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Pflichterfolg von Ottke, überraschender TKO-Sieg für Hoffmann gegen Sauer
von M. Kurt Saygin


In einem sehr einseitigen und daher wenig spannungsgeladenen Kampf besiegte der IBF-Supermittelgewichtsweltmeister Sven Ottke seinen chancenlosen Herausforderer aus Australien, Rick Thornberry, in der mit 8000 Plätzen seit Wochen ausverkauften Bördeland-Halle in Magdeburg. Alle drei Ringrichter werteten nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten (120:108) für den alten und neuen Weltmeister.

Der Australier Thornberry, der im Vorfeld des Kampfes von der Sauerland Box-Promotion als "äusserst zäh" angepriesen und von der IBF-Weltrangliste auf Platz 15 eingestuft wurde, liegt auf der unabhängigen (IBO) Computerweltrangliste auf dem weit realistischeren und den Kampfverlauf eher wiedergebenden 49. Platz (zum Vergeich: Sven Ottke ist auf dem zweiten Platz).

Der von Danny Nelson (USA) geleitete Kampf begann mit zwar energischen, aber keinesfalls besonders eleganten Attacken seitens des Herausforderers. Thornberry, der keinen einzigen Amateurkampf vor Beginn seiner Profi-Karriere aufzuweisen hat, fiel durch einen unorthodoxen Schlagstil auf: Nicht nur, dass er beide Innenhände in Richtung des Gegners hielt, er drehte die linke Schulter bei den Jabs auch ungewöhnlich weit nach vorne. Dies mag eine Auswirkung der mangelnden Amateurschule sein.

Die etwas ungelenkigen Angrife des Australischen Meisters im Halbschwergewicht (1993) wurden in den ersten beiden Runden mit schnellen und gezielten Kontern des Weltmeisters beantwortet. Bis auf ein "Aufspringen" Ottkes auf den zu weit nach unten gebeugten Herausforderer in Runde zwei verliefen die Runden ohne besondere Vorkommnisse und gingen aufgrund der klareren Treffer beide an den Titelverteidiger.

Ab der dritten Runde begann "Das Phantom", das Tempo deutlich zu erhöhen. Der Herausforderer, der absolut kein Mittel gegen diesen schnellen Mann finden konnte, geriet zunehmend unter Druck. Seine Nervosität war ihm zudem deutlich anzusehen. Der Australier fintierte zuviel und agierte zu verhalten. Die Ungleichheit des Kampfes konnte man auch anhand der in Runde vier ermittelten Schlagstatistik erkennen, die bis dahin nicht einen einzigen Treffer an den Australier vergab.

Fast jeder Versuch eines Angriffs des Siegers der WBO-Pan-Asien-Meisterschaft (1997, 1998) lief entweder ins Leere oder der Australier wurde anschließend vom Schützling Ulli Wegners mit Schlägen nur so eingedeckt. Tatsächliche Treffer hatten Seltenheitswert. Als unerfreulich muss hingegen der zeitweise festzustellende Rückfall Ottke's in seinen alten Stil der risikolosen Defensive konstatiert werden. Zudem beschwerte sich der Karlsruher wieder einmal zu oft beim Ringrichter über unsaubere Aktionen im Infight, die er teilweise selbst zu verantworten hatte.

Ottke diktierte jedoch den Kampf, er bestimmte ihn, er spielte mit dem chancenlosen Herausforderer, der auch in den folgenden Runden keine klaren Aktionen anbringen konnte. Der Weltmeister hingegen konnte sein gesamtes Schlagrepertoire anwenden. Thornberry hatte, abgesehen von ein paar Kopfstößen und Ellenbogen, nicht einmal eine kleine Gelegenheit, dem klar überlegenen Sven Ottke gefährlich zu werden. Der Kampf hätte nicht einseitiger verlaufen können. Der Australier hatte es wohl nur der mangelnden Schlagkraft Ottkes zu verdanken, dass der Kampf überhaupt über die volle Distanz ging.

Am Ende des WM-Duells, das ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle verlief, punkteten alle drei Punktrichter des Kampfgerichts: John Wright (Australien), Luca Montella (Italien) und Arno Pokrandt (Deutschland) jeweils mit 120:108 für den IBF-Titelverteidiger. Diese Wertung deckt sich mit dem BP-Punktzettel.

Nach dem Kampf zeigte sich der Weltmeister zufrieden mit seiner Vorstellung. "Ich habe mir den Kampf so vorgestellt. Ich wusste, dass Thornberry physisch sehr stark ist und den Kampf sucht. Ich bin schnell rein und raus gegangen - das ist eben mein Boxstil und den lieben die Leute hier," so Ottke. Als nächster Gegner wartet nun die Nummer eins der IBF-Weltrangliste, Thomas Tate aus den USA, am 1. Juni in Nürnberg auf Ottke. Gegen diesen hatte er im Juni 1999 in Magdeburg schon einmal knapp gewonnen. Gelingt ihm ein erneuter Sieg, winkt dem 34-Jährigen gegen Ende des Jahres ein Titelvereinigungskampf gegen Byron Mitchell, den aktuellen WBA-Weltmeister.

