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Manny Pacquiao
vs.
Erik Morales II
von Benni
Vivacqua
Das mit Spannung erwartete Rematch zwischen Erik
Morales (BP-Nr. 6 im Leichtgewicht) und Manny
Pacquiao (BP-Nr. 2 im Superfedergewicht, Foto) hat
die nach dem sehr guten ersten Kampf ohnehin hohen Erwartungen der Fans
noch übertroffen. Schon in der dritten Woche des Boxjahres 2006 boten
die beiden Kontrahenten im Thomas & Mack Center in Las Vegas, Nevada,
vor knapp 15.000 begeisterten Zuschauern eine Vorstellung, die in der
Auswahl zum “Kampf des Jahres“ sicher einen Platz finden wird.
Erik Morales gewann das erste Aufeinandertreffen der beiden Boxer im März
vergangenen Jahres durch eine sehr knappe, jedoch verdiente Punktentscheidung.
Nach seinem Ausflug ins Leichtgewicht, die mit einer überraschenden,
klaren Punktniederlage gegen Zahir
Raheem (BP-Nr. 5 im Leichtgewicht) bestraft wurde,
hatte der 29-Jährige nun etwas gutzumachen. Manny Pacquiao hatte
nach der Niederlage gegen Morales zwar Hector Velazquez klar
durch TKO besiegt, doch auch er dürfte überaus motiviert in
dieses Gefecht gegangen sein, hatte er doch zu beweisen, dass das Superfedergewicht
nicht eine Nummer zu groß für ihn ist.
Bereits im ersten Durchgang bekamen die Zuschauer heftige Schlagabtausche
geboten. Während Morales seine Aktionen mit dem sehr effektiven linken
Jab vorbereitete, versuchte Rechtsausleger Pacquiao zunächst, mit
überfallartig über die Innenbahn geschlagenen Linken zum Erfolg
zu kommen. Etwa eine Minute vor Ende der Runde brachte Morales erstmals
seine harte rechte Schlaghand unter und erzielte deutlich Wirkung bei
seinem Gegner, der sich in die Seile flüchtete und nur knapp einem
Niederschlag entging. In Runde zwei erhöhten beide Kämpfer das
Tempo noch. Pacquiao kam nun ein ums andere Mal mit seiner Linken ins
Ziel und 50 Sekunden vor Ende der Runde krachte ein solcher Treffer an
den Kinnwinkel von “El Terrible“, der einen Niederschlag nur
vermeiden konnte, indem er sich rückwärts taumelnd ans Ringseil
klammerte.
In den Durchgängen drei bis fünf schien Morales das Duell unter
Kontrolle zu bekommen. Der 1,72 Meter große Mann aus Tijuana nutzte
seine wesentlich größere Reichweite gegenüber dem fünf
Zentimeter kleineren Philippiner nun sehr geschickt aus. Sein harter Jab
störte die Aktionen von “Pac Man“ schon im Ansatz, und
wenn dieser die Distanz mit der Brechstange überwinden wollte und
in seinen Gegner hineinfiel, konterte ihn Morales mit harten Rechten aus.
Im sechsten Durchgang kam Pacquiao dann wie verwandelt aus der Ecke. Endlich
brachte er nun auch seine Rechte, die er abwechselnd als Jab oder Haken
schlug. Dabei variierte er sehr schön zu Kopf und Körper, was
Morales die Einstellung auf seinen bis dahin leichter auszurechnenden
Gegner erschwerte. Nach knapp einer Minute der Runde feuerte “Pac
Man“ eine Kombinationen aus sieben Schlägen ab. Morales stellte
sich dem Schlagabtausch, war dem Handspeed von Pacquiao jedoch nicht gewachsen.
Ein rechter Uppercut und diverse linke Geraden ließen die Nase des
Mexikaners grotesk anschwellen. Wenige Sekunden vor Rundenende kassierte
Morales erneut härteste Treffer, die ihn mit dem Rundengong zunächst
in die Seile, dann gegen den Körper von Ringrichter Kenny
Bayless fallen ließen, was einen Bodenbesuch verhinderte.
In den Runden sieben bis neun bäumte sich Morales gegen den nun wie
entfesselnd kämpfenden Pacquiao immer wieder in sehr guten Zwischenspurts
auf, doch sein zwei Jahre jüngerer Gegner hatte immer einige Hände
mehr im Ziel. In den Rundenpausen ließ sich ein völlig erschöpft
aussehender Morales die müden Beine massieren, auf denen er nun zunehmend
ein statisches Ziel für den immer noch topfit wirkenden Pacquiao
bot. Einige Male schien ein Niederschlag nahe, doch die enormen Nehmerfähigkeiten
von Morales verhinderten dies vorerst. Im zehnten Durchgang war es dann
soweit. Nach einem wilden, von Pacquiao dominierten Schlagabtausch ging
Morales 53 Sekunden vor Ende der Runde zu Boden, weitere 20 Sekunden später
war der Kampf nach dem zweiten Niederschlag beendet.
Für Manny Pacquiao war es ein großer Sieg in einem großen
Kampf. Erik Morales muss sich nun neu positionieren. Zwar ist der Mexikaner
erst 29 Jahre alt, doch in Gesprächen mit seinem Team muss nun analysiert
werden, ob “El Terrible“, der seit vielen Jahren nur gegen
die Besten antritt, in den vielen harten Gefechten zuviel Substanz gelassen
hat und sich eine Fortsetzung der Karriere empfiehlt.
Sonntag,
22. Januar 2006
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