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Ottke, Urkal und Fischer siegen
von Marco Zeininger
Sven
Ottke (BP-Nr. 1) bleibt Doppel-Weltmeister im Supermittelgewicht
nach Version der IBF und WBA. Der 36-Jährige gewann am Samstag Abend in
der ausverkauften Magdeburger Bördeland-Halle gegen den Briten David
Starie einstimmig, wenn auch relativ knapp nach Punkten.
Oktay
Urkal
(BP-Nr. 5) bleibt Europameister im Halbweltergewicht durch einen
Punktsieg gegen den Nordiren Eamonn
Magee.
Sven Ottke vs. David Starie:
Der Kampf
war zuvor aus dem Umfeld von Ottke als möglicherweise ein wenig langweilig
und von der Taktik geprägt eingeschätzt worden. Beide Boxer verfügen über
keinen besonders attraktiven Box-Stil und dementsprechend zäh verlief
der Kampf.
Zu Anfang
begann Starie zunächst, mit mehreren schnellen aber kraftlosen Jabs die
Distanz zu Ottke (Foto) herzustellen. Dieser jedoch hatte keine
Probleme damit, den ersten Angriffsversuchen des Herausforderers mit seiner
dichten Doppeldeckung und schnellen Meidbewegungen die Wirkung zu nehmen.
Versuchte der Brite dann einmal mit einer rechten Geraden nachzufolgen,
konterte der Weltmeister mit lockeren Schlagfolgen, von denen die ein
oder anderen ins Ziel fanden. Zwar dürften diese Schläge den Briten nicht
beeindruckt haben, aber sie könnten dazu geführt haben, dass "Svennie"
die erste Runde auf den Punktezetteln gutgeschrieben bekam. Auch in der
zweiten und dritten Runde bot sich den Zuschauern in Ottkes "Wohnzimmer",
wie er die Bördeland-Halle gerne bezeichnet, ein ähnliches Bild. Wenig
klare Aktionen von beiden Seiten und dadurch ausgeglichene Runden, die
man durch den Heimvorteil sowie den Weltmeisterbonus dem Deutschen geben
konnte.
In Runde vier gelang es dem gebürtigen Berliner endlich, seinen Gegner
zunächst mit einer schnellen Rechts-Links-Kombination sowie später in
der Runde nochmals mit einer Linken einmal klar zu treffen. Starie wirkte
in seinen Angriffsbemühungen einfallslos und kam nicht in den Infight,
da Ottke dort sofort klammerte. Der Herausforderer war auch in dieser
Runde nicht fähig, den flinken und wie immer defensivstarken Weltmeister
zu stellen. Dadurch dürfte Ottke mit seinen wenigen, aber dennoch diesmal
deutlicheren Treffern die Runde für sich entschieden haben. Das dankbare
Publikum in der Halle quittierte diese Runde mit der La-Ola Welle.
In
den darauffolgenden Runden das gewohnte Bild: Der Brite zeigte sich aktiver
und schlagfreudiger, jedoch eindimensional und häufig über die Innenbahn
kommend. Mit dieser Taktik war dem gewieften Weltmeister nicht beizukommen.
Auf der Suche nach der richtigen Distanz und ohne klare Treffer wirkte
der Mann von der Insel zu Beginn des siebten Durchgangs frustriert. Auch
deutete sein geöffneter Mund darauf hin, dass seine bis dato erfolglosen
Angriffsbemühungen ihn mehr Kraft kosteten als die Attacken des gewohnt
ökonomisch boxenden Titelverteidigers. Der in Karlsruhe wohnende Champion
sicherte sich im Mittelteil die ein oder andere Runde dadurch, dass er
des öfteren mit dem Jab durchkam und vereinzelt, wie in der achten Runde,
auch einmal mit einem rechten Haken zum Kopf traf.
