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Pavlik schlägt Taylor erneut
von Sebastian Gutknecht
Zu einem mit Spannung erwarteten Rückkampf und frühem Kandidaten
für den Kampf des Jahres kam es am vergangenen Samstag im MGM Grand
in Las Vegas, Nevada. Kelly
Pavlik (auf Foto links) hatte im September des letzten
Jahres einen beeindruckenden Sieg über den damaligen Mittelgewichtsweltmeister
Jermain
Taylor (auf Foto rechts) feiern können. Der
Mann aus Ohio kam von einem Bodenbesuch zurück in den Kampf und gewann
durch technischen KO in Runde sieben. Das zweite Duell fand in einem so
genannten „Catchweight“ von 166 amerikanischen Pfund statt.
Nachdem sich die beiden Amerikaner 2007 einen der spektakulärsten
Kämpfe des Jahres geliefert hatten, gingen wohl die wenigsten Boxbeobachter
von einem Duell über die vollen zwölf Runden aus. Sollte es
doch über die Distanz gehen, konnte sich der Ex-Weltmeister gute
Chancen ausrechnen, lag er doch beim ersten Aufeinandertreffen zum Zeitpunkt
des Abbruchs noch klar vorne auf den Punktezetteln. Einen Punktsieg des
25-Jährigen aus Youngstown hätten wohl die wenigsten erwartet
und doch lag „The Ghost“ diesmal bei allen drei Punktrichtern vorne.
Der 1,90 Meter große Pavlik startete besser in den Kampf als beim letzten Mal und konnte die erste Runde durch seine höhere Aktivität für sich entscheiden. Auch ein Fast-KO in Runde zwei blieb ihm an diesem Wochenende erspart. Das Taylor-Camp hatte sich von den sechs Pfund extra, die der Mann aus Little Rock, Arkansas, nicht hatte abspecken müssen, einen Vorteil erhofft. Die Kondition, so glaubte man, war eines der wichtigsten Dinge, die verbessert werden sollten, um dieses Mal erfolgreich zu sein. Tatsächlich schienen die 164 amerikanischen Pfund, die beide Boxer am Vortag auf die Waage brachten, Taylor einen marginalen Vorteil im Vergleich zum ersten Kampf zu verschaffen.
Der 29-Jährige mit den „Bad Intentions“ zeigte verbesserte Ausdauer- und Nehmerfähigkeiten und konnte in den mittleren Runden vor allem durch Konter die härteren Schläge ins Ziel bringen. Seine hervorragende Führhand verpasste dem amtierenden Mittelgewichtsweltmeister früh eine blutige Nase. Kelly Pavlik war zwar zumeist der aktivere Mann, seine Schläge hinterließen jedoch auch mit zunehmender Kampfdauer nicht diese zerstörerische Wirkung wie noch im letzten Jahr. Jermain Taylor verstand es auch viel besser, sich nicht an den Seilen stellen zu lassen und vermied über weite Strecken, wirklich entscheidend getroffen zu werden.
Das änderte sich für einen Augenblick zum Ende der elften Runde, als Pavlik seinen Kontrahenten mit einer harten Rechten zum Körper in Bedrängnis brachte, jedoch zu kurz vor der Pause, um nachsetzen zu können. Die höhere Schlagfrequenz und der ständige Druck Kelly Pavliks forderten jetzt spät ihren Tribut. Taylor, der mittlerweile Schwellungen über beiden Augen hatte, ging ein wenig die Luft aus, so dass sein Gegner die so genannten „Championship Rounds“ für sich entscheiden konnte.
Der Autor dieses Berichts hatte einen engen Kampf gesehen, in dem ein knapper Sieg für beide Boxer oder ein Unentschieden kein Skandal gewesen wäre. Auch die Punktrichter waren sich über die Mehrzahl der Runden uneinig und konnten lediglich bei der ersten und den beiden letzten Runden (alle jeweils 10:9 an Pavlik) auf das gleiche Ergebnis kommen. Das zeigt, wie schwer es war, den richtigen Boxer zum Sieger zu küren. Kelly Pavlik behielt am Ende mit 117:111, 116:112 und 115:113 verdient und eventuell auf einem Punktzettel etwas zu deutlich die Überhand. Er blieb damit ungeschlagen und etablierte sich als einer der Stars des amerikanischen Senders HBO. Im Interview nach dem Kampf verkündete der Mittelgewichtsweltmeister, seinen Titel gegen jeden verteidigen zu wollen, den sein Manager ihm vorsetze. Ein Duell mit dem Iren John Duddy in New York könnte folgen.
Für Jermain Taylor gilt es nun, irgendwo zwischen Supermittel- und Halbschwergewicht Fuß zu fassen. Er konnte seinen Ruf mit dieser beherzten Leistung ein gutes Stück wiederherstellen und ist keineswegs am Ende seiner Karriere angelangt.
Montag, 18.Februar 2008
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