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Povetkin erarbeitet sich WM-Kampf


von Frank Bleydorn und Jörg Dubiel


Im Berliner Tempodrom konnte sich Alexander Povetkin (Foto) in seinem fünfzehnten Profikampf, gegen seinen Kontrahenten Eddie Chambers aus den USA, mit einem einstimmigen Punktsieg durchsetzen. Damit sicherte sich Povetkin das Recht den IBF-Weltmeister im Schwergewicht herauszufordern. Im zweiten Hauptkampf des Abends verteidigte Sebastian Sylvester seinen EM-Titel im Mittelgewicht gegen den Franzosen Francois Bastient.


1. Kampf: Piotr Tomaszek vs. Jürgen Doberstein, Supermittelgewicht, angesetzt auf vier Runden

Seinen ersten Sieg im Lager der Berufsboxer verbuchte Jürgen Doberstein für sich. Doch der Deutsche bekam bereits bei seinem Profidebüt zu spüren, dass man keinen Gegner unterschätzen sollte. Gegen den zuvor sieglosen Piotr Tomaszek begann der erst 18-jährige Supermittelgewichtler mit linken Haken zum Körper furios, doch im Laufe des Aufeinandertreffens gestaltete sich die Aufgabe schwerer als zuvor angenommen. Denn zu Beginn der zweiten Runde überraschte Tomaszek seinen Gegner mit einem rechten Haken zum Kopf. Am Ende des Durchgangs nutzte der inzwischen aggressiver agierende Pole erneut eine Unachtsamkeit des Deutschen in der Deckung und brachte eine Links-rechts-Kombination ins Ziel. In der Folge bekam der von Otto Ramin trainierte Doberstein das Geschehen jedoch wieder besser in den Griff. Nachdem er in der dritten Runde zweimal gut mit der rechten Geraden durchkam, wirkte er auch in der Schlussphase etwas explosiver. Am Ende lag er glücklich nach Punkten vorne.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Jürgen Doberstein

2. Kampf: Henry Weber vs. Olegs Fedotovs, Supermittelgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Ebenfalls in der Klasse bis 76,2 kg fand auch der zweite Kampf des Abends statt. Schon früh im Kampf zeichnete sich ab, dass Henry Weber über die bessere Deckung verfügte. So gelangen dem 19-jährigen Stralsunder im Eröffnungsdurchgang mehrere gute Treffer. Besonders mit seinem rechten Haken konnte er seinen vier Jahre älteren Gegner immer wieder treffen. Der Lette war somit bereits nach der ersten Runde im Gesicht stark gerötet. Doch Olegs Fedotovs zeigte sich in den folgenden Durchgängen als der aktivere Boxer und konnte mit dem Aufwärtshaken vereinzelt gut treffen. Dennoch war es Weber, der die Mehrzahl der Treffer erzielte. Fedotovs erwischte einen guten Start in die vierte Runde, als er mehrere harte Treffer mit der Linken erzielte. Webers Deckung ließ nun vermehrt Schläge seines Gegners hindurch, doch auch der Mann aus Stralsund traf nun häufiger. In den letzten Runden versuchte der Jungprofi seinen lettischen Kontrahenten zu stellen, doch sobald jener die Ringseile in seinem Rücken spürte, kämpfte er sich mit Schlagsalven frei. Letzten Endes oblag das Urteil den Punktrichtern, welche einstimmig Weber zum Sieger erklärten. Der Deutsche bleibt damit auch im sechsten Kampf ungeschlagen.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Henry Weber