Im letzten Drittel des Kampfes war eigentlich zu erwarten, dass der Herausforderer
seine relativ erfolglose Taktik ändern würde und, da nach Punkten offensichtlich
zurückliegend, die Brechstange auspacken würde. Doch auch jetzt wirkte
der Engländer so, als wolle er nicht alles auf eine Karte setzen. Der
Kampf dümpelte dadurch ohne große Höhepunkte vor sich hin. So war es nicht
verwunderlich, dass die Aufmerksamkeit der Beobachter weniger auf den
Kampf gerichtet war, sondern mehr auf eine Beule an Ottkes rechter Stirnseite
die durch einen unabsichtlichen Kopfstoß entstanden war und langsam aber
sicher die Größe eines Golfballs annahm. Man fühlte sich erinnert an die
Deformierung des Kopfes des amerikanischen Schwergewichtlers Hasim
Rahman (BP-Nr. 6) im Kampf gegen seinen Landsmann
Evander
Holyfield (BP-Nr.
10). Spannend war zu diesem Zeitpunkt des Kampfes alleine
noch, zu beobachten, ob die Beule noch zu Tennisballgröße oder weiter
anwachsen würde.
Der Kampf ging erwartungsgemäß über die vollen zwölf Runden. Die Beule
auf Ottkes Stirn entpuppte sich schließlich nicht als "Überraschungsei",
sondern blieb trauriger Höhepunkt in einem ansonsten aufregungsarmen Kampf.
Die Punktrichter werteten den Kampf 115:113, 116:112 und 116:113 für den
Titelverteidiger. In den Augen der meisten Zuschauer fiel dieses Urteil
ein wenig zu knapp aus. Der Autor dieses Berichts wertete den Kampf mit
118:110 zu Gunsten des Titelverteidigers, der niemals in ernsthafte Bedrängnis
kam und den Kampf auf die ihm eigene Art und Weise dominierte. Nach dem
Kampf zollte Starie Ottke Respekt für seine gute taktische Leistung und
zeigte sich beeindruckt von dessen Defensivstärke.
Fazit: Der Kampf verlief wie erwartet. Starie, so schien es, konnte nicht
mehr machen und Ottke wollte nicht mehr tun als nötig. So fragte der Zuseher
sich, warum man einen solchen Mann wie den Briten als Herausforderer engagierte.
Ottkes Manager Wilfried Sauerland hatte darauf später eine Antwort
parat: Von den anderen in Frage kommenden Boxern hatte angeblich keiner
Zeit oder Lust. Andre
Thysse (BP-Nr. 18), der Starie kürzlich deutlich
besiegt hatte, wurde offenbar gar nicht in Erwägung gezogen.
Sven Ottke
bleibt damit Doppelweltmeister der IBF und WBA und sieht laut Aussage
von Wilfried Sauerland eventuell gegen Ende des Jahres einem Kampf gegen
den unumstrittenen Weltmeister im Mittelgewicht Bernard
Hopkins (BP-Nr. 1) aus den USA entgegen. Ob sich
dieser Kampf aber tatsächlich realisieren lässt, bleibt abzuwarten, da
Hopkins wohl nicht in Deutschland boxen würde und Ottke bisher auch keine
Neigungen zeigte, in den USA boxen zu wollen.
Oktay
Urkal vs. Eamonn Magee:
Im
zweiten Hauptkampf der Veranstaltung ging es um die Europameisterschaft
im Halbweltergewicht zwischen dem 33-jährigen Berliner Türken und Titelträger
Oktay Urkal
(Foto, BP-Nr.
5) und dem im Vorfeld als gefährlich eingestuften
31-jährigen Herausforderer Eamonn
Magee aus Nordirland.
In den ersten Runden zeigten sich die beiden Kontrahenten noch etwas verhalten
mit leichten Vorteilen für Urkal. Der "Ali von Kreuzberg" kam mit schnellen
Links-Rechts-Kombinationen vereinzelt zum Kopf seines Gegners durch, was
sich in einer Schwellung des linken Auges des Nordiren bemerkbar machte.