Im Rahmenprogramm der Veranstaltung in Magdeburg gewann die "deutsche Eiche" Timo Hoffmann mit einer überzeugenden Leistung den internationalen deutschen Meistertitel im Schwergewicht gegen Titelträger Balu Sauer. Dieser zweite Hauptkampf des Abends verlief weit spannungsgeladener und barg auch von den Umständen her weit mehr Brisanz.

Bei den letzten Schwergewichts-Begegnungen zwischen den beiden großen Boxställen in Deutschland, Sauerland und Universum, musste ersterer zwei herbe Niederlagen einstecken. Sowohl Timo Hoffmann, als auch Axel Schulz unterlagen bei ihren Begegnungen mit den Klitschko-Brüdern aus dem Universum-Stall. Diese Scharte sollte an diesem Abend ausgewetzt werden. Für Sauerland Box-Promotion kämpfte erneut Timo "Die Deutsche Eiche" Hoffmann, der nach persönlichen Differenzen mit seinem Trainer Ulli Wegner zum Team von Manfred Wolke wechselte und nun seinen zweiten Kampf unter der Betreuung des Ex-Maske-Trainers bestritt.

In der roten Ecke hingegen stand der bisher ungeschlagene Universum-Boxer und gebührtige Russe Zaur Abdulgamidov alias Balu Sauer, der seinen IDM-Titel, den er im letzten Jahr gegen Andreas Sidon durch einen Punktsieg gewann, zum ersten Mal verteidigen sollte. Desweiteren wurde um den IBF-Interkontinental-Titel gekämpft.

Nach einer auffallend kurzen und knappen Ansprache von Ringrichter Arno Pokrandt begann der Kampf mit sich zeitlich abwechselnden Kombinationen beider Boxer, von denen der größte Teil auf der jeweils gegnerischen Deckung landete. Hoffmann, der aus seiner gewohnten Doppeldeckung heraus agierte, konnte in dieser Runde gerade mit seinen Jabs und Links-Rechts-Kombinationen die besseren Schläge ins Ziel bringen. Die erste Runde ging daher an ihn.

In der zweiten Runde erhöhte der jetzt selbstsicherer gewordene Hoffmann deutlich das Tempo und brachte bereits in der ersten Hälfte einen Aufwärtshaken an, der dem IDM-Titelträger sichtlich imponierte. Die Beinarbeit ließ bei beiden Boxern stark zu wünschen übrig. Die meiste Zeit standen sie statisch in der mittleren Distanz und entschieden den Kampf über den hier durchaus angebrachten alten Begriff "Faustfechten".

Gegen Ende der zweiten Runde drehte sich Balu Sauer nach einer Serie von Wirkungstreffern das erste Mal vom Kampfgeschehen weg. Hier hätte Pokrandt bereits anzählen können. Ein erster kleiner Cut am rechten Auge Sauers wurde sichtbar, der zwar noch versuchte die Runde herumzureißen, jedoch kein Mittel gegen die stabile Doppeldeckung Hoffmanns fand. Auch diese Runde ging klar an den Herausforderer aus dem Sauerland-Stall.

In den beiden darauffolgenden Runden machten sich beim Titelverteidiger, der immer wieder die Deckung ganz fallen ließ, um sich auszuruhen, deutliche Ermüdungs- und Verletzungserscheinigen sichtbar. Das rechte Auge war bereits fast zugeschwollen und es entstanden weitere kleine Cuts um die Nase herum. Der Rundengewinner beider Runden hiess erneut Timo Hoffmann, der sich in der Defensive ruhig und abwartend präsentierte und im Vorwärtsgang sehr entschlossen und zielstrebig wirkte. Die Effizienz seiner Angriffe war ebenfalls beeindruckend.

In der fünften Runde fand der gebürtige Russe aus Dagistan wieder besser in den Kampf zurück und konnte seinerseits gute Treffer anbringen. Die Runde verlief relativ ausgeglichen und könnte aufgrund des Champion-Bonus an Sauer gegangen sein. Der Titelverteidiger wollte seinen Gürtel offensichtlich nicht widerstandslos abgeben.

Auch in der sechsten Runde machte Sauer den besseren Kampf, drehte sich jedoch gegen Ende der Runde nach einem Wirkungstreffer Hoffmann's zum wiederholten Male ab und wurde dafür in der Ringpause sowohl von seinem Trainer Michael Timm, als auch vom Referee Pokrandt zurechtgewiesen. Pokrandt kündigte an, den Kampf beim dritten Wegdrehen abzubrechen.