3. Kampf: Italo Brussolo vs. Frank Shabani, Weltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Der Berliner Frank Shabani und sein Kontrahent Italo Brussolo schenkten sich schon in der Anfangsphase nichts. Der Italiener bereitete seine Aktionen zunächst mit der Führhand gut vor und lauerte darauf, seine Schlaghand ins Ziel zu bringen. Doch die Rechnung des 29-Jährigen ging nicht auf, da Shabani in der Deckung auf Sicherheit setzte und schwer zu treffen war. In der zweiten Runde überraschte der Schützling von Trainer Otto Ramin seinen Konkurrenten aus Venetien an den Ringseilen mit einer Rechten zum Kinn. Auch danach verbuchte der 25-Jährige mit seinen schnellen Gegenaktionen die besseren Treffer für sich. Im dritten Durchgang stellte Brussolo dann ebenfalls seine Gefährlichkeit unter Beweis, traf mit der Rechten. Dennoch fehlte es ihm in der Folge wieder an Effektivität. So gelangen Frank Shabani auch in Runde fünf mit zwei harten rechten Händen zum Kopf die genaueren Aktionen. In der Schlussphase des Fights übte der Italiener noch einmal großen Druck aus. Doch es gelang ihm fast nie, seinen mit schneller Beinarbeit agierenden Widersacher gefährlich zu stellen. Shabani lag somit nach acht Runden auf den Wertungszetteln der Punktrichter mit 80:72, 80:74 und 80:74 vorne. Doch der Kampfverlauf war nicht so klar, wie es das Ergebnis letztendlich ausdrückte.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Frank Shabani


4. Kampf: Cecilia Brækhus vs. Wanda Pena Ozuna, Juniorweltergewicht, angesetzt auf vier Runden

Im August letzten Jahres hatte Cecilia Brækhus (Foto) nach nur vier Kämpfen ihren Rücktritt wegen mangelnder Motivation bekannt gegeben. Doch ein Vertrag mit dem norwegischen TV-Sender TV2 mag ihr diese zurück gegeben haben. So unterschrieb die in Kolumbien geborene Norwegerin bei Sauerland Event, nachdem sie schon zuvor auf drei Veranstaltungen des Berliner Promoters geboxt hatte. Für Sauerland ist sie damit die erste Dame im Boxstall, was auch ihr Kampfname „First Lady“ verdeutlichen mag. Mit Wanda Ozuna stand ihr am Samstagabend eine Gegnerin gegenüber, die über eine deutlich geringere Erfahrung zu verfügen schien als Brækhus, die bereits als Kickboxerin und Amateurboxerin zu guten Erfolgen kam.

So versuchte Ozuna ihr Glück mit wild um sich wirbelnden Schlägen, welche jedoch nur selten ihr Ziel fanden, während Brækhus mit beiden Händen klare Treffer erzielte. Immer wieder landete die rechte Gerade der 26-Jährigen im Ziel. Die harten Treffer setzten der Dominikanerin sichtlich zu, welche sich nach Ende der dritten Runde tief durchschnaufend in ihre Ecke schleppte. Noch schlechter erging es Ozuna in der vierten Runde. Brækhus gelangte weiterhin mühelos durch die Deckungslücken ihrer Gegnerin, die schließlich wehrlos in den Seilen hing. Nachdem Ozuna weitere klare Treffer einsteckte, nahm sie ihr Trainer aus dem Kampf. Nicht die beste Leistung von Ringrichter Josef Temml, welcher die wehr- und chancenlose Dominikanerin früher aus dem Kampf hätte nehmen können.

Offizielles Urteil: Siegerin durch technischen KO nach 1:47 Minuten in der vierten Runde Cecilia Brækhus


5. Kampf: Michal Hlavka vs. Dustin Dirks, Halbschwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Großen Druck übte der Berliner Dustin Dirks von Beginn an gegen Michal Hlavka aus. Bei seinem Profidebüt setzte der deutsche Halbschwergewichtler dem slowakischen Kontrahenten mit harten linken Führhänden zu und versuchte, die Schlaghand ins Ziel zu bringen. Doch der 23-jährige Gegner hielt zunächst dagegen und sorgte mit rechten Schwingern für Gefahr. In der zweiten Runde hinterließ die aggressive Gangart von Dirks beim Kontrahenten Spuren. Hlavka schien seine inzwischen stark blutende Nase Probleme zu bereiten. Er geriet immer mehr in Bedrängnis. Als der von Otto Ramin trainierte Dirks dann mit einer Linken an den Ringseilen hart zum Kopf durchkam, schien der Slowake angeschlagen. Ringrichter Ingo Barrabas schritt daraufhin ein und brach den Fight nach einer Minute und 46 Sekunden ab.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Runde Dustin Dirks


