieger. Diese Meinung äußerte ebenfalls
sein Trainer Ulli Wegner auf der Pressekonferenz im Anschluss an
den Hauptkampf. Nur Timos kraftraubendes Nachsetzen in der dritten Runde
kritisierte er. "Wenn man als Schwergewichtler so hinterhergeht, sich
so auspowert in der dritten von acht Runden, ist das Dummheit." Manager
Wilfried Sauerland ließ verlauten, als nächster Gegner für Timo
stehe Ross Puritty fest. Auf einer Sauerland-Veranstaltung im Juni
in Bayreuth soll der Wladimir Klitschko-Bezwinger von Kiew Hoffmanns nächster
Prüfstein werden. "Puritty wird Timo besser liegen, ist nicht so klein
wie Sprott," so Sauerland.
Nach einem
Höhepunkt der Kampfpaarungen folgte erst einmal Ernüchterung. Der Niederländer
"Fighting" Nordin Ben-Salah schlug Ahmed Dine im Supermittelgewicht
in der ersten Runde K.o. Zuletzt war Dine mit Markus
Beyer über die Runden gegangen, gegen Nordin nutzte er die ersten
harten Treffer zum Ausstieg.
Bevor Sven
Ottke zum Hauptkampf in den Ring stieg, präsentierte sich sein zukünftiger
Gegner - zumindest deuten einige Anzeichen darauf hin. Denn James
Butler ist die Nummer eins der IBF - Weltrangliste und offizieller
Herausforderer des Deutschen. Butler zeigte jedoch keine meisterliche
Leistung. Sein Gegner, Jerry Lee Williams, war erst am Nachmittag
aus Amerika in Deutschland gelandet, in seinem Gepäck befand sich nicht
einmal eine Boxhose. In einer vom Magdeburger Schwergewichtler Rene
Monse geliehenen und viel zu großen Hose, trat er schließlich an.
Es wurde ein deutlicher, aber müder Punktsieg für Butler. In dieser Verfassung
stellt er keine Gefahr für Sven Ottke dar.
Denn dieser
demonstrierte im letzten Duell des langen Abends einmal mehr seine derzeitige
Überlegenheit im Supermittelgewicht. In seinem "Wohnzimmer", wie er die
Bördelandhalle einst, in Anlehnung an Boris Beckers Heimatgefühle auf
dem Rasen von Wimbledon, nannte, konnte er sogar durch TKO. gewinnen.
Sein dritter vorzeitiger Sieg überhaupt, und dass im 22. Profikampf und
der neunten Titelverteidigung. Sein Gegner, James Crawford aus Grinell
in Iowa, die Nummer acht der IBF-Weltrangliste war heillos überfordert
mit den schnellen Schlagkombinationen des Weltmeisters und verlor zum
dritten Mal in 39 Auseinandersetzungen.
Es
war ein unspektakulärer Kampf, der über die gesamte Dauer vom
Halten und Klammern beider Kontrahenten geprägt war. Bis zur vierten
Runde hatte der Amerikaner noch mithalten können, danach wurden seine
Defizite immer deutlicher, seine Aktionen stetig weniger. In der achten
Runde ging er nach einer Kopf-Körper Kombination zu Boden. Er konnte sich
zwar noch einmal aufrappeln, doch Ringrichter Robert Byrd hatte
ein Einsehen und nahm ihn richtigerweise aus dem Kampf. Auf der anschließenden
Pressekonferenz äußerte Ottke wiederholt den Wunsch zu Titelvereinigungen.
Joe Calzaghe, den WBO -
Weltmeister könne er sich gut vorstellen, "aber ich boxe auch jeden
anderen."
So leicht
wie am Samstag wird es ihm dann sicher nicht gemacht. Es blieb ihm sogar
Zeit, während des Kampfes den Zuschauern in der vordersten Reihe zuzuzwinkern.
Ottke: "Das mache ich nur, wenn hundertprozentig sicher bin, das nichts
passieren kann." Für Sven geht es nun in den Urlaub, zum Golfen nach
Mallorca. Danach steht laut Manager Sauerland eine Titelverteidigung in
Nürnberg im Juni auf dem Programm, im September "wollen wir dann wieder
in Magdeburg sein." Und für seinen Gegner, James Crawford, ist der
Ausflug in die große Boxwelt so schnell wieder vorbei, wie er vor wenigen
Tagen begonnen hat.
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