Der Rechtsausleger Magee hingegen versuchte, den Berliner mit rechten
Kopfhaken zu treffen, was allerdings auf Grund der schnellen Meidbewegungen
des Europameisters weitgehend erfolglos blieb. Der Nordire trat äußerst
verbissen auf und machte sich hauptsächlich durch einige kleine Fouls
bemerkbar. Ursache waren die allgemein bekannten Showeinlagen Urkals,
durch welche sich der Mann aus Belfast anscheinend provozieren ließ.
So startete der in irischen Nationalfarben angetretene Herausforderer
auch äußerst energiegeladen in die fünfte Runde, jedoch ohne ein überzeugendes
Konzept zu verfolgen. Der Kreuzberger ließ sich nicht bedrängen und konterte
die schnellen Angriffe seinerseits mit einem schönen rechten Kopfhaken,
der den Herausforderer sichtlich beeindruckte. Der Mann von der grünen
Insel war nun äußerst emotional und ließ sich, anscheinend ein wenig frustriert,
zu unfairen Attacken hinreißen, welche in einem Tiefschlag in der sechsten
Runde gipfelten.
Die Frustration Magees spiegelte den Kampfesverlauf der ersten sechs Runden
wider. Urkal hatte den Kampf in der ersten Kampfeshälfte jederzeit im
Griff und schien im Gegensatz zu seinen Leistungen in den vorherigen Kämpfen
an diesem Tage motiviert und konzentriert.
Gegen
Beginn der zweiten Hälfte des Gefechts verringerte der Europameister ein
wenig das Tempo, woraufhin er die siebten Runde abgab. Der Nordire witterte
nun Morgenluft und begann seine Aggressivität zu steigern. So konnte er
Urkal in der achten Runde mit einem schönen linken Haken zum Kopf klar
treffen. Urkal (Foto aus dem Kampf gegen Tszyu) besann sich darauf
und erhöhte seinerseits das Tempo wieder. Mit dem Schlussgong gelang dem
Titelverteidiger ebenfalls ein schöner Kopfhaken, worüber sich der Herausforderer
sichtlich ärgerte.
Runde neun verlief ohne besonderen Höhepunkte mit Vorteilen für Magee,
der von einer vorübergehenden Passivität des Deutsch-Türken profitierte,
ohne jedoch klare Treffer zu setzen. Der klare Treffer gelang dann dem
Berliner zu Beginn der zehnten Runde, als er mit einer Links-Rechts-Kombination
sichtlich Wirkung bei seinem Gegner erzielen konnte. Die Runde wurde von
Urkal dominiert. Er konnte sie dennoch nicht auf den Punktezetteln verbuchen,
da er kurz vor dem Gong kurzzeitig die Balance verlor und ohne Schlagwirkung
mit dem Knie den Boden berührte. Der Ringrichter wertete dieses Niedergehen
des Titelträgers unverständlicherweise als Niederschlag und zählte ihn
an.
In der folgenden Runde gelangen beiden Kontrahenten schöne Treffer mittels
Eins-Zwei-Kombinationen, wobei der Nordire aggressiver wirkte und die
Runde gewann. Dieser Rundengewinn kam zu spät für Magee, der zu Anfang
der letzten Runde nach Punkten zurücklag. Der Europameister brachte schließlich
auch diese letzte Runde gegen einen immer gefährlichen und harten Gegner
nach Hause. Am Ende werteten die Punktrichter den Kampf mit 116:112, 116:112
und 116:113 richtigerweise für Oktay
Urkal, den alten und neuen Europameister
im Halbweltergewicht.
Fazit:
Dieser Kampf entschädigte durch die Schnelligkeit und Aggressivität der
beiden Kontrahenten für die langweilige Darbietung im vorhergehenden Kampf
zwischen Ottke und Starie. Urkal knüpfte phasenweise an seine Leistungen
aus dem Kampf gegen den unumstrittenen Weltmeister in diesem Gewichtslimit
Kostya
Tszyu (Foto, BP-Nr.1), an und gewann am Ende verdient gegen
einen äußerst engagierten und jederzeit gefährlichen Eamonn Magee, der
seinem Status als Herausforderer alle Ehre machte.