6. Kampf: Enad Licina vs. Lubos Suda, Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden

Keine leichte Aufgabe hatte Enad Licina zu bewältigen. Der Cruisergewichtler, der sich Manfred Wolke beim Sparring mit Henry Maske empfohlen hatte, sah sich Lubos Suda gegenüber, welcher immerhin einen Sieg über WBA-Weltmeister Firat Arslan zu seinen Erfolgen zählen kann. So agierte der Tscheche auch zu Beginn aktiver, doch es gelang ihm nicht, an der Doppeldeckung Licinas vorbei zukommen. Der aus Montenegro stammende Frankfurter konnte die besseren Treffer für sich verbuchen. Ab der dritten Runde war Licina der aktivere Boxer. Er ließ seine Deckung nun hängen und hielt sich seinen Gegner auf Distanz. Zwar gönnte sich Licina zur Mitte des Kampfes auch Pausen und kassierte den einen oder anderen Treffer, dennoch bestimmte er das Gefecht überwiegend. Erst im siebten Durchgang kam Suda noch mal auf, als er nach mehreren klaren Treffern den Eindruck erweckte, mehr Luft für die Spätphase des Kampfes übrig zu haben. In der Schlussrunde drückten beide Kämpfer noch einmal aufs Gaspedal, doch für Suda kamen die Bemühungen zu spät. Die Punktrichter entschieden mit 80:74, 79:73 und 80:73 auf einen einstimmigen Punktsiegers des Wolke-Schützlings.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Enad Licina


7. Kampf: Blanchard Kalambay vs. Jimmy Kapanov, Cruisergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der 23-jährige Jimmy Kapanov blieb auch in seinem fünften Profikampf ungeschlagen. Der Schützling von Trainer Ulli Wegner überzeugte gegen Blanchard Kalambay (Kongo) zunächst mit genauen Führhänden und rechten Aufwärtshaken. Die zweite Runde schloss der in Georgien geborene Cruisergewichtler mit einer sauberen Linken zum Kopf des Gegners ab. In Runde drei war es wieder die Führhand, die mehrfach traf. Auch danach erkämpfte sich Kapanov Vorteile. Das lag unter anderem an seinem großartigen Deckungsverhalten. So gingen die Angriffe des 25-jährigen Kalambay immer wieder ins Leere. Mit viel Routine und genauen Treffern brachte Jimmy Kapanov seinen Erfolg schließlich mühelos über die Zeit und bekam am Ende einen klaren Punktsieg zugesprochen.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Jimmy Kapanov


8. Kampf: Alexander Povetkin vs. Eddie Chambers, Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Im sogenannten „Final Eliminator“ und ersten Hauptkampf des Abends trafen Sauerland-Boxer „Sascha“ Povetkin und „Fast“ Eddie Chambers (auf Foto links) aufeinander. Beide konnten sich zuvor gegen ihre Kontrahenten des von der IBF veranschlagten Viererturniers durchsetzen. Zu schwach war die Leistung des Herausforderers Ray Austin bei der Pflichtverteidigung von IBF-Weltmeister Wladimir Klitschko. Also entschied man sich beim Weltverband zwei etablierte, in den Ranglisten gut positionierte Boxer – Chris Byrd und Calvin Brock – sowie zwei aufstrebende und talentierte Boxer – Alexander Povetkin und Eddie Chambers – um das Herausforderungsrecht kämpfen zu lassen. Der Olympiasieger von 2004, Povetkin, setzte sich dabei gegen den früheren Weltmeister Chris Byrd vorzeitig durch, während Eddie Chambers knapp nach Punkten gegen Calvin Brock gewann. Wobei angemerkt sein darf, dass Chambers höher hätte gewinnen können, doch die späteren Runden gegen Brock verschenkte er.

