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Ottke rettet den Tag, würdiger Abschied des
Doppel-Weltmeisters
Aus Magdeburg berichtet Patrick Haas

Vor 6800
begeisterten Fans in der restlos ausverkauften Magdeburger Bördelandhalle
war es dem IBF- und WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht Sven
Ottke vorbehalten, sich mit der besten Leistung des Abends von
der großen Bühne des internationalen Boxsports zu verabschieden.
Ottke besiegte den Schweden Armand
Krajnc einstimmig nach Punkten. Es sollte die 21. und zugleich
letzte Titelverteidigung sein, denn noch im Ring erklärte Ottke seinen
Rücktritt. Seine designierten Nachfolger beim Sauerland-Boxstall
mussten dann allerdings erkennen, dass sie in große Fußstapfen
treten sollen. Zu unserem exklusiven Vor-Ort-Bericht geht es hier:
1. Kampf: Alexander
Abraham - Matteo
Sciacca (Superweltergewicht)
Den Auftakt in der Bördelandhalle machte Alexander
Abraham. Zu Beginn des Kampfes schien Abraham leicht verwirrt
über die tiefgebückte Haltung seines Kontrahenten und man konnte
nicht mit Sicherheit sagen, ob Matteo
Sciacca nicht möglicherweise auf der Suche nach seinen Kontaktlinsen
war. Abraham verschwendete keine Zeit, um Sciacca bei der Suche behilflich
zu sein. So verbrachte Sciaccia den größten Teil des kurzen,
einseitigen Gefechts auf dem Ringboden. Es dauert nur eine halbe Runde,
bis Abraham die Deckung seines Gegners mit linken Haken zum Körper
öffnen konnte und dann zum Kopf durchkam. Nach einer Serie von Treffern
landete Abraham eine abschließende Rechte, welche auch Ringrichter
Roger Tillemann überzeugte, den Kampf nach dem insgesamt vierten
Niederschlag abzubrechen.
Sieger durch
technischen KO in der zweiten Runde: Alex Abraham.
2. Kampf: Marcel
Zeller Ervin
Slonka (Schwergewicht)
Zwar
war es Highlander Marcel
Zeller (Foto) vorbehalten, die ersten Aktionen im Kampf
zu setzen, allerdings offenbarte er bereits in der ersten Runde große
Deckungslücken. Immer wieder ließ er die linke Führhand
hängen, was auch Ervin
Slonka nicht verborgen blieb. Zunächst noch zaghaft ging
Slonka dann getreu dem Motto Es kann nur einen geben ans Werk.
Immer wieder konterte er Zeller mit harten rechten Geraden aus und setzte
dann entschlossen nach. Die logische Konsequenz der harten Treffer waren
zwei Niederschläge in der zweiten Runde.
Nahm sich Slonka in der dritten Runde nochmals eine Auszeit, so war dies
nur die Ruhe vor dem Sturm, und dieser brach dann auch über den tapferen
Zeller in Form von weiteren rechten Geraden und Haken ein. Es folgten
zwei weitere Niederschläge. So traf Ringrichter Walter Schall
die einzig richtige Entscheidung und nahm einen noch sichtlich angeschlagenen
Marcel Zeller nach Niederschlag Nummer vier aus dem Kampf.
Sieger durch technischen KO in Runde 4: Ervin Slonka.
3. Kampf: Danilo
Häußler Henry
Porras (Supermittelgewicht)
Es
folgte der erste Hauptkampf des Abends im Supermittelgewicht. Es war der
erste Kampf des 28-jährigen Danilo
Häußler (BP-Nr. 18) nach seiner Niederlage gegen
Mads
Larsen (BP-Nr. 5, Foto rechts). Während seine
Frau in den Wehen lag, hoffte Häussler somit auf seine eigene sportliche
Wiedergeburt. Gegner war der 33-jährige Costa Ricaner Henry
Porras.
Der Kampf begann mit dem üblichen Abtasten. Häußler, wie
gewohnt hinter massiver Doppeldeckung, versuchte seine Führhand zu
etablieren, während Porras hauptsächlich zum Körper arbeitete.
In Runde vier schien Häußler erkannt zu haben, dass er mehr
eigene Aktionen zeigen musste. Er brachte einige gute Führhände
und folgte gleich darauf mit linken Haken und schönen Kombinationen.
Auch seine Doppeldeckung stand jetzt sicher. Es war die bis dahin beste
Runde für Häußler, und es sollte seine beste Runde bleiben.