Rahmenprogramm:
Im
Rahmenprogramm der Magdeburger Veranstaltung stand der Kampf um die Deutsche
Meisterschaft im Schwergewicht an. In einem rein hessischen Duell trafen
der mittlerweile 40-jährige Titelträger Andreas
Sidon aus Gießen und der zehn Jahre jüngere Frankfurter Willi
"De Ox" Fischer (Foto) aufeinander. Für Sidon stellte der
Kampf seine zweite Titelverteidigung dar, während Fischer im dritten Anlauf
die deutsche Meisterschaft erringen wollte, nachdem er in den beiden Versuchen
zuvor Niederlagen gegen Timo
Hoffmann und Kim
Weber einstecken musste.
Der Beginn des Kampfes wurde von beiden Boxen sehr verhalten und abtastend
geführt. In der zweiten Runde gelang es dann dem Herausforderer, mit seinem
linken Jab gefolgt von knackigen rechten Geraden die Distanz zu überbrücken.
Dabei wies die Deckung Sidons teilweise Lücken auf, die sich der Frankfurter
zu Nutze machte. Der Titelträger seinerseits verschlief den Beginn des
Kampfes ein wenig.
In Runde
vier kam Fischer wiederum mit einer Kombination zum Kopf seines Gegners
durch. Daraufhin antwortete der Gießener gegen Ende der Runde mit einer
schönen rechten Hand zum Kopf des Herausforderer, die deutlich Wirkung
hinterließ. Inspiriert von diesem Wirkungstreffer fand Sidon (Foto)
nun besser ins Gefecht und versuchte, seinem Gegner im Infight zuzusetzen.
Der Höhenflug des Deutschen Meisters fand ein Ende zum Schluß der siebten
Runde. Jetzt gelang es Fischer wieder, deutliche Treffer zu landen und
Sidon war nach einem Leberhaken des Frankfurters, gefolgt von einer Rechten
zum Kopf und erneut einem linken Haken zum Körper, sichtlich angeschlagen.
Allerdings war es Fischer nicht möglich, seinen Kontrahenten nun vorzeitig
zu besiegen. Im Gegenteil bewies der Titelträger trotz seines Alters erstaunliche
konditionelle Fähigkeiten und entschied die letzten beiden Runden für
sich. Dieses letzte Aufbäumen des kampferprobten Gießeners reichte jedoch
nicht mehr aus, um den Kampf noch einmal umzubiegen. Die Punktrichter
werteten den Kampf mit 96:94, 98:92 und 99:91 für den neuen Deutschen
Meister im Schwergewicht Willi Fischer, wobei die letzten beiden Wertungen
wohl zu hoch ausfielen.
In einem weiteren Kampf trat der von Manfred Wolke trainierte talentierte
Halbschwergewichtler Kai
Kurzawa aus Frankfurt/Oder auf, der seinen Gegner Jenö
Novák aus Ungarn bereits in der ersten Runde mit
zwei rechten Händen zum Körper zu Boden brachte. Das Ende des überforderten
Ungarn folgte noch in derselben Runde, als der Brandenburger mit einem
Leberhaken durchkam und seinen Gegner so hart traf, dass dieser ausgezählt
wurde. Sieger somit Kai Kurzawa durch K.O. in der ersten Runde.
Dem Supermittelgewichtler Malik
Dziarra aus Magdeburg gelang ein TKO-Sieg in der zweiten Runde
über den Tschechen Pavel
Habr. Dieser sprang in letzter Minute als Ersatzgegner
für den Mexikaner Eduardo
Gutierrez ein, der nicht beim Wiegen erschien. Dziarra
profitierte im Kampf von einer Augenverletzung Habrs, die diesen zur Aufgabe
zwang.
Weitere Ergebnisse:
Vedran Akrap W4 Mickey Quinn
Kevin O´Hara W4 Piotr Niesporek
Jan Zaveck TKO 2 Artur Drinaj
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