Neben knapp fünf Millionen ARD-Zuschauern konnten zeitversetzt auch Zuschauer des US-Senders HBO sich ein Bild von den beiden Schwergewichten machen. Damit war dies der erste Nicht-Klitschko-Kampf aus Deutschland, der bei HBO übertragen wurde. Wobei natürlich Wladimir Klitschkos Rolle als derzeitiger Titelträger eine gehörige Rolle für das Interesse des Fernsehsenders am Ausscheidungskampf spielte.

Beide Boxer erwischten einen ähnlich guten Start in den Kampf. Während Povetkin vornehmlich zum Körper seines Gegners traf, wehrte Chambers mit seiner Doppeldeckung den Großteil der Schläge zum Kopf ab und erzielte bereits im Eröffnungsdurchgang mit einem rechten Haken den besten Treffer der Runde. Doch bereits jetzt zeichnete sich ab, dass „der weiße Löwe“ der aktivere Mann im Ring war. Auch anschließend erweckte „Fast Eddie“ einen eher abwartenden Eindruck, als suche er die Gelegenheit zu Konterschlägen. Doch Schläge kamen von Chambers in der zweiten Runde nur wenige, erst kurz vor Ende agierte er und landete eine hörbar harte Rechte an Povetkins Jochbein. Für die Punktrichter kam nun erstmals die nicht gerade leichte Aufgabe zu, darüber zu entscheiden, wie gewichtig für ihre Wertungen die Qualität und Anzahl der Treffer sein sollte und ob Povetkins größere Aktivität Einfluss haben sollte. Beim russischen Amateur-Star bildete sich bereits eine Schwellung unterhalb des linken Auges. Die Fans des „Philly“-Boxers sahen mit der dritten Runde die bis dahin beste Runde ihres Boxers, als Chambers aktiver wurde und neben Jab- und Körpertreffern auch mehrmals die rechte Gerade ins Ziel brachte. Povetkin konnte wiederum die vierte Runde ausgeglichener gestalten, als er mehrmals mit der Linken die Doppeldeckung seines Kontrahenten durchdringen konnte, doch jener erzielte weiterhin die klareren Treffer.

Der Kampf war sehr sehr schwer für mich. Ich habe einen ganz anderen Kampf erwartet. Ich habe einen ganz anderen Eddie Chambers erwartet. Ich konnte nichts mit dem anfangen, wie er in den ersten Runden geboxt hat. Ich war am Anfang überrascht, aber damit muss man umgehen. Ich gebe nie auf, ich wollte gewinnen. Ich will immer als Sieger aus dem Ring gehen und deswegen habe ich mein Bestes gegeben und auf meinen Trainer gehört.“ (Alexander Povetkin)

Mit Runde fünf deutete sich eine Wende im Kampf, zugunsten Povetkins an. Chambers wurde zunehmend passiver und zielte nun mehr auf den Körper von Povetkin. Der Russe seinerseits konnte nun öfter den Weg durch die Doppeldeckung Chambers’ finden. In der Pause zur siebten Runde ermahnten daraufhin der Vater und Trainer des US-Boxers, Eddie Chambers Sr., und Co-Trainer Buddy McGirt ihren Schützling mehr zu tun, da er im Begriff sei, nach dem Verlust des Punktevorsprungs, nun auch den ganzen Kampf abzugeben. Doch Chambers konnte dies zunächst nicht umsetzen. Povetkin fand nun öfter die passende Distanz bei links-Rechts-Kombinationen, wenn Chambers sich nach einem Povetkin-Jab zurück lehnte.