In der siebten Runde kam es dann so, wie es sich bereits abgezeichnet hatte. Der Titelverteidiger, der die Runde wieder gut begonnen hat, musste gegen Mitte der Runde schwere Konterschläge vom nun müder wirkenden Herausforderer einstecken und drehte seinem Gegenüber zum dritten und letzten Mal den Rücken zu. Der Ringrichter beendete daraufhin zu Recht den Kampf, womit der Internationale Deutsche Meister- sowie der IBF-Interkontinentalmeistertitel an den überglücklichen, gelernten Konditor aus dem Sauerlandstall überging.

Das offizielle Urteil lautete: Sieger durch TKO nach 1:26 der siebten Runde: Timo Hoffmann.

Resümierend kann man sagen, dass der Trainerwechsel dem sympathischen Schwergewichtler durchaus gut getan hat. Für einen Rückkampf gegen Vitali Klitschko oder eine Herausforderung des Europameisters Luan Krasniqi, die sein Trainer Manfred Wolke ansprach, hat sich der neue IDM-Titelträger mit diesem Kampf zwar noch nicht qualifiziert, aber mit 27 Jahren hat Hoffmann noch genug Zeit und die Zeichen stehen bei Fortsetzung der beobachteten Tendenz gar nicht einmal schlecht.

Die weiteren Ergebnisse aus Magdeburg im Überblick:

1. Kampf im Halbschwergewicht über 6 Runden:
Pavel Zima vs. Malik Dziarra: Sieger Dziarra durch technischen K.o. 4. Runde. Dziarra hinterliess wie schon in seinen bisherigen Profikämpfen einen hervorragenden Eindruck und sollte auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten werden. Der Halbschwergewichtler verfügt über ausreichend Schlagkraft, Schnelligkeit und eine gute boxerische Ausbildung.

2. Kampf im Halbschwergewicht über 8 Runden:
Bert Schenk vs. Mugurel Sebe: Sieger Schenk durch K.o. 4. Runde. Schenk tat sich in den Anfangsrunden etwas schwer mit dem unbequemen Sebe, legte am Ende jedoch zu und setzte dem Gefecht mit einem seiner gefürchteten Körperhaken ein vorzeitiges Ende.

3. Kampf im Mittelgewicht, WBC-Internationale Meisterschaft über 12 Runden:
Sean Sullivan vs. Jerry Elliott: Sieger Elliott (einstimmig) nach Punkten. Ungefährdeter und souveräner Punkt-Erfolg für Elliott (119-109, 118-109 und 120-107), der schon seit geraumer Zeit einen WM-Kampf erhalten soll, doch angesichts mangelnder Schlagkraft noch nicht genug Aufsehen erregen konnte.

4. Kampf im Halbschwergewicht über 6 Runden:
Bruce Özbek vs. Robert Stieglitz: Sieger Stieglitz (einstimmig) nach Punkten. Für den aus Russland stammenden Stieglitz gilt dasselbe wie für Malik Dziarra - man sollte ihn im Auge behalten. Gegen den Ex-Kickbox-Champion Özbek spielte Stieglitz, der aus dem Boxstall von Ulf Steinforth stammt, seine boxerische Überlegenheit klar aus.

5. Kampf im Schwergewicht über 6 Runden:
Roman Bugaj vs. Cengiz Koc: Sieger Koc nach Punkten. Der Reaktion des Magdeburger Publikums nach zu urteilen, hatte Koc mit dem austrainierten und ambitionierten Bugaj in den sechs Runden mehr zu tun, als ihm lieb sein konnte. Die Zuschauer quittierten den Punktsieg des Schwergewichtlers aus dem Sauerland-Stall mit Pfiffen. Bugaj war der erste bessere Aufbaugegner für Koc, der es aufgrund seiner geringen Körpergröße wohl schwer haben dürfte, in der höchsten Gewichtsklasse Fuss zu fassen.

6. Kampf im Schwergewicht, IBF-Intercontinental Meisterschaft und Internationale Deutsche Meisterschaft über 12 Runden:
Balu Sauer vs. Timo Hoffmann: Sieger Hoffmann durch technischen K.o. 7. Runde

7. Kampf im Super-Mittelgewicht, IBF-Weltmeisterschaft über 12 Runden:
Rick Thornberry vs. Sven Ottke: Sieger Ottke (einstimmig) nach Punkten

8. Kampf im Super-Mittelgewicht, WBA-Internationale Meisterschaft über 12 Runden:
Sidney Msutu vs. Nordin Ben-Salah: Sieger Nordin (einstimmig) nach Punkten. Im letzten Kampf des Abends kam es zum dritten Aufeinandertreffen zwischen Msutu und "Fighting Nordin". Den ersten Kampf hatte Nordin im vergangenen Jahr noch knapp nach Punkten gewinnen können, im zweiten Duell siegte Msutu durch Knockout. An diesem Samstag hatte wiederum Nordin die Punktrichter auf seiner Seite (115-114, 116-112 und 117-112) und dürfte seine für ihn überraschende Niederlage wieder gerade gerückt haben.


 

 
     

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