Nach
knapper fünfter Runde, in der sich Häußler (auf Foto
rechts) einen Cut zuzog, begann Porras (auf Foto links)das
Heft in die Hand zu nehmen. Auch von einem überharten Punktabzug
wegen Tiefschlagens in Runde sechs ließ sich der Mittelamerikaner
nicht aus dem Konzept bringen. Häußler wirkte unverständlicherweise
zögerlich. Er bot Porras ein stehendes Ziel, welches dieser mit Körpertreffern
und rechten Haken um die Deckung herum dankend annahm. Auch der Jab kam
nun immer öfter durch. So konnte der Costa Ricaner sich Schritt für
Schritt eine Führung erboxen. Die frühe Arbeit zum Körper
machte sich nun für ihn bezahlt. Häußler beschränkte
sich auf vereinzelte Attacken, die meist ungenau vorgetragen waren und
selten trafen. Beim Mittelamerikaner hingegen war der Knoten endgültig
geplatzt. Setzte er zu Beginn des Kampfes noch sehr viele Aktionen auf
die Doppeldeckung, so war nun klar zu erkennen, dass eine Vielzahl von
Geraden und Jabs ihren Weg ins Ziel fanden. Da er seine hohe Schlagfrequenz
beibehielt, konnte er dem passiven Wolke-Schützling jetzt Runde um
Runde entreißen. Zu der Cut-Verletzung unter dem linken Auge war
mittlerweile bei Häußler auch eine blutige Nase gekommen. In
den letzten beiden Runden versuchte der Deutsche noch einmal das Steuer
herumzureißen, allerdings blieben seine Aktionen weiterhin zu ungenau.
Die einzigen bedeutungsvollen Treffer setzte Porras in Runde zwölf
mit einer schnellen Haken-Kombination, nach der Häussler seinen Mundschutz
verlor. Ansonsten bewegte sich Porras geschickt von Häußler
weg und legte sein Schicksal in die Hände der Punktrichter. Die Punktrichter
werteten wie folgt:
Walter Schall (Österreich): 116:111 Häußler
Roger Tillemann (Belgien): 115:112 Häußler
Luca Montella (Italien): 114:113 Häußler
Was folgte, stand im krassen Widerspruch zum einstimmigen Urteil der Punktrichter
und der Aussage vom ARD-Kommentator Jens-Joerg Rieck, welcher Häußler
als potentiellen Champion des Volkes bezeichnet hatte. Das
Publikum hatte sich sein eigenes Urteil gebildet. Es gab ein gellendes
Pfeifkonzert für den Sieger. Zumindest in Magdeburg wird
Häußler mit einer solchen Leistung niemals zum Champion
des Volkes. Der Autor dieses Berichts wertete den Kampf 115:114
für Henry Porras, der den Ring nicht nur als moralischer Sieger hätte
verlassen dürfen.
4. Kampf: Alpaslan
Agüzüm Carlos
Baldomir (Weltergewicht)
Im
nächsten Duell wollte Alpaslan
Revanche für seine einzige Niederlage als Profi. In Karlsruhe besiegte
ihn der Argentinier Carlos
Baldomir (BP-Nr. 15) durch KO in der ersten Runde. Alpaslan
war gewarnt und begann entsprechend konzentriert. Mit guter Beinarbeit
und schönen Kontern konnte er die erste Runde für sich entscheiden.
Wie bereits in der Vergangenheit währte die Disziplin allerdings
nicht lange und Alpaslan wurde leichtsinnig. Baldomir, im Gefühl
den härteren, präziseren Schlag zu besitzen, ging auf den Schlagabtausch
ein und schickte Alpaslan in der zweiten und dritten Runde zu Boden. In
beiden Fällen war nicht eindeutig zu erkennen, ob Alpaslan nur ausgerutscht
war oder inwieweit es sich um Schlagwirkung handelte. Ringrichter Danny
van de Wiele wählte den Mittelweg und zählte den Türken
nur in der dritten Runde an.
Baldomir hatte erkannt, dass Alpaslan unter Druck Fehler machte und legte
nun den gnadenlosen Vorwärtsgang ein. Mit einem steifen Jab trieb
er den Schützling von Ulli Wegner vor sich her und stellte
ihn dann an den Seilen. Alpaslan wurde zunehmend müder, und selbst
seine phasenweise guten Haken konnten Baldomir nicht mehr stoppen. Der
kleine Südamerikaner wollte seinen Gegner im ungeliebten Rückwärtsgang
halten, damit dieser Fehler begeht. In Runde sechs deutete sich das Ende
an, als der Ringrichter einen müden Alpaslan wegen Klammerns verwarnte.
Der Widerstand war gebrochen. Zu einem Punktsieg von Baldomir kam es nicht
mehr, denn Ringrichter Daniel van de Wiele brach das Duell in der achten
Runde zu Recht zugunsten des Argentiniers ab. Ein kämpferischer Alpaslan
musste die Überlegenheit seines Gegners anerkennen und kann sich
jetzt neuen Herauforderungen stellen. Das Publikum bedachte die Leistung
beider Boxer mit verdientem Beifall.
Sieger durch technischen KO in Runde acht: Carlos Baldomir.