„Der Schlüssel zum Kampf war, was er wirklich wollte; wie viel er wirklich wollte. Nach 3,6 habe ich eine Veränderung gesehen und er hat eine Veränderung gefühlt.“ (Trainer Eddie Chambers Sr. über seinen Sohn)

In der achten Runde zeigte der drei Jahre jüngere US-Mann aber wieder steigende Aktivität. Gegen Ende der Runde schaffte er es wieder gute Treffer zum Kopf Povetkins unterzubringen, um so die Runde ausgeglichen zu gestalten. Dennoch, auch Chambers wirkte nun langsam erschöpfter und kassierte mehr Treffer als zu Beginn des Kampfes. Er konnte sich nicht sicher sein, diesen Durchgang gewonnen zu haben. Dann aber konnte „Fast Eddie“ in der folgenden neunten Runde gute Kombinationen laden. Povetkin wirkte nun ziemlich müde, wohl aufgrund des hohen Tempos, das er ging und schüttelte zwischendurch seine Arme aus. Und doch war es der Russe der weiterhin eine deutlich höhere Anzahl an Schlägen abfeuerte und so vielleicht auch verhinderte, dass Chambers öfter aktiv wurde.

„Mit zunehmender Dauer des Kampfes konnte ich meine Kombinationen nicht mehr schlagen, ich hab mich nicht mehr so bewegt, wie ich es hätte müssen. Da hat er aufgedreht und ich konnte ihn nicht aufhalten. Ich werde mich bemühen, mich da zu verbessern.“ (Eddie Chambers)

Dies setzte sich auch in den letzten Runden des Kampfes fort. Obwohl es so schien, als wäre Povetkin total augepowert, beinahe so, als könne er beim nächsten Volltreffer umfallen, so war es der Sauerland-Boxer, der bis zum Schluss ackerte und sich so die letzten Runden sicherte, welche ihm zum Punktsieg noch fehlten. Die sogenannten „Championship Rounds“ wurden von Povetkin geradezu dominiert, als er sich Chambers auf Distanz hielt, diese verkürzte, eine Kombination abfeuerte und sich schnell wieder raus bewegte.

Mit den Wertungen 117:111 von Deon Dwarte, 116:112 von Phil Edwards und den zu hohen 119:109 von Alejandro Lopez ernannten die Punktrichter Alexander Povetkin einstimmig zum Punktsieger. Jener steigt damit auf die Spitzenposition der IBF-Rangliste und darf den Weltmeister bei der nächsten Pflichtverteidigung, vorraussichtlich im Sommer, herausfordern. Wer jedoch Povetkins Gegner sein wird, entscheidet sich erst nächsten Monat. Denn am 23. Februar tritt Wladimir Klitschko zur Titelvereinigung gegen WBO-Weltmeister Sultan Ibragimov an.

„Ich denke da noch gar nicht drüber nach. Es wäre eine große Ehre für mich sowohl gegen den einen, als auch gegen den anderen zu boxen. Der nächste Kampf wird ein komplett anderer sein. Meine Vorbereitung wird so hart und ernst sein wie nie. Diesmal war ich in der Vorbereitung erkrankt. Gegen den Weltmeister werde ich nur in Bestform in den Ring steigen.“ (Alexander Povetkin)

Gewiss kann man schon Spekulationen anstellen. Klitschko gilt als Favorit im Kampf gegen Ibragimov und so sprechen auch schon einige Beobachter davon, dass Povetkin vorzeitig verlieren würde, wenn er gegen den schlagstarken Ukrainer ähnliche Volltreffer kassiert, wie gegen Chambers. Aber es bleibt festzuhalten, dass zwischen dem Boxstil Wladimir Klitschkos und dem von Chambers Meilen liegen. Während Chambers auf kurzer Distanz glänzt, hält Klitschko seinen Gegner lieber auf größerem Abstand.

Eddie Chambers mag auch zukünftig in der Weltspitze oder in deren erweiterten Kreis eine Rolle spielen. Seine schnellen Hände und seine dichte Doppeldeckung werden ihm auch weiterhin zu Gute kommen. Doch an seinen Schwächen, wie der Beinarbeit und der zeitweise niedrigen Schlagfrequenz, bleibt zu arbeiten. Arbeitet er an diesen Mängeln und transportiert zukünftig mehr Offensivgeist in den Ring, so könnte er mit seinem durchaus vorhandenen Talent den Weg zurück in obere Ranglistenbereiche finden.

