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Sven Ottke vs. Armand Krajnc
Der Vorbericht
von Wolfgang Oswald

Ottke
und kein Ende? Am kommenden Samstag verteidigt der Weltmeister im Supermittelgewicht
in der Bördelandhalle von Magdeburg seine IBF- und WBA-Titel (die
ARD überträgt live ab ca. 22.10 Uhr). Der Gegner von
Sven
Phantom Ottke (BP-Nr. 2, Foto oben links) ist
dieses Mal der Schwede Armand
"Lion" Krajnc (Foto oben rechts). Doch wenn es
nach Ottke geht, ist 2004 Schluss mit dem Boxen. Jeder Kampf kann nun
der letzte sein und es bleibt somit nur eine Frage: Schafft ausgerechnet
Ottke das Kunststück, als unbesiegter Weltmeister abzutreten?
Es sieht alles danach aus! Ottke versteht es glänzend, während
eines Ringgefechtes Punkte zu holen, wo manchmal keine sind. Dabei setzt
er auf die Hilfe des Hallenpublikums, das ihn in all seinen bisherigen
Titelfights stets frenetisch unterstützt hat. Dieser sog. "Heimbonus",
seine bevorzugte Stellung als Weltmeister und seine raffinierte Boxtaktik
gaukeln sogar den Punkt- und Ringrichtern gelegentlich boxerische Überlegenheit
vor, und sie tendieren bei ihrer Wertung deshalb nicht selten zum Deutschen.
Allein
deshalb fällt es schwer zu glauben, dass dem schwedischen Herausforderer
das gelingen sollte, was beispielsweise den Exweltmeistern Byron
Mitchell (BP-Nr. 11, Foto) und Charles
Brewer (BP-Nr. 9), dem Europameister Mads
Larsen (BP-Nr. 5) oder dem amtierenden Weltmeister im Halbschwergewicht
Glencoffe
Johnson (BP-Nr. 3) versagt geblieben war: Ein Sieg über
das "Phantom". Zumal es sich bei der kommenden Auseinandersetzung
um eine freiwillige Titelverteidigung handelt und das Sauerland Box-Team,
soweit es geht, bei der Auswahl der Gegner nichts dem Zufall überlässt.
Denn Krajnc hat als ehemaliger WBO-Weltmeister im Mittelgewicht einen
bekannten Namen in der Boxszene und macht sich gut in jedem Kampfrekord.
Auch als Exmitglied bei der Konkurrenz, der Universum Box-Promotion, lässt
sich "der Löwe" dem gewöhnlichen Boxpublikum ausgezeichnet
als würdige Herausforderung "verkaufen".
Doch
wer genau in die Kampfstatistik von Krajnc hineinsieht, entdeckt zwei
Niederlagen, die- er 2002 hinnehmen musste: Der Verlust des Weltmeistertitels
gegen den damaligen Weltklassemann Harry
Simon ist dabei keine Schande, die anschließende Abbruchniederlage
gegen einen "Aufbaugegner" namens Sergey
Tatevosyan (BP-Nr. 11) dagegen schon eher. Tatevosyan jedoch
bestritt danach sechs weitere Kämpfe, von denen er nur einen verloren
hat, und den nur nach Punkten gegen den hoch eingeschätzten Howard
Eastman (BP-Nr. 2, Foto). Das rückt die "Schlappe"
des Schweden gegen den Russen damals wiederum in ein etwas anderes Licht
und auch ein neuer Fight um die Weltmeisterschaft kann bekanntlich längst
vergessen geglaubtes Können wieder zum Leben erwecken.
Armand Krajnc kann schließlich boxen! Er hat fast 200 Amateurfights
auf dem Buckel, sich 1999 gegen den starken Briten Jason
Matthews in einem spannenden Gefecht die WM-Krone erkämpft,
und er bringt eine gute Schnelligkeit und Schlagkraft aus dem Mittelgewicht
ins Supermittelgewicht. Zusammen mit seinem Landsmann Atilla
Levin hat er sich in Miami auf seine letzte große Chance
vorbereitet. In den Sparringseinheiten soll er ausgezeichnet ausgesehen
haben und er verfügt durchaus über genug boxerische Mittel,
um Ottke überraschen zu können. Und Krajnc wäre ja nicht
der erste Schwede, dem man vor einem Titelkampf nicht viel zutraut. Sein
Landsmann Ingmar Johansson stieg 1959 gegen Weltmeister Floyd
Patterson auch als krasser Außenseiter in den Ring, und was
geschah? Thors Hammer wurde ausgepackt und der Champ siebenmal auf die
Bretter geschickt. Und wer weiß? Vielleicht hat Armand Kranjc ja
Thors Hammer bei der Reise zurück auf den Königsthron inzwischen
wiedergefunden.
Donnerstag,
25. März 2004
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