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Das Profidebüt
- Folge 2: Antonio Tarver


von Patrick Haas

In der ersten Folge beschäftigten wir uns mit dem Profi-Debüt des derzeit besten Boxer der Welt: Floyd Mayweather Jr.. Heute geht es um einen seiner ehemaligen Teamgefährten, der 1996 als größte amerikanische Goldhoffnung bei den Olympischen Spielen in Atlanta galt: Antonio Tarver (Foto oben). Nachdem Tarver als erster amerikanischer Boxer innerhalb eines Jahres bei den US-Meisterschaften, den Pan-Amerika-Spielen und den Weltmeisterschaften triumphiert hatte, schien ihm die Boxwelt zu Füßen zu liegen, doch eine 9:15-Halbfinalniederlage gegen Vassiliy Jirov, den er bei der Weltmeisterschaft noch besiegen konnte, beendete alle olympischen Goldträume. Der „Magic Man“ musste sich mit einer Bronzemedaille begnügen.

Es vergingen acht Jahre, bevor Antonio Tarver wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit trat und diesmal war er der krasse Außenseiter gegen den besten Boxer des Planeten. Roy Jones Jr. hatte gerade den WBA-Schwergewichtstitel von John Ruiz gewonnen, doch Tarver war laut eigenen Worten: „Immer noch nicht beeindruckt“. Die Antwort von Roy Jones ließ nicht lange auf sich warten: „Dein Hintern gehört mir, bevor ich aufhöre, dein Hintern gehört mir, und wenn wir auf dem Kinderkanal boxen.

Bis heute jagt Roy Jones diesem Ziel hinterher. Zwar konnte er Tarver im ersten Duell nach Punkten besiegen, doch war das Ergebnis zu knapp für das eigene Empfinden von Roy Jones, der zum ersten Mal in seiner Karriere nach einem Kampf wie der Verlierer aussah. Im Rückkampf ließ Tarver dann keinerlei Zweifel mehr am Ausgang aufkommen und schockierte die Boxwelt mit einem perfekten linken Haken in der zweiten Runde. Ein Sieg so wertvoll wie eine Goldmedaille.

Diesen Samstag kommt es also zum dritten Duell mit dem Titel „No Excuses- Keine Ausreden“. Dann wird das letzte Kapitel der Geschichte Tarver/Jones geschrieben. Eine Geschichte, die vor über 20 Jahren bei den Sunshine State Games von Florida begann, als sich zwei noch unbekannte Jugendliche aus Florida zum ersten Mal in einem Boxring gegenüberstanden.

Doch nun zur Tuesday Night Fights-Ausgabe vom 18. Februar 1997 aus dem altehrwürdigen Blue Horizon von Philadelphia, Pennsylvania. Viele berühmte Boxer wie Bernard Hopkins oder Charles Brewer unternahmen dort ihre ersten Schritte im Profigeschäft, so auch Antonio Tarver, der insgesamt sechs Kämpfe dort bestreiten sollte, unter anderem auch sein Profidebüt.

Gegner war der US-Amerikaner Joaquin Garcia, der einen makellosen Rekord von vier Siegen in vier Kämpfen sein in den Kampf brachte. Verantwortlicher Ringrichter für den auf vier Runden angesetzten Kampf im Halbschwergewicht war Charlie Sgrillo.

Wie von einem 28-jährigen Boxer mit extensivem Amateurhintergund nicht anders zu erwarten, begann Tarver den Kampf ruhig und konzentriert. Nach einer guten Minute hatte er die richtige Distanz gefunden und der erste rechte Haken schlug als Konter ein. Es folgten eine Reihe von harten Jabs, doch erst in Runde zwei packte Tarver seinen Paradeschlag aus. Eine schnelle Kombination aus linkem Körper- und Kopfhaken sorgte für ein Aufraunen beim Publikum, und Garcia fiel in die Seile zurück.

Nach einer Serie von Körpertreffern folgte ein Wischer mit der Linken. Die Tatsache, dass Garcia Wirkung gezeigt hatte, blieb auch Tarver nicht verborgen. Es folgte ein rechter Haken und Garcia musste zu Boden. Es war der Anfang vom Ende. Zwar schaffte es Garcia wieder auf die Beine, doch die nun überhastet vorgetragenen Angriffe spielten genau in die Karten des Konterboxers Tarver. Wieder fing Tarver den in seine Schläge hineinfallenden Garcia mit einer trockenen Linken ab. Sekunden später hatte Ringrichter Charlie Sgrillo ein Einsehen und sprang nach einer gelungenen Dreierkombination von Tarver beherzt dazwischen, um den angeschlagenen Garcia vor weiteren Schlägen zu bewahren. Nach 2:01 Minuten der zweiten Runde hieß der Sieger durch technischen KO Antonio „Magic Man“ Tarver.


Freitag, 30. September 2005

 
     

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