Erfreulich festzuhalten bleibt, dass das Berliner Publikum einen intensiven und sehr fair geführten Boxkampf zu sehen bekam. Ringrichter Steve Smoger hatte vergleichsweise wenig zu tun.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Alexander Povetkin


9. Kampf: Sebastian Sylvester vs. Francois Bastient, Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Im zweiten Hauptkampf und letzten Kampf des Abends trat Sebastian Sylvester zu einer freiwilligen Verteidigung seines EM-Titels im Mittelgewicht an. Sein Gegner war der Franzose Francois Bastient, welcher auf Platz 19 der Rangliste des europäischen Boxverbandes steht. Ziemlich schnell wurde deutlich, dass der relativ limitiert boxende Franzose nur selten einen Weg durch die Deckung Sylvesters fand. Der Greifswalder seinerseits hatte deutlich weniger Mühe, seine Führhand zu platzieren und konnte auch mit geraden Schlägen seiner Schlaghand das Ziel finden, wodurch sich in der zweiten Runde ein Cut über Bastients linkem Auge öffnete. Die Angriffe von Bastient wirkten oft überfallartig und leicht durchschaubar. Sylvester gelang es, nahezu jede Aktion seines Herausforderers zu erahnen und abzuwehren.

Der Kampf verlief insgesamt wenig spektakulär, da keiner der beiden Boxer ein überdurchschnittliches Tempo anstrebte oder größere Schlagwirkung erzielen konnte. Zwar konnte Sylvester (Foto) immer wieder den Kopf des auf ihn zu kommenden „Warrior“ durchrütteln, doch Bastient steckte jene Schläge gut weg. Lediglich ein linker Körperhaken von Sylvester zwang Bastient in der achten Runde auf die Knie. Erst in den späteren Durchgängen gönnte der Boxer des Berliner „Wiking-Teams“ seinem Gegner mehr Freiräume, in denen Bastient ein paar Körpertreffer unterbringen konnte. Doch am deutlichen Punktsieg Sylvester änderte dies nichts mehr. Sylvester hatte mit 118:109, 119:108 und 120:108 alle drei Punktrichterstimmen auf seiner Seite.

Insgesamt darf man sagen, dass der Schützling von Hartmut Schröder eine souveräne Leistung bot. Er bewegte sich gut auf den Beinen und zeigte mit Körper- und Aufwärtshaken eine größere Variabilität als manch anderer Boxer in Deutschland. Allerdings erweckte sein Gegner aus Frankreich auch den Eindruck, zwei bis drei Klassen zu schlecht zu sein, für einen Boxer, der um eine „Europameisterschaft“ boxt.

Für den „Hurrikan“ bleibt das erklärte Ziel, WBA-Weltmeister Felix Sturm herauszufordern. Wie er dieses Ziel erreichen kann, bleibt noch ungewiss. Zwar konnte Sylvester mit dem Gewinn des „WBA-Intercontinental Title“ einen kleinen Regionaltitel gewinnen, der ihm Aufwind in jener Verbandsrangliste bescheren dürfte, doch die Zukunftspläne Sturms dürften eher bei Rückkämpfen gegen Randy Griffin und Javier Castillejo liegen. Bei Sauerland hofft man auf einen Kampf gegen den Spanier, welcher auch zum Pflichtherausforderer Sylvesters für einen Kampf um dessen EM-Titel ernannt wurde. Doch Castillejo hat bereits gegen Carrera einen Ausscheidungskampf der WBA gewonnen und es ist fraglich, ob er die erneute Chance auf einen WM-Kampf riskieren möchte.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Sebastian Sylvester
Mittwoch, 30. Januar 2008

 
     

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