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Paquiao stoppt Solis

Von Stefan Strehler


Der beste Beweis dafür, dass ein WM-Titel nicht die Qualität eines Boxers ausmacht, fand sich am Samstag im Alamodome von San Antonio in Texas, USA, ein. Der momentan wohl von seinem Boxstil her attraktivste Faustkämpfer dieses Planeten, Manny Pacquiao (Foto oben) von den Philippinen, traf hier auf den bis dahin ungeschlagenen Mexikaner Jorge Solis im Kampf um den internationalen Titel des Verbandes WBC im Superfedergewicht.

Während Pacquiao in den letzten Jahren die Weltelite des Feder- und Superfedergewichts geboxt hatte, war es für Solis das erste Gefecht auf diesem Niveau. Erstaunlich gut präsentierte sich der 27-Jährige in den Anfangsrunden und stellte Pacquiao mit seinen Reichweitenvorteilen und seiner Beweglichkeit zunächst vor Probleme. Zwar zeigte sich der Rechtsausleger von den Philippinen gewohnt aggressiv, doch anders als gegen Erik Morales gelang es ihm nicht, seinen Kontrahenten bereits in den ersten Durchgängen mit Wirkungstreffern zu beeindrucken. Jorge Solis, der Bruder des IBF-Weltmeisters im Juniorfliegengewicht, Ulises Solis, schaffte es häufig, unter den Kombinationen des schlagstarken Superstars hinwegzutauchen, bzw. ihnen mit Rück- oder Seitwärts-Manövern auszuweichen. Zudem verstand es der Mexikaner, mit eigenen Kombinationen zu punkten, ohne aber Wirkung bei Pacquiao erzielen zu können. Der Philippino erhöhte in den Runden drei und vier merklich das Tempo, doch auch ihm gelang es nicht, Schlagwirkung bei Solis zu erzielen. Mitte des fünften Durchgangs hatte Solis seine besten Momente, als er Pacquiao mit der Rechten an die Seile zurücktrieb und ihn dort mit Kombinationen eindeckte. Der Rechtsausleger zeigte sich jedoch unbeeindruckt und gegen Ende der Runde war es der von Freddie Roach trainierte Fighter, der seinen Gegner an die Ringbegrenzung drängte und ihn dort mit Schlagsalven bearbeitete.

In Durchgang sechs nach ca. 30 Sekunden folgte dann die Schlüsselszene des Kampfes. Nach einem unabsichtlichen Zusammenprall mit den Köpfen war bei Pacquiao ein Riss über dem linken Auge entstanden. Diese Verletzung schien den Krieger in Pacquiao geweckt zu haben. Der Philippino verschärfte nun nocheinmal deutlich das Tempo und konnte mehrmals Wirkung bei Solis erzielen. Ein Bodenbesuch von Solis noch im gleichen Durchgang wurde vom Ringrichter jedoch nicht als Niederschlag gewertet. Auch in Runde sieben trumpfte Pacquiao groß auf, augenscheinlich darauf aus, das vorzeitige Ende zu erzwingen. Solis zeigte sich beeindruckt und im achten Durchgang, nach knapp einer Minute musste er nach einer Schlagsalve seines Kontrahenten erneut zu Boden. Zwar stand er rechtzeitig wieder auf den Beinen und zeigte die Bereitschaft zum Kampf an, doch der Wille des Südamerikaners war gebrochen. Nur kurz nachdem der Kampf wieder aufgenommen war, gelang es Paquiao erneut hart mit seinen Kombinationen durchzukommen und seinen Gegner auf die Bretter zu schicken. Und dieses Mal ließ sich der Mexikaner wohlweislich von Ringrichter Vic Drakulich auszählen. Der Sieger durch technischen KO in Runde acht hieß somit Manny Pacquiao.

Im Rahmenprogramm des Kampfes zwischen Manny Pacquiao und Jorge Solis fand auch die Weltmeisterschaft des Verbandes WBC im Juniorfliegengewicht zwischen Edgar Sosa aus Mexiko und Brian Viloria aus den Vereinigten Staaten von Amerika statt. Viloria hatte den Titel bereits einmal inne gehalten, verlor ihn aber im August 2006 an Sosas Landsmann Omar Nino Romero. Auch im Rückkampf mit Romero drei Monate später kam Viloria zunächst nicht über ein Unentschieden hinaus, doch da Romero den anschließenden Doping-Test nicht bestehen konnte, wurde das Resultat in einen No Contest (Kampf ohne Entscheidung) geändert und der Gürtel des Weltmeisters für vakant erklärt. Für Viloria war es nun also die Gelegenheit, sich gegen Sosa den Titel erneut zu holen. Entsprechend motiviert zeigte sich der in Honolulu auf Hawaii geborene 26-Jährige. Nach zwei Dritteln der Distanz hatte sich Viloria einen leichten Punktevorsprung herausgearbeitet. Doch in den entscheidenden Durchgängen drehte der Mann aus Mexiko auf und wendete das Blatt. Hauchdünn in einer Mehrheitsentscheidung sicherte sich der 27-Jährige den WM-Titel. Während ein Punktrichter den Kampf mit 114:114 unentschieden sah, bevorzugten die beiden anderen Wertungen Sosa mit jeweils 115:113.
Montag, 16. April 2007


 
     

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