5. Kampf: Malik
Dziarra Lihon
Mahir (Supermittelgewicht)
Malik
Dziarra (Foto) enttäuschte vor heimischem Publikum
nicht und fügte seinem Gegner Lihon
Mahir die erste Profi-Niederlage im zehnten Kampf zu. Der Kampf
bezog einen gewissen Reiz aus dem Duell der beiden Boxställe SES
und FLP-Box-Team. SES-Profi Dziarra setzte gleich zu Beginn ein Zeichen,
als er Mahir mit einer kurzen knackigen Rechten zu Boden schickte. Danach
spulte Dziarra sein Programm solide herunter und errang einen einstimmigen
Punktsieg. Trotz aller Bemühungen musste Mahir anerkennen, dass der
Gegner den kleinen Tick besser war.
Einstimmiger Sieger nach Punkten: Malik Dziarra.
6.Kampf: Alexander
Sipos Clive
Johnson (Superweltergewicht)
Ungefährdet brachte der 29-jährige Alexander
Sipos seinen vierten Profikampf über die Bühne. Variabel
verteilte er seine Schläge und erboxte sich meist aus der Distanz
einen sicheren Punktsieg. In der letzten Runde demonstrierte Sipos seine
Beweglichkeit mit schönen seitlichen Meidbewegungen. Ungelenker und
anfälliger wirkte er, wenn er sich in gerader Linie nach hinten wegbewegte,
allerdings wusste der limitierte Engländer auch hiermit nichts anzufangen.
Einstimmiger Sieger nach Punkten: Alexander Sipos.
7. Kampf: Arthur
Abraham Branko
Sobot (Mittelgewicht)
Arthur
Abraham (Foto) zeigte schon beim Einmarsch, dass beim Boxen
auch die Show stimmen muss. Zum Schlumpflied von Vader Abraham
zog man in die Halle ein und trug dabei die charakteristischen weißen
Schlumpfmützen. Das Publikum reagierte begeistert. Im Seilgeviert
bestätigte Abraham die Vorschusslorbeeren und konnte seinen kroatischen
Kontrahenten mit einer rechten Geraden zu Boden schicken. Mitgenommen
nahm Branko
Sobot den Kampf noch mal auf. Abraham attackierte seinen Gegner
mit einer Serie von unbeantworteten linken Haken zum Körper. Der
Ringrichter hatte ein Einsehen mit Gargamel Sobot und beendete
den Kampf.
Sieger durch technischen KO in der zweiten Runde: Arthur Abraham.
8. Kampf: Sven Ottke Armand Krajnc (Supermittelgewicht)
Der Gegner war gewählt, die Bühne war bereitet, Sven
Ottke (BP-Nr. 2) glänzte. So könnte man den letzten
Kampf in der langen Boxkarriere des Sven Ottke beschreiben.
Die
Magdeburger Zuschauer empfingen ihren Svennie mit frenetischem
Beifall und vom ersten Gongschlag an war zu erkennen, dass Ottke voll
motiviert war. Ungewohnt aggressiv begann das Phantom mehr
wie ein Tiger. Die Rechte wurde fintiert oder zum Körper
geschlagen, und ehe der schwedische Herausforderer Armand
Krajnc (Foto links) wusste wie ihm geschah, hatte
es oben links und rechts schon eingeschlagen.
Die Geschichte des einseitigen Kampfes ist im Prinzip schnell erzählt.
Ottke (Foto rechts) war in keiner Phase des Kampfes in Gefahr und
boxte zwölf engagierte Runden, während Krajnc mehr oder weniger
nicht wusste, was ihn eigentlich getroffen hatte. Die geistige Frische
fehlte genauso wie die körperliche. In Runde zwei knickte Krajnc
kurz ein
und die Zuschauer witterten schon den KO-Sieg. Dieser blieb zwar aus,
doch hatte das Publikum somit die Möglichkeit, sich selbst und Sven
Ottke mit La-Ola-Wellen zu feiern.Man hätte es beinahe als unpassend
empfunden, hätte sich Krajnc erdreistet, die Feier zu stören.
Falls dieser denn eine Taktik hatte, dann war es wohl der Versuch, einen
unaufmerksamen Ottke mit einem Glückstreffer zu überraschen.
Doch Ottke schob sich nach Belieben an Krajnc ran und feuerte seine schnellen,
präzisen Kombinationen ab. Die Punktrichter werteten wie folgt:
Cesar Ramos (Puerto Rico): 120:110 Ottke
Medardo Villalobos (Panama): 120:108 Ottke
Manuel Maritxalar (Spanien): 119:109 Ottke
Der Autor dieses Berichts wertete den Kampf 120:108 für Sven Ottke,
der damit seine WM-Gürtel nach Version der IBF und WBA zum letzten
Mal erfolgreich verteidigt hat.
BoxingPress wünscht dem deutschen Doppelweltmeister alles Gute für
die Zukunft.
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